Harry Potter und der Stein der Weisen (VHS) Testbericht

Harry-potter-und-der-stein-der-weisen-vhs-fantasyfilm
ab 7,50
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 10/2004

Erfahrungsbericht von Gering

Pädagogik kontra Kommerz

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Sicher kein anderer Film hat so die Gemüter bewegt, wie der langersehnte Kinofilm Harry Potter. Nicht nur, dass das erfolgreichste Jugendbuch aller Zeiten, dass innerhalb einer erstaunlich kurzen zeit zig Millionen Mal über den Ladentisch wanderte, ohnehin eine riesige Fangemeinde hat. Son-dern vor allem die massive Medienberichterstattung hat die Vorfreude auf den Kinostart ins Extre-me starten lassen.

Immerhin: Seit Start des Films ist das Kino in unserer Stadt belagert. Drei Vorstellungen an den Filmtagen, alle ausgebucht, die Telefonleitungen sind verstopft. Massen an Menschen, die genüg-sam im Regen stehen, weil der Kinovorraum schon bis zum Bersten gefüllt ist, erwartungsfrohe Gesichter hier wie da.


Aber was ist dran an diesem scheinbar bald erfolgreichsten Film aller Zeiten? Ist er überhaupt ein Film für alle Altersgruppen?

_______________
VERFILMUNG
_______________

Eine Literaturverfilmung muss sich immer messen lassen an den Bildern im Kopf, die das Lesen eines Buches in jedem Leser – geübt oder ungeübt – entstehen lassen. Die Imaginationen, Vorstel-lungen über das Aussehen bestimmter Personen (Harry und Hermine oder Dumpeldor usw.), Orte (Hogwarts) treten immer in Konkurrenz mit der filmischen Umsetzung. Und da hat so mancher Film gegen das Kopfkino des Leser schon den Kürzeren ziehen müssen und deshalb maßlos ent-täuscht.
Anders sicherlich die Verfilmung des ersten Bandes von Harry Potter: Die Verfilmung richtet sich ganz nach dem Handlungsablauf des Buches an, verknappt aus logischen Gründen hier und da, doch der Leser des Buches wird sich in der Filmhandlung sofort zurechtfinden: Hinter einem und vor einem und neben einem hört man dann die aufgeregten Stimmen, die dann schon weiterfabulieren, was nun als nächstes kommt bzw. was nun denn anstehen wird.

Insgesamt ist die Verfilmung zunächst fast schon originalgetreu.
Das gilt auch für Hogwarts, bei dem die Filmcrew sicherlich alle Hände und Computer voll zu tun hatte, um die plastischen Beschreibungen in den Bücher dann auch in der visuellen Realität des Films neu entstehen zu lassen. Immerhin: Der sprechende Hut zählt da zu den kleineren Tricks im Filmgeschäft, die im Raum schwebenden Gegenstände sind dann doch schon schwerer auf die Leinwand zu zaubern.

__________________
DIE SCHAUSPIELER
__________________

Viele bekannte Gesichter finden sich im Film wieder, ohne allerdings das ich mir die Mühe ge-macht hätte, jetzt zu recherchieren, wer denn nun seit geburt welchen Namen oder seit Karrierebe-ginn welchen Künstlernamen trägt: Interessant freilich mag sein, dass die Schauspieler international bekannt, nicht aber zu ersten Garde zählen – was dem Film aber keinen Abbruch tut.
Wie auch im Buch lebte der film von der Schaffung extremer Gegensätze und Pole: So sind die Dudleys bis auf die gertenschlanke Mutter wirklich verfressen fett und parteiisch und gemein ge-genüber dem kleinen Harry Potter. Dieser eigentlich auf den kindlichen Leser gemünzten Stim-mungspole nimmt aber auch der Erwachsene Seher / Leser gleichsam sensibel auf und entwickelt sogleich eine extrem Antipathie gegenüber dieser Familie – was ja auch das Ziel sein soll.


_______________________________________________________
DIE ALTERSFREIGABE: PÄDAGOGIK GEGEN KOMMERZ
_______________________________________________________

Eine Woche vor dem deutschen Kinostart wurden im etwas konservativen Bayern zwei Stimmen laut, die davor warnten, dass der Film mit einer Freigabe von 6 Jahren dennoch nix für kleine Kino-gänger ist: Zu drastisch seinen einige Szenen, die das kindliche Gemüt überstrapazieren könnten. Viel belächelt waren sie ja, diese Kommentare. Und just in diesem Moment schaltete sich ach eine Dame ein aus dem Gremium, dass die Freigabe ab 6 Jahren befürwortet hat und verteidigte gut ihre Entscheidung.
Nachdem ich jetzt aber den Film gesehene habe und auch drei Grundschulkinder meiner Verwandt-schaft einige Nächte nicht / kaum schlafen konnten, sehe ich diese von mir zugegebenermaßen als „Bergtal“ Meinung angesehenen Stellungnahme aus dem südlichen Freistaat mit etwas anderen Augen.
Zu viele Szenen sind im Film, bei denen sich die kleinen Kinogänger die Hände vors Gesicht gehal-ten haben, ein kleiner Junge hat vorzeitig mit seiner Mutter die Vorstellung verlassen (beim Schachspiel).
Welche Szenen sind wirklich nichts für kleine Kinder, wenn man verhindern will, dass sie sich nachts fürchten:
-Der fast kopflose Nick zeigt Hermine, warum er fast kopflos ist, lässt den Kopf zur Site kippen und damit den Blick in sein Inneres zu
- Der dreiköpfige Hund Flumy, der den Stein des ewigen Lebens bewacht, wird kaum das zutrauen zu Hunden fördern, grässlich, wie er dargestellt ist.
- Der Fall der drei Helden durch die Falltür in ein ekliges Würgepflanzengewirr wird sicher kaum die Angst vor dunklen Räumen verhindern
- Voldemort, wie er ein Einhorn im gruselig nebeligen und dunklen Wald das Blut aussaugt und Harry bedroht.
- Voldemort als das zweite grausige Gesicht und vieles mehr

Eines ist klar: Viele Kinder aus dem Bekanntenkreis haben den Film nicht so schnell verdauen kön-nen, wie es die viele zu tief angesetzte Altersfreigabe den Eltern vorgaukeln möchte.

Meiner Meinung nach ist diese Entscheidung beileibe keine pädagogische gewesen, sondern eine rein kommerzielle, denn vor allem die Kleinen müssen in der Regel einen Elternteil mitnehmen, was die Zuschauerzahlen dramatisch in die Höhe treibt.

Mir geht es hier vor allem um die Darstellung, die in der kindlichen Fantasie noch tage und wochenlang weiterlebt, während wir Erwachsenen und mal Gedanken machen sollten, wie wir als Kinder denn wohl diesen Film sehen würden!!!

___________
FAZIT
___________

Zugegeben: Ein lohneswerter Film, der dem ganzen Trubel vorab aber nicht ganz gerecht werden kann. Das liegt vor allem daran, dass die Zielgruppe altersmäßig von 6 bis 66 zu erreichen war, was sicherlich zu Problemen führen kann. Kinder wollen etwas anderes sehen als Erwachsenen. Deswe-gen denke ich, dass es sich lohnt, ins Kino zu gehen, dass es aber sicherlich in diesem Jahre bessere Filme gegeben hat / geben wird !!!!.


Michael

17 Bewertungen