Erfahrungsbericht von Daverigger
Kann man dafür Schmerzensgeld verlangen?
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Vor kurzem habe ich mir mit meiner besten Freundin Britney Spears Kinofilm „Not a girl“ (Im Original: Crossroads ... einfach ein genialer Titel, oder?) angesehen. Man muss dazu sagen, das wir ohne jegliche Erwartungen den Kinosaal betraten, und ich glaube wir wollten einfach mal so richtig „feiern“. (Anm. des Autors: Feiern = kaputtlachen)
Na ja, reden wir nicht lange um den heißen Brei herum, wir haben uns also an besagtem Abend aufgemacht und sind zum Kino gepilgert. Und als wir da so vollkommen unvoreingenommen auf den Einlass warten fällt uns irgendwie auf, das nicht gerade besonders viele Leute am Kassenschalter drängeln um noch eine der heißbegehrten Karten für Britneys neuesten Streich zu ergattern. Genaugenommen war da nur ein vertrockneter Dornbusch der vorbeiflog. Aber in solchen Momenten denkt man sich nichts besonderes dabei, denn schließlich kann sich ein Kinosaal erfahrungsgemäß binnen 25 Minuten schnell füllen. Um die ganze Sache abzukürzen und nicht lange auszudehnen, wir waren (erstaunlicherweise??) die einzigen beiden Zuschauer in einem doch recht großen Saal der gut und gerne 150 Leuten, vielleicht sogar mehr, Platz für den ungetrübten Kinogenuss bietet. Aber was soll’s, solch eine Koinzidenz MUSS ja nicht für oder wider die Filmqualität sprechen. Was taten wir also? Vorletzte Reihe Mitte, gemütlich in die Sitze werfen und darauf warten, das der Film endlich beginnt. Und er begann. Und wir lachten. Tränen haben wir gelacht. Eigentlich ist das ja an sich kein Problem. Der Haken an der Sache: Spearchens Film ist keine Komödie, obwohl Britney als wandelnder schlechter Witz doch eigentlich prädestiniert dafür ist, sondern ein ernstgemeinter(?) Roadmovie mit Herzschmerz, Romantik und ein wenig Action und Witz, der sich bei genauerer Betrachtung als schlechter Scherz an sich herausstellt. Aber alles schön der Reihe nach!
Die Story ist, genau wie Britneys sekundäre Geschlechtsmerkmale und ihre Rolle im Film, künstlich und dermaßen hochstilisiert, das es einem wirklich Tränen in die Augen treibt.
Lucy (Besagtes Britney-Schätzchen) ist der typische Amerikanische Teenager. Ich glaube das ist einer der Gründe für meine Abneigung Amerika gegenüber. Sie ist gut in der Schule, ja sogar Jahrgangsbeste der Abschlussklasse (Nein, keine Waldorfschule), sieht toll aus (Naja), ist süß (Zahnbürste bereithalten, Kariesgefahr!) und bei so ziemlich jedem beliebt. Ihr Vater, der von Dan Akroyd verkörpert wird, übrigens neben Kim Cattrall der einzige Schauspieler mit Format, ist erfolgreicher Automechaniker mit eigener Werkstatt und hält große Stücke auf sein behütetes und verhätscheltes Töchterlein, das nach seinem Wunsch Medizin studieren soll. Ach ja, natürlich ist sie sittsam und Jungfrau. Wäre sonst ja auch noch schöner!
Am Tage des Abschlussballs trifft sie auf Mimi und Kit. Die drei waren in ihrer frühen Kindheit die allerbesten Freundinnen, doch irgendwie haben sie sich auseinandergelebt und nicht mehr viel miteinander zu tun. Doch sie haben sich einst ein Versprechen gegeben, nämlich ihre Kindheitswünsche Wahrzumachen. Mit anderen Worten: Mimi will erfolgreiche Sängerin werden und ihre Füße in den Atlantik stecken, Kit will ihren Verlobten heiraten (verheiratet ... auf der Schule ... wie realistisch), und Lucy möchte ihre Mutter kennen lernen. Diese hat sich nämlich abgesetzt und wohnt in LA. Ist das nicht herzzerreißend? Durch einen kosmischen Zufall trifft sich die Sache mit LA recht gut, denn unverhofft hat Mimi geplant in LA an einem Vorsingen teilzunehmen, und Kit will dort ihren Freund besuchen, der an der Uni in LA studiert. (Was ist denn bitte so toll an LA?)
Gesagt getan, Mimi organisiert einen Kerl namens Ben, der die drei in seinem Auto mitnehmen soll. Ben ist natürlich ein supercooler Typ der Sorte „Harte Schale, weicher Kern“ und verguckt sich sofort in unsere liebe Lucy. Auf der Fahrt kommen sich die beiden ein klein wenig näher, und als der Wagen eine Panne hat gewinnen die drei Mädels mal eben einen Karaoke - Wettbewerb um ein Ersatzteil beschaffen zu können. Und wer hat es anders erwartet? Lucy holt nach einem missglückten Gesangsversuch von Mimi die Kohlen aus dem Feuer und überzeugt mit einer tollen Stimme und einer sexy Aufmachung, welche der Phantasie recht wenig Arbeit übrig lässt. Und hier macht es bei Ben *klick*, er verliebt sich unsterblich in Lucy. Natürlich rettet er sie in der Disco noch tapfer vor einem jungen Lüstling.
Um mich nicht in allen möglichen Details zu verlieren nun etwas geraffter.
Lucy trifft dann irgendwann ihre Mutter, die allerdings wenig Interesse an dem verschollenen Töchterlein zeigt und schon eine neue Familie samt 2 Söhnen aufgebaut hat. Der Schock und die Krokodilstränchen sind groß, so das Lucy erst mal getröstet werden muss.
Als nächste ist Kit dran, die mit Mimi im Schlepptau ihren Freund besuchen will. Als Zuschauer fragt man sich nicht warum ein Mädchen das auf den Freund scharf ist eine Freundin mitbringt, aber die Macher werden sich dabei schon etwas gedacht haben. Und so ist es dann auch. Es kommt heraus, das Kits Freund sie nicht nur mit einer anderen Betrügt, nein, viel schlimmer: er hat Mimi erst vor wenigen Monaten brutal vergewaltigt und dabei geschwängert. Ihr ungeborenes Kind ist von ihm. Ein Sturz auf der Treppe des Wohnheims hat zur Folge das Mimi ihr Kind verliert, und dann taucht auch noch Lucys Vater auf, der die drei endlich eingeholt hat und nun sicher und wohlbehalten nach Hause bringen will. Doch die Liebe zwischen Lucy und Ben, die sich zwischenzeitlich zusammengefunden haben, nachdem der gute Junge eines von Britneys Gedichten per Klavier vertont hat ... ja natürlich schreibt sie Gedichte, überrascht das denn noch? UND natürlich kann er nicht nur perfekt Gitarre spielen, Klavier gehört doch heutzutage einfach dazu wenn man schon im Gefängnis saß, weil man in einer heldenhaften Aktion die Schwester vor dem gewalttätigen Vater beschützt hat.
Aber genug davon. Jedenfalls rennt Lucy ihrem vor Verständnis überquellenden Vater davon und nimmt zusammen mit ihren Freundinnen und Ben an dem Gesangswettbewerb teil.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie sicher noch heute und lieben sich auf so wundervolle Weise das einem gleich schlecht wird.
Tja, was soll ich sagen? Schon nach den ersten zwei oder drei Szenen ist einem Zuschauer mit einem IQ von mindestens 10 klar: besagten Quotient wird er zum Filmverständnis nicht benötigen. Die Story ist unglaublich einfach gestrickt. Zwei links, zwei rechts, eine Mimi die Treppe runterfallen lassen, und man hat einen lockerleichten Teenie-Film ohne allzu große Ansprüche an das Kinopublikum mit ein wenig Dramatik, einer Prise Herzklopfen und der nötigen Portion Silikon, die das Herz der Chemieindustrien höher schlagen lässt.
Dasselbe gilt größtenteils auch für die Schauspieler. Man merkt, das es für Britney das erste Mal ist, ihre Gestik und Mimik wirken leider genauso mies wie in ihren herzzerreißenden Musikvideos, und irgendwie herrscht von Anfang an eine gewisse knisternde Distanz zwischen Lucy und Zuschauer, da man es einfach nicht gewohnt ist, das Blondchen länger als vielleicht 4 Minuten zu sehen. Aber das ist reine Gewöhnungssache, da bin ich mir fast sicher!
Leider schaffen es die anderen Charaktere im Gegenzug nicht die Falten, die durch Britney entstehen, auszubügeln. Sie wirken genauso künstlich überzogen wie Lucy selbst, und sogar der relativ ausgeglichene Ben schafft es nicht, eine Figur zu bieten, mit der sich der Zuschauer identifizieren kann, zumindest für ein paar Minuten.
Aber halt! Es gibt eine Rolle, die mir zugesagt hat in diesem Film. Britneys Mutter, dargestellt von Kim Cattrall, die ja nun schon etwas bekannter ist im Filmgeschäft. Ihre Entscheidung, mit der Tochter nichts zu tun haben zu wollen kann man doch wirklich gut nachvollziehen, oder?
Bei solchen Einbrüchen helfen auch nicht die tollen Hintergrundgeschichten zu jeder Rolle, die ein wenig Tiefgang schaffen sollen.
So kennen wir Lucy ja als von ihrem Vater zu Höchstleistungen getriebenes Mädchen, das vor lauter lernen nicht richtig gelebt hat (und das mit 18, schlimme Sache, da ist das Leben ja auch schon vorbei). Mimi kommt anscheinend aus einer nicht ganz so noblen Gegend, in der man sich als Frau auch schon mal verteidigen muss, und ist bereits schwanger, was ihr eine schwere Bürde für ein so junges Mädchen auferlegt (Mir kommen gleich die Tränen). Doch das härteste Schicksal wurde unserer armen Kit auferlegt, die unter einer despotischen Mutter zu leiden hat, die aus ihrer Tochter eine perfekte Kopie ihrer selbst schaffen will.
Und was Ben betrifft lässt sich genauso wenig sagen. Gerüchte besagen, das er wegen Totschlags im Gefängnis gesessen hat, doch es kommt heraus, das er lediglich ein Gesetz übertreten hat, als er seine kleine Stiefschwester vor seinem gewalttätigen Vater gerettet hat. Solch einen selbstlosen Mann wünscht man sich doch als Schwiegersohn, oder? Und über den sexy-verwegenen 3-Tage-Bart reden wir erst gar nicht.
Über Technik, Kameraarbeit etc. muss ich jedoch noch ein paar Worte verlieren. Hier sind wahre Höchstleistungen vollbracht worden, denn der Film besticht durch eine unglaubliche Vielfalt an Einstellungen von ... Britney.
So kann man die tollsten Posen und Bilder von ihr begutachten, die vielen Nah- und Portraitaufnahmen sind atemberaubend, und als sie dann auch noch quadratmeterweise Haut gezeigt hat war ich hin und weg ... nämlich unter dem Sitz. Es ist mal wieder wie in einem ihrer Musikvideos, Britney hier, Britney dort, und zur Abwechslung mal Britney da hinten und da drüben auch noch mal. Also nichts für schwache Nerven!
Bleibt die Frage, was der Film eigentlich gutes bietet. Da wären zum einen ein paar Landschaftsaufnahmen die bei mir hängen geblieben sind. Und dann noch ... na ja, das war’s eigentlich auch schon.
Der Film ist ganz und gar nicht empfehlenswert, das ist eine unumstößliche Tatsache. In der Story gibt es Löcher, durch die ein ganzer Lastwagen passt, die Schauspieler sind nicht dazu in der Lage den Charakteren wirklich Leben einzuhauchen, geschweige denn einen gewissen Tiefgang entstehen zu lassen, und die Musik ist bestenfalls grausam.
Man nehme eine Prise Britney, gebe einen Schuss N’Sync (Schreibt man das so?) dazu, vermische dies mit haufenweise undefinierbarem billig - Pop und lasse das ganze umrandet von Shania Twain gut köcheln. Das Ergebnis gießen wir unter ständigem Rühren dann in den Ausguss und hoffen, das es nicht zurückkehrt, womöglich noch mutiert und unter dem Namen „Not a girl 2“ oder etwas ähnlich einfallslosem.
Das Beste an dem ganzen Kinoabend war immer noch, das wir den Kinosaal ganz allein für uns hatten und gleichermaßen über dieses grottenschlechte Erzeugnis eines drittklassigen Alptraums lachen konnten. Außerdem hatten wir die besten Plätze, bedingt durch die Zuschauerzahl.
Ich kann mir im Nachhinein nicht vorstellen, das ich den Film unter anderen Bedingungen durchgehalten hätte ohne schreiend und wild mit den Armen fuchtelnd das Kino fluchtartig zu verlassen.
Ich möchte eines zu bedenken geben. Die Karten kosteten in unserem Fall 4,6€ pro Stück. Für das gleiche Geld bekommt man bei mir zu Hause keine Kinokarte, unter 7€ wären wir wohl nicht weggekommen, 8€ sind da noch realistischer. Wären wir bei mir anstatt bei ihr gewesen, hätten wir uns den Streifen allein aus diesem Grund nicht angetan. Das zeigt eines ganz deutlich, um absolut unvoreingenommen und vorurteilsfrei zu sprechen: Bei diesem Film dreht man den Eurocent wirklich mehrmals um, bevor man sich entscheidet.
Und wenn man schon nicht bereit ist, für einen Kinofilm zwei oder drei Euro mehr zu bezahlen, dann spricht das nicht gerade für den Film, oder?
In der Kinozeitschrift Cinemaxx wird Britney als „der erste amerikanische Megapopstar des dritten Jahrtausends“ bezeichnet. Wenn ich an die Qualität dieses käsigen Zahnspangen-Filmchens denke wird mir eins erschreckend deutlich. Das wird ein ziemlich armes Jahrtausend werden wenn keine Steigerung kommt!
36 Bewertungen, 7 Kommentare
-
07.08.2002, 15:44 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreich:-) also wenn ich das so lese muss ich mir den doch glatt mal antun, aber irgendwie ist mir doch das Geld zu schade, naja vielleicht lädt mich mal jemand zu nem Videoabend ein, das wird dann ein unvergessliches Erlebnis :-)
-
06.07.2002, 00:46 Uhr von Sternchen_w
Bewertung: sehr hilfreichAlso bisherr fand ich den Film ja vom hören noch ganz toll, gesehen hab ich ihn ja auch noch nicht... aber nachdem was du da schreibst, brauch ich dies wohl auch nicht nachzuholen... mfg Melanie
-
28.05.2002, 22:44 Uhr von grapefruity
Bewertung: sehr hilfreichSuper Bericht. Habe mich köstlich beim Lesen amüsiert! :)
-
26.05.2002, 23:38 Uhr von Lachesis
Bewertung: sehr hilfreich*lachen muss* Den muss ich unbedingt sehen!!!
-
16.05.2002, 14:51 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichgelungener Verriss. Nur das mit dem "verheiratet an der Schule" konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Gruß, nosianai
-
16.05.2002, 14:44 Uhr von Nietzsche
Bewertung: sehr hilfreichhihi... das klingt nach einem spitzen-film... ; )
-
16.05.2002, 14:42 Uhr von gürkle
Bewertung: sehr hilfreichimmerhin sieht britney gut aus
Bewerten / Kommentar schreiben