Harry Potter und der Stein der Weisen (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Malde23

Harry Potter und der Stein der Weisen

Pro:

Schauspieler romanvorlage

Kontra:

handlung teils etwas zu stark teils etwas zu wenig gekürzt

Empfehlung:

Ja

Die Story:

Auch wenn es fast redundant erscheint, möchte ich sie kurz anreißen:

Der Waise Harry Potter lebt bei seinen spießigen Verwandten, bis er erfährt, daß er ein berühmter Zauberer ist und nun zur Ausbildung nach Hogwarts kommen soll. Dort erfährt er zu ersten Mal wirkliche Anerkennung, er bekommt Freunde: Ron, den Riesen Hagrid und Hermione, hat Probleme mit den strengen Schulregeln, stolpert aber auch in ein gefährliches Abenteuer mit seinem alten Widersacher Lord Voldemort, der ihm an den Kragen will.

Mit von der Partie sind auch noch Richard Harris als Schuldirektor Dumbledore, Dame Maggie Smith als Transfigurationslehrerin Prof. McGonagall, Ian Heart als Professor für dunkle Künste Qirrel, Alan Rickman als Professor für Zauberkünste und John Cleese als fast kopflosen Nick.

Die Schauspieler:

Daniel Ratcliffe sieht aus wie die Coverillustration der britischen Ausgabe von Harry Potter und wirkt auch ziemlich Sympathisch. Aber nachdem er laut J. K. Rowlings Angaben aufgrund seiner augenscheinlichen Verletzlichkeit und komplexen Charaktertiefe (er hat auch schon den David Copperfield gespielt) ausgewählt wurde, war er in meinen Augen auch nur dann wirklich gut, wenn er genau diese Dinge darstellen mußte. Bei den Dursleys etwa, oder vor dem Spiegel von Erised. Daß aber Harry auch eine sture, energische Seite hat, kam nicht so gelungen rüber.

Rupert Grint als Ron Weasley war ein lustiger Lichtblick des Films, seine Mimink sprach manchmal Bände, aber die Mehrdimensionalität seines Charakters fiel wie so vieles anderes der Geschwindigkeit des Films zum Opfer. Emma Watson hatte dagegen die Gelegenheit, Hermione Granger, ihre Wandlung zur Streberin mit Herz sehr plakativ darzustellen und besonders im britischen Original war ihr steifer Oberklassenakzent mehr als köstlich.

Richard Harris war mehr ein würdiger als ein verrückter Dumbledore, der von Dame Maggie Smith, die der Minerva McGonagall sehr viel Seele und Facettenreichtum verlieh, locker an die Wand gespielt wurde. Ian Hart war in Ordnung, aber rollenkonform eher unauffällig ängstlich, und John Cleese nicht wirklich witzig. Alan Rickman, den ich für einen der größten britischen Schauspieler unserer Zeit halte, dominierte jede Szene, in der er mitspielte als arroganter, bedrohlicher und böstartiger Severus Snape.
Auch ein anderer, bösartiger Charakter, Tom Felton als Draco Malfoy, stach sehr stark hervor.

Robbie Coltrane trug in meinen Augen einen großen Teil dazu bei, daß der Film den Faden nicht ganz verlor und war in seiner Darstellung des Hagrid so sympathisch, daß ich ihn am liebsten geknuddelt hätte.

Keine Frage, die Schauspielerriege war exzellent ausgewählt, gut im Zusammenspiel und keinem kann man wirkliche Fehler in der Darstellung vorwerfen, jedoch kamen viele in der Handlung zu kurz. Ich freue ich mich schon aber auf den zweiten Teil, wo Kenneth Brannagh den Gilderoy Lockheart spielen wird.


Meine Meinung:

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Literaturverfilmungen, solche, die sich an den Text halten und solche, die eine etwas freiere Interpretation abliefern und nur den Geist und das Wesen des zugrundeliegenden Buches einfangen. Apocalypse Now gehört zu den besten Beispiel letzterer Kategorie, während Harry Potter fast am Text klebt.

Chris Columbus wollte den Film so nahe wie möglich am Buch verfilmen. Das ist im gelungen. Ich kann mich an keine Szene erinnern, die nicht irgendeinen Sinn für diesen oder einen der nächsten Filme gehabt hätte. Daß einige scheinbar wichtige Szenen weggelassen wurden – so zum Beispiel Hermiones Aufgabe mit den Zaubertränken – war nur erleichternd angenehm, in einem auch so schon mit Handlungsabfolgen vollgestopften Film. Auch daß manche Dinge zu einer anderen Zeit passierten als im Buch – z. B. das Zusammentreffen mit Malfoy – macht meiner Ansicht nichts, und ist manchmal sogar hilfreich.

Im Grunde geht es nämlich in Wirklichkeit nicht darum, ob jetzt Harrys Narbe für ein paar Sekunden nicht zu sehen ist oder ob die Zauberstäbe eher einer abgebrochenen Grillzange ähneln, sondern ob der Film den Zauber des Buches einfangen kann.

Die Kulissen sind jedenfalls atemberaubend. Die Bodleiean Library, das Stiegenhaus und der Speisesaal vom Christ Church College bzw. die Divinity School in Oxford und Anwick Castle bieten eine atemberaubende Kulisse, vor allem wenn man bedenkt, daß diese Orte immer noch bewohnt sind und daß dort immer noch studiert wird. Aber auch das Produktionsdesign der anderen Räume unter der Leitung von Stuart Craig ist mehr als beeindruckend. Ich erinnere mich da nur an das Stiegenhaus, daß dem Geist C. M. Eschers entsprungen zu sein scheint...

Die Faszination der Kulissen und die Detailgetreue aller Ausstattungsgegenstände verschwimmen aber oft zu einem visuellen Einheitsbrei, den ein überfordertes Auge nicht mehr aufnehmen kann. So muß man schon genau hinschauen damit man die Bewegungen aller Bilder erkennen kann und jemand, der nicht weiß, daß Bilder sich bewegen können fällt es gar nicht auf.

Denn auch wenn im Zug gesagt wir, daß man nicht erwarten könne, daß Dumbledore den ganzen Tag auf der Sammelkarte herumstehen würde, so dringt diese Erklärung mitunter nicht zu jedem durch. Dies gilt laut meiner Erfahrung auch für so einige andere in Gespräche eingewebte Erläuterungen, die einem als Leser sofort klar werden, aber für Nichteingeweihte eher verwirrend sind, da später eine Szene genau von dieser Erklärung abhängt.

Dieses Problem hängt auch mit der allgemeinen Hetzerei des Filmes zusammen, der sehr starke Aufmerksamkeit verlangt und einem kaum Ruhe läßt, sich zu entspannen. Es hilft ein wenig, wenn der Film, so wie in meinem Fall, durch eine Pause unterbrochen wird, wo man im Gespräch noch einmal die wichtigsten Dinge rekapitulieren kann und den Kindern auch weniger Sitzfleisch abverlangt wird.

Auch wenn es keine nebeneinanderlaufenden Handlungsstränge gibt, so wird einem unbedarften Zuseher die Handlung bald zu kompliziert, einerseits wegen der vielen Sprünge, aber auch wegen der Elisionen gewisser Tatsachen, die zwar nicht wichtig, aber dem Verständnis hilfreich sind. Auf der anderen Seite tauchen natürlich Szenen auf, die wichtig für die folgenden Filme sind, aber in diesem keinen wirklichen Sinn ergeben, sei es nun der Sprechende Hut oder der Kauf des Zauberstabs.


Hat nun der Film den Zauber des Buches eingefangen?

Ich selbst hatte das Gefühl, daß dem Film die Tiefe des Buches fehlt und daß alles zu schnell, zu intensiv und auch zu durcheinander abgegangen ist. Ein Freund, der mich begleitet hat und das Buch nicht gelesen hat, mußte mich nachher wegen einiger fehlender Zusammenhänge ausfragen und auch sein Kommentar zu diesem Film spricht Bände: Ein ganz netter Zauberfilm für Kinder, aber nichts besonderes.

Die Bücher aber sind etwas besonderes, und das ist der Film definitiv nicht. Er illustriert die Geschichte mit sehr schönen Bildern, aber er hat nicht die Seele des Buches


Das Fazit:

Wer das Buch gelesen hat, sollte sich den Film ansehen, wenn möglich im Original, da hier auch jeder Charakter seine eigene Sprechweise hat. Die Erwartungen sollten nicht zu hoch geschraubt werden, denn sonst macht der Film überhaupt keinen Spaß. Das Quidditch-Match ist eine großartig animierte Szene und auch sonst sind die Effekte der ILM würdig.

Für Nichtleser wird es schon ein wenig schwieriger. Soweit ich die Reaktionen hier bei Ciao bewerten kann, waren sie nicht negativ, haben aber auch mit der Freude der Elter den Glanz in den Augen ihrer Kinder zu tun, die sich über den Film freuen.

Daß er zu grausam ist, finde ich nicht, denn Grimm’s Märchen sind allemal grauslicher. Allerdings ist es in jedem Fall gut, sich nachher mit den Kindern über das Gesehene zu unterhalten (wer bin ich eigentlich, Eltern Ratschläge zu geben?), denn es hat auch mir und meinem Bekannten geholfen, die Sinneseindrücke und die Sache an sich besser zu verstehen.

Also, zwei Sterne Abzug für die fehlende Magie, aber einen wieder dazu für die Ausstattung und die Illustrationen. War halt doch irgendwie eher Durchschnitt...

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