Mansfield Park (DVD) Testbericht
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- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Wagnerianer1979
Überflüssige Adaption mit bedenklichen Aspekten
Pro:
Einzelne Aufnahmen; Kostüme
Kontra:
Kitschig inszeniert; moralische Überkompensation; bedenkliche Neugewichtungen
Empfehlung:
Nein
Handlung
Als Kind wird Fanny Price von ihrer in Armut lebenden Familie zu reichen Verwandten geschickt. Auf Mansfield Park, dem Anwesen ihres angeheirateten Onkels Sir Thomas Bertram (Harold Pinter), wächst das De-facto-Adoptivkind Fanny (Frances O’Connor) zur jungen Frau heran. V.a. ihre strenge Tante Mrs. Norris (Sheila Gish) behandelt Fanny aber als ihren verwöhnten Kusinen Maria (Victoria Hamilton) und Julia (Justine Waddell) sowie den Cousins Tom (James Purefoy) und Edmund (Jonny Lee Miller) untergeordnet. Dennoch hat Edmund, der als jüngerer Sohn der Familie vorhat, Geistlicher zu werden, ein besonders enges Verhältnis zu Fanny.
Wegen Problemen auf den Besitzungen der Familie in der Karibik reist Sir Thomas mit Tom nach Antigua. Währenddessen treffen die Geschwister Mary (Embetz Davidtz) und Henry Crawford (Alessandro Nivola) aus der Stadt ein, und ein emotionales Wechselspiel beginnt. Obwohl Maria mit dem reichen Dummkopf Mr. Rushworth (Hugh Bonneville) verlobt ist, macht ihr der Lebemann Henry Avancen. Gleichzeitig entwickelt Edmund Interesse an Mary. Da Maria Bertram überstürzt in die Ehe mit Rushworth flüchtet, richtet Henry seine Aufmerksamkeit auf Fanny und hält sogar um ihre Hand an. Fanny weigert sich aber und wird vor ein Ultimatum gestellt.
Einschätzung
Mansfield Park biete einige schöne Aufnahmen, v.a. von Kirby Hall in den britischen Midlands, das als Landsitz der Bertrams fungiert. Auch sind die Kostüme ansprechend gestaltet (offenbar leicht modernisiert, aber an der Empire-Mode orientiert). Das wäre es aber auch im Grunde mit dem Positiven (dafür ein Stern in der Bewertung).
Zunächst mal ist die Filmmusik von Lesley Barber wirklich grauenhaft und im wesentlichen nur eine pseudo-historisierend hingeworfene, ebenso substanz- wie geschmacklose Endlosschleife. Allerdings fügt sich die Musik in den Gesamteindruck des Films.
Auch wenn das Grundgerüst der Handlung erhalten bleibt, so hat die Kanadierin Rozema deutlich und bewusst in die ursprüngliche Geschichte eingegriffen. Mag das verständlicherweise bei Adaptionen immer so sein, so haben die Änderungen eine deutliche Agenda. Die Hauptpunkte hierbei sind Sklaverei und Feminismus.
Sir Thomas hat Besitzungen auf Antigua, die den Reichtum der Familie gewährleisten, und ist somit offensichtlich Sklavenhalter. Im Buch wird die Sklaverei nur angesprochen, aber nicht weiter thematisiert. Dieses Beschweigen in Austens Buch wurde insbesondere ab der post-kolonialen Epoche im 20. Jahrhundert kritisiert. Rozema erfindet nun Details hinzu, um der Sklaverei eine zentrale Rolle zu geben: Auf dem Weg von und nach Portsmouth hört Fanny Gesänge von den Sklavenschiffen; sie findet in Toms Sachen Zeichnungen, die Misshandlungen von Sklaven auf Antigua zeigen; am Ende des Films wird dem Zuschauer mitgeteilt, Sir Thomas hätte sich von seinen karibischen Besitzungen zurückgezogen und in Tabak investiert.
Nur am Rande könnte dabei durchaus die Frage gestellt werden, inwieweit das eine Verbesserung sein soll, denn: Wer arbeitete eigentlich damals auf den Tabakplantagen, u.a. im Süden der USA?
Zweite Hauptlinie der Neuinterpretation ist der Feminismus. Im Vergleich zum Buch wurde die Hauptfigur von einem schüchternen, kränklichen Mädchen zu einer kerngesunden, selbstbewussten Vorkämpferin für die Gleichberechtigung der Frau transformiert. Unterstrichen wird diese Veränderung noch durch die Amalgamierung von Fanny mit Jane Austen selbst, denn Rozema hat das Jugendtagebuch und Austens Briefe als Äußerungen des Charakters Fanny verwendet, um sie als literarisch begabte Intellektuelle präsentieren zu können. Auch das Hin und Her um den Antrag von Henry ist eine Episode aus Austens eigener Biographie, die wegen der offenkundigen Unsicherheit Fannys ironischerweise eher zur Buchversion passen würde, nicht zur Feministin im Film. Schließlich wurde auch Fannys Bruder William, der zum Marineoffizier avanciert, in der Filmhandlung komplett gestrichen und dafür die Beziehung zur Schwester Susan herausgestellt.
Hochproblematisch ist nicht nur die moralische Überkompensation; Sklaverei und die Stellung der Frau im georgianischen England werden parallelisiert, wenn nicht gar gleichgesetzt (im begleitenden Interview sagt die Hauptdarstellerin sogar, durch die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft fühle sich Fanny immer mehr "versklavt.“).
Um das mal deutlich auszudeklinieren:
Gerade in der Darstellung Rozemas ist Fanny eine zwar aus einfachen Verhältnissen stammende, aber durch ihre reichen Verwandten privilegierte Frau, deren Probleme sich auf ein unwirksames Ultimatum beschränken; sie kann ein selbstbestimmtes Leben führen und letztlich heiraten, wenn sie will. Diese Frau soll nun tatsächlich in derselben Lage sein wie Millionen afrikanischer Sklaven, von denen ein Großteil schon den höllenhaften Transport nicht überlebte, während die Übriggebliebenen unter grausamen Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten?
Aus diesen Gründen lehne ich die Adaption Rozemas ab, mal ganz abgesehen von den kitschig inszenierten, aufgesetzten und dadurch distanzierend wirkenden Emotionen. Insgesamt für mich ein überflüssiger Film.
Wer sich ein "period piece" über den steinigen Weg zum Verbot der Sklaverei im britischen Empire ansehen möchte, sei auf Michael Apteds Amazing Grace (2006) verwiesen. Als bewegende und auf Tatsachen beruhende Geschichte bietet aktuell Steve McQueens 12 Years a Slave (2013) ein schonungsloses Bild der Sklaverei in Nordamerika.
Technische Angaben:
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Format: 1,85:1
FSK: ab 6
Spieldauer: ca. 107 Minuten
Extras: Interviews mit Patricia Rozema, Frances O’Connor, Embetz Davidtz, Alessandro Nivola; Trailer; "Behind the Scenes“, Audiokommentar
23 Bewertungen, 8 Kommentare
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09.11.2014, 00:31 Uhr von Lale
Bewertung: sehr hilfreichAllerbesten Gruß *~+
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05.11.2014, 17:14 Uhr von stuffel13
Bewertung: sehr hilfreichsh und lieben Gruß, Steffi ♥
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27.11.2013, 18:55 Uhr von Little-Peach
Bewertung: sehr hilfreichSH =))
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27.11.2013, 09:15 Uhr von BoxerRocko
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße
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26.11.2013, 22:50 Uhr von katjafranke
Bewertung: besonders wertvollLiebe Grüße KATJA.
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26.11.2013, 20:39 Uhr von Haustierhalterin
Bewertung: sehr hilfreichIch lese gegen - Du auch? :)
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26.11.2013, 18:30 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLG Damaris
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26.11.2013, 18:10 Uhr von Bochsi
Bewertung: sehr hilfreichSH! Freue mich auf gegenlesung. lg Julian :)
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