Kitchen Stories (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Thunerin

Männer und Küche?!

Pro:

Skurril und zum schmunzeln zum brüllen zum nachdenken

Kontra:

Läuft leider fast nur in kleineren Kinos als Geheimtipp

Empfehlung:

Ja

#Facts

Originaltitel: Salmer fra Kjokkenet
Regie/Drehbuch: Bent Hamer
Darsteller: u.a. Tomas Norström und Joachim Calmeyer
Spielzeit: 95 Minuten

#Story
Die Schweden sind fortschrittlich – und das auch im Haushalt. Deshalb wird in den 50er Jahren das nationale Forschungsinstitut für Heim und Haushalt gegründet, welches beispielsweise untersucht, welche Wegstrecken die schwedische Durchschnittshausfrau in ihrer Küche zurücklegt – Zusammenaddiert ergibt das eine Strecke bis in den Kongo. Durch eine optimiertere Küchenstruktur wird der Weg verkürzt – jetzt reicht die Gesamtstrecke nur noch bis Norditalien : )
Diese Forschungserfolge sollen nun auch auf eine andere Zielgruppe angewendet werden: den männlichen Junggesellen!
In kleinen eierförmigen Wohnwagen und einem Beobachtungshochsitz machen sie die Angestellten des Instituts auf den Weg zu ihren jeweiligen „Beobachtungsobjekten“, um für ein paar Wochen deren „Küchenverhalten“ zu studieren und zu dokumentieren. Dafür sitzen sie den ganzen Tag auf ihrem Hochsitz, zeichnen jeden Schritt ihres „Objektes“ auf – Gespräche und jeglicher persönlicher Kontakt sind jedoch strengstens verboten!
In Kitchen Stories beobachtet man als Zuschauer hauptsächlich den pedantischen Folke (Norström), der als „Untersuchungsobjekt“ Isaak (Calmeyer), einen alten sturen Sack fernab jeglicher Zivilisation zugewiesen bekommt.
Doch bei Folkes Ankunft macht Isaak schon mal gar nicht die Tür auf und verweigert auch sonst jegliche Zusammenarbeit. Letztendlich lässt er sich doch noch überreden. Und als Folke dann doch noch seinen Platz auf dem Hochsitz in der Küche eingenommen und seinen Bleistift gespitzt hat, boykottiert Isaak auch weiterhin mit allen Kräften seine Arbeit: In der Küche sitzt er nur, um Kaffee zu trinken, das Essen wird heimlich auf einem Gaskocher im Schlafzimmer gemacht und durch ein Loch in der Zimmerdecke, beginnt er den Beobachter selbst zu beobachten.
Als Folke entgegen der Regeln Isaaks Salzstreuer benutzt, um sein Frühstücksei zu würzen und ihn anschließend an den falschen Platz zurückstellt, beginnt eine Kommunikation zwischen beiden Männern. Nach und nach öffnen sie sich dem anderen gegenüber und – trotz strengster Verbote – entwickelt sich eine tiefe Männerfreundschaft zwischen beiden.
Bis die Beobachter des Instituts zur Heimreise abgezogen werden und Folke doch wieder zu Isaak zurückkehrt – denn was erwartet ihn den in der Heimat außer einer schrulligen alten Tante?
Bei seiner Rückkehr erwartet ihn ein Leichenwagen vor Isaaks Haus…

Die Nebenhandlung zeigt am Beispiel von Folkes Kollegen und Vorgesetzten, das das System des Instituts schon lange überholt ist und nicht mehr funktioniert. Sein Kollege widersetzt sich den Regeln und wird gefeuert, weil er Abend für Abend mit seinem „Untersuchungsobjekt“ fröhliche Saufgelage veranstaltet. Der oberste Chef interessiert sich nicht wirklich für die Ergebnisse, sondern jettet viel lieber in seinem Privatflugzeug herum, um sich oben in der Luft den vielen Frauen an Bord zu widmen.

Klingt teilweise nach anstrengender Geschichte – ist aber durch liebevolle Situationskomik und hervorragende Schauspieler einer der herrlichsten Filme geworden, den ich in letzter Zeit gesehen habe!

#Fazit
Dieser Film ist eindeutig aus Norwegen! Fernab jeglicher Hollywood-Action, Klischees, Sex and Crime kommt er recht ruhig daher. Der Humor ist trocken, die Darsteller eigensinnig bis kauzig, die Story skurril. Und doch schließt man die beiden Hauptkäuze (oder besser Hauptdarsteller) während des Filmes immer mehr ins Herz. Auffällig ist die fehlende Dynamik und das doch sehr langsame Tempo, die überlegten und spärlichen Dialoge. Doch gerade das macht diesen Film aus! Jegliche Hektik wäre hier in diesem Dörfchen, bei diesen beiden Männern, die tief drin ziemlich einsam sind völlig fehl am Platze! Gerade die wenigen Dialoge lassen den Zuschauer auf jede kleine Geste oder Mimik der Darsteller achten – und meist kann man sich darüber totlachen. Die beiden sind so eigensinnig und verschieden und doch wieder so gleich…
Ein Film, den ich allen Filmfreaks, Cineasten und Fans skurriler Komödien wärmstens empfehlen kann!

10 Bewertungen