Natürlich blond! (VHS) Testbericht

Natuerlich-blond-vhs-komoedie
ab 7,85
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Erfahrungsbericht von HilkMAN

Probleme porschefahrender Harvardstudentinnen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Blonde Frauen sind dumm. Dunkelhaarige Frauen sind auch dumm. Maenner sind sowieso dumm – und manche sind auch noch fiese Chauvi-Schweine dazu. Voila - das ist die Botschaft eines leidlich aktuellen Hollywood-Filmes namens "Legally Blond".

Hauptperson in diesem Filmchen ist die klischeehaft blonde Elle (gespielt von Reese Witherspoon), die sich zu Beginn ordentlich fuer ein Date mit ihrem Freund Warner (Matthew Davis) auftustert, denn sie erwartet an diesem Abend einen Heiratsantrag von dieser Dumpfbacke. Weit gefehlt - er macht stattdessen mal so eben Schluss, weil er mit dreissig Senator sein will und dafuer eine "ernsthafte" Freundin (bzw. dann wohl Frau) braucht. Und dafuer hat ihm Elle offenbar irgendwie nicht genug Klasse.
Kurzer Einschub. Diese groteske Szene zu Beginn ist noch recht witzig, vor allem wegen ihrer irren Absurditaet. Nun gehen die ZuschauerInnen doch wohl in diesen Film, weil sie sehen wollen, wie eine Blondine, auf deren Kosten ein paar klischeehafte Witze gerissen werden, hinterher allen beweist, dass blonde Frauen eigentlich gar nicht so bloed sind. Aber weit gefehlt: Die Tusse schiesst diesen Vollpfosten doch allen Ernstes nicht in den Wind, sondern will ihn wiederhaben. Klar, Liebe macht blind. Aber sagt doch mal, soll ich denn ernsthaft Sympathien fuer eine Frau aufbauen, die derart die Einschlaege nicht hoert? Einschubende.

Elle will Warner wiederhaben. Was laege da naeher, als sich als Jurastudentin nach Harvard zu bewerben, um ihm zu beweisen, dass sie doch ernsthaft ist. Warner ist natuerlich auch Jurastudent in Harvard.
Kurzer Einschub. Wie Ihr seht, ist "Legally Blond" kein Film ueber irgendwelchen Poebel von der Strasse. Nein, es ist ein Film ueber Porsche (? bin kein Autokenner) fahrende Jugendliche, die mal so eben die
Einschreibegebuehren fuer eine der herausragendsten Elitekaderschmieden der USA auf den Tisch blaettern (bzw. dies an ihre Eltern delegieren, die zwar Geld wie Heu haben, aber natuerlich mehr so an das Gute im Menschen glauben und das mal eben bezahlen, es aber nicht weiter ernst nehmen). Einschubende.

Elle bewirbt sich also nach Harvard und hat mit dieser Bewerbung Erfolg. Sie ist naemlich gar nicht so bloed, wie der Film uns bisher vorgaukeln wollte. Obwohl sie sich bisher mit voellig jurafremden Dingen befasst hat, besteht sie den Eignungstest (muss dafuer allerdings auch tagelang bueffeln, die Arme) und wird auch aufgenommen - allerdings natuerlich vor allem, weil sie ein Bewerbungsvideo schickt, auf dem sie sich im knappen Bikini im elterlichen Swimmingpool raekelt.
Auch diese Szene hat mir gefallen - ein Haufen sabbernder Professoren, die versuchen, ernsthaft ueber die Bewerbung zu reden, waehrend ueber ihnen ein Haufen nackter Haut die Gehirne benebelt (die Grossaufnahme ist am Leinwandrand zu sehen) - das kam schon ganz witzig rueber.

Elles Einstieg in die Welt des Jurastudiums, in die Arme sadistisch aussiebender Profsen und schleimiger Mitstudis, gestaltet sich eher schwierig. Besonders die (dunkelhaarige) neue Verlobte von Warner (Selma Blair) ist ein echtes Ekelpaket und macht Elle das Leben zur Hoelle.
Einschub: Ich habe nie an amerikanischen Unis studiert und mir auch ein anderes Studienfach gewaehlt als Jura (war fast allein in meinem Fach). Wenn die Verhaeltnisse in einem der beiden annaehernd so aussehen, wie in diesem Film dargestellt (was ich nicht recht glauben mag), dann kann ich nur sagen: Dem Himmel sei Dank, ich habe weise gewaehlt. Das was da als angebliche Elite herumhuepft, ist im Wesentlichen ein Haufen Abschaum, das hauptsaechlich aus Ellbogen besteht. Einschubende.

Elle schlaegt natuerlich zurueck (nicht vergessen: Hinterher muss ein Film herauskommen, der beweist: die sind gar nicht so bloed, die Blondinen), und das mit gelegentlichem Esprit und auch Erfolg. Zudem wird sie so eine Art guter Engel fuer ihre Umgebung: fuer den sozial zurueckgebliebenen Ueberflieger, fuer ihre Manikueristin und andere. Das zumindest hat sie den ganzen Schmalspurstudis voraus. Ihr Engagement (und ihre Haarfarbe) bringt sie letztlich als Praktikantin in die Anwaltskanzlei ihres Professors (filmgerecht schaffen auch Warner und seine Verlobte diesen Sprung).Der Fall ist gleich ein Mord, dessen eine andere Blondine angeklagt wird.

Mehr will ich zur Handlung jetzt mal nicht verraten, obwohl die Spannungskurve ohnehin nicht unbedingt Schweissausbrueche bei mir ausgeloest hat. Erwartet also bitte keine Offenbarung aus diesem Drehbuch, das von vornherein keine Unklarheiten zulaesst.
Was aber soll so ein Film? Klar, er bringt ein paar Witze unters Volk. Die sind manchmal lustig, aber keinesfalls ueberragend. Was der Film zu keiner Zeit schafft, ist es, Vorurteile ueber Blondinen auszuraeumen. Na, wer dumpf genug ist, solche Vorurteile zu haben, ist durch so einen Film wahrscheinlich eh nicht zu erziehen. Das allein aber spricht auch nicht gegen einen Versuch.
Schwerer wiegt fuer mich, dass dieser Versuch einfach zu bemueht und derartig voll uebertriebender Klischees war, dass mancher gefaellige Ansatz im Keim erstickt wurde. Elle ist natuerlich jederzeit voellig aufgetakelt, was auch zu keinem Zeitpunkt hinterfragt wird. Und ihr ganzes Auftreten ist so betont dummchenhaft, dass denjenigen, die den Blondinenklischees anhaengen, die meiste Zeit ueber ordentlich Futter geliefert wird - dass diese spezielle Blondine letztlich "Erfolg" hat, wird bei diesen Leuten wahrscheinlich schnell wieder in Vergessenheit geraten.

Sympathisch war mir in diesem Film sicherlich niemand. Nicht Elle, die zu ueberdreht ist, nicht ihre erst recht ueberkandidelten Freundinnen, deren Gesichter nur durch das Makeup zusammengehalten werden, schon gar nicht Warner und seine Verlobte, die einfach nur unertraeglich rueberkommen, und auch nicht die Profs und die anderen Anwaelte. Da hat mir doch etwas gefehlt. Ueberhaupt kommt die ganze Jura-Zunft nicht besonders gut weg (was mir persoenlich jetzt mal eher egal sein soll, aber an Stelle von Harvard wuerde ich mich moeglicherweise beleidigt fuehlen, wenn es alles nur erfunden ist, und peinlich beruehrt, wenn das Bild der Wirklichkeit entspricht).

Die Handlung, die zwar gelegentlich ganz lustig ist, kann ich auch nicht unbedingt als gelungen bezeichnen. Der Gerichtsfall, der da aufgeloest wird, hat mich nicht fuer fuenf Pfennig ueberzeugt. Platt und klischeehaft, wie so manches in diesem Film. Wenn nicht der Titel mit dem plakativen Titel "blond" gewesen waere, und ich versucht haette, die Handlung irgendwie ernst zu nehmen, waere er vollends vor die Wand gefahren. So wusste ich wenigstens, was die MacherInnen von mir wollten.

Am Schluss macht der Film dann noch mal eine grosse Kiste Schleim auf. Ich habe mich schon oft ueber Happy Ends beschwert, aber in dieser Beziehung ist "Legally Blond" wirklich ganz besonders penetrant. Munter werden noch mal saemtliche amerikanischen konservativen Werte unterstrichen, und alle sind gluecklich. Das muss ich nun wirklich nicht haben, und es zieht diesen gelegentlich netten, froehlichen Film noch mal zusaetzlich runter. Der Erfolg, den Elle letztlich hat, ist kein Erfolg fuer mich, sondern ein Offenbarungseid: Ist es das, wovon die Reichen traeumen? Die Armen.

19 Bewertungen, 3 Kommentare

  • sidhe

    12.04.2002, 14:51 Uhr von sidhe
    Bewertung: sehr hilfreich

    gut, daß ich ihn nicht sehen wollte, ich hab so was beführchtet!

  • sexygirlie84

    19.02.2002, 18:36 Uhr von sexygirlie84
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner bericht.greetinx

  • Renator

    19.02.2002, 11:45 Uhr von Renator
    Bewertung: sehr hilfreich

    Eigentlich wollte ich mir den auf DVD demnächst dann ausleihen... aber da du bei den anderen Meinungen den meinigen entsprachest, werde ich wohl drauf verzichten! Mein Vertrauen hast du!