Lost Highway (VHS) Testbericht

Lost-highway-vhs-thriller
ab 21,69
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Erfahrungsbericht von Kuhli

Ein Mensch brennt...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Wieso, Weshalb, Warum! Wer nicht fragt bleibt dumm. Nur noch dümmer ist es, wenn man keine Antworten bekommt.


STORY, oder so…

Fred Madison (Bill Pullman) ist ein erfolgreicher Saxophonspieler und lebt mit seiner Frau René (Patricia Arquette mit braun-rötlichen Haaren) glücklich in einem schönen Haus in Los Angeles.
Doch als das Ehepaar auf einmal mysteriöse Videobänder mit Außenaufnahmen ihres Hauses erhält ändert sich alles. Und von Video zu Video gehen die Bilder immer weiter ans haus ran, bis René auf einmal ein Video entdeckt, auf dem sogar Aufnahmen sind, die im Haus gemacht wurden und sogar Fred und René im Bett zeigt.
Das Ehepaar schaltet die Polizei ein, doch bevor die jemanden finden können taucht nicht nur ein leichenblasser Namenloser (Robert Blake) auf, sondern auch ein neues Video auf, auf dem gezeigt wird, wie Fred seine Frau umbringt.
Fred wandert ins Gefängnis und wird zum Tode verurteilt, doch eines Nachts geschieht das unmögliche und so glauben die Wärter am nächsten Morgen bei der Zellenkontrolle ihren Augen nicht.
In der Zelle, in der am vorangegangenen Tag noch Fred gesessen hat, liegt auf einmal ein zunächst unbekannter junger Mann.
Nachdem dieser als der Automechaniker Pete Dayton (Balthazar Getty) identifiziert wird, wird er unter Polizeibeobachtung freigelassen. Zuhause bei seinem Eltern und seiner Freundin wieder eingelebt fängt er wieder mit seinem Job in der Autowerkstatt an, die schon direkt wieder an Petes erstem Tag von dem „Unternehmer“ Mr. Eddy (Robbert Loggia) besucht wird. Und auch an dem darauf folgenden Tag kommt er wieder in die Werkstatt, diesmal aber mit seiner Freundin Alice (Patricia Arquette mit blonden Haaren) auf dem Beifahrersitz.
Pete und Alice verstehen sich auf Anhieb und beginnen eine Leidenschaftliche Affäre. Als diese droht Aufzufallen schmiedet sie einen Plan Mr. Eddy von Pete umbringen zu lassen.
Doch wo ist Fred? Wer und warum ist der mysteriöse Mann? Sind René und Alice ein und dieselbe Frau? Wer hat Dick Laurent getötet? Und vor allem, versteht denn wenigstens David Lynch, der Regisseur, seinen eigenen Film oder ist er genauso ratlos wie ich???


KRITIK, glaub ich…

André und Lost Highway – eine Geschichte voller Missverständnisse. Als ich den Film zum ersten Mal gesehen hab, war damals so süße 16, war ich mehr als verwirrt, enttäuscht und ratlos. Ich konnte nicht glauben, dass es Menschen gibt, die so einen wirren, abgedrehten, sinnlos scheinenden Film nur ansatzweise gut finden könnten. Eine Storyführung die keinerlei Antworten gibt, Bilder und Sequenzen die keinen Sinn ergeben und ein Gesamtwerk, das wohl nie jemand komplett verstehen wird.
Als er dann 2 Jahre später im Fernsehen lief versuchte ich mich noch mal an dem Film und hatte ganz allmählich doch eine geringe Faszination entdeckt und spätestens beim dritten Mal wieder ein Jahr später, war ich dann auf einmal hin und weg von dem Film. Ich habe ihn bis heute nicht verstanden, um das mal klar zu stellen, aber dennoch erkenne ich heute die Qualitäten dieses Films an, der mit jedem Anschauen wächst, da man jedes Mal wieder eine neue Kleinigkeit entschlüsseln kann.
Aber mal von Anfang an. Wer z.B. Pulp Fiction schon zu kompliziert geschnitten findet oder nur geradlinige Filme mag und nicht auf Außergewöhnliches steht, braucht den Bericht eigentlich gar nicht zu Ende lesen und gibt mir direkt ein sehr hilfreich.
Man muss wirklich für solche Filme offen sein oder ist es eben nicht und entweder man hasst sie oder man liebt sie. Ich bin glücklicherweise jemand mittlerweile geworden, der immer mehr abseits des Mainstreams Filme schaut, die nicht massenkonform sind und die vielen Leuten nur Verständnislosigkeit in die Augen treibt.
David Lynchs Werke waren dafür wohl immer prädestiniert. Angefangen von seinem unterschätzen Dune, bis zu Blue Velvet, Twin Peaks (das ich immer noch nicht gesehen habe) über Lost Highway bis zu seinem letzen Film Mulholland Drive. Alle Werke verbindet, dass sie einerseits eine unglaublich suggestive Spannung haben andererseits aber nicht als Gesamtes verstanden werden können. Also ein Film, der kaum Zusammenhang erkennen lässt aber dennoch fesselt? Tatsächlich klappt so etwas. Wie auch immer.
Was ist es bei Lost Highway? All zu viel könnte die Story ja eigentlich nicht zu dieser Spannung beitragen, da ich sie nicht vollends verstehe, aber genau da liegt der Knackpunkt. Während andere Filme ihre Faszination daraus erbringen, dass man sich Fragen gestellt bekommt, die am Ende beantwortet werden und man glücklich ist, wird man hier dadurch in den Bann gezogen, dass man sich die Antworten selbst erarbeiten muss. Und da der Film vor Surrealismus, Symbolismus und Sackgassen wimmelt, wird nie jemand das Rätsel komplett lösen können und somit bleibt bei diesem Film die Spannung auch nach mehrmaligem Anschauen erhalten und steigert sich sogar, denn je näher man der Lösung kommt, desto spannender wird es ja.
Ich will Lynch auch unterstellen, dass es Szenen in diesem Film gibt, deren Bedeutung er selbst nicht genau weiß, die aber unter anderem dann dazu dienen, das Rätsel unlösbar zu machen und jedem seine eigene Interpretation zu überlassen.
Mit meinen naiven 16 Jahren damals dachte ich sofort natürlich bei der Körpertransformation an etwas Übernatürliches, Freudigerweise bin ich aber dann sooooo unglaublich gereift, dass ich doch etwas hellhöriger und schlauer wurde. Man muss halt nur auf Details achten. Wenn Fred von den Polizisten interviewt wird sagt er recht nebensächlich einen Satz, der den ganzen Film verändert und um einiges klarer erscheinen lässt. So was muss einem halt nur auffallen. Das ist das große Problem dabei.

„Ich erinnere mich an die Dinge lieber auf meine Art.“
„Wie meinen sie das?“
„Wie ich mich dran erinnere, nicht unbedingt wie es passiert ist.“

Aha, denkt sich da der schlaue André. Nicht unbedingt wie es passiert ist. Da wird doch nicht einer Schizophren sein? Fred und Pete haben nicht die Körper getauscht, sondern sind noch immer ein und dieselbe Person nur auf einer anderen Erzählebene, einer Traumebene? Mulholland Drive lässt grüßen.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf macht dieser Film so viel Spaß. Wenn Pete den und den trifft, wen entspricht er dann im Freds Leben? Was ist Traum, was ist Realität? Hier empfehle ich auch die letzte viertel Stunde sehr genau zu beobachten, da hier alles so schnell auf einen einwirkt, dass man die Informationen kaum verknüpfen kann.
Aber neben dieser unglaublich dichten Geschichte bietet der Film natürlich noch viel mehr. Da hätten wir die unheimliche Atmosphäre.
Lynch ist ein Meister von dem Einsatz von Licht und Schatten. Düster sind seine Bilder eigentlich immer, bedrohlich sowieso und oft von einer beängstigenden Intensität, wenn man seine Fernsehumgebung dunkel genug hält und den Film alleine schaut.
Es gibt wirklich nur wenige Ex-Werbefilmer die ihre umwerfenden Bilder in eine fesselnde Story packen können. Da wir schon festgestellt haben, dass die Story mehr als fesselnd ist, ist es einfach nur großartig den Bilderrausch zu genießen, der alles an surrealen Bildkompositionen in den Schatten stellt, das je auf der Leinwand geflimmert haben. Lynch ist aber nicht nur Ex-Werbefilmer, sondern auch Hobby-Architekt und Hobby-Möbeldesigner und das schlägt auch hier wieder durch. Die Wohnung von Fred und das Anwesen von Mr. Eddy sind nicht nur bedrückend Atmosphärisch, sondern auch in den typischen Brauntönen, die jeden Lynch-Film dominieren und sogar beherrschen.
Wenn man von Lynch-Bildern spricht, darf man eines nicht vergessen. Sex und Gewalt. Wenn ein Regisseur schon in die Abgründe unserer Seele vordringt, gehört das dazu. Deswegen ist hier die Freigabe ab 16 nicht nur wegen der unverständlichen Story absolut gerechtfertigt. So eine Tischkante im Schädel kann aber auch ganz schöne Kopfschmerzen verursachen. Autsch!!!
Mindestens genauso wichtig in diesem Film ist der Einsatz der Musik. Nine Inch Nails, David Bowie, Marylin Manson und Rammstein zeigen wohl gut, dass Schatten in diesem Film die überhand haben. Düster und verstörend wie die Bilder unterstützt der Soundtrack noch mehr die Bildgewalt. Vor allem Rammstein am Ende des Films, haut einen mit den passenden Bildern einfach um. Ich würde nicht sagen, dass Rammstein je meine Lieblingsband war, aber hier kann ich mir selten meine Gänsehaut verkneifen.
Getragen wird der filmische Alptraum von Schauspielern, die sich auf eine Menge eingelassen haben. Denn wie will man etwas spielen, dass man vielleicht selbst auch gar nicht erfassen kann? Trotzdem haben ausnahmslos alle Schauspieler eine Leistung abgelegt, bei der man fast annehmen möchte, dass sie alle die Story vollends verstanden haben.
Bill Pullman glänzt hier als Mörder/Opfer und zeigt, dass er nicht nur das Zeug für Blockbuster und Liebeskomödien hat, sondern auch kleine feine Filme tragen kann. Auch wenn man bei einem Mystery-Thriller wohl selten bei Bill Pullman als Traumbesetzung denken würde, hat er hier aus meiner Sicht eine Menge Pluspunkte gesammelt. Top.
Patricia Arquette (Mal wieder der Arquette-Clan) wurde gleich eine Doppelrolle aufgelegt, die sie ebenfalls perfekt inszeniert, auch wenn sie oft nur nackt umherlaufen muss. Die eher schwache René und die undurchschaubare Alice sind nicht nur durch ihre Haarfarben zu unterscheiden. Auch wenn beide vielleicht die gleiche Person sind, haucht Patricia ihnen jeweils ein eigenes Leben ein. Wunderbar.
Balthazar Getty als junger Mann, der nicht wirklich weiß, wie ihm geschieht, ist ebenfalls eine schöne Überraschung. Auch wenn er schon in so Filmen wie Natural Born Killers oder Judge Dredd aufgetreten ist, konnte er nur hier wirklich in meinem Gedächtnis haften bleiben.
Aber auch der Rest der Nebendarsteller überzeugt nicht nur durch bekannte Namen, sondern auch durch Talent. Robbert Loggias faltiges Gesicht dürfte jeder kennen, Richard Pryor erkennt man selbst ohne Gene Wilder auch wieder, Natascha Gregson Wagner (Düstere Legenden) tritt aus den Stapfen ihres Vaters Robert Wagner, Henry Rollins als Wächter kann nicht nur singen sondern auch ein bisschen schauspielern und Gary Busey sieht einfach genauso schlimm aus wie sein Sohn Jack.
Nicht zu vergessen wäre da der heimliche „Star“ des Films. Robert Blake als „mysterios man“. Der Mann sieht ja schon normal unheimlich aus, dann aber so bleich geschminkt und mit tiefschwarzen Augenringen, ist das zum gruseln ekelig. Sein Lachen übertrifft Anthony Perkins und Jack Nicholson um Längen und seine wenigen Szenen sind nichts für alptraumgefährdete Naturen. Selbst wenn ich nur an ihn denke, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Und dass er auch im realen Leben kein lieber Mensch sein soll, verstärkt das alles nur noch mehr. Denn Robert Blake sitzt im Moment im Gefängnis und wartet auf sein Urteil (das wohl die Todesstrafe sein wird) da er seine Frau umgebracht haben soll.


FAZIT, wenn das überhaupt geht…

Kein Film, sondern ein unlösbares Rätsel, auf das man sich einlassen muss, um dessen Faszination zu verstehen. Umwerfend surreale Bilder, ein Hammer-Soundtrack und Schauspieler, die man fast alle so nie wieder sehen wird. Je öfter man diesen Film schaut, desto besser wird er…

8 verwirrte von 10 ratlosen Punkten


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DVD, endlich mal was Greifbares…

Da solche Kultfilme selten hohe Absatzzahlen haben, sind die DVDs meistens miserabel. In verschiedensten Internet-Foren musste ich glücklicherweise feststellen, dass die deutsche DVD die weltweit Beste sein soll. Na dann mal schauen…

***Bildqualität***

Viel hab ich nicht erwartet und deswegen wurde ich auch nicht enttäuscht und sogar positiv überrascht. Gut ist das Bild nicht, aber auch nicht wirklich schlecht. Es gibt ein paar Probleme mit der Schärfe und ein auffälliges Rauschen in ruhigen, einfarbigen Szenen. Ansonsten ist es für so einen Film sehr ordentlich. Mulholland Drive war auch nicht viel besser.
Das Bild befindet sich in Widescreen 2,35:1 auf der Scheibe und der Layerwechsel ist sehr unauffällig in einer schwarzen Überblendung. Was will der Cineast mehr?

***Tonqualität***

Hier kann ich genau dasselbe sagen, was ich auch zum Bild gesagt habe. Überraschend gut. Die bedrohliche Score von Angelo Badalameti könnte stellenweise etwas räumlicher sein, aber sonst gibt es einige nette Geräuscheffekte und klare Stimmen. Auch der gute Basseinsatz ist sehr lobenswert. Kein Highend-Ton aber man kann ja nicht alles haben.
Der Ton liegt sowohl in Deutsch als auch in Englisch in Dolby Digital 5.1 vor und bei beiden Version sind nicht nur die deutschen Untertitel ausblendbar, sondern man kann den Ton nicht nur übers Menü, sondern auch über die Fernbedienung wechseln.

***Booklet***

Das Übliche. Einseitiges Zettelchen. Vorne die Coverabbildung und hinten drauf die Kapitelliste. Der Film ist übrigens in 22 Kapitel eingeteilt. Etwas wenig, aber annehmbar.

***Menü***

Das Menü, dass mir immer sehr wichtig ist, da es schon vor Filmstart eine Atmosphäre aufbauen kann, hat mich direkt als erstes sehr positiv überrascht. Erwartet hab ich ein statisches billiges Menü und bekommen habe ich ein sehr passen musikuntermaltes, atmosphärisch und recht aufwendig animiertes Menü. Sehr schön. Natürlich sieht man hier im Hauptmenü, die berühmte Kamerafahrt über die dunkle Strasse mit den gelben Fahrbahnbegrenzungsstreifen in der Mitte.

***Extras***

Viel ist ja wirklich nicht drauf. Aber sogar ein bisschen mehr, als auf der Hülle draufsteht.
Da hätten wir zum einen vier kurze, wenig aufschlussreiche Interviews mit David Lynch (1:44), Bill Pullman (0:19), Patricia Arquette (0:41) und Robert Loggia (0:38).
Weiterhin finden wir auf der Hülle die Hinweise auf die Trailer zu den Lynch-Filmen „Lost Highway“ und „The Straight Story“. Was aber nicht verzeichnet ist, ist ein weiterer Trailer und zwar zu dem Bill Pullman-Comedy-Horror „Lake Placid“.
Aber das war’s dann auch wirklich schon, also Neuauflage bitte kommen…


DVD-FAZIT, wenn’s denn sein muss…

Für diesen Film sind Bild und Ton überraschend gut, das Menü erhält ebenso eine berechtigte Erwähnung und nur das magere Bonusmaterial ist sehr enttäuschend.

Da ich die DVD aber für unter 10 € auf einer Shopping-Tour mit einem netten Internet-Kollegen gefunden habe, gebe ich die volle Punktzahl. Also nicht wegen dem Internet-Buddy sondern wegen dem günstigen Preis…


DATEN, die mal wieder sein müssen…

Lost Highway USA’97
Von David Lynch
Nach einem Drehbuch von David Lynch und Barry Gifford
Mit Bill Pullman, Patricia Arquette, Robert Loggia, Balthazar Getty, Robert Blake,…
FSK 16
Ca. 135 Minuten

20 Bewertungen