Nicht auflegen! (VHS) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von Bjoern.Becher
Rückkehr zum Minimalismus
Pro:
Darsteller, Spannung, Beschränkung auf das Wesentliche
Kontra:
die leider wieder Mainstream-Wandlung des "Helden", kleinere Schwächen
Empfehlung:
Ja
Jahrelang hieß es bei Filmen aus Hollywood immer, dass alles größer, explosiver und gigantischer sein müsse. Auch Regisseur Joel Schumacher folgte diesem Credo (siehe zum Beispiel „Bad Company“), doch nun hat er sich – zumindest für einen Streifen – davon abgewandt. Bei „Phone Booth – Nicht auflegen“ verzichtet er auf die mittlerweile üblich gewordenen zahlreichen exotischen Schauplätze und reduziert den Ort der Handlung auf ein Minimum, auf eine Telefonzelle.
In diese Telefonzelle zieht es den arroganten, knallharten und selbstverliebten PR-Agenten Stu Shepard (Colin Farrell, Schumachers Entdeckung aus „Tigerland“). Er will von dort aus, wie jeden Tag, die junge Schauspielerin Pamela (Katie Holmes) anrufen, mit der er ein Verhältnis anzufangen hofft. Er legt noch schnell seinen Ehering beiseite, dann ruft er an. Nachdem er telefoniert hat, will er sich wieder auf den Weg machen, doch das Telefon in der Telefonzelle klingelt. Instinktiv hebt Stu ab und gerät damit in eine höllische Fall. Der Anrufer ist ein Sniper, ein Scharfschütze, und er hat Stu im Visier. Der Sniper weiß alles über Stu und dessen Sünden und er droht ihm, dass er, wenn er den Hörer auflegt, ein „toter Mann“ sei.
Die Situation wird für Stu noch bedrohlicher als ein Zuhälter ihn aus der Telefonzelle vertreiben will, damit seine Nutten telefonieren können. Der Sniper erschießt den Zuhälter, die Nutten halten Stu für den Täter und kurze Zeit später ist nicht mehr nur das Gewehr des Snipers auf ihn gerichtet, sondern auch die Gewehre von unzähligen Scharfschützen der Polizei.
Der schwarze Polizist Captain Ramey (Forest Whitaker), der den Polizeieinsatz leitet, fordert Stu auf den Hörer beiseite zu legen und die Zelle zu verlassen. Doch Stu weiß, dass er ein toter Mann ist, wenn er dem Folge leistet. Doch auch die Polizei wird ihn nicht ewig telefonieren lassen...
M E I N U N G
°°°°°°°°°°°°°
Wie eingangs beschrieben, beschränkt Schumacher fast die komplette Handlung auf die Telefonzelle. Nur zu Beginn des Films bei der Vorstellung des Protagonisten Stu zeigt er noch zwei weitere Straßenblöcke, durch die Stu auf dem Weg zu der Zelle läuft. Man lernt Stu als einen verachtenswerten Mann kennen. Mit zwei Handys mehr oder weniger gleichzeitig, redet der PR-Agent mit seinen Kunden und Zeitungsredakteuren, belügt sie alle; und umschmeichelt sie, obwohl er sie verachtet. Auch für seine Frau Kelly (Radha Mitchell), findet er zwischendrin ein paar charmante Worte, wahrscheinlich auch nicht unbedingt ernst gemeint.
Nicht gerade der typische Held eines Hollywood-Films und so verwundert es auch nicht, dass Stu versucht sich seiner Bedrohung mit Geld und Schmeicheleien zu entledigen. Doch der Entführer will diesen schnöden Mammon nicht, sondern fordert stattdessen Stu auf seine Schuld und Sünden einzusehen.
Schumacher treibt dabei den Psychodruck auf den von Farell brillant gespielten Stu immer weiter auf die Höhe. Die Begleitumstände seines Duells mit dem unsichtbaren Sniper verändern sich immer mehr zu seinen Ungunsten. Erst nimmt ihn auch die Polizei ins Visier und dann treffen sowohl seine Ehefrau als auch seine Fast-Geliebte am Tatort ein und liefern den Sniper damit zwei neue Ziele. Und während all diesem Geschehen, bleibt Stu die Möglichkeit versagt seiner Umwelt, die ihn für einen pyschopathischen Killer hält, die Wahrheit zu erzählen.
Die Spannung, die dabei entsteht frisst den Zuschauer immer mehr auf. Sie nimmt ihn regelrecht gefangen. Schumacher hat es in hervorragender Weise verstanden, trotz der Beschränkung auf einen Handlungsort, die Spannung ins Unermeßliche steigern zu lassen. Durch diese ungeheure Spannung tendiert auch die Lust des Zuschauers auf große Action und Verfolgungsjagden gegen Null. Die Spannung alleine (mit den großartigen Darstellern Farrell, Whitaker und der bedrohlichen Stimme von Kiefer Sutherland) reicht um den Film absolut sehenswert zu machen.
Mit einem technischen Kniff unterstütze Schumacher das ganze noch ein Stück weit. Oftmals „öffnet“ er mehrere Fenster auf der Leinwand, so dass man sieht, was an anderen wichtigen Orten gerade passiert, aber ohne die Sicht auf Stu in der Telefonzelle zu verlieren.
Dazu kommt noch ein ganzes Stück Sozialkritik an der Handygesellschaft, die vor allem in den ersten Minuten des Films großen Platz einnimmt, aber mit Fortdauer des Films leider etwas an Bedeutung verliert. Dies ist genauso negativ wie die leider für moderne Heldenkino unweigerliche Wandlung vom Saulus zum Paulus, die auch Stu durchmacht. Hier hätte man sich vielleicht einen ähnlichen Bruch mit den Regeln des Mainstream-Kinos erhofft, wie ihn der restliche Film in Teilen begeht.
Immerhin begeht Schumacher im Finale nicht den Fehler jetzt doch noch eine Actionjagd einzubauen. Fast schon geschickt deutet er diese Möglichkeit an, der Zuschauer denkt schon „Oh nein, jetzt macht er den ganzen Film kaputt“ und dann beendet Schumacher den Film zum Glück mit einem anderen Finale, als dem angedeuteten.
F A Z I T
°°°°°°°°°°°°°
Schumachers Film und die damit verbundene Rückkehr zum Minimalismus und die Konzentrierung auf die Spannung ist etwas erfrischend anderes im Vergleich zu den zahlreichen Action-Krachern, die man sonst aus Hollywood gewohnt ist. Einige kleine Schwächen verhindern den ganz großen Wurf, aber trotzdem sollte man sich den Streifen unbedingt anschauen.
Acht von zehn Punkten
D A T E N
°°°°°°°°°°°°°
Titel Deutschland: Nicht auflegen
Originaltitel: Phone Booth
Genre: Thriller
USA 2002, FSK 16, Laufzeit: 81 Minuten
Darsteller: Colin Farrell (Stu Shepard), Kiefer Sutherland (der Anrufer), Forest Whitaker (Captain Ramey), Radha Mitchell (Kelly Shepard), Katie Holmes (Pamela McFadden), Richard T. Jones (Sergeant Cole), Keith Nobbs (Adam), John Enos III (Leon), James MacDonald (Unterhändler)
Regie: Joel Schumacher
Produzent: Gil Netter , David Zucker
Buch: Larry Cohen
Kamera: Matthew Libatique
Musik: Harry Gregson-Williams
Schnitt: Mark Stevens
W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
°°°°°°°°°°°°
Offizielle Homepage: http://www.nichtauflegen.de
Internet Movie Database: http://german.imdb.com/Title?0183649
Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=23626
© Björn Becher 2003
In diese Telefonzelle zieht es den arroganten, knallharten und selbstverliebten PR-Agenten Stu Shepard (Colin Farrell, Schumachers Entdeckung aus „Tigerland“). Er will von dort aus, wie jeden Tag, die junge Schauspielerin Pamela (Katie Holmes) anrufen, mit der er ein Verhältnis anzufangen hofft. Er legt noch schnell seinen Ehering beiseite, dann ruft er an. Nachdem er telefoniert hat, will er sich wieder auf den Weg machen, doch das Telefon in der Telefonzelle klingelt. Instinktiv hebt Stu ab und gerät damit in eine höllische Fall. Der Anrufer ist ein Sniper, ein Scharfschütze, und er hat Stu im Visier. Der Sniper weiß alles über Stu und dessen Sünden und er droht ihm, dass er, wenn er den Hörer auflegt, ein „toter Mann“ sei.
Die Situation wird für Stu noch bedrohlicher als ein Zuhälter ihn aus der Telefonzelle vertreiben will, damit seine Nutten telefonieren können. Der Sniper erschießt den Zuhälter, die Nutten halten Stu für den Täter und kurze Zeit später ist nicht mehr nur das Gewehr des Snipers auf ihn gerichtet, sondern auch die Gewehre von unzähligen Scharfschützen der Polizei.
Der schwarze Polizist Captain Ramey (Forest Whitaker), der den Polizeieinsatz leitet, fordert Stu auf den Hörer beiseite zu legen und die Zelle zu verlassen. Doch Stu weiß, dass er ein toter Mann ist, wenn er dem Folge leistet. Doch auch die Polizei wird ihn nicht ewig telefonieren lassen...
M E I N U N G
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Wie eingangs beschrieben, beschränkt Schumacher fast die komplette Handlung auf die Telefonzelle. Nur zu Beginn des Films bei der Vorstellung des Protagonisten Stu zeigt er noch zwei weitere Straßenblöcke, durch die Stu auf dem Weg zu der Zelle läuft. Man lernt Stu als einen verachtenswerten Mann kennen. Mit zwei Handys mehr oder weniger gleichzeitig, redet der PR-Agent mit seinen Kunden und Zeitungsredakteuren, belügt sie alle; und umschmeichelt sie, obwohl er sie verachtet. Auch für seine Frau Kelly (Radha Mitchell), findet er zwischendrin ein paar charmante Worte, wahrscheinlich auch nicht unbedingt ernst gemeint.
Nicht gerade der typische Held eines Hollywood-Films und so verwundert es auch nicht, dass Stu versucht sich seiner Bedrohung mit Geld und Schmeicheleien zu entledigen. Doch der Entführer will diesen schnöden Mammon nicht, sondern fordert stattdessen Stu auf seine Schuld und Sünden einzusehen.
Schumacher treibt dabei den Psychodruck auf den von Farell brillant gespielten Stu immer weiter auf die Höhe. Die Begleitumstände seines Duells mit dem unsichtbaren Sniper verändern sich immer mehr zu seinen Ungunsten. Erst nimmt ihn auch die Polizei ins Visier und dann treffen sowohl seine Ehefrau als auch seine Fast-Geliebte am Tatort ein und liefern den Sniper damit zwei neue Ziele. Und während all diesem Geschehen, bleibt Stu die Möglichkeit versagt seiner Umwelt, die ihn für einen pyschopathischen Killer hält, die Wahrheit zu erzählen.
Die Spannung, die dabei entsteht frisst den Zuschauer immer mehr auf. Sie nimmt ihn regelrecht gefangen. Schumacher hat es in hervorragender Weise verstanden, trotz der Beschränkung auf einen Handlungsort, die Spannung ins Unermeßliche steigern zu lassen. Durch diese ungeheure Spannung tendiert auch die Lust des Zuschauers auf große Action und Verfolgungsjagden gegen Null. Die Spannung alleine (mit den großartigen Darstellern Farrell, Whitaker und der bedrohlichen Stimme von Kiefer Sutherland) reicht um den Film absolut sehenswert zu machen.
Mit einem technischen Kniff unterstütze Schumacher das ganze noch ein Stück weit. Oftmals „öffnet“ er mehrere Fenster auf der Leinwand, so dass man sieht, was an anderen wichtigen Orten gerade passiert, aber ohne die Sicht auf Stu in der Telefonzelle zu verlieren.
Dazu kommt noch ein ganzes Stück Sozialkritik an der Handygesellschaft, die vor allem in den ersten Minuten des Films großen Platz einnimmt, aber mit Fortdauer des Films leider etwas an Bedeutung verliert. Dies ist genauso negativ wie die leider für moderne Heldenkino unweigerliche Wandlung vom Saulus zum Paulus, die auch Stu durchmacht. Hier hätte man sich vielleicht einen ähnlichen Bruch mit den Regeln des Mainstream-Kinos erhofft, wie ihn der restliche Film in Teilen begeht.
Immerhin begeht Schumacher im Finale nicht den Fehler jetzt doch noch eine Actionjagd einzubauen. Fast schon geschickt deutet er diese Möglichkeit an, der Zuschauer denkt schon „Oh nein, jetzt macht er den ganzen Film kaputt“ und dann beendet Schumacher den Film zum Glück mit einem anderen Finale, als dem angedeuteten.
F A Z I T
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Schumachers Film und die damit verbundene Rückkehr zum Minimalismus und die Konzentrierung auf die Spannung ist etwas erfrischend anderes im Vergleich zu den zahlreichen Action-Krachern, die man sonst aus Hollywood gewohnt ist. Einige kleine Schwächen verhindern den ganz großen Wurf, aber trotzdem sollte man sich den Streifen unbedingt anschauen.
Acht von zehn Punkten
D A T E N
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Titel Deutschland: Nicht auflegen
Originaltitel: Phone Booth
Genre: Thriller
USA 2002, FSK 16, Laufzeit: 81 Minuten
Darsteller: Colin Farrell (Stu Shepard), Kiefer Sutherland (der Anrufer), Forest Whitaker (Captain Ramey), Radha Mitchell (Kelly Shepard), Katie Holmes (Pamela McFadden), Richard T. Jones (Sergeant Cole), Keith Nobbs (Adam), John Enos III (Leon), James MacDonald (Unterhändler)
Regie: Joel Schumacher
Produzent: Gil Netter , David Zucker
Buch: Larry Cohen
Kamera: Matthew Libatique
Musik: Harry Gregson-Williams
Schnitt: Mark Stevens
W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
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Offizielle Homepage: http://www.nichtauflegen.de
Internet Movie Database: http://german.imdb.com/Title?0183649
Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=23626
© Björn Becher 2003
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