Nicht auflegen! (VHS) Testbericht

Nicht-auflegen-vhs-thriller
ab 17,22
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Erfahrungsbericht von der_dominator

bei anruf mord...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Telefonzelle dreiundfünfzigste Ecke achte. Hier lernen wir Stuart Shepart [Collin Farrel], von Freunden natürlich lediglich „Stu“ genannt kennen, der wohl wie kaum ein anderer in New York auf sein Handy angewiesen ist kennen, denn ständig jongliert er als Publizist mit Terminen hin und her, organisiert Premieren Feiern und Fotoshottings um sich ins Rampenlicht der Millionenmetropole zu rücken.

Der smarte Sunnyboy, der in den nächsten achtzig Minuten den Albtraum seines Lebens erfahren wird, ist nur auf den ersten Blick Schwiegermamas Liebling. Er spielt konkurrierende Zeitschriften gegeneinander aus um seine Klienten und nicht zuletzt sich ins rechte Licht zu rücken, er lügt und er betrügt seine Ehefrau, denn diese findet die Anrufe aus der Zelle nicht auf der Telefonrechnung, die sie Monat für Monat sorgfältig kontrolliert. So steht „Stu“ mal wieder in eben dieser Telefonzelle, um seine neue Bekanntschaft Pamela [Katie Holmes], eine junge Schauspielerin, von einem Treffen mit ihm zu begeistern. Als er den Telefonhörer auflegt, klingelt es erneut und eine unbekannte Stimme meldet sich am anderen Ende der Leitung und heißt ihm nicht aufzulegen, da er sonst erschossen würde. Zunächst von einem üblen Scherz überzeugt und gar nicht begeistert, ändert der rote Punkt eines Laserzielsuchers direkt auf seiner Brust schnell seine Meinung und der geheimnisvolle Anrufer [Kiefer Sutherland] nimmt Stu ins Gebet.


Es war weniger der Gedanke der Gottgleichen Macht, als die Überlegung einen Film an nur einem Standort, aus nur einem Kamerawinkel, zu filmen, die Alfred Hitchcock seinerzeit ein Drehbuch für die ambitionierte Idee, einen Film in einer Telefonzelle zu drehen, in Auftrag geben ließ. Bei einer Kameraeinstellung belässt es Joel Schumacher, der das Projekt im Jahre 2000, nachdem das Script von B-Movie Veteran Larry Cohen vor seinem Tod nicht fertig wurde, mit dem damals noch recht unbekannten Collin Farrel, verfilmte nicht und so sind es zunächst recht spektakuläre Kamerafahrten die zu begeistern wissen. Doch darauf beschränkt sich Schumacher [„Falling Down“ & „Batman Forever“ & andere] nicht und setzt er vor allem auf eine spannende, wenn auch recht gradlinige Handlung und eben einen starken Collin Farrel, der in den knapp achtzig Minuten spielt als ob es auch für ihn um Leben und Tod geht.

War er in Daredevil lediglich eine trashige Randerscheinung samt Zielscheibe auf der Stirn so ist seine Darbietung derart überzeugend, dass man ihm die Zielscheibe des Heckenschützens auf der Brust, zu jedem Zeitpunkt abnimmt. Sieht man in seiner Person zunächst den arroganten Yuppie, der nur auf sein eigenes Wohl aus ist, so beginnt man schnell mit ihm zu leiden, als stände man selbst am Aperrat. Das Farrel so dermaßen einnehmend ist, dass es, einmal abgesehen von Kiefer Sutherland, der aber überwiegend akustische Meisterleistungen vollbringt, kaum weitere Protagonisten in dem mehr als spannenden Katz und Maus Spiel gibt schadet dem Thriller zu keinem Zeitpunkt, denn die simpel gehaltene Story, ist derart spannend, dass weitere Ausuferungen dem ganzen eher geschadet hätten; und mir persönlich sind achtzig vor Spannung knisternde Minuten lieber als hundertzehn gähnend langweilige - und langweilig wird einem während des Psychoduells wohl zu keinem Zeitpunkt.

Ansonsten setzt Schumacher auf wohl derzeit in Mode kommende Bild im Bild Sequenzen, die immer wieder die verschiedenen Gesprächspartner in eben diesem Bild einfangen, was optisch leider nicht so gelungen scheint. Auch wenn das ganze optisch wahrlich kein Desaster ist, währen mir komplette Splitscreens, wie sie Ang Lee in Hulk nutzt und so dem ganzen einen gewissen Comic Look verleiht, einen Tick lieber.

Was glaubst du wer du bist - was zunächst als simple Werbaufschrift im Hintergrund der Telefonzelle rankt, wird wegweisend für den ganzen Film. Ob das ganze moralisch fragwürdig ist, oder nicht, muss der Zuschauer an der Kinokasse, elfter September und Heckenschützen von Washington hin und her, selbst entscheiden. Abartig oder gar pervers, wie es auf diversen Websites schon zu lesen war ist das ganze aber keineswegs, auch wenn die Komponente des „Gott spielen wollens“ sicherlich nicht bei jedem für Begeisterungsschübe und Jubelsprünge sorgen dürften, denn letztendlich ist es nicht die Wahllose Bedrohung eines Zivilisten die Diskussionswürdig ist, sondern die Frage ob ein Mensch über einen anderen richten darf, die zu reichlich Diskussionen führen dürfte - mir aber hat das ganze dennoch sehr gut gefallen.


[unterm Strich bleibt]

Nicht Auflegen [USA 2000]

Regie: Joel Schumacher / 84 Minuten / FSK 16

Darsteller: Collin Farrell, Forest Whitaker, Kiefer Sutherland, Katie Holmes, Radha Mitchell u.a.

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