Harold und Maude (VHS) Testbericht

Harold-und-maude-vhs-komoedie
ab 9,05
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004

5 Sterne
(6)
4 Sterne
(1)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von Daverigger

Alter ist unbedeutend, es sei denn man ist ein Käse!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Es gibt Filme, die einen zum Nachdenken anregen. Es gibt Filme, die sieht man sich an, und man lacht sich einfach tot. Und es gibt die Sorte Film, die beides absolut perfekt in sich vereint. Harold und Maude ist solch ein Film, angefüllt bis aufs letzte mit bitterbösem, schwarzem britischen Humor, und dennoch auf eine seltsam anrührende Art bezaubernd, entrückend, die einem die Nackenhaare zu Berge stehen lässt. Es lässt sich schwer beschreiben, wie dieser Film auf mich gewirkt hat, aber die einzigartige Komposition aus schwärzestem Zynismus und lieblicher Romantik hat es mir einfach angetan.

Harold ist jung, etwa 20 Jahre alt, und hat sein gesamtes Leben noch vor sich. Ein Leben, bestimmt von seiner herrischen und absolut konservativ-verklemmten Mutter, ihres Zeichens Erbin, Großgrundbesitzerin oder Millionärin. Ein Leben, dem er am liebsten entfliehen würde. So hat er es sich zum Hobby gemacht, seinen Selbstmord in Szene zu setzen. Der Film an sich beginnt z.B. damit, das er sich im Arbeitszimmer der gigantischen Villa, fast schon ein kleines Schloss, aufhängt, als seine Mutter den Raum betritt, und aus Kenntnis seines Spleens ihn einfach ignoriert. Schon alleine dieser Einstieg ist göttlich in Szene gesetzt.
Man erfährt sehr rasch sehr viel über Harold. Sein Hobby ist es, Beerdigungen von fremden Menschen zu besuchen und bei Hausabrissen zuzusehen. Auch geht er auf Geheiß seiner Mutter regelmäßig zum Psychiater, mit dem er eigentlich über seine tief verwurzelten Probleme sprechen soll. Doch kommen hier keine besonders hilfreichen Gespräche zustande.
Nachdem sich Harold einen Leichenwagen zugelegt hat und mit diesem von einer Beerdigung zur anderen fährt, lernt er in einer kleinen Kapelle während eines Gottesdienstes die 79jährige Maude kennen. Auch sie hat es sich zum Hobby gemacht, Beerdigungen beizuwohnen. Die beiden werden sehr schnell Freunde, und die verschrobene Maude schafft, was vorher noch niemandem gelungen ist. Sie findet recht schnell Zugang zu dem verschlossenen und genauso wie sie in einer eigenen Welt lebenden Harold. Nach und nach lernen sie sich besser kennen, Harold inszeniert einen Selbstmord nach dem anderen (Kommentar seiner Mutter: „Harold, also bitte!“), und dann passiert es. Harold verliebt sich in Maude. Ab jetzt beginnt der Film erst richtig, denn die Beziehung zwischen diesen absolut ungleichen und dennoch unglaublich ähnlichen Charakteren wird so wunderschön fortgeführt und dargestellt, das man mehr als einmal den Tränen nahe ist, doch dazu später mehr.
Zu Mauds 80tem Geburtstag schließlich gesteht Harold ihr seine Liebe und überrascht sie mit Geschenken und festlichem Schmuck. Doch Maud erzählt ihm, das sie nicht älter als 80 Jahre alt werden will. Sie habe ihr Leben gelebt, Höhen und Tiefen erlebt und durchlitten, und es sei der Moment gekommen, einen Schlussstrich zu ziehen. Da Maud Tabletten eingenommen hat, fährt Harold mit ihr auf schnellstem Wege und unter schmerzvollen Tränen in das nächste Krankenhaus. Doch Maud überlebt die Nacht nicht ...


Ich muss sagen, das ich mit mir gerungen habe, ob ich das Ende verraten soll oder nicht. Ich bin letztendlich zu dem Schluss gekommen, das es einfach sein muss, um die Tragik dieses Films zu zeigen, der nicht einfach nur schwarze Komödie ist.

Ich bin eigentlich nicht der Typ, der nah am Wasser gebaut ist, doch „Harold & Maude“ hätte fast das ein oder andere Tränchen erzeugt. Es gibt viele Szenen, die einen zum herzhaften Lachen animieren, doch genauso viele Szenen bringen einen zum ernsthaften Nachdenken und sogar sehr nah „ans Wasser“, wenn man sich auf den Film einlassen kann.

Es gibt zwei Szenen in diesem Film, die mich ganz besonders tief berührt haben.
Harold und Maud sitzen zusammen Nachts an einem See, und Harold legt seinen Arm um Maud. Als er dann zärtlich über ihre Hand und dann ihren Arm streichelt, verrutscht ihr Pullover, und man kann eine Tätowierung erkennen, die darauf schließen lässt, das sie einst in einem K-Z gedarbt haben muss. Der Ausdruck in Harolds Augen spricht Bände, doch Maud erzählt noch immer und bemerkt nichts davon. Er schließt sie noch enger in seine Umarmung, und so sitzen beide an diesem See, aneinandergeschmiegt, und beobachten den Horizont.
In einer anderen Einstellung waren Harold und Maude auf einer Art Jahrmarkt, und Harold hat eine kleine Münze prägen lassen, auf der „Harold mag/liebt (Ich weiß es nicht mehr genau) Maude“ eingestanzt ist.
Als sie später wieder an einem (ich glaube es ist sogar derselbe) See sitzen, überreicht Harold ihr die Münze. Maud ist tief gerührt und sagt ihm, das dies wohl das schönste Geschenk sei, das ihr je gemacht wurde. Sie betrachtet die Münze lange, und wirft sie dann plötzlich in den See. „Ich könnte sie verlieren. So weiß ich immer, wo sie ist!“

Dies zeigt mehr als deutlich die Einstellung Mauds zu weltlichen Gütern und Gefühlen.
Mich hat tief berührt, das der Charakter „Maud“ durch die KZ-Tätowierung in ein völlig neues Licht gerückt wird. Bisher kannte man sie als schrullige Lebenskünstlerin, die sich anscheinend ihr ganzes Leben lang einfach so durchgeschlagen hat. Doch nun weiß der Zuschauer, dass auch Maud die Schattenseiten des Lebens kennt, und diese Schattenseiten sind weitaus dunkler als so manch andere, die man durchleben kann.

Es ist klar, das jeder diesen einzigartigen Film für sich selbst interpretieren und deuten muss, doch wer den Film nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Herzen gesehen hat, wird feststellen, dass es einen Sinn hat, das Leben. Maud selbst ist die Personifikation dieses Sinns ... leben um des Lebens willen. Seize the day, carpe diem, wie es in „Club der toten Dichter“ so schön heißt.


Der Film hatte es sehr schwer, sich gegen prüde und engstirnige Produzenten durchzusetzen. Die Idee, das ein 20jähriger eine 80jährige liebt, und diese „perverse“ Liebe so offen dargestellt würde, jagte vielen einen kalten Schauer über den Rücken. Als der Film dann jedoch 1971 in die Kinos kam erfreute er sich großer Beliebtheit und mauserte sich mit der Zeit zu einem echten Klassiker und Kultfilm, der sich eine doch recht große Fangemeinde gesichert hat.

Ich selbst habe den Film leider nicht mehr auf Video, ich habe ihn aus Versehen überspielt, doch er wird ab und an wiederholt. Auf Arte lief er vor kurzem, und ich bin sicher, das es nicht die letzte Wiederholung war. Ich werde ihn auf jeden Fall noch einmal aufnehmen, denn dieser Film gehört einfach angesehen!


Ein Wort muss ich jedoch zu der Altersfreigabe verlieren. Diese ist auf 12 Jahre festgesetzt. Ich sehe jetzt zwar keine Szene aus dem Film vor Augen, die so schrecklich ist, das ein 12jähriger sie nicht ertragen könnte, aber dennoch sind einige hart an der Grenze. Auch kann ich mir nicht vorstellen, das ein 12jähriger wirklich etwas mit diesem Film anfangen kann, da er doch ziemlich komplex in sich aufgebaut ist, und oberflächlich betrachtet sehr suspekt anmutet.
Aber das ist schließlich eine rein subjektive Einschätzung meinerseits. Reine Geschmackssache und nicht Diskussionspunkt der FSK-Mitglieder.

30 Bewertungen, 3 Kommentare

  • 25188

    22.05.2002, 18:43 Uhr von 25188
    Bewertung: sehr hilfreich

    ... oder ein Wein. Der Jaguar ist Kult!

  • Stoewi

    21.05.2002, 13:28 Uhr von Stoewi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hey, danke für die Info. Ich kannte den Film bisher nicht, werd ihn mir aber so schnell wie möglich reinziehn! Gruß, Stoewi

  • LaMagra

    21.05.2002, 13:17 Uhr von LaMagra
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich finde diesen Film sooo toll! möchte ihn nicht aus meinem Leben missen!