Jalla! Jalla! (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Bjoern.Becher

Erektionsprobleme und arabische Sitten!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ich habe es schon einmal bei einer Filmkritik geschrieben und kann es hier nur wiederholen. Das skandinavische Kino ist mit großen Schritten auf dem Vormarsch. Immer wieder kommen großartige Filme aus Skandinavien in unsere Kinos, die leider oft nicht genug beachtet werden, vom deutschen Publikum.
Auch im Jahr 2002 kam ein solcher Film aus Schweden, namens „Jalla, Jalla“, was arabisch ist und soviel bedeutet, wie „Tempo, Tempo“ in unsere Kinos und wurde von der Kritik hoch gelobt, aber die Zuschauerzahlen spiegelten dies nicht ganz wieder. Auch ich schaffte es damals nicht ins Kino, jetzt gibt es den Film aber schon seit geraumer Zeit auf Video und DVD und was lag da näher als dies nachzuholen.

I N H A L T
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Måns (Torkel Petterson) und sein Freund Roro (Fares Fares) sind Mitte 20, leben in Schweden und haben zusammen mit dem taubstummen Benson (Benyamin Eriksson) den wohl größten Scheißjob der Welt: Sie reinigen die Parks von Hundescheiße!
Doch ihr Job ist nicht ihr Problem, es sind ihre Beziehungen: Måns ist nach außen hin glücklich mit Jenny (Sofi Ahlström Helleday) liiert, doch innerhalb ihrer Beziehung fehlt es etwas wichtiges: Der Sex und dies liegt ganz allein an Måns, den das Ebenbild von ein Mann (groß, muskulös und durchtrainiert) bekommt schon seit ein paar Wochen keinen mehr hoch!
Roros Probleme sind da ganz anderer Art. Er ist sehr glücklich mit seiner Freundin Lisa (Tuva Novotny) und das schon seit geraumer Zeit, doch er hat seine Freundin noch nicht seiner Familie vorgestellt, worauf diese aber langsam drängt. Dies geschah aber aus gutem Grund: Roro kommt aus dem Libanon, und sein Vater (Jan Fares) hat schon die Frau, die er heiraten soll, ausgesucht: Yasmin (Laleh Pourkarim). Doch Roro will Yasmin natürlich nicht heiraten und diese ihn auch nicht, doch als er dann von Yasmin erfährt, dass diese zurück in den Libanon muss, wenn sie nicht heiratet, beschließt er ihr einen Gefallen zu tun, und beide sagen, dass sie heiraten werden, um Zeit zu gewinnen. Doch sie rechnen dabei nicht mit Yasmins Bruder Paul (Leonard Terfelt), der diese Ankündigung nur mit Freuden zum Anlass nimmt, so schnell wie möglich die Hochzeitsfeier zu organisieren. Innerhalb weniger Tage besorgt, er den beiden eine Wohnung und hat die Feier organisiert.
Und das auch Lisa immer misstrauischer wird, kann man sich ja nur denken und da Roro nebenbei noch alle Hände voll zu tun, Måns bei dessen schweren Problem zu unterstützen, fängt die Welt der beiden an drunter und drüber zu gehen.

M E I N U N G
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Die Story ist sicherlich nicht die Neuerfindung des Rades, ist sie doch voll bekannter Elemente und ist es doch relativ vorhersehbar, dass der Film mit einem Happy-End finden wird, und dass zumindest Roro und Lisa ein glückliches Paar sein werden. Die Sache mit Måns sieht da etwas anders aus, ist aber auch nach 2/3-Dritteln des Films absehbar, aber trotzdem ist der Film über weite Strecken ein Genuss.

Dies liegt an der flotten Inszenierung des Films und der besonderen Komik. Regisseur und Drehbuchautor Josef Fares vermied es weitgehend auf platte Gags zu setzen, wobei diese gerade bei der Schilderung des Nichtfunktionierenden Liebeslebens von Måns natürlich ein paar Mal nahe liegen und auch zu sehen sind, sondern er setzt viel mehr auf eine ganz besondere Situationskomik, welche dem Zuschauer immer wieder Schmunzler und Lacher abverlangt. So wirkt die bekannte Story richtig aufgepeppt und viel besser inszeniert als bei bekannten Vorbildern.

Sehr gut geschildert ist dabei vor allem der Konflikt der beiden Jungen in Schweden lebenden Libanesen Roro und Yasmin, die einerseits fest in der europäisch-schwedischen Kultur verankert sind, deren Familien aber noch stärker aus dem Libanon stammen und die arabische Kultur pflegen. Regisseur Josef Fares konnte dabei sicher auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, stammt doch auch er aus dem Libanon und lebt in Schweden. Damit das ganze noch authentischer wirkt, oder vielleicht auch nur um Geld zu sparen, hat er für die Hauptrolle seinen Bruder genommen und auch seinen Vater eingebaut, sowie die restliche Familie mit Familienmitgliedern besetzt.

Trotzdem spielen beide Laiendarsteller hervorragend, wie auch der Rest der Crew. Alle schaffen es durchweg ihre mit viel Liebe zum Detail gezeichneten Figuren dem Zuschauer überzeugend näher zu bringen.

Dabei sticht besonders die Tatsache hervor, dass Josef Fares sich nicht nur viel Zeit für seine Hauptfiguren genommen hat, sondern vor allem auch für die ganzen kleinen Nebenfiguren. Da ist zum einen natürlich der Mitarbeiter von Måns und Roro, der nie ein Wort sagt, und der einfach taubstumm sein muss, auch wenn es nie ausdrücklich gesagt wird, der aber einzelne Szenen allein schon durch seine Anwesenheit lustig macht und da ist dann auch noch Roros Vater, der ein windiger Geschäftsmann ist und einem Kunden, der maximal 20 Kronen für einen mit 50 Kronen ausgezeichneten Teller bezahlen will, dann sogar noch 60 Kronen abluchst und der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er in kleinen Schlägereien seinen Bauch äußerst effizient einsetzt.
Aber auch die weiteren Rollen, wie z.B. Roros Großmutter wurden zeichnen sich durch eine besondere Liebe zum Details aus und großartig agierende völlig unbekannte Darsteller.

Einzig negativ fallen einige kleinere Länge auf, die aber sehr selten auftreten und viele werden vielleicht auch enttäuschend, wenn sie ein platte Komödie mit einem wahren Gag-Feuerwerk erwarten, denn der Witz zeigt sich hier oft doch eher durch die jeweilige Situationskomik.

F A Z I T
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Ich kann „Jalla! Jalla!“ fast uneingeschränkt empfehlen. Der Film wird den meisten Spaß machen und ich hoffe, dass der junge Regisseur und Drehbuchautor Josef Fares und noch mit mehr Filmen beglücken wird.

Steife 8 Punkte auf meiner 10er Skala!

D A T E N
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Titel Deutschland: Jalla! Jalla!
Originaltitel: Jalla! Jalla!
Genre: Komödie
Schweden 2000, FSK 12, Laufzeit: 89 Minuten

Darsteller: Fares Fares (Roro), Torkel Petersson (Måns), Tuva Novotny (Lisa), Laleh Pourkarim (Yasmin), Sofi Ahlström Helleday (Jenny), Jan Fares (Farsan, Roros Vater), Leonard Terfelt (Paul), Benyam Eriksson (Benson), Khatoun Fares (Farmor, Roros Großmutter), Abdulahad Fares (Abdul), Ingemar Carlehed (Ulf, Lisas Vater), Jacob Tamm (Simon Pramsten), Caroline Fares (Caroline, Roros kleine Schwester)

Regie: Josef Fares
Produzenten: Anna Anthony, Lars Jönsson, Lukas Moodysson
Drehbuch: Josef Fares
Musik: Daniel Lemma
Kamera: Aril Wretblad
Schnitt: Michael Leszczylowski, Andreas Jönsson
Kostüme: Denise Ostholm
Ton: Niclas Merits, Ljudligan


W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
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Internet Movie Database: http://german.imdb.com/Title?0269389

Cyberkino.de: http://www.cyberkino.de/entertainment/kino/1110/111234.html

Online-Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=19089


© Björn Becher 2003

28 Bewertungen, 1 Kommentar

  • bodenseestern

    20.01.2007, 23:29 Uhr von bodenseestern
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße Petra