Natürlich blond! (VHS) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von Claerchen
Haarfarben und ihre gesellschaftliche Berechtigung
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Manche Dinge auf dieser Welt sind wie sie sind. Sie werden sich auch nie ändern. Oder zumindest nicht so bald.
Morgens geht die Sonne auf, am 24. Dezember gibt es Geschenke, Rechts ist da, wo der Daumen links ist, und das Clärchen lässt sich keine kostenlose Kinoaktion entgehen.
Auch wenn sich diese oftmals gut zu verstecken wissen, so hat das Clärchen scheinbar den richtigen Riecher für Gratistickets (auch wenn sich keine auffällige Unterscheidung zu anderen Nasen beweisen lässt).
Aus Urlaubsgründen in Besitz der Novemberausgaben jeglicher Frauenzeitschriften war es schließlich ein
Leichtes, den entsprechenden Gutschein in der AMICA ausfindig zu machen:
„Wir zeigen Ihnen die Komödie „Natürlich blond“ noch vor dem offiziellen Kinostart am 11.11. um 11 Uhr...“, hieß es dort und schließlich lässt sich ein Clärchen nicht zweimal bitten.
Um auch wirklich zu den Auserwählten zu gehören, kamen das Clärchen und die Clärchenbestefreundin auf die glorreiche Idee, vorsichtshalber schon morgens um 9.30 Uhr am UFA Cubix am Alexanderplatz aufzukreuzen.
Im Wir-haben-gleich-ganz-viel-Kino-für-ganz-umsonst-Fieber mit der Thermoskanne bewaffnet (was zugegebenermaßen schon mit einer Wow-ich-steh-jetzt-hier-vor-dem-Hotel-wo-vielleicht-aber-vielleicht-auch-doch-nicht-die-ach-was-weiß-ich-wie-die-Boygropup-heißt-abgestiegen-sind-und-womöglich-bekomm-ich-noch-ein-Autogramm-bevor-ich-in-Ohnmacht-fall-Infektion vergleichbar ist) standen die beiden da nun.
Und zwar allein. Ganz allein.
Mal ein Zug, ein Taxi. Der kalte Wind pfiff nur so und der Herr vom Sicherheitsdienst grinste mitleidig, als er sich vergewisserte, dass die Türen auch wirklich verschlossen waren.
Aber immerhin waren somit ab 10.15 Uhr die besten in Kino 5 befindlichen Plätze in stolzem Clärchenbesitz.
Der obligatorische Werbeblock blieb dem Publikum erspart („Och menno, genau heute wollte ich unbedingt mal wieder Werbung sehen...“) und so wurde dieses pubertierende Märchen in pretty pink ohne Vorwarnung auf die gespannten Gäste losgelassen:
Barbie lebt! Und auch nicht nur einmal. Kleine geklonte blonde Gummipüppchen haben sich in Los Angeles zu einer Studentenvereinigung zusammengeschlossen und leben ihr Klischee.
Plastik, Pink, Puschel - die drei Dinge, aus denen Mädchenträume sind.
Und was wären Gruppen ohne einen Anführer? Cheerleader, Homecoming Queen, all das, was man zum
höchsten Ansehen unter den Hohlköpfchen braucht, hat Elle Woods (Reese Witherspoon). Und dazu natürlich
auch den begehrtesten Kerl auf dem Campus oder Erden – in diesem Falle Warner (Matthew Davis).
So weit eitel Sonnenschein! Warner fühlt sich allerdings der juristischen Familientradition verpflichtet, was ihn nach Harvard führt. Während der Gedanke an eine Long-Distance-Beziehung für Elle noch gar nicht so erschütternd ist, eröffnet ihr Noch-Freund ihr, dass das eigentliche Problem das Blondchen an seiner Seite ist, wenn er mit 30 angesehener Politiker sein möchte (wenn das nicht schon ein Widerspruch in sich ist).
Und so schnell passiert es. Drei kleine Worte lassen die Seifenblase eines kleinen Mädchens platzen, worauf der logische aber eben nicht standesgemäße Rückzug inklusive Pralinen-Vernichtungs-Aktion folgt.
Doch sich so leicht unterkriegen lassen? NEIN! Eine Frau, weiß, was eine Frau tun muss und so macht sich Elle auf, das zurückzuerobern, was schon immer ihr gehört hat. Und zwar mit allen Mitteln.
Warner möchte eine seriöse, intelligente Frau? Nichts leichter (und zugleich schwerer) als das! Elle bewirbt sich kurzerhand ebenfalls in der Bostoner Eliteuniversität und zwar mit einem Home- oder eher Pool-Video der besonderen Art.
Aber Frechheit siegt bekanntlich und so macht sie sich mit Sack und Pack und ihrem Schoßhündchen
Brutus auf an die ach so biedere Ostküste, wo sie und ihr bunter Hund gleichermaßen auffallen. Doch Elle
kommt zu spät; stolz präsentiert Warner ihr seine brünette Ex-Freundin und Jetzt-Verlobte Vivian (Selma Blair).
Und somit scheitert der gut durchdachte Plan schon in der ersten Sekunde seiner versuchten Durchführung. Das Ideal einer Westküstenschönheit erkennt zum ersten Mal, dass die Welt anders ist als sie sich ihr bisher dargestellt hat.
Zum ersten Mal ist Miss Perfect nicht die, die von allen angehimmelt wird, sondern die, die aus der Rolle fällt, die, die außen steht, die, die keine Ahnung hat, schlichtweg die, die niemand leiden kann. Wohl das Schlimmste, das jemandem passieren kann, für den Anerkennung wichtiger als Atmen ist.
Nichtsdestotrotz bemerkt Elle zum ersten Mal in ihrem Leben, dass sie ihm wirklich einen Sinn geben kann und beginnt über ihre eigenen Grenzen hinauszuwachsen. Das, was zuerst nur eine Get-my-boyfriend-back-Aktion sein sollte, artet aus im Versuch die Welt zu verbessern (mit der Aufklärung eines Mordprozesses). Und alles kommt wie es kommen muss.
Da Hochglanz-Komödien meist von ihren Gags und nicht vom Tiefgang der Geschichte leben, soll an dieser
Stelle mal wieder nicht zu viel über den genaueren Handlungsverlauf erzählt werden.
Auch wenn die Story selbst natürlich alles andere als realistisch ist und man förmlich darauf wartet, dass sich dieses Teenie-Spektakel in seinem unvermeidlichen Happy End ergießt, so ist es den Darstellern und eben allen voraus Reese Witherspoon gelungen, einer theoretisch recht platten Geschichte Leben einzuhauchen.
„Natürlich blond!“ und seine Protagonistin verschmelzen zu einem untrennbaren Eins, einer homogenen Mischung, die ohne den jeweils anderen Teil nicht existieren könnte.
Kein Zweifel, kein Charakterbruch. Und wie allzu oft bedient sich Hollywood bestehender Klischees, um es dem Zuschauer so einfach wie möglich zu machen, den jeweils dargestellten Menschen so schnellstmöglich in die passende Schublade stecken zu können, die hier durchaus nur farbliche Kennzeichnung benötigen.
Doch aller Unsinn enthält zumeist ein Fünkchen Wahrheit und so wird auch in dieser doch recht seichten Geschichte ein gesellschaftliches Phänomen beleuchtet.
Warum machen in unseren Breitengraden die Schattierung, die Konzentration der Farbstoffe, der Kopfbehaarung einen so himmelweiten Unterschied in Bezug auf die Ausstrahlung eines Wesens des weiblichen Geschlechts?
Keinem anderen Teil des Körpers werden so viele Parallelen zum Charakter der Frau zugesprochen.
Warum sind Rothaarige feurig, leidenschaftlich, hexengleich? Blondinen unschuldig, sexuell, oberflächlich? Schwarzhaarige rassig, exotisch, düster? Und Brünette bieder, langweilig, seriös?
Diese Fragen werden und sollen wohl auch nicht im Film beantwortet werden und wahrscheinlich gibt es auch nur wenige, die sie sich im Nachhinein stellen werden.
Genauso wenig wie diese: Warum kauft sich Elle ihr iBook in Orange, wenn es das doch auch in pink gibt???
Doch Tiefgang benötigt man nicht unbedingt bei einem entspannten Kinoabend, „oder eben –morgen“, dachte
sich das Clärchen sich die blonde Haare um den Finger zwirbelnd.
Morgens geht die Sonne auf, am 24. Dezember gibt es Geschenke, Rechts ist da, wo der Daumen links ist, und das Clärchen lässt sich keine kostenlose Kinoaktion entgehen.
Auch wenn sich diese oftmals gut zu verstecken wissen, so hat das Clärchen scheinbar den richtigen Riecher für Gratistickets (auch wenn sich keine auffällige Unterscheidung zu anderen Nasen beweisen lässt).
Aus Urlaubsgründen in Besitz der Novemberausgaben jeglicher Frauenzeitschriften war es schließlich ein
Leichtes, den entsprechenden Gutschein in der AMICA ausfindig zu machen:
„Wir zeigen Ihnen die Komödie „Natürlich blond“ noch vor dem offiziellen Kinostart am 11.11. um 11 Uhr...“, hieß es dort und schließlich lässt sich ein Clärchen nicht zweimal bitten.
Um auch wirklich zu den Auserwählten zu gehören, kamen das Clärchen und die Clärchenbestefreundin auf die glorreiche Idee, vorsichtshalber schon morgens um 9.30 Uhr am UFA Cubix am Alexanderplatz aufzukreuzen.
Im Wir-haben-gleich-ganz-viel-Kino-für-ganz-umsonst-Fieber mit der Thermoskanne bewaffnet (was zugegebenermaßen schon mit einer Wow-ich-steh-jetzt-hier-vor-dem-Hotel-wo-vielleicht-aber-vielleicht-auch-doch-nicht-die-ach-was-weiß-ich-wie-die-Boygropup-heißt-abgestiegen-sind-und-womöglich-bekomm-ich-noch-ein-Autogramm-bevor-ich-in-Ohnmacht-fall-Infektion vergleichbar ist) standen die beiden da nun.
Und zwar allein. Ganz allein.
Mal ein Zug, ein Taxi. Der kalte Wind pfiff nur so und der Herr vom Sicherheitsdienst grinste mitleidig, als er sich vergewisserte, dass die Türen auch wirklich verschlossen waren.
Aber immerhin waren somit ab 10.15 Uhr die besten in Kino 5 befindlichen Plätze in stolzem Clärchenbesitz.
Der obligatorische Werbeblock blieb dem Publikum erspart („Och menno, genau heute wollte ich unbedingt mal wieder Werbung sehen...“) und so wurde dieses pubertierende Märchen in pretty pink ohne Vorwarnung auf die gespannten Gäste losgelassen:
Barbie lebt! Und auch nicht nur einmal. Kleine geklonte blonde Gummipüppchen haben sich in Los Angeles zu einer Studentenvereinigung zusammengeschlossen und leben ihr Klischee.
Plastik, Pink, Puschel - die drei Dinge, aus denen Mädchenträume sind.
Und was wären Gruppen ohne einen Anführer? Cheerleader, Homecoming Queen, all das, was man zum
höchsten Ansehen unter den Hohlköpfchen braucht, hat Elle Woods (Reese Witherspoon). Und dazu natürlich
auch den begehrtesten Kerl auf dem Campus oder Erden – in diesem Falle Warner (Matthew Davis).
So weit eitel Sonnenschein! Warner fühlt sich allerdings der juristischen Familientradition verpflichtet, was ihn nach Harvard führt. Während der Gedanke an eine Long-Distance-Beziehung für Elle noch gar nicht so erschütternd ist, eröffnet ihr Noch-Freund ihr, dass das eigentliche Problem das Blondchen an seiner Seite ist, wenn er mit 30 angesehener Politiker sein möchte (wenn das nicht schon ein Widerspruch in sich ist).
Und so schnell passiert es. Drei kleine Worte lassen die Seifenblase eines kleinen Mädchens platzen, worauf der logische aber eben nicht standesgemäße Rückzug inklusive Pralinen-Vernichtungs-Aktion folgt.
Doch sich so leicht unterkriegen lassen? NEIN! Eine Frau, weiß, was eine Frau tun muss und so macht sich Elle auf, das zurückzuerobern, was schon immer ihr gehört hat. Und zwar mit allen Mitteln.
Warner möchte eine seriöse, intelligente Frau? Nichts leichter (und zugleich schwerer) als das! Elle bewirbt sich kurzerhand ebenfalls in der Bostoner Eliteuniversität und zwar mit einem Home- oder eher Pool-Video der besonderen Art.
Aber Frechheit siegt bekanntlich und so macht sie sich mit Sack und Pack und ihrem Schoßhündchen
Brutus auf an die ach so biedere Ostküste, wo sie und ihr bunter Hund gleichermaßen auffallen. Doch Elle
kommt zu spät; stolz präsentiert Warner ihr seine brünette Ex-Freundin und Jetzt-Verlobte Vivian (Selma Blair).
Und somit scheitert der gut durchdachte Plan schon in der ersten Sekunde seiner versuchten Durchführung. Das Ideal einer Westküstenschönheit erkennt zum ersten Mal, dass die Welt anders ist als sie sich ihr bisher dargestellt hat.
Zum ersten Mal ist Miss Perfect nicht die, die von allen angehimmelt wird, sondern die, die aus der Rolle fällt, die, die außen steht, die, die keine Ahnung hat, schlichtweg die, die niemand leiden kann. Wohl das Schlimmste, das jemandem passieren kann, für den Anerkennung wichtiger als Atmen ist.
Nichtsdestotrotz bemerkt Elle zum ersten Mal in ihrem Leben, dass sie ihm wirklich einen Sinn geben kann und beginnt über ihre eigenen Grenzen hinauszuwachsen. Das, was zuerst nur eine Get-my-boyfriend-back-Aktion sein sollte, artet aus im Versuch die Welt zu verbessern (mit der Aufklärung eines Mordprozesses). Und alles kommt wie es kommen muss.
Da Hochglanz-Komödien meist von ihren Gags und nicht vom Tiefgang der Geschichte leben, soll an dieser
Stelle mal wieder nicht zu viel über den genaueren Handlungsverlauf erzählt werden.
Auch wenn die Story selbst natürlich alles andere als realistisch ist und man förmlich darauf wartet, dass sich dieses Teenie-Spektakel in seinem unvermeidlichen Happy End ergießt, so ist es den Darstellern und eben allen voraus Reese Witherspoon gelungen, einer theoretisch recht platten Geschichte Leben einzuhauchen.
„Natürlich blond!“ und seine Protagonistin verschmelzen zu einem untrennbaren Eins, einer homogenen Mischung, die ohne den jeweils anderen Teil nicht existieren könnte.
Kein Zweifel, kein Charakterbruch. Und wie allzu oft bedient sich Hollywood bestehender Klischees, um es dem Zuschauer so einfach wie möglich zu machen, den jeweils dargestellten Menschen so schnellstmöglich in die passende Schublade stecken zu können, die hier durchaus nur farbliche Kennzeichnung benötigen.
Doch aller Unsinn enthält zumeist ein Fünkchen Wahrheit und so wird auch in dieser doch recht seichten Geschichte ein gesellschaftliches Phänomen beleuchtet.
Warum machen in unseren Breitengraden die Schattierung, die Konzentration der Farbstoffe, der Kopfbehaarung einen so himmelweiten Unterschied in Bezug auf die Ausstrahlung eines Wesens des weiblichen Geschlechts?
Keinem anderen Teil des Körpers werden so viele Parallelen zum Charakter der Frau zugesprochen.
Warum sind Rothaarige feurig, leidenschaftlich, hexengleich? Blondinen unschuldig, sexuell, oberflächlich? Schwarzhaarige rassig, exotisch, düster? Und Brünette bieder, langweilig, seriös?
Diese Fragen werden und sollen wohl auch nicht im Film beantwortet werden und wahrscheinlich gibt es auch nur wenige, die sie sich im Nachhinein stellen werden.
Genauso wenig wie diese: Warum kauft sich Elle ihr iBook in Orange, wenn es das doch auch in pink gibt???
Doch Tiefgang benötigt man nicht unbedingt bei einem entspannten Kinoabend, „oder eben –morgen“, dachte
sich das Clärchen sich die blonde Haare um den Finger zwirbelnd.
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