Lost Highway (VHS) Testbericht

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ab 21,69
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Erfahrungsbericht von der_dominator

es darf gelyncht werden... [4]

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Wenn jemand einen Actionfilm drehen will, dann lässt er zwei Typen in einen mörderischen Plan entwickeln um diesen dann mit Hilfe von möglichst spektakulären Stunts und der ein oder anderen Schießerei scheitern zu lassen. Wenn jemand einen Liebesfilm drehen will, so sieht die Sache ähnlich „einfach“ aus. Es bedarf zweier Protagonisten, die sich während der durchschnittlichen neunzig Minuten in einander verlieben - wie auch immer. Die Leute mögen das und kaufen Kinokarten en Masse, weil sie das zu sehen bekommen was im wirklichen Leben eben nicht immer so einfach ist. Kritiker mögen sagen, wenn David Lynch einen neuen Film dreht, dann braucht er lediglich ein paar dunkle Räume, eine nackte Frau und eine möglichst zusammenhangslose, abstruse Handlung die keinen Sinn zu haben scheint. Die Leute mögen das auch und kaufen ebenfalls Karten an der Kinokasse. Nicht ganz so viele, das muss ich vorwegnehmen, aber immerhin erwartet den Kinogänger dort auch keine Liebesgeschichte sondern eine Reise in den Wahnsinn; mehr oder weniger jedenfalls.


[„Das Ende der Strasse ist erst der Anfang“ - Inhalt]

Fred Madison [Bill Pullman], von Beruf Saxophonist, ist bereits seit einigen Jahren mit Renee verheiratet, doch zwischen den beiden kriselt es. Immer öfter macht sich Fred alleine auf in den Club wo er sich durch das Saxophon spielen seinen Lebensunterhalt verdient, während seine Frau daheim auf ihn zu warten scheint und immerhäufiger nimmt diese Anrufe nach den Konzerten nicht entgegen, was Fred an ihrer Treue zweifeln lässt.

Eines Morgens liegt ein Videoband auf den Treppen in der Morgenpost auf der Aufnahmen ihres Hauses zu sehen sind. Zunächst denken sich die beiden nichts aber als an den darauf folgenden Tagen ebenfalls ein Video auf den Stufen des Hauses liegen, das zudem nicht nur die Fassade ihres Hauses zeigt, sondern die beiden beim schlafen zeigt, werden die beiden nervös und kontaktieren die Polizei, die sich dem Problem annimmt.

Szenenwechsel. Renee und Fred besuchen eine Party von Andy [Michael Massee] und während sich erstere mit letzterem amüsiert, nimmt Fred einen Drink an der Bar wo er den „Mystery Man“ [Robert Blake] trifft. Dieser gibt an ihn schon mal getroffen zu haben, was Fred verneint. Doch der Man gibt nicht so schnell nach und behauptet er habe ihn in seinem Haus getroffen, was Fred ebenfalls verneint und erst nachdem der mysteriöse Man behauptet er sei gerade in Fred’s Haus, ihm ein Telefon gibt und er sich an der anderen Ende der Leitung tatsächlich meldet, wird Fred stutzig. Eine Antwort wie er das gemacht habe erhält er nicht, dafür aber höhnisches Lachen.

Es sei ein bekannter von Dick Laurent, erzählt ihm Andy bevor Fred mit Renee die Party verlässt. Daheim angekommen durchsucht Fred das Haus ehe er sich mit Renee schlafen legt. Am nächsten Morgen findet er erneut eine Videokassette - diese zeigt ihn inmitten des Blutes seiner Frau. Renee ist Tot und Fred landet im Gefängnis wo er für seine Tat, an die er sich aber nicht erinnern kann, die Todesstrafe erhält auf die er in seiner spärlichen Zelle nun wartet.

Identitätswechsel. Blitze zucken, Fred windet sich vor Schmerzen und am nächsten Morgen wacht anstelle Freds Pete Dayton [Balthasar Getty], ein junger Automechaniker auf…


[„wenn man über große Dinge spricht werden sie kleiner“ - Inhaltliches]

Einen David Lynchfilm zu erklären ist schier unmöglich denn wie auch Mullhollanddrive, stecken in „Lost Highway“ eine Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten die eine definitive Lösung wohl nicht ermöglichen, zumal sich der Film einem erst nach dem dritten vierten, fünften Mal sehen eröffnet, denn nur nach und nach wird aus mehreren kleinen Puzzelteilen ein Bild.

Helfen kann dabei ein Blick ins Presseheft, das zum Filmstart am 10. Juli 1997 herausgegeben wurde. Hier spricht Renee / Alice Darstellerin Patricia Arquette von einer kurzen Erklärung Lynchs in Form eines Vorwortes das sich im Drehbuch finden lässt, wonach Fred stark zur Schizophrenie neigt. Mit diesem Grundgedanken im Hinterkopf entwirrt sich der Film beträchtlich, denn die frage nach dem Mörder stellt sich nun nicht mehr. Natürlich war es Fred und natürlich kann er sich am nächsten Morgen nicht mehr daran erinnern. Bei dem Gedanken seine Frau getötet zu haben wünscht er sich „eine zweite Chance“ und die bekommt er durch sein alter Ego Dayton.

Doch auch hier bleibt er erfolglos [es folgt eine Liebesszene in der Wüste, nach der des Pendant zu Renee, Alice, ihm eröffnet er würde sie nie bekommen] und so „verwandelt“ er sich am Ende wieder zurück in Bill.

Von einem „Film“ zu sprechen, ist dabei recht schwer, denn eine richtige Handlung gibt’s es eigentlich nicht, auch wenn es zunächst so scheint. Vielmehr zeigt „Lost Highway“ einen Zustand, bei dem Ende und Anfang verschwimmen und nicht deutlich zu erkennen sind. Nur so ist es Fred zum Ende des Films möglich sich selbst zu warnen. Er selbst ist es der „sich“ die Worte „Dick Laurent“ ist tot in die Gegensprechanlage flüstert und das ganze scheinbar von neuem Beginnen lässt.


[„teuflisch düsterer Psychotrip“ - meine Meinung ]

Vorrangig ist Lost Highway ein Erlebnis für die Sinne. Dunkele Zimmer, stimmige Musik und wirklich überzeugende Hauptdarsteller lassen den „Alptraum“ für den Zuschauer, auch wenn der eigentliche Inhalt an ihnen vorbeigehen sollte erträglich machen. Die Gefahr den Film dann aber zu verteufeln ist dennoch recht groß denn das ganze ist vor allem durch das Auftreten des „Mystery Man“ und teilweise recht dunkle Szenen verstörend, vor allem wenn man sich den Film alleine für einen entspannten Videoabend für den Feierabend leiht.

Wenn man sich aber auf den recht unkonventionellen Erzählstil Lynchs einlässt so erwartet den Zuschauer eine wirkliche intensive Reise hinein in eine Welt von Wut, Angst und Enttäuschung.

Grandios gelingt dem Macher von „Blue Velvet“ und „Eraserhead“ die Metamorphose zwischen Fred und Pete. Ist die Welt in der Renee Fred betrügt zunächst recht dunkel so eröffnet sich [während des Traumes in dem Fred nach dem Mord seine zweite Chance wähnt] mit dem Auftreten Petes ein zunächst „normaler“ Film, der mich zunächst auf den Gedanken brachte den Film einfach in zwei Teile zu teilen. Die Welt um Pete, geschützt von den Eltern, einen Job samt Freundin habend, ist hell und das komplette Gegenteil zu der Fred’s. Zudem dreht Fred den Spieß in seinem Traum um. Er ist es der Dick Laurent mit Alice betrügt und die Welt scheint heil. Bis zu dem Moment wo Alice eine Verabredung absagt und das geschaffene neue Weltbild ins Wanken gerät und in einem Desaster enden lässt, an dessen Ende wieder Fred steht.

Davon zu reden den Film verstanden zu haben kann dennoch keine Reede sein, denn die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten machen dies zu einem recht wagen unterfangen, weshalb ich mir den Film wohl noch einige male ansehen werde.

Ebenso schwer ist es eine Empfehlung für den gut 135 Minuten währenden Film auszusprechen. Eine Dichte Atmosphäre geschaffen durch ein schier perfektes Zusammenspiel von Licht, Musik und schauspielerischen (Höchst-)Leistungen spricht auf jeden Fall für das sehen des Filmes, während die zunächst verstörende Wirkung wohl die Mehrheit der Kino- bzw. Videothekengänger abschrecken sollte. Schade, denn es entgeht einem ein „Erlebnis“ wie es intensiver wohl selten auf der Leinwand zu erleben ist. Liebesfilme verkaufen sich halt besser…


[unterm Strich bleibt… ]

Lost Highway (USA 1997)

Regie: David Lynch / 135 Minuten / FSK 16

Darsteller: Bill Pullman, Patricia Arquette, Balthaser Getty u.a.

13 Bewertungen