Liberty Stands Still (DVD) Testbericht

Liberty-stands-still-dvd-thriller
ab 7,86
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 11/2011

5 Sterne
(0)
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(1)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von Bjoern.Becher

Enttäuschung!

Pro:

Idee, guter Anfang, Multi-Angle-Verfahren

Kontra:

Film größtenteils langweilig, Wesley Snipes, schlechte Bildquali, lahmer Audiokommentar

Empfehlung:

Nein

Die hübsche Liberty Wallace (Linda Fiorentino), die Co-Präsidentin eines großen Waffenherstellers, ist wie jeden Donnerstag auf dem Weg ins Theater. Dort will sie sich mit ihrem Liebhaber Russell (Martin Cummins), einem Schauspieler, wie gewohnt für ein hübsches Schäferstündchen treffen. Am Telefon will sie ihn schon einmal ein bisschen aufheizen, nur stört es etwas, dass ihr Mann Victor (Oliver Platt) sie laufend anruft.

Am Theater angekommen, vertritt sich Liberty erst noch einmal kurz die Beine und nimmt bei einem Dealer an einem Hot Dog Stand eine Nase Koks. Als sie sich auf den Weg ins Theater machen will, klingelt ihr Handy. Ein Mann, der sich Joe (Wesley Snipes) nennt, ist am anderen Ende der Leitung. Er hat ein Gewehr auf sie gerichtet und eine Bombe im Hot Dog Stand versteckt, die an Libertys Handy gekoppelt ist. Geht ihr Handy aus, fliegt die Bombe in die Luft.

An eine weitere Bombe hat Joe Libertys Lover Russell gekettet. Der Grund für diesen Amoklauf ist einfach: Joes Tochter wurde erschossen, mit einer Waffe aus dem Hause Wallace. Und nun will Joe Rache....


Wer sich bei dieser Story an den Film „Phone Booth“ von Joel Schumacher erinnert fühlt, wird in den ersten Minuten bestätigt. Wie der Protagonist Stu in „Phone Booth“ am Anfang telefonierend durch die Stadt läuft, fährt hier die Protagonistin Liberty durch die selbe, ebenfalls telefonierend und wie Stu mit dem Seitensprung.

Damit hören die Gemeinsamkeiten aber schon auf (mit der Ausnahme noch, dass „Liberty stands still“ ebenfalls nur an einem Handlungsort spielt, wobei dies nicht konsequent durchgehalten wird). Zwischen beiden Filmen liegen Welten. Während Schumacher auf einen stimmigen Film Wert gelegt hat, und dem Zuschauer viel erklärt, werden bei „Libertys stands still“ viele Fragen aufgeworfen, aber kaum welche geklärt. Warum der Koksdealer, der angeblich so einen strengen Chef hat, seinen Hot Dog Stand voller Koks dem Sniper zur Verfügung stellt, sollte man sich besser nicht fragen. Warum keiner einem verwundeten Cop erste Hilfe leistet, sondern seine Kollegen nur daneben stehen und einen Krankenwagen anfordern, sollte man ebenfalls nicht fragen. Und warum Joe durch die Gegend ballern kann, während alle Passanten weiter laufen, und nichts davon bemerken, ist dem Film auch keine Antwort wert.

Über diese zahlreichen offenen Fragen und einige Unstimmigkeiten könnte man getrost hinwegsehen, wenn man im Gegenzug dafür, spannende Unterhaltung geboten bekäme. Aber Fehlanzeige. Während sich der Film noch sehr spannend anlässt, lässt er genauso schnell nach. Der Mittelteil des Films mit seinen belanglosen und platten Dialogen zwischen Snipes und Fiorentino ist zum Gähnen. Die pseudo-moralische Aussage des Films führt der Film selbst ad absurdum und Wesley Snipes beweist einmal mehr, dass er zwar ein sehr guter Actiondarsteller ist, aber in dialoglastigen Filmen meistens überfordert ist.

„Phone Booth“ ist ein hochspannender Psychothriller mit einem Psychoduell zwischen dem Protagonisten Stu und dem Sniper, von dem man nur die Stimme hört und mit einem Psychoduell zwischen Stu und der Polizei, die Stu für einen Mörder hält. „Liberty stands still“ ist dies nicht. Von einem Psychoduell zwischen der Protagonisten und dem sichtbaren und immer wieder in seinem Versteck gezeigten Sniper ist keine Spur. Trotz der Verschärfung der Situation gegenüber dem ähnlich gelagerten „Phone Booth“ durch die Bombe in Libertys Nähe, besitzt der Film viel zu lange Phasen, in denen man keine Angst um die Protagonistin haben muss. In „Phone Booth“ denkt man, dass der Sniper jeden Moment abdrücken könnte, jeden Moment gibt es einen Knall, irgendwas spannendes passiert. Bei „Liberty stands still” ist dies am Anfang ähnlich, aber leider nur am Anfang. Danach fühlt man keine akute Bedrohung für die Protagonistin, man hat nicht das Gefühl jeden Moment wird etwas passieren, sondern man denkt sich, die reden und reden und werden auch in fünf Minuten noch reden. Und das schlimme ist: Es kommt genauso. Das zerstört die Spannung und macht zwei Drittel des Films unsäglich langweilig und langatmig.

Erst am Ende gewinnt der Film wieder etwas an Fahrt und auch Spannung und es kommt Hoffnung auf ein interessantes Ende auf. Leider Fehlanzeige, das Ende ist unerwartet unspektakulär und uninteressant.

So bleibt wenig Positives zu vermelden. Ein starker Anfang, ein interessantes Wortspiel mit dem Vornamen der Protagonistin und dem Filmtitel, der auf die Waffenfreiheit in Amerika anspielt und dass diese sich nicht verändert (wobei der Film mit seiner Kritik an dem Artikel, der dies kritisiert und an der Waffenlobby sehr inkonsequent ist), that’s all. Vielleicht noch die nackte Linda Fiorentino. Drei von zehn Punkten!

D V D
°°°°°°°°°°°°
Technische Informationen:
Bildformat: 1,85 : 1 anamorph
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Türkisch
Extras:

- 4x4 Split Screen Szenen
- 20 Minuten ausgewählte Filmszenen in Multi-Angle-Funktion
- Trailer
- Audikommentar mit Regisseurin Kari Skogland, Cutter Jim Munro und Produzent Gary Pearl

Der erste Eindruck der DVD führt das schwache Bild des Films fort und dabei kann man den Begriff „Bild“ wortwörtlich nehmen. Denn dessen Qualität ist im unteren Bereich anzusiedeln. Ein mangelhafter Kontrast und starkes Rauschen in einigen Szenen trüben das Bild. Vor allem das Rauschen ist dabei teilweise extrem.

Wenigstens der Ton hält, was er verspricht. Nämlich das was man von einer einigermaßen aktuellen DVD-Veröffentlichung erwartet. Guter Raumklang bei der Hintergrundmusik und gut verständliche Dialoge. Das was man also erwarten darf.

Die Extras erscheinen auf den ersten Blick recht vielversprechend, doch vor allem der Audiokommentar entpuppt sich als Enttäuschung. Regisseurin Kari Skogland, Cutter Jim Munro und Produzent Gary Pearl reden größtenteils langweiliges und belangloses Zeug. Meilenweit entfernt von interessanten Audiokommentaren, die mancher DVD einen großartigen zweiten Filmgenuss bescheren.

Die restlichen Extras sind eigentlich keine richtigen Extras. Neben dem üblichen Trailer findet man auf der DVD die Möglichkeit sich zwanzig Minuten des Films aus verschiedenen Blickwinkel zu schauen. Dies ist auch ab Kapitel sechszehn direkt aus dem Film möglich. Eine ganz nette Spielerei, aber von wenig informationellem Wert. Ähnlich verhält es sich mit den Split Screen Szenen. Bei diesen kann man sich vier Szenen aus dem Film noch mal in Split Screen Einstellungen anschauen, die zeitgleich stattfindende Handlungsstränge zeigen, oder eine Situation aus mehreren Perspektiven. Hier wäre es dem Film vielleicht gar nicht abträglich gewesen, wenn man dies nicht nur als Extra auf die DVD gepackt hätte, sondern direkt in den Film integriert hätte. Der angesprochene Film „Phone Booth“ hat dies ja auch sehr wirkungsvoll getan. Übrigens kann man trotz der mehreren Blickwinkel durch die Split Screen Szenen, keinen Blick von vorne auf die nackte Linda Fiorentino werfen.

F A Z I T
°°°°°°°°°°
Die interessante Idee, die diesem Streifen genauso wie dem Film “Phone Booth“ zugrunde liegt, macht den Film trotzdem noch nicht sehenswert. Dann doch lieber „Phone Booth“ anschauen, der deutlich besser gelungen ist, denn „Liberty stands still“ ist eine Enttäuschung.

Film: 3 von 10 Punkten!
DVD: 2 von 5 Punkten!
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Gesamt: 3 Punkte auf meiner 10er Skala!

D A T E N
°°°°°°°°°°°°
Titel Deutschland: Liberty stands still
Originaltitel: Liberty stands still
Genre: Thriller
USA 2002, FSK 16, Laufzeit: 92 Minuten

Darsteller: Linda Fiorentino (Liberty Wallace), Wesley Snipes (Joe), Oliver Platt (Victor Wallace), Martin Cummins (Russel Williams), Jonathan Scarfe (Bill Tollman), Ian Tracey (MacMunro), Brian Markinson (Rex Perry), Jeff Seymour (Officer Pritchard), Roger R. Cross (Officer Miller), Hart Bochner (Hank Wilford), Tanya Allen (May), Ronald Selmour (Dwayne)

Regie: Kari Skogland
Produzenten: Ogden Gavanski, Gary Pearl
Drehbuch: Kari Skogland
Musik: Michael Convertino
Kamera: Denis Maloney
Schnitt: Jim Munro

W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
°°°°°°°°°°°°°
Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0280870/

Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=17193

© Björn Becher 2003

18 Bewertungen