Nirgendwo in Afrika (DVD) Testbericht
ab 6,12 €
Billiger bei eBay?
Bei Amazon bestellen
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 08/2010
Auf yopi.de gelistet seit 08/2010
Erfahrungsbericht von LosGatos
In einem fernen Land
Pro:
für manche ein unerfüllter Traum
Kontra:
für andere der Arsch der Welt
Empfehlung:
Ja
Nirgendwo in Afrika ist es dieser Tage so heiß wie in Deutschland. Ob dem wirklich so ist, entzieht sich natürlich meiner Kenntnis. Und auf ein paar Grad mehr kommt es ja wohl jetzt auch nicht mehr an. Jedenfalls ist das ein halbwegs sinnvoller Satz. Dennoch ist es nicht mein Anliegen, über das Wetter und den sogenannten Jahrhundertsommer zu sinnieren. Mein heutiges Thema ist mal wieder ein Film. Ein deutscher Film sogar. Zum Glück.
Dass deutsche Filme sich wahrlich nicht hinter oft überladenen Hollywood-Produktionen zu verstecken brauchen, hat Caroline Link kürzlich bewiesen, als sie Stefanie Zweigs autobiographischen Roman „Nirgendwo in Afrika“ verfilmte und dafür gar den Oscar bekam. Völlig zurecht, wie ich finde.
Auch „Nirgendwo in Afrika“ ist mal wieder ein Film über die Schrecken der Nazi-Zeit und Judenverfolgung. Mal wieder? Schon wieder? Gibt es davon nicht schon genug? Gewiss ist die Grundthematik nicht neu. Aber wir müssen auch zugeben, dass es immer wieder guten Drehbuchautoren und Regisseuren gelingt, das Geschehene neu mit anderen Ansätzen zu inszenieren. Schon manches Meisterwerk ist auf diese Weise entstanden. „Schindlers Liste“ ist eines der bekanntesten Beispiele und „La Vita è bella“ so ziemlich der genialste Film, den ich je gesehen habe. Und leider ist auch zu bemerken, dass es immer noch oder schon wieder zu viele gibt, die nicht verstanden haben. Einige werden es ohnehin nie tun.
Der Film „Nirgendwo in Afrika“ zeigt auch höchstens am Rande die Greueltaten der Nazizeit, allerdings lässt er sie uns spüren. Und wenn man die politischen Hintergründe mal außen vor lässt, dann erinnert der Film auch ein wenig an den großen filmerischen Fast-Namensvetter „Jenseits von Afrika“. Eine Frau, 2 Männer, irgendwo in Afrika halt. Auch wenn die landschaftliche Kulisse hier nicht so imposant ist, „Nirgendwo in Afrika“ hat ganz andere Vorzüge. Er vermittelt uns mehr über die Menschen, weckt Sehnsüchte. Deutschland trotzt Hollywood.
Zur Handlung. Wir schreiben das Jahr 1938. Walter Redlich ist jüdischer Rechtsanwalt in Breslau. Da, wo auch LosGatos’ Vater geboren wurde. Eine der diskriminierenden Verordnungen Hitlers verbietet Juden ab sofort, diesen Beruf auszuüben. Kurzentschlossen entschließt sich Walter nach Afrika zu emigrieren. Sobald er dort sesshaft geworden sei, sollen seine Frau Jettel und seine kleine Tochter Regina nachkommen.
So geschieht es dann auch. Walter findet einen Job als Farmverwalter in Kenia. Und Frau und Tochter kommen bald nach. Natürlich war das damals etwas umständlicher als heute ein Safari-Urlaub. Es ist eine langwierige Reise mit Zug und Schiff über Marokko. Für das letzte Gesparte solle Jettel noch einen Kühlschrank kaufen und mitbringen. Jettel bevorzugt jedoch die Investition in ein Abendkleid. Bereits hier wird klar, dass Jettel in diese neue Welt nicht passt und unter ganz falschen Vorstellungen Walter nachgereist ist. Wieso könne der afrikanische Koch nicht deutsch mit ihr reden? Warum gibt es nicht jeden Tag Fleisch? Da Jettel sich in dieser Welt verloren vorkommt, werden die Probleme ihrer Ehe auch immer größer.
Weitaus weniger Anpassungsschwierigkeiten mit der neuen Umgebung hat die kleine Regina. Sie blüht hier regelrecht auf, und sie liebt die „Eingeborenen“. Owuor, der Koch, wird ihr großer Freund. Die Sprache lernt sie im wahrsten Sinne des Wortes spielend, egal, ob Suaheli oder Englisch. Ihren schwarzen Altersgenossen liest sie Geschichten vor und übersetzt sie simultan. Da Regina überdurchschnittlich intelligent ist, soll sie auf ein englisches Internat, was fast das gesamte Einkommen der Redlichs erfordert.
Und dann ist da noch Süßkind, der deutsche Lebens- und Überlebenskünstler, der alle Tricks kennt, die man hierzulande braucht, und der den Redlichs stets uneigennützig hilft. Er wird gespielt von Matthias Habich, dem deutschen Robert Redford. Auch in dieser Hinsicht wird Erinnerung an „Jenseits von Afrika“ geweckt. Süßkind ist der Dritte im Bunde, er mag Jettel, was dem Zuschauer wohl dagegen schwer fällt, er ist von ihrer Schönheit angetan. Aber er ist ein Mann mit Charakter, keiner, der sich irgendwo reindrängt. Und schon gar nicht ein Mann für eine Nacht.
Deutsche werden zunächst geächtet. Somit verliert Walter seinen Job. Auch hier zeigt sich wieder Jettels Naivität. Sie rennt zu einem jüdischen Oberhaupt und fragt, ob der Walter nicht wieder Arbeit besorgen kann. Den lassen diese vergleichsweise geringen Sorgen jedoch unbeeindruckt. Als der Krieg ausbricht, werden in Kenia alle Deutschen zu Kriegsgefangenen, denn Kenia ist zu dieser Zeit britische Kolonie. Um ihrer Familie Vorteile zu verschaffen, setzt Jettel alle Mittel ein, die eine Frau einsetzen kann, was der kleinen Regina jedoch nicht verborgen bleibt.
Irgendwann ist der Krieg zu Ende. Walter hat die Möglichkeit, in Frankfurt am Main eine Stellung als Richter zu bekommen. Er ist entschlossen zu gehen. Denn die Engländer lieben ihn nicht, wie er sagt. Deshalb könne Kenia für ihn nicht zur neuen Heimat werden. Einen Seitenhieb auf Engländer kann sich der Film auch nicht verkneifen. Ein hochgestellter Militär, dem Walter seine Entscheidung mitteilt, sagt, ihm ginge es genauso mit den Engländern, denn er sei Schotte. Werden Jettel und Regina Walter folgen? Ausgerechnet Jettel, die sich in Afrika so schwer tat, ist es leid, Walter stets zu nachzureisen, wenn der eine Entscheidung getroffen hat....
Jettel (Juliane Köhler) und Walter (Merab Ninidze) werden von unbekannten Schauspielern gespielt. Sie machen ihre Sache gut, wenn auch ich (LosGatos) Jettel als nicht so schön empfinde, wie sie im Film von ihrer (männlichen) Umwelt gesehen wird. Aber die beiden sind genauso wenig die Stars des Films wie Süßkind (Matthias Habich). Für mich ist es vielmehr die Rolle der Regina, die zunächst von der kleinen Lea Kurka und dann von Karoline Eckertz gespielt wird. Vor allem Lea Kurka spielt ihre Rolle großartig, ebenso wie Sidede Onyulo, der den Koch mimt und damit stellvertretend den Charme Afrikas darstellt.
„Nirgendwo in Afrika“ ist ein grandioser Film, der trotz der geschilderten Schwierigkeiten, an denen sich auch heute wohl nicht allzu viel geändert hat, was die Lebensumstände in Afrika angeht, Lust auf Afrika und seine Menschen und auch auf das einfache Leben macht. Ferner mahnt er uns zu Toleranz gegenüber Menschen, die aus irgendeinem Grunde anders sind. Auch Hitler habe den Antisemitismus nicht erfunden, lässt uns der Film wissen. Judenhass gibt es in der Tat schon sehr viel länger. Man kann von niemandem verlangen, einen jeden zu mögen. Das wäre in der Tat nicht menschengerecht. Aber man hüte sich davor, aus dem Verhalten einzelner auf das Verhalten einer ganzen Bevölkerungsgruppe zu schließen. Denn selbst nicht alle Bild-Leser sind doof und auch nicht alle deutschen Italien-Urlauber sind blond. Schon gar nicht im Kopf.
Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 8.8.2003
Veröffentlicht außer bei Ciao derzeit nur noch bei Yopi
Dass deutsche Filme sich wahrlich nicht hinter oft überladenen Hollywood-Produktionen zu verstecken brauchen, hat Caroline Link kürzlich bewiesen, als sie Stefanie Zweigs autobiographischen Roman „Nirgendwo in Afrika“ verfilmte und dafür gar den Oscar bekam. Völlig zurecht, wie ich finde.
Auch „Nirgendwo in Afrika“ ist mal wieder ein Film über die Schrecken der Nazi-Zeit und Judenverfolgung. Mal wieder? Schon wieder? Gibt es davon nicht schon genug? Gewiss ist die Grundthematik nicht neu. Aber wir müssen auch zugeben, dass es immer wieder guten Drehbuchautoren und Regisseuren gelingt, das Geschehene neu mit anderen Ansätzen zu inszenieren. Schon manches Meisterwerk ist auf diese Weise entstanden. „Schindlers Liste“ ist eines der bekanntesten Beispiele und „La Vita è bella“ so ziemlich der genialste Film, den ich je gesehen habe. Und leider ist auch zu bemerken, dass es immer noch oder schon wieder zu viele gibt, die nicht verstanden haben. Einige werden es ohnehin nie tun.
Der Film „Nirgendwo in Afrika“ zeigt auch höchstens am Rande die Greueltaten der Nazizeit, allerdings lässt er sie uns spüren. Und wenn man die politischen Hintergründe mal außen vor lässt, dann erinnert der Film auch ein wenig an den großen filmerischen Fast-Namensvetter „Jenseits von Afrika“. Eine Frau, 2 Männer, irgendwo in Afrika halt. Auch wenn die landschaftliche Kulisse hier nicht so imposant ist, „Nirgendwo in Afrika“ hat ganz andere Vorzüge. Er vermittelt uns mehr über die Menschen, weckt Sehnsüchte. Deutschland trotzt Hollywood.
Zur Handlung. Wir schreiben das Jahr 1938. Walter Redlich ist jüdischer Rechtsanwalt in Breslau. Da, wo auch LosGatos’ Vater geboren wurde. Eine der diskriminierenden Verordnungen Hitlers verbietet Juden ab sofort, diesen Beruf auszuüben. Kurzentschlossen entschließt sich Walter nach Afrika zu emigrieren. Sobald er dort sesshaft geworden sei, sollen seine Frau Jettel und seine kleine Tochter Regina nachkommen.
So geschieht es dann auch. Walter findet einen Job als Farmverwalter in Kenia. Und Frau und Tochter kommen bald nach. Natürlich war das damals etwas umständlicher als heute ein Safari-Urlaub. Es ist eine langwierige Reise mit Zug und Schiff über Marokko. Für das letzte Gesparte solle Jettel noch einen Kühlschrank kaufen und mitbringen. Jettel bevorzugt jedoch die Investition in ein Abendkleid. Bereits hier wird klar, dass Jettel in diese neue Welt nicht passt und unter ganz falschen Vorstellungen Walter nachgereist ist. Wieso könne der afrikanische Koch nicht deutsch mit ihr reden? Warum gibt es nicht jeden Tag Fleisch? Da Jettel sich in dieser Welt verloren vorkommt, werden die Probleme ihrer Ehe auch immer größer.
Weitaus weniger Anpassungsschwierigkeiten mit der neuen Umgebung hat die kleine Regina. Sie blüht hier regelrecht auf, und sie liebt die „Eingeborenen“. Owuor, der Koch, wird ihr großer Freund. Die Sprache lernt sie im wahrsten Sinne des Wortes spielend, egal, ob Suaheli oder Englisch. Ihren schwarzen Altersgenossen liest sie Geschichten vor und übersetzt sie simultan. Da Regina überdurchschnittlich intelligent ist, soll sie auf ein englisches Internat, was fast das gesamte Einkommen der Redlichs erfordert.
Und dann ist da noch Süßkind, der deutsche Lebens- und Überlebenskünstler, der alle Tricks kennt, die man hierzulande braucht, und der den Redlichs stets uneigennützig hilft. Er wird gespielt von Matthias Habich, dem deutschen Robert Redford. Auch in dieser Hinsicht wird Erinnerung an „Jenseits von Afrika“ geweckt. Süßkind ist der Dritte im Bunde, er mag Jettel, was dem Zuschauer wohl dagegen schwer fällt, er ist von ihrer Schönheit angetan. Aber er ist ein Mann mit Charakter, keiner, der sich irgendwo reindrängt. Und schon gar nicht ein Mann für eine Nacht.
Deutsche werden zunächst geächtet. Somit verliert Walter seinen Job. Auch hier zeigt sich wieder Jettels Naivität. Sie rennt zu einem jüdischen Oberhaupt und fragt, ob der Walter nicht wieder Arbeit besorgen kann. Den lassen diese vergleichsweise geringen Sorgen jedoch unbeeindruckt. Als der Krieg ausbricht, werden in Kenia alle Deutschen zu Kriegsgefangenen, denn Kenia ist zu dieser Zeit britische Kolonie. Um ihrer Familie Vorteile zu verschaffen, setzt Jettel alle Mittel ein, die eine Frau einsetzen kann, was der kleinen Regina jedoch nicht verborgen bleibt.
Irgendwann ist der Krieg zu Ende. Walter hat die Möglichkeit, in Frankfurt am Main eine Stellung als Richter zu bekommen. Er ist entschlossen zu gehen. Denn die Engländer lieben ihn nicht, wie er sagt. Deshalb könne Kenia für ihn nicht zur neuen Heimat werden. Einen Seitenhieb auf Engländer kann sich der Film auch nicht verkneifen. Ein hochgestellter Militär, dem Walter seine Entscheidung mitteilt, sagt, ihm ginge es genauso mit den Engländern, denn er sei Schotte. Werden Jettel und Regina Walter folgen? Ausgerechnet Jettel, die sich in Afrika so schwer tat, ist es leid, Walter stets zu nachzureisen, wenn der eine Entscheidung getroffen hat....
Jettel (Juliane Köhler) und Walter (Merab Ninidze) werden von unbekannten Schauspielern gespielt. Sie machen ihre Sache gut, wenn auch ich (LosGatos) Jettel als nicht so schön empfinde, wie sie im Film von ihrer (männlichen) Umwelt gesehen wird. Aber die beiden sind genauso wenig die Stars des Films wie Süßkind (Matthias Habich). Für mich ist es vielmehr die Rolle der Regina, die zunächst von der kleinen Lea Kurka und dann von Karoline Eckertz gespielt wird. Vor allem Lea Kurka spielt ihre Rolle großartig, ebenso wie Sidede Onyulo, der den Koch mimt und damit stellvertretend den Charme Afrikas darstellt.
„Nirgendwo in Afrika“ ist ein grandioser Film, der trotz der geschilderten Schwierigkeiten, an denen sich auch heute wohl nicht allzu viel geändert hat, was die Lebensumstände in Afrika angeht, Lust auf Afrika und seine Menschen und auch auf das einfache Leben macht. Ferner mahnt er uns zu Toleranz gegenüber Menschen, die aus irgendeinem Grunde anders sind. Auch Hitler habe den Antisemitismus nicht erfunden, lässt uns der Film wissen. Judenhass gibt es in der Tat schon sehr viel länger. Man kann von niemandem verlangen, einen jeden zu mögen. Das wäre in der Tat nicht menschengerecht. Aber man hüte sich davor, aus dem Verhalten einzelner auf das Verhalten einer ganzen Bevölkerungsgruppe zu schließen. Denn selbst nicht alle Bild-Leser sind doof und auch nicht alle deutschen Italien-Urlauber sind blond. Schon gar nicht im Kopf.
Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 8.8.2003
Veröffentlicht außer bei Ciao derzeit nur noch bei Yopi
Bewerten / Kommentar schreiben