Monaco Franze - Der ewige Stenz (DVD) Testbericht

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ab 12,68
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Erfahrungsbericht von LosGatos

Ein ungleiches Paar

Pro:

ein Meilenstein deutscher TV-Unterhaltung

Kontra:

so etwas gelingt zu selten

Empfehlung:

Ja

Es war einmal ein höchstens mittelmäßiger Schauspieler, dessen Charisma bestenfalls dafür ausreichte, im \"Tatort\" einen Hilfskommissar zu mimen. So schien es zumindest lange Zeit, bei Helmut Fischer (Jahrgang 1926) der Fall zu sein. Aber dem einen oder der anderen von uns mag es sicher auch im Leben schon so ergangen sein, dass wir vielleicht notgedrungen Tätigkeiten nachgegangen sind, in denen wir unsere wahren Talente nicht entfalten konnten. Der Apothekerssohn, der vom Vater die Apotheke übernehmen musste, oder der Humanist, der seinen Lebensunterhalt als Taxifahrer bestreiten muss, sind nur einige Beispiele. Ein anderer hat vielleicht Naturwissenschaften studiert, aber ein langweiliger Bürojob füllt ihn nicht aus. \"Jeder ist seines Glückes Schmied\" ist oft leichter gesagt als getan, gerade in heutigen Zeiten, und nicht immer jedermanns Sache. Und manchmal hängt unser Schicksal nur an einem seidenen Faden und von einem winzigen Zufall ab.

Bei dem Münchner Schauspieler Helmut Fischer war es jedenfalls so. Zwar war er schon seit Jahren durch das Fernsehen als Schauspieler bekannt, doch große Rollen blieben ihm lange verwehrt. Fischer war bereits weit über 50, als er eines Tages per Zufall den Regisseur Helmut Dietl in München traf. Dietl war damals Anfang 30, hatte aber bereits Anfangserfolge als Regisseur von Fernsehserien wie \"Münchner Geschichten\" vorzuweisen und war international tätig. Jener Dietl, der später auch Kinofilme wie \"Schtonk\" oder \"Rossini\" gedreht hat. Es muss um 1980 gewesen sein, als Dietl Fischer in Schwabing \"entdeckte\" und ihm kurz darauf mit dem \"Monaco Franze\" die Rolle seines Lebens auf den Leib schrieb. Fortan war Helmut Fischer einer der erfolgreichsten Schauspieler im deutschen Fernsehen. Fischer spielte jetzt fast nur noch den \"Frauentyp\". Helmut Fischer starb 1997 an einem Krebsleiden.

\"Monaco Franze\" war eine lediglich 10-teilige Fernsehserie, die 1981 erstmals und dann immer wieder ausgestrahlt wurde. Sie ist ein Meilenstein deutscher TV-Unterhaltung. Dietl schrieb das Drehbuch damals schon zusammen mit Patrick Süskind, mit dem er später auch \"Rossini\" drehte, einem Film, in dem die Eichingers, Dietls und Süskinds sich selbst persiflierten. Süskind wurde vor allem auch durch den Roman \"Das Parfüm\" weltberühmt.

Der \"Monaco Franze\", das ist der Kriminalkommissar Franz Münchinger, Sohn eines Änderungsschneiders und aufgewachsen im Münchner Stadtteil Westend, eine Gegend, wo man leichter Krimineller als Kriminaler wird. Der Name \"Monaco\" wurde dem Endvierziger aufgrund seines südländischen Aussehens verliehen, denn \"Monaco\" ist nicht nur der Name eines Fürstentums an der Côte d\'Azur, sondern auch die italienische Bezeichnung der bayerischen Landeshauptstadt, wo unsere Geschichte spielt. Münchinger ist verheiratet mit Annette von Soettingen, einer Dame der feinen Gesellschaft, der aber der \"Monaco Franze\" nicht angehören will. Seine Welt besteht weder aus Oper, Theater oder Vernissagen, er verkehrt dort, wo die Damen zwischen 17 und 35 anzutreffen und einem kleinen Flirt nicht abgeneigt sind, und vielleicht geht ja noch ein bisschen mehr. \"A bissel was geht zumindest immer\" ist eine der Devisen Monacos. Franz und Annette sind ein ungleiches Paar, wie es gegensätzlicher nicht sein kann. Der Zuschauer fragt sich natürlich, was diese beiden vereint hat, Dietl verrät es uns aber nicht. Es ist halt so. Bei manchen langverheirateten Ehepaaren versteht man ja oft auch nicht, warum sie zusammen sind. Oft wissen sie es womöglich ja selbst nicht mehr. Aber Franz und Annette sind kein altes Ehepaar. Annette, gespielt von Maria Kubitschek, ist eine schöne Frau, die von Männern ihresgleichen begehrt und umworben wird. Ich habe Maria Kubitschek immer als eine der erotischsten Frauen empfunden, die das deutsche Fernsehen hervorgebracht hat, besonders aufgrund ihrer Stimme. Und den Typ der Aristokratin vermag im deutschsprachigen Raum nur noch Christiane Hörbiger so überzeugend verkörpern wie die Kubitschek. Der Monaco hat sein \"Spatzl\", wie er seine Frau stets liebevoll nennt, wahrscheinlich genauso per Zufall kennengelernt wie später seine zahlreichen Liebschaften, mit dem Unterschied, dass es ihr gelang, ihn einzufangen. Zumindest schien es ihr wohl anfangs so, denn einfangen kann man einen wie den Monaco nicht, einen, der nie um Ausreden verlegen ist. Immerhin hat es zum Trauschein gereicht. Doch er bleibt \"der ewige Stenz\", so der Untertitel der Serie. \"Stenz\", ein bayerischer Ausdruck, bedeutet in etwa so viel wie \"Casanova\". Gleich zu Beginn der Serie wird der Kommissar Münchinger frühpensioniert. \"Spatzl\" hatte das aufgrund ihrer guten Beziehungen, hier zu einem anerkannten Arzt, betrieben, in der Hoffnung, ihren Mann \"häuslicher\" zu machen. Aber leider geht der Schuss nach hinten los....

Die Serie \"Monaco Franze\" lebt aber keineswegs nur von Helmut Fischer und Maria Kubitschek. In Dietls Meisterwerk glänzt auch fast jeder Nebendarsteller, egal, ob in allen Folgen, sporadisch oder nur in einzelnen Gastrollen vertreten. Wer auch immer als Schauspieler(in) des Münchner Milieus Rang und Namen hat(te), ist hier mit von der Partie. Da ist zunächst der etwas einfältige Kollege Kommissar Manni Kopfeck, gespielt vom Münchner Volksschauspieler Karl Obermayr, der bereits Mitte der 80er Jahre verstarb und der uns vor allem in dieser \"Sancho Pansa\"-haften Rolle in Erinnerung geblieben ist. Dann erleben wir die getreue Haushälterin Irmgard (Erni Singerl), die aus ihrer Abneigung gegenüber dem Herrn des Hauses nie ein Geheimnis macht (\"Kommt ER heute zum Essen?\"). Eine urige Rolle darf auch Christine Kaufmann als Olga mimen. Die Ex-Frau von Hollywood-Star Tony Curtis spielt eine Angestellte Annettes in deren Antiqitätenladen und verkörpert den Typ \"Alte Jungfer\", die, gehandicapt durch Zahnspange und unvorteilhafte Brille, ihre Chefin auch stets auf kulturellen Veranstaltungen begleitet, dort aber meist nur ein Mauerblümchendasein tristet. Was Manni für Franz ist, ist Olga für Annette. Damit wären die \"ständigen\" Nebendarsteller genannt.

Hin und wieder bekommen wir Ruth Drexel (\"Mama Resi\") als Lisi Schleibinger zu Gesicht. Sie betreibt im Westend eine Kneipe und ist in der Serie die Ex-Frau des Monaco, der mit ihr sogar ein gemeinsames Kind hat, das in der Serie aber nicht in Erscheinung tritt. Der junge Wolfgang Fierek (der in meinem heutigen Wohnort geboren wurde) amüsiert den Zuschauer in der Rolle des Kleinkriminellen Tierpark-Toni. Auch an den ermordeten Münchner Schauspieler Walter Sedlmayr werden wir nochmals erinnert, er ist als Dr. Felix Hallerstein dafür verantwortlich, dass der Monaco frühpensioniert wird. Auch er gehört zu den heimlichen Verehrern der Frau von Soettingen und denen, die im Monaco einen sehen, der ihrer nicht würdig ist. Er ist ebenso Teil der feinen bornierten Gesellschaft wie all die Staatssekretäre vom Schlage Dr.Braun etc. Diese Schickeria wird aber gleich in der ersten Folge vom Monaco auf seine Art vorgeführt. Denn die Antipathie beruht natürlich auf Gegenseitigkeit und er versteht es vortrefflich, denen den Spiegel vors Gesicht zu halten. Nur sind die Betreffenden nicht bereit hineinzuschauen.

Die Rolle der Damen, die das Herz des ewigen Stenz\' erfreuen, haben natürlich nur Gastrollen, denn die amourösen Abenteuer sind stets von kurzer Dauer und auf meist eine Folge beschränkt. Wenn da nicht die Elli (Gisela Schneeberger) wäre, die sich mit ihrem Schicksal nicht so schnell abfinden will, was noch eine Weile zu \"immer G\'schiss mit der Elli\" führt. Michaela May mimt einen Faschings-Flirt, Olivia Pascal als berechnende Geliebte nutzt des Monacos Midlife-Crisis (\"Ein ernsthafter älterer Herr, das wollte ich auf gar keinen Fall sein\") und Ulli Philipp verdingt sich bei ihm als Englisch-Nachhilfelehrerin.

Die Serie \"Monaco Franze\" ist weit mehr als eine normale Fernsehserie. Sie gehört halt zu denen, die man nie vergisst und vor die man allem auch nicht vergessen möchte. Mit ihr wurde Helmut Fischer, aber auch Helmut Dietl zum Star, viele andere Schauspieler verbindet der Zuschauer im Nachhinein gerade mit dieser Serie. Hier erlebt man Fernsehunterhaltung von höchster Güte und Komödie vom Feinsten. Vor allem fehlt das satirische Element nicht. Der \"Monaco Franze\" sorgte bereits für Kultsprüche wie \"A bissel was geht immer\", \"Spatzl, schau wie ich schau\" oder \"mehr seelisch, verstehn\'s\", lange bevor ein anderer Münchner mit so etwas wie \"Ist denn heute schon Weihnachten?\" aufkam. Natürlich klingelt in dieser Serie kein Handy, Festnetztelefone hingegen haben noch die guten alten Wählscheiben. Also erleben wir viele nostalgische Gefühle. Und nicht zuletzt ist die Serie eine Liebeserklärung an die Stadt München. Die Drehbücher für die einzelnen Folgen - Dietl nannte sie später \"Märchen\" - hat Helmut Dietl überall auf der Welt geschrieben, nur nicht in München. Denn mit dem realen Leben vor Ort konfrontiert, hätte er sie nicht schreiben können. Da jede Folge auf 45 Minuten beschränkt ist, kommt auch nie Langeweile auf. Zwar ist jede Episode in sich abgeschlossen, zum besseren Verständnis der Rahmenhandlung ist jedoch sequentielles Erleben von Teil 1 bis 10 empfohlen.

Helmut Fischer starb 1997, aber der Monaco Franze ist unsterblich. Um das Immer-Wieder-Erleben von Zeit zu Zeit zu ermöglichen, ohne dabei auf Wiederholungen in Dritten Programmen angewiesen zu sein, wurden die Abenteuer des Monaco natürlich unlängst auf DVD gebrannt. Die 10 Episoden sind dabei auf 3 Silberlinge verteilt. Natürlich kommt auch diese DVD-Box nicht ohne Bonus-Material aus, um Preise künstlich in die Höhe zu treiben. Zum Glück bleibt dieses hier auf ein spätes Interview mit Helmut Dietl beschränkt, in dem uns der Regisseur rückblickend von dem kleinen Zufall berichtet, der Helmut Fischers Karriere in erfolgreichere Bahnen lenkte und der auch hier der Beginn einer langen Freundschaft war. Zudem hatte Dietl, wie er erzählt, den Bayerischen Rundfunk sozusagen mit dieser Produktion hereingelegt, denn die glaubten, Dietl würde eine Krimi-Serie drehen. Die DVD-Box enthält zu den einzelnen Episoden jeweils eine kurze Inhaltsangabe und ein Booklet mit den Filmographien der wichtigsten Schauspieler und einem Exkurs über den \"Stenz\" u.a. von Helmut Dietl und Patrick Süskind. Jede andere Sprache als bayerisch, ersatzweise deutsch, verbietet sich bei dieser Produktion, eine Sprachauswahl ist hier so überflüssig wie Untertitel. \"Monaco\" gibt es nur im Original, und das in \"mono\", oder gar nicht. Die Fernbedienung des DVD-Players benötigt man hier nur, um die entsprechende Folge auszuwählen, und schon geht es los mit der berühmten Titelmelodie, die man, einmal gehört, nie wieder vergisst, und dem Vorspann, der einen Streifzug durch die einzelnen \"Märchen\" bietet. Sind wir nicht alle ein bisschen \"Monaco\"? Und wer es nicht ist, sollte sich erst recht diesen DVD-Set kaufen. Man muss sie sich nicht dauernd anschauen, aber ein bissel was geht schließlich immer....

Episoden-Überblick:

Folge 1: \"Ein bissel was geht immer\"
Folge 2: Die italienische Angelegenheit
Folge 3: Kalt erwischt
Folge 4: Der Friedensengel
Folge 5: Der Herr der sieben Meere
Folge 6: Mehr seelisch, verstehn\'s?
Folge 7: Ein ernsthafter älterer Herr
Folge 8: Macht\'s nur so weiter!
Folge 9: Wo ist das Leben noch lebenswert?
Folge 10: Abgestürzt

Technische Angaben:
• Sprache: Deutsch (Dolby Digital 1.0)
• Bildformat: 4:3
• Dolby, HiFi Sound, PAL
• Laufzeit: 477 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 15. Januar 2004
• Produktion: 1982


Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 11.6.2005
Veröffentlicht außer bei Ciao derzeit nur noch bei Yopi

27 Bewertungen, 1 Kommentar

  • campino

    11.06.2005, 22:50 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...habe ich damals nicht alle Folgen sehen können.