Harold und Maude (VHS) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von marenmoon
"Harold, bitte!"
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Moin moin,
Aufmerksam geworden in ich auf „Harold and Maude“ durch den Englischunterricht letztes Schuljahr. Dort behandelten wir Auszüge aus dem Original hinsichtlich der Kameraführung und versuchten zu deuten, wie diese verschiedenen Kamerapositionen und –winkel mit dem Inhalt zusammenhingen. Da wir jedoch nur Auszüge gesehen haben, blieb mir der wirkliche Gedanke des Films irgendwie immer unklar und deshalb habe ich mich um so mehr gefreut, als er vor einigen Monaten im Nachtprogramm des ZDF lief. Ich weiß wirklich nicht, warum ein so interessanter und guter Film erst zu einer Zeit gesendet wird, zu der normalerweise nur noch Wiederholungen laufen und nur wenige Leute fernsehen. Bei vielen Fernsehzeitungen erhielt der Film die beste Bewertung, die Fernsehzeitung des „Stern“ stufte ihn sogar als Kultfilm ein.
„Harold and Maude“ (Deutscher Titel: „Harold und Maude“) entstand im Jahr 1971. Der 20jährige Harold (Bud Cort) stammt aus einer reichen Familie des amerikanischen Bürgertums und lebt zusammen mit seiner Mutter (Vivian Pickles) und Bediensteten in einer Villa. Doch Harold kann mit den Empfängen und den damit verbundenen gesellschaftlichen Pflichten seiner Mutter, die auch für ihn gelten, nichts anfangen und sperrt sich völlig gegen ihre Erziehungsversuche. Er wird exzentrisch und zieht sich völlig in seine eigene Welt zurück, in der die Normen und Pflichen der „normalen Welt“ nicht gelten. In seiner Freizeit geht er auf Beerdigungen oder inszeniert sich in vorgetäuschten Selbstmordversuchen.
Mit genau so einem Selbstmordversuch beginnt auch der Film. Harold baumelt leblos, den Kopf in einer Schlinge, von der Decke. Einziger Kommentar seiner Mutter, die ins Zimmer kommt:
„Ich nehme an, du hältst das für überaus witzig, Harold.“
Als Zuschauer wird man ihre Reaktion am Anfang ziemlich sonderbar finden, da man noch nicht weiß, dass Harold schon ein Dutzend solcher Selbstmordversuche inszeniert hat und seine Mutter nur noch selten schocken kann. Trotzdem wird schon in dieser ersten Szene einiges über den Charakter der Mutter deutlich, vor allem, dass sie sich nicht wirklich für ihren Sohn interessiert. Sie nimmt ihn nur am Rand wahr und fängt sofort an, zu telefonieren.
Sein zweiter Selbstmordversuch (er liegt blutüberströmt im blutverschmierten Badezimmer) lässt seine Mutter zwar zunächst schreiend aus dem Bad laufen, jedoch an ihrem Verhalten, wie auch im Verlauf des Filmes, nichts ändern.
Die nächste Szene zeigt Harold bei seinem Psychologen, wo der Zuschauer noch eine weitere Freizeitbeschäftigung von Harold erfährt:
Psychologe: „Hast du irgendwelche Hobbies, Harold?“
Harold (überlegt.): „Ich gehe zu Beerdigungen.“
Seine Leidenschaft zeigt sich auch dadurch, dass er sich kurze Zeit später einen alten Leichenwagen kauft und gleich damit zur nächsten Beerdigung fährt. Dort wird er auch zum ersten Mal auf eine alte Dame aufmerksam, die etwas abseits der Trauergesellschaft laut niest. Etwas verwirrt wendet er sich jedoch dann wieder von ihr ab.
Seine Mutter ist besorgt über den Lebensstil ihres Sohnes und beginnt nun, verschieden Maßnahmen zu ergreifen, um ihn sozusagen „auf den richtigen Weg zurückzubringen“. Zuerst schickt sie Harold zu seinem Onkel Victor, einem Kriegsveteran, dem ein Arm durch eine mechanische Konstruktion ersetzt worden ist und der ihn für die Army begeistern soll. Weiterhin beschließt sie, dass es für ihn Zeit wird, zu heiraten. Sie kündigt ihm also an, bei einem „Eheanbahnungsinstitut“ anzurufen und Fragebögen zu bestellen. Harold jedoch interessiert dies alles nur am Rande.
Die nächste Szene zeigt ihn in einer der hinteren Reihen der Kirche sitzend bei einer Beerdigung. Mitten in der Zeremonie kommt wieder die ältere Dame (Ruth Gordon) in die Kirche und bietet ihm Lakritze an. Während der Sarg hinausgetragen wird, redet die Frau die ganze Zeit auf den leicht irritierten Harold ein und stellt sich später als Maude vor. Sie verabschiedet sich mit dem Satz:
„Ich glaube, wir werden gute Freunde, Harold.“
Wieder zuhause, geht seine Mutter mit ihm die Fragen für das Eheanbahnungsinstitut durch, bzw. beantwortet diese so, wie sie selbst denkt oder meint, Harold würde antworten. Dieser jedoch „erschießt“ sich mit einer Pistole und fällt mit dem Stuhl um. Kommentar seiner Mutter:
„Harold, bitte!“
Im weiteren Verlauf des Films treffen sich Harold und Maude immer öfter. Nach der nächsten Beerdigung (Maude: „Ich liebe Beerdigungen, sie machen so schöne Spaß!“) bringt Harold sie nach hause und lernt den Eisenbahnwaggon kennen, in dem sie wohnt. Von nun an unternehmen die beiden viel miteinander und lernen sich immer besser kennen. Die Mädchen, die das Eheanbahnungsinstitut für Harold gefunden hat, haben für ihn keine Bedeutung und es kommt nicht oft vor, dass sie aufgrund seiner Neigung zum Makaberen und Schockierenden schreiend aus dem Haus laufen. Harold trifft sich immer öfter mit Maude und lernt somit ihre Einstellung zum Leben kennen. Er erfährt, dass sie früher an vielen Demonstrationen teilgenommen hat und immer das tut, was sie möchte. Durch Maude lernt Harold, dass das Leben auch schöne Seiten hat und es sich lohnt, zu lachen. Letztendlich wird aus ihrer Verbundenheit sogar Liebe und die beiden werden ein Paar. Anfangs nimmt Harold nur zärtlich ihre Hand (und entdeckt dabei, dass sie eine Nummer auf dem Unterarm eingebrannt hat und im KZ war) oder legt ihren Arm um sie. Später schlafen sie sogar miteinander.
Harold hatte Maude zu ihrem 80. Geburtstag eine Überraschung machen wollen und ihren ganzen Eisenbahnwaggon dekoriert und wollte gerade um ihre Hand anhalten doch sie teilt ihm mit, dass sie, wie sie es schon vor Jahren beschlossen hat, bereits Schaftabletten genommen hat um mit 80 Jahren zu sterben. Harold ist zunächst total verzweifelt und lässt sie noch mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus bringen. Doch die Ärzte können nichts mehr für sie tun. In seiner Trauer beschließt Harold, dass sein Leben nicht mehr lebenswert ist und fährt mit dem Auto eine Klippe hinunter – glaubt man zunächst. Doch dann sieht man ihn oben an der Klippe stehen und ein sicheres Grinsen erscheint auf seinem Gesicht. Gleichzeitig setzt Cat Stevens Song „If you want to sing out, sing out“ ein.
Der ganze Film ist begleitet von den Songs von Cat Stevens und das eigentlich interessante daran ist, dass die Songs die Stimmung des Film genau illustrieren. Die Lieder „passen einfach“. Sie vermitteln das Lebensgefühl von Maude, die extrovertiert ist und genau so lebt, wie es ihr passt. Auch unterstreichen sie gefühlvoll die Situationen, in denen sich Harold und Maude näher kommen.
Fazit: Ein Film, den jeder gesehen haben sollte. Den Vergleich zu heutigen Filmen besteht „Harold and Maude“ locker, denn es wird eine wunderschöne Liebesgeschichte erzählt, wie es sie glaube ich nicht noch einmal in der Filmgeschichte gibt. Der Film zeigt, wie genormt und prüde die amerikanische Gesellschaft auf ein Paar reagiert, dass eben nicht diesen Normen entspricht. Gleichzeitig wird jedoch auch durch Maudes Verhalten deutlich, dass man sich diesen Normen nicht anpassen muss. Sie eckt zwar oft an, ist aber glücklich in ihrem Leben.
Ich kann nur jedem diesen Film empfehlen. Ich kenne wirklich keinen, der mich auf Anhieb mehr berührt hat.
Aufmerksam geworden in ich auf „Harold and Maude“ durch den Englischunterricht letztes Schuljahr. Dort behandelten wir Auszüge aus dem Original hinsichtlich der Kameraführung und versuchten zu deuten, wie diese verschiedenen Kamerapositionen und –winkel mit dem Inhalt zusammenhingen. Da wir jedoch nur Auszüge gesehen haben, blieb mir der wirkliche Gedanke des Films irgendwie immer unklar und deshalb habe ich mich um so mehr gefreut, als er vor einigen Monaten im Nachtprogramm des ZDF lief. Ich weiß wirklich nicht, warum ein so interessanter und guter Film erst zu einer Zeit gesendet wird, zu der normalerweise nur noch Wiederholungen laufen und nur wenige Leute fernsehen. Bei vielen Fernsehzeitungen erhielt der Film die beste Bewertung, die Fernsehzeitung des „Stern“ stufte ihn sogar als Kultfilm ein.
„Harold and Maude“ (Deutscher Titel: „Harold und Maude“) entstand im Jahr 1971. Der 20jährige Harold (Bud Cort) stammt aus einer reichen Familie des amerikanischen Bürgertums und lebt zusammen mit seiner Mutter (Vivian Pickles) und Bediensteten in einer Villa. Doch Harold kann mit den Empfängen und den damit verbundenen gesellschaftlichen Pflichten seiner Mutter, die auch für ihn gelten, nichts anfangen und sperrt sich völlig gegen ihre Erziehungsversuche. Er wird exzentrisch und zieht sich völlig in seine eigene Welt zurück, in der die Normen und Pflichen der „normalen Welt“ nicht gelten. In seiner Freizeit geht er auf Beerdigungen oder inszeniert sich in vorgetäuschten Selbstmordversuchen.
Mit genau so einem Selbstmordversuch beginnt auch der Film. Harold baumelt leblos, den Kopf in einer Schlinge, von der Decke. Einziger Kommentar seiner Mutter, die ins Zimmer kommt:
„Ich nehme an, du hältst das für überaus witzig, Harold.“
Als Zuschauer wird man ihre Reaktion am Anfang ziemlich sonderbar finden, da man noch nicht weiß, dass Harold schon ein Dutzend solcher Selbstmordversuche inszeniert hat und seine Mutter nur noch selten schocken kann. Trotzdem wird schon in dieser ersten Szene einiges über den Charakter der Mutter deutlich, vor allem, dass sie sich nicht wirklich für ihren Sohn interessiert. Sie nimmt ihn nur am Rand wahr und fängt sofort an, zu telefonieren.
Sein zweiter Selbstmordversuch (er liegt blutüberströmt im blutverschmierten Badezimmer) lässt seine Mutter zwar zunächst schreiend aus dem Bad laufen, jedoch an ihrem Verhalten, wie auch im Verlauf des Filmes, nichts ändern.
Die nächste Szene zeigt Harold bei seinem Psychologen, wo der Zuschauer noch eine weitere Freizeitbeschäftigung von Harold erfährt:
Psychologe: „Hast du irgendwelche Hobbies, Harold?“
Harold (überlegt.): „Ich gehe zu Beerdigungen.“
Seine Leidenschaft zeigt sich auch dadurch, dass er sich kurze Zeit später einen alten Leichenwagen kauft und gleich damit zur nächsten Beerdigung fährt. Dort wird er auch zum ersten Mal auf eine alte Dame aufmerksam, die etwas abseits der Trauergesellschaft laut niest. Etwas verwirrt wendet er sich jedoch dann wieder von ihr ab.
Seine Mutter ist besorgt über den Lebensstil ihres Sohnes und beginnt nun, verschieden Maßnahmen zu ergreifen, um ihn sozusagen „auf den richtigen Weg zurückzubringen“. Zuerst schickt sie Harold zu seinem Onkel Victor, einem Kriegsveteran, dem ein Arm durch eine mechanische Konstruktion ersetzt worden ist und der ihn für die Army begeistern soll. Weiterhin beschließt sie, dass es für ihn Zeit wird, zu heiraten. Sie kündigt ihm also an, bei einem „Eheanbahnungsinstitut“ anzurufen und Fragebögen zu bestellen. Harold jedoch interessiert dies alles nur am Rande.
Die nächste Szene zeigt ihn in einer der hinteren Reihen der Kirche sitzend bei einer Beerdigung. Mitten in der Zeremonie kommt wieder die ältere Dame (Ruth Gordon) in die Kirche und bietet ihm Lakritze an. Während der Sarg hinausgetragen wird, redet die Frau die ganze Zeit auf den leicht irritierten Harold ein und stellt sich später als Maude vor. Sie verabschiedet sich mit dem Satz:
„Ich glaube, wir werden gute Freunde, Harold.“
Wieder zuhause, geht seine Mutter mit ihm die Fragen für das Eheanbahnungsinstitut durch, bzw. beantwortet diese so, wie sie selbst denkt oder meint, Harold würde antworten. Dieser jedoch „erschießt“ sich mit einer Pistole und fällt mit dem Stuhl um. Kommentar seiner Mutter:
„Harold, bitte!“
Im weiteren Verlauf des Films treffen sich Harold und Maude immer öfter. Nach der nächsten Beerdigung (Maude: „Ich liebe Beerdigungen, sie machen so schöne Spaß!“) bringt Harold sie nach hause und lernt den Eisenbahnwaggon kennen, in dem sie wohnt. Von nun an unternehmen die beiden viel miteinander und lernen sich immer besser kennen. Die Mädchen, die das Eheanbahnungsinstitut für Harold gefunden hat, haben für ihn keine Bedeutung und es kommt nicht oft vor, dass sie aufgrund seiner Neigung zum Makaberen und Schockierenden schreiend aus dem Haus laufen. Harold trifft sich immer öfter mit Maude und lernt somit ihre Einstellung zum Leben kennen. Er erfährt, dass sie früher an vielen Demonstrationen teilgenommen hat und immer das tut, was sie möchte. Durch Maude lernt Harold, dass das Leben auch schöne Seiten hat und es sich lohnt, zu lachen. Letztendlich wird aus ihrer Verbundenheit sogar Liebe und die beiden werden ein Paar. Anfangs nimmt Harold nur zärtlich ihre Hand (und entdeckt dabei, dass sie eine Nummer auf dem Unterarm eingebrannt hat und im KZ war) oder legt ihren Arm um sie. Später schlafen sie sogar miteinander.
Harold hatte Maude zu ihrem 80. Geburtstag eine Überraschung machen wollen und ihren ganzen Eisenbahnwaggon dekoriert und wollte gerade um ihre Hand anhalten doch sie teilt ihm mit, dass sie, wie sie es schon vor Jahren beschlossen hat, bereits Schaftabletten genommen hat um mit 80 Jahren zu sterben. Harold ist zunächst total verzweifelt und lässt sie noch mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus bringen. Doch die Ärzte können nichts mehr für sie tun. In seiner Trauer beschließt Harold, dass sein Leben nicht mehr lebenswert ist und fährt mit dem Auto eine Klippe hinunter – glaubt man zunächst. Doch dann sieht man ihn oben an der Klippe stehen und ein sicheres Grinsen erscheint auf seinem Gesicht. Gleichzeitig setzt Cat Stevens Song „If you want to sing out, sing out“ ein.
Der ganze Film ist begleitet von den Songs von Cat Stevens und das eigentlich interessante daran ist, dass die Songs die Stimmung des Film genau illustrieren. Die Lieder „passen einfach“. Sie vermitteln das Lebensgefühl von Maude, die extrovertiert ist und genau so lebt, wie es ihr passt. Auch unterstreichen sie gefühlvoll die Situationen, in denen sich Harold und Maude näher kommen.
Fazit: Ein Film, den jeder gesehen haben sollte. Den Vergleich zu heutigen Filmen besteht „Harold and Maude“ locker, denn es wird eine wunderschöne Liebesgeschichte erzählt, wie es sie glaube ich nicht noch einmal in der Filmgeschichte gibt. Der Film zeigt, wie genormt und prüde die amerikanische Gesellschaft auf ein Paar reagiert, dass eben nicht diesen Normen entspricht. Gleichzeitig wird jedoch auch durch Maudes Verhalten deutlich, dass man sich diesen Normen nicht anpassen muss. Sie eckt zwar oft an, ist aber glücklich in ihrem Leben.
Ich kann nur jedem diesen Film empfehlen. Ich kenne wirklich keinen, der mich auf Anhieb mehr berührt hat.
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