Nirgendwo in Afrika (DVD) Testbericht

Nirgendwo-in-afrika-dvd-drama
ab 6,12
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Erfahrungsbericht von Abana1

Den Oscar hat der Film wirklich verdient

Pro:

sehr schöner und ruhiger Film, wunderschöne Aufnahmen von Afrika, super DVD mit richtig gutem Bonusmaterial (interessanter Audiokommentar + Interviews)

Kontra:

die Drei-Stunde-Fassung war nicht auf der DVD ;-)

Empfehlung:

Ja

Heute möchte ich über einen Film schreiben, der dem breiten Publikum zumindest dem Namen nach seit der letzten Oscarverleihung bekannt sein müßte - es handelt sich um \"Nirgendwo in Afrika\" von Caroline Link, der den Oscar für den besten ausländischen Film bekommen hat. Ich kannte den Film zwar schon vorher, aber ich habe ihn mir nicht im Kino angesehen, da ich sowieso die DVD kaufen wollte, in der Hoffnung auf interessantes Bonusmaterial.


HANDLUNG
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Walter Redlich (Merab Ninidze) flieht vor der Nazi-Herrschaft in Deutschland nach Kenia, denn die Judenverfolgung nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an. 1938 läßt er seine Frau Jettel (Julianne Köhler) und seine Tochter Regina (Lea Kurka/Karoline Eckertz) nachkommen, denn Walter hat Arbeit und Unterkunft auf einer Farm bekommen. Regina fühlt sich in dem fremden Land sofort recht wohl, aber ihre Mutter Jettel kann sich so gar nicht an das arme Leben gewöhnen. Ein Einheimischer, Owuor (Sidede Onyulo), ist der Familie als Koch behilflich, aber er lernt auch Walter und Regina die Sprache. Jettel sträubt sich noch gegen Kenia, und für ihre missliche Lage macht sie vor allem ihren Mann verantwortlich, da sie nicht versteht, warum die Familie aus Deutschland weggegangen ist.

Nachdem der zweite Weltkrieg ausgebrochen ist, wirft Deutschland auch seinen Schatten nach Kenia, denn die im Land ansässigen Briten lassen alle Deutschen internieren. Während Walter nun in ein Lager eingesperrt ist, kommen Jettel und Regina in ein nobles \"Gefängnis\", denn sie werden in einem Hotel untergebracht. Jettel fühlt sich dort sehr wohl, da sie endlich wieder Zeit mit deutschen Frauen verbringen kann. Nach und nach beginnt Jettel um ihren Mann zu kämpfen, da sich nun versteht, wieso die Familie aus Deutschland geflohen ist. Die Frauen initiieren die Freilassung der Männer, da schließlich nicht alle Deutschen auch gleichzeitig Nazis sind. Die Redlichs gehen wieder auf eine Farm, worüber sich Regina sehr freut...


MEINE MEINUNG
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Wow, was für ein Film! Ich liebe ja solche epischen Werke, und die Spielzeit von 135 Minuten war eigentlich viel zu kurz. Im Bonusmaterial war ja von einer Drei-Stunden-Fassung zu hören, die hätte ich gerne mal gesehen. Und um gleich mal vorzuwarnen, wer gerne Actionfilme mag und langsame, Bilder- und Dialogreiche Filme nicht, der wäre bei \"Nirgendwo in Afrika\" richtig falsch, denn der Film fällt in die letztgenannte Kategorie.

Aber ich fange mal am Anfang an und deshalb ist es Zeit die Romanvorlage zu erwähnen. Der Film beruht auf dem gleichnamigen Roman von Stefanie Zweig, die in dem Roman ihre Kindheitserlebnisse aufgeschrieben hat. Eigentlich wollte ich den Roman noch vor dem Film lesen, aber das Buch liegt nun schon eine Weile ungelesen bei mir rum. Nun habe ich mir den Film schon angeschaut, aber in den nächsten Wochen werde ich mir auch das Buch durchlesen, denn der Film hat mich noch ein wenig angetrieben (vorher will ich aber noch \"Mrs.Dalloway\" lesen). Logischerweise kann ich momentan nicht mit einem Film/Roman-Vergleich dienen, aber meistens sind ja die Romanvorlagen eine Spur besser.

Verfilmt wurde der Roman von Regisseurin Caroline Link, die ja spätestens seit \"Jenseits der Stille\" ein bekannter Name sein sollte. Und Link hat einen wundervollen Film geschaffen. Mir hat gut die Mischung der verschiedenen Sichtweisen gefallen, auf der einen Seite die Sicht der Erwachsenen und auf der anderen Seite die Sichtweise des Kindes. Im Buch soll man es ja eher aus der Sichtweise von Regina sehen, aber das war wohl nicht kinotauglich. Und irgendwie ist das auch verständlich, und mit der Jettel gibt es ja auch einen interessanten Charakter. Gerade sie dürfte sich doch nicht als was besseres fühlen, mit den Erfahrungen, die sie in Deutschland gemacht hat. Aus den Fehlern der Deutschen hätte sie zumindest etwas lernen müssen, aber so kann sie zuerst mit Afrika nichts anfangen, da sie die einheimische Bevölkerung für minderwertig hält. Regina ist da ganz anders, als Kind geht sie recht unbefangen mit ihrer Umgebung um. Jettel läßt sich ja schließlich auch noch vom Charme Afrikas einfangen, sie mußte eben nur erst ihre Vorurteile ablegen. Am Ende will sie sogar gar nicht mehr nach Deutschland zurück,

Caroline Link wartet in dem Film mit ziemlich einfangenden Bildern auf, also wer bisher noch nicht die Schönheit von Afrika bewundert hat, der wird spätestens nach diesem Film ein Fan von Afrika sein. Und damit Afrika und seine Bewohner auch originalgetreu dargestellt werden, wurden die Dreharbeiten auch von Ethnologen beaufsichtigt. Gleich am Anfang des Films wird auch gut der Gegensatz von Deutschland und Afrika gezeigt, nämlich eher dunkle und düstere Bilder in Deutschland (zeigt auch den aufkeimenden Antisemitismus), und warme, orange Bilder für Afrika. Die Musik sorgt natürlich auch für dieses Afrika-Feeling, es paß einfach alles zusammen.

Ein wirklich sehenswerter Film, schon wegen der tollen Afrika-Bilder. Mir hat auch die Story sehr gut gefallen, die wird zwar einfach und durchschaubar erzählt, aber wirkt doch fesselnd. Die Charaktere sind alle ziemlich interessant, obwohl manche Interaktionen nur am Rande ablaufen, wie z.B. die Jettel/Süßkind Story. Alle Darsteller waren hervorragend, vor allem natürlich Julianne Köhler als Jettel. Aber auch Merab Ninidze als Walter Redlich paßte gut in die Rolle, er strahlte so eine Ruhe aus.


DIE DVD
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Bei der DVD (media cooperation one) handelt es sich um eine Special Edition, und momentan ist auch nur diese Doppel-DVD auf dem Markt. Wer also nur den Film sehen will, hat schlechte Karten, denn das Bonusmaterial kauft man mit. Naja, ich für meinen Teil bezahle für gutes Bonusmaterial lieber etwas mehr, und mit €20 ist diese DVD ja fast noch preiswert. Und das Bonusmaterial ist auch richtig sehenswert/hörenswert. Es gibt einen Audiokommentar, Making Of, Geschnittene Szenen, umfangreiche Interviews und noch vieles mehr.

Mit dem Bild bin ich ziemlich zufrieden. Zumindest konnte ich keinerlei Schwächen sehen, der Kontrast ist gut, die Bildschärfe ebenfalls und die Farben sind bestechend. Auch der Ton bleibt nicht hinter dem Bild zurück. Es gibt sogar einen ganz pasablen Raumklang, die Music-Score kommt immer gut zur Geltung, und die Dialoge sind sehr gut verständlich.

Zur DVD gibt es auch ein umfangreiches Booklet, in dem u.a. die komplette Filmgeschichte nacherzählt wird. Ansonsten kann man dort noch ein paar kurze Filmkritiken nachlesen, ein paar Produktionsnotizen, eine Liste von Cast & Crew und eine Kapitelauflistung.
Die Menüs sind schön gestaltet, zumindest passen sie sehr gut zur Stimmung des Films. Sie sind teilweise animiert, und Untermenüs sind aber eher schlicht.

Bonusmaterial
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# Audiokommentar mit Regisseurin Caroline Link, Darstellerin Juliane Köhler, Produzent Peter Herrmann und Ethnologe Benedict Mirow
Als großer Fan von Audiokommentaren habe ich mir diesen natürlich auch angehört, und er war sehr informativ. Der Kommentar beginnt mit einem lockeren Geplauder der vier Sprecher, wobei natürlich am häufigsten die Regisseurin Caroline Link zu Wort kommt. Insgesamt haben aber alle vier Sprecher viele interessante Fakten zu erzählen, und technische Details und das Geschehen an den Drehorten sind die Themen. Die Sprecher gehen auf die besonderen Gegebenheiten an den afrikanischen Drehorten ein, welche Kameras benutzt wurden, wie die Darsteller auf Afrika reagierten, etc. Das Gespräch ist ziemlich locker, und somit der Kommentar auch ganz unterhaltsam.

# Making of \"Nirgendwo in Afrika\" (~29min)
Hier handelt es sich um ein echtes Making Of, also zur Ausnahme mal um kein Promo-Filmchen. Leider war der Clip aber viel zu kurz, denn so ein afrikanischer Drehort ist doch ziemlich interessant. Wie auch im Audiokommentar geht es u.a. um die Einsatz der Kameras und die Besonderheiten eines Drehs in Afrika. Sehenswert fand ich vor allem die Zeltstädte, die am Drehort aufgebaut wurden, und es kommt sogar der Koch zu Wort. Ansonsten gibt es noch Statements der Regisseurin und von Cast & Crew zu diversen Themen. Insgesamt also sehr sehenswert, und nach einer halben Stunde kam das Ende des Clips ziemlich überraschend, denn ich hätte gerne noch mehr gesehen.

# Die Premiere (~11min)
In diesem Clip geht es um die Film-Premiere in Deutschland, und man kann den Star-Auftrieb auf dem roten Teppich bewundern. Naja, ganz so sinnlos ist der Clip nicht, denn es gibt kurze Statements von Cast & Crew vor und nach der Filmaufführung. Mir hat dieser Clip gut gefallen, auf jeden Fall sieht man so was nicht so häufig auf DVD.

# Magical Kenya (~15min)
Hier handelt es sich im ein Werbefilmchen für potentielle Besucher von Kenia. Und dabei geht es nicht in erster Linie um die wunderschöne Natur und die Menschen in Kenia, sondern eher um Hotels, Golfplätze und Hochseefischerei. Nur am Rande sieht man ein wenig von den atemberaubenden Landschaften, ansonsten ist es eben ein typischer Werbeclip für Touristen. Magical Kenya scheint auch irgendein Reiseveranstalter zu sein, denn am Ende des Clips prangt das Logo. Insgesamt ist dieser Clip also nur bedingt sehenswert, besser wäre eine richtige Doku über Kenia gewesen.

# Entfallene Szenen (~10min)
Da der Film ursprünglich an die drei Stunden lang war, wurde leider ziemlich viel gekürzt. Hier kann man sich ein paar der geschnittenen Szenen ansehen, wahlweise mit Kommentar von Regisseurin Caroline Link. Und den Kommentar würde ich auf jeden Fall mitlaufen lassen, denn die Regisseurin erklärt den Zusammenhang zwischen Szene und Film und natürlich warum die Szene entfallen ist. Durch die entfallenen Szenen werde manche Charaktere näher beleuchtet, z.B. Inge, und es gibt auch einige zusätzliche Szenen aus der Schule. Also ich persönlich hätte gerne die Drei-Stunden-Fassung des Films gesehen, hätte man vielleicht als Director´s Cut auf dei DVD bringen können.

# Interviews
Die Interviews sind dieses Mal keine 0815-Statements aus dem Electronic Press Kit. Außerdem finden sie auch gleich am Set unter freiem Himmel statt und es wird dazwischen geredet etc., aber das stört nicht, sondern man bekommt einen Eindruck vom Set. Alle der fünf Interviews bieten interessante Fakten von den Dreharbeiten und der Story, und auch die Charakteranalysen der Darsteller sind ja immer recht unterhaltsam. Fünf Darsteller wurden zum Interview gebeten: Julianne Köhler (~21min), Merab Ninidze (~20min), Matthias Habich (~17min), Sidede Onyulo (~9min) und Lea Kurka (~2min).

# Talkrunde mit Caroline Link, Peter Herrmann und Stefanie Zweig (~31min)
Hier handelt es sich um ein sehr interessantes Interview mit der Autorin Stefanie Zweig, die über ihre Erfahrungen in Afrika erzählt. Die Regisseurin Caroline Link vergleicht die Anekdoten mit dem Film, und so kommt eine sehr interessante Diskussion in Gang. Stefanie Zweig zeigt auch einige Photos aus dieser Zeit. Mir hat die Talkrunde sehr gut gefallen, und ich wurde durch diese angeregte Diskussion auch bestärkt, das Buch zu lesen.

# Casting Videos
So was bekommt man ja auf DVDs nicht oft zu sehen, aber hier gibt es kurze Ausschnitte aus einigen Casting-Videos. Mir hat auch gefallen, das die Regisseurin Caroline Link die Videos kommentiert hat. Casting-Videos gibt es von Julianne Köhler & Merab Ninidze (~2min) und Lea Kurka & Karoline Eckertz (~4min) zu sehen.

# Storyboard/Film-Vergleich der Heuschreckensequenz (~3min)
Es eigentlich nur eine Szene im Film, wo anschließend Animationen eingefügt wurden, und das ist die Heuschreckensequenz. Diese Szene kann man sich hier im Storyboard/Film-Vergleich anschauen. Erläuternde Kommentare gibt die Regisseurin Caroline Link.

# Diashow (~19min)
Hier kann man sich Bilder von den Dreharbeiten anschauen. Die Bilder sind zu einer Diashow zusammengefaßt und werden von dem Produzenten Peter Herrmann kommentiert. Interessant waren hier vor allem die Bilder von der Zeltstadt und von der afrikanischen Zeromonie. Solche Bilder sind ja ansonsten eher etwas langweilig, aber da die Bilder hier kommentiert werden, sind sie eigentlich sehr informativ und unterhaltsam.

# Niki Reisers Filmmusik (~9min)
Insgesamt gibt es hier vier Musikstücke aus dem Film zu hören: Loreley, Nirgendwo in Afrika, Hänsel und Gretel und Kriegsende. Während die Musik läuft, kann man einen Blick auf die entsprechenden Notenblätter werfen, die auch handschriftlich korrigiert sind.

# Trailer (~9min)
Hier gibt es natürlich den Trailer von \"Nirgendwo in Afrika\" zu sehen. Außerdem gibt es aber noch folgende Trailer zu sehen: \"Bella Martha\", \"Good Advice\" und \"Knallharte Jungs\".

# Biografien
Hier handelt es sich um Biografien auf Texttafeln von diversen Cast & Crew Mitgliedern.

# Mukutani Foundation
Zuerst hatte ich gedacht, es handelt sich hier um einen Clip über irgendein Naturschutzgebiet in Kenia, aber hinter dem Titel verbergen sich nur Hinweise auf Texttafeln. Die Mukutani Foundation wurde nach den Dreharbeiten gegründet, und man versucht dem Dorf Mukutani zu helfen. Man bittet um Geldspenden für das dorf, damit eine Wasseraufbereitungsanlage gebaut werden kann, und außerdem die angefangene Straße weitergebaut werden kann.

Weitere Daten
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Sprachen : Deutsch
Untertitel : Deutsch

Bildformat : 2,35:1 (anamorph)
Audiokanäle : Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0

Spielzeit : 135 min
FSK : ab 6 Jahre


FAZIT
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Zusammenfassend kann man sagen, daß \"Nirgendwo in Afrika\" ein beeindruckender Film ist, der in leisen Tönen das Schicksal einer deutschen Familie in Afrika schildert. Die DVD wird dem Film gerecht, denn es gibt eine Unmenge äußerst interessantes Bonusmaterial, allen voran der Audiokommentar und die umfangreichen Interviews. Also die DVD hat auch einen Oscar verdient :-)

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