Lost Highway (DVD) Testbericht

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ab 10,39
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Erfahrungsbericht von das-christian

I'm Deranged

Pro:

knifflig, Atmosphäre, Schauspieler

Kontra:

DVD, zu viele Titten

Empfehlung:

Ja

Intro

Filme von David Lynch sind nicht jedermanns Sache, einfach deswegen, weil sich nur die Wenigsten die Mühe machen, das Gesehene zu interpretieren, was bei Filmen dieses Regisseurs definitiv keine leichte Aufgabe ist. Ein Vorzeigebeispiel ist hierfür der 1998 erschienene Film Lost Highway.
Story

Es klingelt, der Saxofonist Fred Madison (Bill Pullman) geht an die Tür, über die Gegensprechanlage erhält er die Nachricht "Dick Laurent ist tot!", als er auf die Straße schaut, ist niemand zu sehen. Kurze Zeit später liegt eine Videokassette vor dem Haus, auf dieser ist eine Aufnahme des Hauses zu sehen. Am nächsten Tag liegt ein weiteres Band vor dem Haus, welches Fred mit seiner Frau Renee (Patricia Arquette) beim Schlafen zeigt. Langsam wird die Situation unheimlich, da irgendjemand in das Haus eingedrungen sein muss, also wird die Polizei verständigt. Währenddessen trifft Fred auf einer Party einen mysteriösen Mann, der sagt, er sei in Freds Haus, was durch einen Anruf bei ihm zu Hause bestätigt wird. Wenig später liegt Videoband Nummer drei vor der Haustür, auf diesem ist Fred zu sehen, wie er blutverschmiert vor seiner toten Frau hockt.
Ab dann geht alles sehr schnell, Fred ist Tatverdächtiger und wird zur Todesstrafe verurteilt, doch er mutiert im Todestrakt zum Automechaniker Pete (Balthazar Getty) und wird wieder freigelassen. Auf freiem Fuß lernt Pete den Gangsterboss Mr. Eddy (Robert Loggia) kennen, dessen Freundin Alice eine verblüffende Ähnlichkeit mit Freds verstorbener Frau Renee hat.


Kritik
Die Story klingt nicht nur wirr, sie ist es auch. Fred Madisons Einbuchtung ist das eigentliche Ende des Films, welches man bereits nach 45 Minuten sieht, wäre der Film hier zu Ende, würde man wohl mit noch mehr Fragen da stehen, als es nach den knapp 129 Minuten Laufzeit der Fall ist. Regisseur David Lynch zeigt uns hier wieder einmal, was er von einer "Straight Story" hält, nämlich gar nichts. Die Verschiebung verschiedener zeitlicher Ebenen macht es dann auch sehr schwierig, den Überblick zu behalten. Die einzelnen Handlungsstränge kann man gut mitverfolgen, nur das Verbinden erweist sich als ziemlich schwierig, auch wenn die letzten 10 Minuten etwas Klarheit verschaffen, was den Zusammenhang einzelner Storyteile betrifft, so bringt die allerletzte Szene das Gesehene noch einmal komplett durcheinander. Die eigentliche Aufgabe des Zuschauers liegt darin, zwischen Traum und Realität zu unterscheiden und die eingestreuten Hinweise zu erkennen, um somit tief in das Innerste der einzelnen Charaktere zu blicken, die die einzige Erklärung dafür geben, was in Lost Highway wirklich passiert beziehungsweise passiert ist.

Bereits in den Anfangsminuten wird man in einen Film mit skurrilen Bildern, Szenen und Charakteren geworfen, wie sie kaum ein anderer Regisseur besser in Szene setzen kann. Das Haus, in dem Fred und Renee wohnen, strahlt eine unheimliche Kälte und Dunkelheit aus, die einen gelungen Einklang ergeben, wenn man das Verhalten der beiden Hauptcharaktere mit einbezieht. Ab dem Zeitpunkt, wo Pete in Erscheinung tritt, wird diese Dunkelheit mit hellen und fröhlichen Bildern ersetzt. Wer Erfahrungen mit Lynchfilmen hat, wird auch hier gewisse Herangehensweisen finden, die für den Regisseur stehen. So steht für David Lynch beispielsweise der lange, klaustrophobische, geheimnisvolle und dunkle Gang. Auch die teilweise verschwommenen Bilder zeigen die Verbindung zwischen Traum und Realität, oder besser gesagt, den Übergang vom Traum zur Realität. Zudem streut Lynch kleine und kurze Hinweise ein, die es gilt zu entdecken und richtig zu interpretieren, um eine halbwegs plausible Lösung zu finden.
Ein weiteres Kennzeichen des Regisseurs ist das Abdecken aller interessanten Genres. Für Erotik ist zumindest den kompletten Film über gesorgt, da es unendlich viele Sexszenen und unbekleidete Protagonisten gibt, hauptsächlich von der weiblichen Sorte. Das Genre Humor wird nur in einer Szene abgearbeitet, die dann ziemlich derb ist, aber in der Robert Loggia eine sehr gute Figur macht. Es gibt sogar eine Splatterszene zu bestaunen, bei der man sich fragen muss, ob so ein "Tod" überhaupt möglich ist, der Härtegrad ist jedenfalls extrem hoch, wenn man bedenkt, dass der Film ab 16 Jahren ist.

Die ersten 45 Minuten gehören Bill Pullman und Patricia Arquette. Es wird nicht viel erzählt, den Gemütszustand beider Personen kann man nur an ihrem Mimikspiel erkennen, worin man beiden wirklich keinen Vorwurf machen kann. Bill Pullman spielt den Saxofonisten, der verbittert wirkt und scheinbar auch eine gehörige Portion Hass in sich trägt. Patricia Arquette wirkt zu Beginn infantil und verblödet, entwickelt sich jedoch ab der Filmhälfte, in der die Geschichte von Pete erzählt wird, zur femme fatale. Beide Hauptdarsteller spielen überzeugend, wobei Patricia Arquette von Bill Pullman etwas in den Schatten gedrängt wird, da sie hauptsächlich mit Nacktszenen glänzt und ihre Brüste ständig der Kamera präsentiert. Robert Blake überzeugt als Mystery Man und macht das, was seine Rolle von ihm abverlangt: Spannung erzeugen. Auch Robert Loggia überzeugt auf ganzer Linie, er mimt den Gangsterboss, der immer ein Lächeln im Gesicht hat, selbst wenn es sein Gemütszustand nicht zulassen würde. Balthazar Getty ist Peter; seine Rolle ist nicht sehr anspruchsvoll, zumindest spielt er sie so.
Musikalisch kann man Angelo Badalamenti wieder einmal keinen Vorwurf machen. Er steuert einen gewohnt düsteren und effektiven Sound bei. Zudem gibt es noch Songs von David Bowie, Nine Inch Nails, Smashing Pumpkins, Marilyn Manson und Rammstein zu hören, Letzterer zieht die Qualität des Films etwas runter, da er nicht so richtig in das Gesamtbild passt.

Vergleicht man Mulholland Drive mit Lost Highway, so ist zu erkennen, dass Letzterer das Nachsehen hat. Die eingestreuten Hinweise, die einem zur Lösung führen sollen, wirken teilweise irreführend, woraus zahlreiche deplazierte Szenen resultieren, die ein mögliches Verstehen des Gesamtwerkes erschweren oder in Frage stellen. Darunter hat das Ausmaß des Gesehenen zu leiden, welches für den Zuschauer nicht auf eine so bedrückende Weise ersichtlich wird, wie in "Mulholland Drive", welcher die Verbindungen allesamt perfekt aufzeigen konnte. Zieht man beispielsweise die Szene zu Beginn in Betracht, in der Bill Pullman, alias Fred Madison, über die Gegensprechanlage erfährt, dass Dick Laurent tot sei, so hilft als Erklärung keine Logik mehr, wenn man am Ende sieht, wer an der anderen Leitung der Gegensprechanlage ist. Es gibt zweimal die gleiche Person, man weiß nicht, welche nun Original oder das Konstrukt der Fantasie ist. Einzig ein symbolischer Charakter ist nicht abzusprechen, denn so wird die Story in das Unendliche gezogen, die Suche nach einem Anfang oder Ende ist sinnlos. Genau das erschwert die Lösungsfindung und macht es nahezu unmöglich, Lost Highway komplett zu verstehen. Einfacher ist schon Freds Flucht aus seinem langweiligen Leben als Saxofonspieler herauszulesen, vor allem dank eines - allerdings vergleichsweise sehr plump eingestreuten - Hinweises in der Autowerkstatt (Radio).
DVD

Die DVD ist neben Patricia Arquettes Brüsten der einzige Schwachpunkt am Film. Auf der Rückseite steht beispielsweise eine Laufzeit von 135 Minuten, der Film selbst ist aber über sechs Minuten kürzer. Die Bildqualität ist gut, auch wenn man sich bei den Open Credits die Frage stellen darf, ob wirklich das komplette Bild zu sehen ist, denn bei der Einblendung der Namen gehen einige Buchstaben über den Rand des Bildschirms. Die Tonqualität der deutschen Tonspur ist unterste Schublade; insbesondere bei einem Film, in dem der Score eine tragende Rolle spielt, kann man nicht zufrieden sein. Die Gespräche sind teilweise sehr leise und manch sinnlose Szenen wirken extrem laut, auch die Tiefen kommen nicht richtig zur Geltung. Die englische Tonspur klingt da um einiges besser.
Als Extras gibt es drei Trailer und vier Statements der Crew-Mitglieder, in denen David Lynch, Robert Loggia, Patricia Arquette und Bill Pullman ihren Kommentar abgeben. Wer jetzt denkt, die Vier protzen in ihrem Statements mit Hintergrundinformationen, wird wohl enttäuscht werden. Es ist so, dass jeder den anderen Honig ums Maul schmiert und sagt, was für ein guter Schauspieler/Regisseur derjenige doch sei. Da diese Interviews nur auf Englisch sind und eine deutsche Untertitelwahl nicht möglich ist, kann man auf diese Extras auch gut und gerne verzichten.


Fazit
Was einem nach der Betrachtung am meisten im Gedächtnis bleibt, sind Patricia Arquettes Brüste, diese verfolgen einen so hartnäckig wie der Boogeyman 2, was man sicherlich nicht als positives Statement für einen solchen Film in Betracht ziehen kann. Zudem wirkt Lost Highway wie ein nicht vollendetes Bauwerk, verkommt aber nicht zur Ruine; es fehlen nur einige Gänge, um in andere, nicht erforschte Räume zu gelangen. Somit kann man den Film nicht komplett verstehen, es bleiben immer einige Fragen offen, die man sich allein mit gesundem Menschenverstand nicht erklären kann. Was Universums Veröffentlichung der DVD angeht, empfiehlt sich im Hinblick auf Ton- und Bildqualität eher die der SZ-Cinemathek. Trotz alledem bekommt man ausgezeichnete Schauspieler, einen gelungenen Soundtrack und eine bedrückende Atmosphäre geboten, somit setzt er sich schon sehr von der üblichen Filmkost ab, da hier ausnahmsweise mal die grauen Zellen beansprucht werden. Jedoch gibt es zahlreiche Makel, die von einer perfekten Bewertung absehen.


Filminfos
Titel: Lost Highway
Herstellungsland: Frankreich, USA
Produktionsjahr: 1997
Erscheinungsjahr: 2000
Laufzeit: 128:41 Minuten
Altersfreigabe: 16 Jahre
Regie: David Lynch
Schauspieler: Bill Pullman (Fred Madison), Patricia Arquette (Renee Madison / Alice Wakefield), Balthazar Getty (Pete Dayton), Robert Loggia (Mr. Eddy / Dick Laurent) u. a.

20 Bewertungen, 7 Kommentare

  • Striker1981

    09.11.2008, 23:52 Uhr von Striker1981
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und Liebe Grüße vom STRIKER

  • Turbotisl1

    16.08.2008, 21:45 Uhr von Turbotisl1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gelungener Bericht und liebe Grüsse !!!!

  • Estha

    09.08.2008, 13:10 Uhr von Estha
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende

  • luiggi

    09.08.2008, 11:58 Uhr von luiggi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich wünsch dir ein schönes Wochenende. LG Detlef

  • anonym

    08.08.2008, 19:59 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH - Liebe Grüße Simone

  • Jerry525

    08.08.2008, 18:39 Uhr von Jerry525
    Bewertung: sehr hilfreich

    Guter Bericht und freue mich über eine Gegenlesung lg Jerry

  • ingoa09

    08.08.2008, 18:10 Uhr von ingoa09
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse beschrieben! Bislang habe nun 13 Berichte von Dir bewertet und Du bislang noch keinen von mir... Liebe Grüße, Ingo