Insomnia - Schlaflos (DVD) Testbericht

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ab 6,71
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Erfahrungsbericht von winterspiegel

Würdige Gegenspieler

Pro:

Al Pacino, Robin Williams, die Drehorte

Kontra:

Etwas klischeehaft, keine richtigen Überraschungen

Empfehlung:

Ja

Wenn sich zwei auch in Hollywood als wahre Könner ihres Fachs zu bezeichnenden Mimen zusammengefunden haben, um zu einem Schlagabtausch anzutreten, und das Ganze auch noch unter der Leitung eines der hoffnungsvollsten Regietalente der jüngsten Zeit geschieht, sind die Erwartungen dem daraus entstandenen Werk betreffend, wohl nicht gerade gering.
Christopher Nolan, der mit seinem innovativen „Memento“,einen von hinten aufgezäumten, hochgelobten Thriller erschuf; Al Pacino, der sich für die Rolle des illusionslosen Polizeiveteranen geradezu anbietet; und Robin Williams, der wie schon zuvor in „One Hour Photo“ sich in einen für ihn eher untypischen Charakter zwängt; sind die drei Hauptbestandteile dieser Erfolgsversprechenden Mischung.



Filmhandlung


In einem kleinen Kaff in Alaska ist ein junges Mädchen an einen brutalen Killer geraten. Die dortigen Behörden fühlen sich mit dem Fall überfordert, deshalb wird der erfahrene Detective Will Dormer (Al Pacino) und sein langjähriger Partner für die Ermittlungen hinzugezogen. Schnell merkt Dormer, dass er es mit einem kaltschnäuzigen und ausgebufften Täter zu tun hat.
Doch der Kriminalbeamte der mit der in der Jahreszeit und in diesen Breitengraden nicht enden wollenden Helligkeit zu kämpfen hat, ist schon dabei dem Mörder (Robin Williams) eine raffinierte Falle zu stellen. Aber unglücklicher Weise geht bei dieser Action alles schief was nur schief gehen kann. Der Täter kann im hereinbrechendem Nebel entkommen und Dormer der den Verbrecher vor sich glaubt, erschießt versehendlich seinen eigenen Kollegen. Der Detective versucht verzweifelt und sekundenschnell zu entscheiden was zu tun ist. Darauf arrangiert er die Beweismittel so, dass es so aussieht, als ob der gesuchte Mörder seinen Partner auf dem Kerbholz hat.

Nicht lange darauf meldet sich der geheimnisvolle Killer telefonisch bei Dormer und erklärt ohne langes zögern, dass er die Erschießung seines Kollegen mit angesehen hat. Der gesuchte Verbrecher – ein bekannter Autor von Kriminalromanen - wie sich nach einiger Zeit herausstellt, trifft sich mit dem Beamten, um die so entstandene Patt-Situation zu besprechen. Der Schriftsteller verlangt vom Leiter der Ermittlungen, dass gegen ihn nichts weiter unternommen wird und die Untersuchungen in eine ganz andere Richtung gelenkt werden. Da er sonst bei einer eventuellen Verhaftung seinerseits, die belastenden Vorwürfe gegen Dormer gedenkt vorzubringen.
Mit der Zeit entsteht so ein mörderisches Katz und Mausspiel, bei dem der nächste Schritt des jeweiligen Kontrahenten misstrauisch vom Gegenüber betrachtet wird...



Kritik


Wollen wir erst einmal die positiven Aspekte abhaken, die sich augenscheinlich an vorderster Front befinden, nämlich die Akteure. Ganz klar im Mittelpunkt des Interesses stehen Robin Williams und Al Pacino. Wobei ersterer fast die Hälfte der Filmlänge braucht, um richtiggehend ins Rampenlicht zu treten. Doch dann liefert er sich mit seinem Gegenpart Pacino ein Kräftemessen, dass sich nicht unbedingt durch massive Gefühlsausbrüche, oder klischeehaftes macho- gehabte, sondern durch ein eher zurückhaltendes psychologisches Spiel auszeichnet.

Überrascht hat mich Robin Williams, der scheinbar ohne große Mühe mit den eiskalten Augen eines Killers diese Rolle wirklich beängstigend gut vermittelt. Ebenso charismatisch ist die Darstellung von Pacino, von dem man die Verkörperung des raubeinigen Polizisten aber viel eher gewöhnt sein dürfte.
Außerdem ist die wundervolle Landschaft Alaskas, in zum Teil überwältigenden Naturgemälden in Szene gesetzt worden, und spielt so sozusagen die nicht unmaßgebliche dritte Hauptrolle.

Kommen wir jetzt zu den gewichtigsten Punkten, die mir an dieser Produktion weniger gut gefallen haben. Christopher Nolan hatte mit diesen zur Verfügung stehenden Stars gleich zwei Asse im Ärmel, die er entweder nicht richtig einbringen wollte, oder es nicht konnte. Denn alles in allem gesehen, hätte man aus diesem großen Füllhorn, das dem Regisseur zu Verfügung stand, einfach viel mehr machen müssen. Zwar ist ein immer noch annehmbarer Kriminal-Thriller mit ein paar wendungsreichen Handlungen entstanden, doch ob der verpassten Gelegenheit blutet einem das (Film)Herz doch schon ein wenig. Am meisten haben mich neben dem etwas einfallslosen und klischeehaften Inszenierungsstil, die nervigen Gedankenblitze gestört (wohl auch ein Ausdruck von Dormers Schlaflosigkeit), die dem Streifen immer wider untergeschoben wurden, die aber einfallslos wirken und ihm einen eher unglücklichen B-Movie Anstrich verleihen.

Selbst das Finale ist meiner Meinung nach, in wenig überzeugender und schon X-Mal ähnlich dagewesener Form über die Leinwand geflimmert. Kein Highlight an virtuoser Explosivität, oder einer raffinierten dementsprechenden Schlusspointe, die dem Film wenigstens noch ein versöhnliches allerletztes Sahnehäubchen aufgesetzt hätte. Wirklich schade drum.



Fazit


Einen einigermaßen ansehnlichen Thriller zu Wege gebracht zu haben, muss man Nolan wohl zugestehen. Wenn man natürlich insgeheim viel mehr von ihm erwartet hatte, (ich gehöre zumindest dazu) fällt das Resultat schon nicht mehr ganz so gut aus. Bei dem Potenzial, dass dem jungen Regisseur an die Hand gegeben wurde, hätte einfach einiges mehr dabei rumkommen müssen.
Ein Anschauen des Filmes der in der Originalversion schon von Erik Skjoldbjaerg inszeniert wurde, lohnt sich mit Sicherheit aber trotzdem. Nicht zuletzt wegen den hervorragend aufgelegten Top-Schauspielern in ungewohnter Konstellation, und der rauen, naturgewaltigen Schönheit der Drehorte im herrlichen Alaska.



Noch ein paar Worte zur DVD-Version.

Warner zeigt sich für seine deutschen Filmfreunde (so sie denn überhaupt noch welche haben) wieder mal in keinem guten Licht. Zwar wurden die in meinen Augen etwas zusammenhangslos eingefügten Making of´s deutsch untertitelt, beim Audiokommentar schossen die Beteiligten aber den Vogel ab. Nicht wie üblich – und eigentlich auch logisch, zeigen die Macher die Szenen die sie kommentieren in der Abfolge der Filmhandlung, sondern der des Drehs. Die Folge ist ein Tohuwabohu sonders gleichen. Da spielt es auch fast keine Rolle mehr, dass dieser Farce keine Untertitelung mehr zugestanden wurde. Wer da noch Lust auf zusätzliche Szenen im Rohschnitt oder auf die enthaltene Bildergalerie hat, den kann ich dazu nur noch beglückwünschen.

(c) winterspiegel für Ciao & Yopi

36 Bewertungen, 2 Kommentare

  • catmother

    09.08.2004, 22:49 Uhr von catmother
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich fand das Original weitaus besser.

  • hlemmur

    27.07.2004, 19:35 Uhr von hlemmur
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...is geil, aber leider nicht so geil, wie "memento". gruß, jacques