Mission: Impossible (VHS) Testbericht

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ab 12,25
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Erfahrungsbericht von wildheart

Tom, you will never be a James Bond

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Tom Cruise als Ersatz-James-Bond? Kaum vorstellbar. Brian de Palma („Die Unbestechlichen“, 1987; „Carlito’s Way“, 1993; „Spiel auf Zeit“, 1998) und Tom Cruise (Produzent neben Paula Wagner) ließen keinen müden Dollar aus, um das Gegenteil zu beweisen. „Mission Impossible“ wurde zu einem Kassenschlager und den Regeln des Mainstream-Kinos war einmal mehr genüge getan. Ob das dem Image von Cruise dienlich war, muss bezweifelt werden. Der nach der erfolgreichen amerikanischen Fernsehserie gleichen Namens – bei uns unter dem Titel „Kobra, übernehmen sie“ – (an die 170 Episoden zwischen 1966 und 1973) gedrehte Streifen züchtet ein Klischee, das nach 1989 so manchem Film das Futter für Action & Crime geben sollte: Nach dem Ende des Kalten Krieges musste der Ost-West-Konflikt irgendwie und irgendwo auf ein neues Fundament gesattelt werden. Merkwürdigerweise ist Prag einmal mehr einer der Schauplätze, in denen das dumpfe Misstrauen gegenüber den tatsächlichen oder vermeintlichen Resten der östlichen Geheimdienste gepflegt wird. In „Mission Impossible“ allerdings sind es ein Maulwurf innerhalb der CIA und ein anonymer Geheimnis-Händler namens Max, der sich als resolute Lady entpuppt, die dem Hauptquartier der CIA in Langley das Leben schwer machen.

Inhalt
CIA Special Agent Phelps (Jon Voight) soll mit einem ebenso speziellen Team diesen Maulwurf ausfindig machen. Im Visier der Truppe steht ein gewisser Alexander Golitsyn (Marcel Iures) in Prag, der eine sog. NOC-Liste mit den Namen verdeckter Spitzenagenten meistbietend an die Gegenseite verscherbeln will. Bestückt mit den neuesten Computertechnologien und Waffen schickt Phelps seine Frau Claire (Emmanuelle Béart), Ethan Hunt (Tom Cruise), Sarah Davies (Kristin Scott Thomas) und einige andere Spezialisten in die tschechische Hauptstadt, um Golitsyn den Garaus zu machen. Doch der Einsatz geht schief. Ein Top-Agent nach dem anderen segnet das Zeitliche, sogar Phelps selbst fällt angeschossen von einer der schönsten Brücken Prags in die Moldau. Nur Hunt hat offenbar überlebt und wird zu allem Unglück von CIA-Chef Kittridge (Henry Czerny) auch noch des Verrats verdächtigt: Hunt soll der Maulwurf sein.

Mit Hilfe eines explosiven Kaugummis kann Hunt dem Zugriff seiner Ex-Kollegen entkommen und beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen. Als plötzlich Claire wieder auftaucht, weiht er sie – nach anfänglichen Zweifeln – in seinen Plan ein: Er will mit Hilfe des Computerexperten Stickell (Ving Rhames) und des äußerst wendigen und kräftigen Franz Krieger (Jean Reno) ins CIA-Hauptquartier einbrechen, um die dort vermutete NOC-Liste zu stehlen und sie über Max an den Maulwurf verkaufen. Der Kontakt mit Max (Vanessa Redgrave) gestaltet sich offenbar erfolgreich. Max sichert zu, für die Liste zu zahlen und bei der Übergabe dafür zu sorgen, dass Hunt den Maulwurf zu Gesicht bekommt, den sie – so vermutet Hunt – kennt.

Doch zunächst muss der Einbruch durchgeführt werden ...

Inszenierung
Das Leben ist eine Achterbahn. Und so mancher Schuss geht über die Schienen hinaus. Was de Palma und Cruise in diesem Film präsentieren, hat alles mögliche, nur nicht das Prädikat Logik verdient. Die Geschichte besteht im wesentlichen aus drei Teilen: der Anfangssequenz, in der Phelps & Co. in Prag erfolglos operieren, dem Einbruch in das CIA-Hauptquartier und dem Showdown. Zwischen diesen Szenarien tummelt sich aber nicht etwa eine sich durch charakterliche Tiefe und eine glaubwürdige oder zumindest handfeste Geschichte auszeichnende Handlung, sondern, kurz gesagt, Unsinniges. Cruise ist einfach in keiner Hinsicht so etwas wie Bond. De Palma und Cruise wollen den Star aber unbedingt dazu machen. Und das geht voll in die berühmte Hose. Im Gegensatz zu anderen Filmen de Palmas, etwa „Carlito’s Way“ mit Al Pacino und Sean Penn in den Hauptrollen, dienen ein mittelmäßiger Plot und ebenso dünn gezeichnete Figuren (mal wieder) nur einem: der Action. Umgekehrt wird bekanntlich ein Schuh draus.

Es gibt kaum eine Person in diesem Film, die nicht als eine Art „Bindfaden“ dient, um die drei Actionsequenzen zusammenzuschnüren. Tom Cruise ist austauschbar; er hangelt sich von Szene zu Szene, und manchmal hat man den starken Verdacht, sein überaus nettes Gesicht und seine sympathische Erscheinung sollen ersetzen, was an Charakter für diese Rolle eben nicht vorhanden ist. Jean Reno beschränkt sich auf ein paar grimmige Gesichter und spielt den Klischee-Bösewicht. Ving Rhames vernetzt sich mit seinem Computer, lächelt nett, Ende. Und auch Jon Voight, Emmanuelle Béart und ausgerechnet auch noch Kristin Scott Thomas spielen unter aller Kanone, sprich: unter ihrem Niveau. Lediglich der großen Vanessa Redgrave kann man zugestehen, dass sie der Rolle von Max einiges abgewinnen kann.

Was die Action-Sequenzen anbetrifft: Der Film beginnt durchaus spannend. Die verdeckte Aktion in Prag lässt hoffen. Auch der Einbruch in das CIA-Hauptquartier in Langley hat durchaus Unterhaltungswert, auch wenn diese Geschichte mehr als unglaubwürdig ist. Da spazieren Hunt und seine Leute als Feuerwehrmänner schnurstracks und ohne Probleme in einen extrem gesicherten Bereich, als wenn es ein Sonntagmorgenspaziergang wäre. Ohne Probleme setzen sie alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen außer Kraft und spazieren wieder hinaus. An einer Stelle vor dem Coup sagt Stickell, es sei wohl einfacher in Fort Knox Gold zu klauen. Recht hat er, wenn man sich „Mission Impossible“ angesehen hat.

Auch dem Showdown fehlt es nicht an Spannung und zugleich Glaubwürdigkeit. Da rast Jean Reno einem Zug durch einen Tunnel in einem Hubschrauber hinterher. Ich fasse es nicht! Tom Cruise und Jon Voight hangeln sich auf dem Dach des Zuges – einem Hochgeschwindigkeitszug – entlang. Ich fasse es wieder nicht!

Nun mag man einwenden, auch in James-Bond-Filmen oder vergleichbaren Streifen sammelten sich im Laufe des Kinoerlebnisses so manche Ungereimtheiten. Richtig. Und insofern kann man auch darüber hinwegsehen. Was ich allerdings „Mission Impossible“ vor allem ankreide, ist der alles andere als subtile oder überzeugende Plot. Hunt weiß plötzlich, dass Kittridge nicht sein Feind ist. Woher? Und woher weiß er, wer der Maulwurf ist? Reine Vermutung? Wozu diente überhaupt die ganze Aktion in Prag, wenn die NOC-Papiere doch in Langley lagern? „Du verstehst aber auch nichts“, dröhnt es mir entgegen. Der Maulwurf hat den ganzen Zauber nur inszeniert, um Hunt dazu zu bewegen, als Verdächtiger in den Augen von Kittridge die Papiere aus Langley herauszuholen. Eine Wahnsinns-Spekulation dieses überaus weitsichtigen Maulwurfs, denn diese Spekulation enthält ein Wenn nach dem anderen. Was, wenn der Einbruch nicht gelingt, was, wenn Kittridge es schafft, Hunt festzusetzen oder zu eliminieren, was, wenn ... Anders formuliert: Die Geschichte ist von hinten aufgezäumt. Das gewünschte Ergebnis bestimmt den Ablauf der Handlung. Zu viel Spekulation.

Fazit
„Mission Impossible“ ist kein durch und durch schlechter Film. Trotz aller Mängel – fast auf allen Ebenen – habe ich mich knapp zwei Stunden einigermaßen unterhalten gefühlt, auch wenn Spaß und Vergnügen die Grenzen der Mittelmäßigkeit nicht überschreiten konnten. Im Gedächtnis wird dieses „Run, Tom, run!“-Spektakel nicht lange haften bleiben. Denn es bleibt dabei: Ein Film lebt von Geschichte und Charakteren, nicht von Bang & Boom.

Wertung: 5,5 von 10 Punkten.

Mission Impossible
(Mission Impossible)
USA 1996, 110 Minuten
Regie: Brian de Palma

Drehbuch: David Koepp, Bruce Geller („Kobra, übernehmen sie“)
Musik: Björk, Danny Elfman, Lalo Schifrin
Director of Photography: Stephen H. Burum
Schnitt: Paul Hirsch
Produktionsdesign: John Chisholm, Kate Garbett, Tom Southwell, Simon Staines, Colin Thurston, Tom Southwell
Hauptdarsteller: Tom Cruise (Ethan Hunt), Jon Voight (Jim Phelps), Emmanuelle Béart (Claire Phelps), Henry Czerny (Eugene Kittridge), Jean Reno (Franz Krieger), Ving Rhames (Luther Stickell), Kristin Scott Thomas (Sarah Davies), Vanessa Redgrave (Max), Dale Dye (Frank Barnes), Marcel Iures (Alexander Golitsyn), Ion Caramitru (Zozimov), Ingeborga Dapkunaite (Hannah Williams)

Offizielle Homepage: –
Internet Movie Database: http://german.imdb.com/Title?0117060

Weitere Filmkritik(en):
„Movie Reviews“ (James Berardinelli):
http://movie-reviews.colossus.net/movies/m/mission.html

„Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/1996/05/053107.html


© Ulrich Behrens 2002 für
www.ciao.com
www.yopi.de
www.dooyoo.de

21 Bewertungen, 1 Kommentar

  • XXLALF

    03.08.2010, 10:09 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    gestern kam dieser im fernsehen, wobei ich gezielt nach diesem bericht gesucht habe, da ich es unheimlich interessant finde, wie andere diesen film beurteilen. als recht spannende, wenn auch schon oftmals gesehen, fand ich die mit den schweißtropfen, und dann die im luftschacht mit der ratte, wobei ich den eindruck gewonnen hab, dass dieser mann unheimliche angst vor ratten hat. wie immer hat es mir freude gemacht deinen bericht und die meinung dazu zu lesen. wunderbar geschrieben, bw und ganz liebe grüße