Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis (DVD) Testbericht

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ab 6,30
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Erfahrungsbericht von Divalein

Brutale Romanze ohne Biss

Pro:

Darsteller

Kontra:

ohne Biss

Empfehlung:

Nein

Filmkritik zu:

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NEAR DARK
(DVD)

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“Brutale Romanze ohne Biss“


Vampire sind im Trend. Als bleiche Schnösel mit ungeheuren Kräften können sie jede noch so gewöhnliche Romanze veredeln.

Das ist aber nicht erst heute so. Das gab es auch schon 1987 in Kathryn Bigelows „Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis“. Auch dort überzog den vampirisch-fahlen Helden eine auf Leid und Hingebung basierende Anziehungskraft. Darüber hinaus ging es auch um das Thema ‚Löslösung’, angewandt sowohl auf autoritäre Strukturen als auch auf die ‚bis(s) in Ewigkeit’ verdammende Liebesmacht.

Doch apropos „Biss“ und „Ewigkeit“: Dass es sich bei fast allen in „Near Dark“ auftretenden Protagonisten um ‚so etwas’ wie Vampire handelt, bekommt man eigentlich nur am Rande mit. Schade, denn ich hatte mir den Film primär deshalb zulegt, weil er irgendwo als „Vampirmärchen“ heiß umschwärmt wurde. Na gut, Hand aufs Herz, ein weiterer Grund für den Kauf war auch Lance Henriksens Mitwirken in dem Streifen. Die übrigen Schauspielernamen wie Adrian Pasdar, Jenny Wright oder Bill Paxton sagten mir hingegen überhaupt nichts und waren deshalb in keiner Weise relevant für mich.

Eventuell hätte ich mich vor dem Kauf aber etwas ausgiebiger mit dem Inhalt des Films beschäftigen sollen – dann wäre mir womöglich aufgefallen, dass sich das mittlerweile zum Kult-Film avancierte Werk in der Tat nur implizit um das Thema des Vampir-Seins dreht und sich stattdessen mit weitaus ‚profaneren’ Topics auseinandersetzt. Die Story ist nämlich in etwa so zusammenfassen:

Der junge Caleb (Adrian Pasdar) lernt eines Nachts die hübsche Mae (Jenny Wright) kennen, begehren und lieben. Er kann deshalb nicht anders, als mit ihr im romantischen Schneckentempo über die Langstrecken des Wilden Westens zu schleichen. Doch das scheue Mädchen ist nervös – nicht etwa wegen Calebs forscher Aufdringlichkeit, sondern wegen der fortschreitenden Zeit. Sie drängt also darauf, noch vor der Morgendämmerung zu Hause anzukommen. Doch Caleb kann während der Heimreise plötzlich nicht mehr an sich halten und küsst die Schöne (recht forsch). Die kontert die Annäherung mit einem Biss – dann rennt sie hinfort.
Caleb kann es kaum fassen – und ebenso wenig kann er verstehen, was in den folgenden Minuten mit ihm passieren wird. Er wird immer schwächer, hat irrwitzige Schmerzen und aus irgendeinem seltsamen Grund springt auch der Wagen nicht mehr an, so dass er aussteigen und den Weg zu seiner Heimatranch, wo sein Vater und seine Schwester auf ihn warten, zu Fuß antreten muss. Doch er kommt dort nicht an. Zwischendurch reißen vermummte Gestalten ihn in ein verhülltes Auto und düsen mit ihm davon.
Es dauert ein wenig, bis Caleb realisiert, dass er sich nun in den Klauen einer Vampirgang befindet und dass auch Mae eine von ihnen ist. Die brutalen, rockerähnlichen Gestalten wollen den bleichen Schwachen am Liebsten direkt aus dem Weg räumen. Da Mae aber interveniert, räumen sie Caleb die Chance ein, sich als einer von ihnen zu bewähren. Doch die Sache hat einen Haken: Um als Wesen der Nacht existieren zu können, benötigt Caleb regelmäßig frisches Menschenblut.

Menschenblut – in der Tat, das ist in „Near Dark“ trotz des ziemlich diskret gehaltenen Vampirthemas eine gern gezeigte Flüssigkeit. Erst trinkt Mae von Caleb, dann trinkt Caleb von Mae, kurz darauf fallen etliche Gang-Mitglieder über irgendwelche Passanten her, um sich an ihnen zu nähren, bis dann irgendeiner von denen auf die Idee kommt, einen ganzen Pub zu unterwerfen und brutale Spielchen durchzuführen.

Ernsthaft, an Brutalität mangelt es „Near Dark“ in keiner Weise. Zwar verfüge ich ‚nur’ über eine FSK16-Version des Films, doch vermag diese meinen Bedarf an Kampfszenen, Folterspielchen und Überwältigungsorgien durchaus zu decken.
Dennoch, trotz der gezeigten ‚Metzgermentalität’ und Bestialität einiger der Figuren kommt der Film meiner Meinung nach nicht an einen Horrorfilm heran. Dafür ist er strukturell viel zu realistisch aufgezogen.
All das, was wir da sehen – das großkotzige Auftrumpfen gegenüber vermeintlich Schwächeren, die Überfälle auf Passanten, etc. könnte auch von ‚normalen Menschen’ (bzw. Geisteskranken) ausgehen. Dafür muss man keine Vampire inszenieren.

Übrigens wird in „Near Dark“ an keiner Stelle offenkundig über das Vampir-Dasein geredet. Wir mir scheint verfügen die betreffenden Blutsauger nicht einmal über die für heutige Maßstäbe absolut notwendigen Vampirreißer. Es wird einfach drauflos gebissen, gesaugt, getötet und dann ist gut.

Na ja, gut ist relativ. Fortdauernde brutale Metzlereien und eine romantische Rahmenhandlung zaubern noch längst keinen unterhaltsamen, geschweige denn überzeugenden Film.

Mir missfällt an „Near Dark“ zum Beispiel die Unmöglichkeit einer eindeutigen Genrezuordnung - notfalls könnte man ihn aber irgendwo zwischen einem Roadmovie, einer Romanze, einem Western und einem Actionschocker ansiedeln – nein, vor allem verleidet mir die andauernde Atmosphäre des ‚Wartens auf irgendetwas’ die Angucklust.
Der Film hat keinen richtigen Kern, keine fesselnde Substanz. Er beginnt mit einer aus dem Nichts gezündeten Liebesgeschichte und verliert sich in eine aus Perspektive des Realfilms zu abgehobene und aus Sicht des Fantasiefilms dann doch wieder zu bodenständig-reale Bandenstory, die über weite Strecken langatmig und –weilig ist, tendenziell von König Zufall regiert und durch selbigen dann eines Nachts in einem Motel auch aufgelöst wird.
Was danach passiert, als Caleb aufgrund erstaunlich glücklich ineinander greifender Umstände plötzlich wieder bei Daddy auf der Farm haust, grenzt an für meine Begriffe kaum erträglicher Märchenphantasterei und haut mich mit seiner Simplizität fast aus den doch etwas mehr Anspruch gewohnten Latschen. Überhaupt nervt mich der urkitschige Ausgang der Gesamtstory gewaltig.

Da frage ich mich fast, ob ich mich nun nicht doch noch ein wenig anstrengen und einen gewissen Parabelcharakter in den Film hineininterpretieren sollte. Vielleicht ist dieses ganze Vampir-Gang-Gedöns nur als Sinnbild für die potentiellen Außeneinflüsse im Leben eines Adoleszenten zu verstehen? Vielleicht verkörpert diese Gang nur schematisch all das Böse, einem Heranwachsenden begegnen kann... Gewalt, Brutalität, Obrigkeitsdenken... aber eben auch die Liebe.

Und selbst wenn dem Film nicht eine derartige Intention zugrunde liegt, so muss man ihm zumindest ein verdammt beeindruckendes Schauspielerensemble zugestehen.
Lance Henriksen und Bill Paxton machen den 92 Minuten langen Streifen mit eisenharter Mimik und brutalen Gesten zumindest für Actionfreunde zu einem Zuguckgenuss.
Währenddessen stimuliert Schmachtblickinhaber Adrian Pasdar als Hauptdarsteller die Herzen und Hormone der weiblichen Zuschauer.
Herausragend ist meiner Meinung nach Joshua Miller als Erwachsener im Körper eines Kinds – ich war selbst überrascht, wie sehr mich dessen Leistung in dem ansonsten eher mau auf mich wirkenden Film begeistern konnte.

Was gibt es sonst noch zu erwähnen? Ah ja: Die DVD hat mir zwar für das recht weit in der Vergangenheit liegende Produktionsjahr ziemlich ansehnliche Bilder und einen relativ klaren Ton geliefert, allerdings möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass mein Abspielgerät bei jedem Kapitelwechsel gehakt hat.
Darüber hinaus beherbergt die DVD neben der deutschen Tonspur auch eine mit der englischsprachigen Originalfassung.
Ansonsten bietet die von mir erworbene Scheibe lediglich einen Trailer als nennenswertes Extra. Das muss allgemein hin aber nichts heißen, denn ich habe herausgefunden, dass es mittlerweile etliche unterschiedliche DVD-Editionen von „Near Dark“ gibt, unter anderem auch eine Version mit zwei Scheiben. Wer also Wert auf eine ausgiebige Dokumentation und mehr legt, sollte sich vielleicht gezielt danach umsehen.

Ich werde das aber gewiss nicht tun. Mir genügt, was ich gesehen habe – eine in die Länge gezogene Romanze mit Rocker- und Roadmovie-Passagen. Vielleicht auch ein brutales Coming-Of-Age-Märchen? Irgendetwas dazwischen wird es gewesen sein, überzogen von einer hauchdünn-mysteriösen ‚Blutdurst’-Kruste. Jedenfalls habe ich keinen Horrorfilm gesehen und auch keine Gruselmär. Und das hat mich enttäuscht. Und das können auch überzeugende Darsteller nicht wieder wettmachen.

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(c) Eminencia / Divalein, 2009

85 Bewertungen, 20 Kommentare

  • fantagirlie

    21.02.2010, 15:57 Uhr von fantagirlie
    Bewertung: sehr hilfreich

    Super geschrieben. ICh wünsche dir dann noch einen schönen Sonntag und einen angenehmen Restwochenende

  • oskermit

    21.01.2010, 21:56 Uhr von oskermit
    Bewertung: sehr hilfreich

    KLASSE!!! Du warst bei mir, also komm ich zu dir!

  • Gemini_

    16.11.2009, 12:04 Uhr von Gemini_
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lieben Gruß von Gemini_

  • paula2

    31.10.2009, 01:10 Uhr von paula2
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße

  • misscindy

    27.10.2009, 19:07 Uhr von misscindy
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr schöner Bericht, lg Sylvia

  • tk7722

    24.09.2009, 11:50 Uhr von tk7722
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr schöner Bericht, liebe Grüße

  • muttibremer

    17.09.2009, 22:02 Uhr von muttibremer
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße Angelika

  • rini88

    16.09.2009, 17:05 Uhr von rini88
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße...Carina

  • ronald65

    15.09.2009, 09:20 Uhr von ronald65
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg

  • giselamaria

    12.09.2009, 16:29 Uhr von giselamaria
    Bewertung: besonders wertvoll

    prima Bericht!!! - LG Gisela

  • mima007

    11.09.2009, 14:46 Uhr von mima007
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Gruesse, mima007

  • Volker111

    10.09.2009, 18:32 Uhr von Volker111
    Bewertung: besonders wertvoll

    Nein, du solltest nie etwas HINEINinterpretieren, lass es so ;-))

  • Baby1

    09.09.2009, 18:04 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • ginger2007

    09.09.2009, 16:37 Uhr von ginger2007
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh über gegenlesung würde ich mich freuen...glg die ginger2007

  • ingoa09

    09.09.2009, 15:37 Uhr von ingoa09
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr gut beschrieben! Über eine Gegenlesung würde ich mich riesig freuen… Liebe Grüße, Ingo

  • sigrid9979

    09.09.2009, 14:44 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht..Lg Sigi

  • minasteini

    09.09.2009, 12:02 Uhr von minasteini
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sh und einen lieben Gruß aus Potsdam.

  • Bunny84

    09.09.2009, 11:30 Uhr von Bunny84
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich. Lg Anja

  • anonym

    09.09.2009, 11:24 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH für deinen guten Bericht.LG Bernd

  • Kleinnightwish

    09.09.2009, 10:56 Uhr von Kleinnightwish
    Bewertung: sehr hilfreich

    ganz viele liebe grüße von der angi ;)