Ocean's Eleven (DVD) Testbericht

Ocean-s-eleven-dvd-thriller
ab 9,49
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Erfahrungsbericht von mima007

Klasse DVD: 160 Millionen und ein Joker

Pro:

spannend, humorvoll, tolle spielende Topstars, coole Musik, Zuschauertäuschung; gutes Bonusmaterial

Kontra:

kein Making-of; kein Untertitel zu den Kommentaren

Empfehlung:

Ja

Was könnte befriedigender für einen gerade Freigelassenen sein, als gegen die Bewährungsauflagen zu verstoßen, um 160 Millionen zu rauben?

Filminfos
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O-Titel: Ocean\'s Eleven (USA 2001), DVD: 2002
FSK: ab 12
Länge: 112 Min.
Regisseur: Steven Soderbergh
Drehbuch: Ted Griffin
Score-Musik: David Holmes
Andere Musik: u.a. Elvis Presley
Darsteller: George Clooney, Julia Roberts, Brad Pitt, Matt Damon, Elliott Gould, Casey Affleck, Scott Caan, Andy Garcia u.a.

Handlung
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Bevor man ihn aus vier Jahren Haft entlässt, verspricht Danny Ocean (Clooney), dass er nix Böses tun werde und schon gar nix von seiner Frau Tess (Roberts) wolle. Natürlich sind das nur Worte, denn Danny braucht dringend Kohle. Und er hat auch schon eine geniale Idee, wo sie zu holen ist: in den Casinos von Las Vegas.

Er braucht Hilfe: Als ersten heuert er seinen alten Kumpel, den Falschspieler Rusty (Pitt) an, der im Augenblick Teenie-Schauspielern Poker-Unterricht gibt und dabei vor Langeweile schier umkommt. Außerdem braucht man noch einen Panzerknacker, einen Elektronikfreak, einen alten Herrn, einen Schlangenmenschen. Ein Taschendieb namens Linus (Damon) macht das Schlusslicht.

Um all diese Experten und ihre Ausrüstung bezahlen zu können, braucht Danny einen Sponsor: Reuben (Gould), einen alten Feind des jetzigen ungekrönten Königs von Vegas Terry Benedict (Garcia). Ist es Zufall oder Notwendigkeit, dass die drei auszuraubenden Casinos alle Benedict gehören und dieser der momentane Lebensgefährte von Dannys Ex-Frau Tess ist? Reuben ist es einerlei, und so steigt die Sache.

Wie sich schließlich herausstellt, bildet Dannys Riesenfischzug den Versuch, seine Ex-Frau zurückzuerobern. Ist das nicht romantisch? Die Sache hat nur einen Haken: Sie will nichts mehr mit Danny zu tun haben.

Die DVD
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Technische Infos

Bildformate: 2,35:1, 16:9
Tonformate: DD 5.1, Englisch auch in DD 2.0
Sprachen: D, GB
Untertitel: D, GB, D für Hörgeschädigte

Extras:

- Regiekommentar von Soderbergh und Autor Ted Griffin
- O-Kommentar der Darsteller Damon, Garcia und Pitt
- Doku \"Hinter den Kulissen\" (15 Min.)
- Doku \"The Look of the Con\" - Die Mode und die Ausstattung der Gauner (9:30)
- 3 Trailer zum Film
- DVD-Rom-Part: Links zur US-Website; Spiel

Info: www.oceanseleven-der-film.de (ohne Gewähr)

Mein Eindruck
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Das Remake eines alten Sinatra-Klassikers vermeidet durchgehend jeden Hinweis auf dieses Vorbild: keinerlei Reminiszenzen an Sinatra, Samy Davis jr. oder Dean Martin. Das einzige Vegas-Spezifische ist allenfalls der Elvis-Song \"Let\'s have some action\" (oder so ähnlich), der später durch einen englischen Sender und einen TV-Werbespot zum Nummer-1-Hit wurde. Alles andere spielt im Hier und Jetzt.

**Time and Timing

Der Kampf gegen die Zeit ist das geheime Thema des Films. Vordergründig äußert sich dies an dem superexakten Timing aller Abläufe beim Überfall. Und wenn der Bombenexperte mal eine Minute mehr Zeit verlangt, reißen schier die Nerven. Dass die Zeit auch zur Überlistung eingesetzt werden kann, zeigt uns Danny Ocean mit seinem wunderbaren Video, das Mr. Benedict fast aus den Pantinen haut.

Danny ist ein Mann, der Zeit bezahlt hat, Lebenszeit: vier Jahre. Die müssen sich nun lohnen. Selbst um den Preis einer weiteren Zeitstrafe für die Verletzung seiner Bewährungsauflagen (drei bis sechs Monate). Man kommt sich vor beim Eishockey, wo es Zeitstrafen setzt. Vier Jahre hat er seine Frau Tess vermisst. Die will er nun zurück haben. Zum Glück enden die Dinge im Herzen niemals, wie eine alte tibetanische Reisbauernweisheit besagt. Und so kann sich Tess möglicherweise doch für Danny entscheiden.

Was der Europäer nicht so ohne weiteres bemerkt, ist die Tatsache, dass die Zeit an Las Vegas, wo schon fast jeder Ami mal war, unglaubliche Veränderungen in kürzester Zeit vornimmt. Deshalb ist Reuben ja auch so stinksauer auf Terry Benedict, der einen grässlichen Hotelpalast nach dem anderen hochzieht, während Reubens Spielhöllen gesprengt werden. Reuben, als Vertreter des alten Vegas, will sich an diesem Emporkömmling, dieser \"Maschine\" (Linus), rächen und ihn bloßstellen.

Denn der Inbegriff dieser \"Maschine\" ist jene Maschine, die das Allerheiligste enthält: der unknackbare Geldtresor für Benedicts Casinos. Hinsichtlich dieser Reliquie täuscht der Zauberer Danny nicht nur \"den Feind\" Benedict, sondern auch den Zuschauer.

**Illusionen

Eine weitere Täuschung gelingt Danny und Rusty (Pitt), indem sie so tun, als würde Danny ausgebootet, weil er nicht hinter dem \"Schatz\", sondern hinter dem \"Mädchen\" (Tess) her sei. Dieses Manöver zwingt Linus dazu, als Inspekteur der Glücksspielkommission aufzutreten - Danny würde man sofort erkennen - und Benedicts Tresorcodes zu klauen.

Der Zuschauer braucht eine ganze Weile, um beide Täuschungen zu durchschauen. Das steigert einerseits die Spannung, verhindert aber gleichzeitig, dass er zuviel über die Beziehungskiste Danny - Tess nachdenkt. Denn obwohl Danny natürlich auch Tess benutzt, hilft diese ihm am Schluss aus der Patsche. Sie ist wohl doch eines von beidem: Lügner oder Dieb.

**Der Joker

Die große Stärke des Films liegt nicht zuletzt darin, dass der Drehbuchautor jeden einzelnen von Ocean\'s Team sowie die Gegenspieler genaustens charakterisiert. Daher können wir oft schon von vornherein sagen, wie bestimmte Begegnungen ausgehen werden. Es gibt aber einen Joker im Spiel: Tess, die einzige Frau. Was sonst zu einer Riesengaudi für Jungs geworden wäre, wird angesichts von Tess\' möglichem Eingreifen zu einer ernsten Auseinandersetzung, bei der es um den höchsten Preis geht: nicht (nur) um 160 Mios, sondern um Liebe und Loyalität. Mir hingegen hat besonders Don Cheadle als britischer Bombenspezialist mit Cockney-Akzent gefallen.

***Die DVD***

Bild- und Soundqualität sind Spitze; in fast jeder Einstellung kommen die Darsteller optimal zur Geltung. Es gibt nur sehr wenige Aufnahmen - und Soderbergh nennt sie -, in denen mit Handkamera gefilmt wurde und die Beleuchtung nicht hundertprozentig hinhaute. Obwohl diese Gaunerfilm in der zweiten Hälfte eine Menge Actiontempo entwickelt, hört man nicht den dafür typischen Sound: Rumgeballere, Gebrüll, Getrampel - es geht sehr zivilisiert zu. Daher sind dreidimensionale Surround-Effekte weder notwendig noch zu hören.

Dafür sind Kostüme hingegen enorm wichtig, wie in jeder Komödie. Dafür gibt es eine separate Dokumentation \"Die Mode und die Ausstattung der Gauner\", in der der Kostümbildner fast zehn Minuten lang erklärt, warum jede der fünf Hauptfiguren so aussieht und was ihre Kostüme über sie aussagen. Diese Doku ist zehnmal besser als alle Kommentare zusammen.

Zumal sie direkt an die Doku \"Hinter den Kulissen\" anschließt. In einer Viertelstunde entfaltet sich im Grunde ein Making-of, das nur leider viel zu viele Filmszenen enthält. Immerhin werden auch hier die Hauptfiguren charakterisiert: Danny (Clooney) ist der Ideenlieferant, Rusty Ryan (Pitt) ist als Organisator seine rechte Hand, Benedict (Garcia) hingegen ist \"der Feind\", wie Clooney sagt. Und Tess (Roberts) ist die zweite Beute, um die es Danny zu tun ist. Dreiviertel des Films bestehen aus dem Überfall, der eine ähnliche Funktion hat wie im Klassiker \"Der Clou\" (The Sting): ein Joyride, also eine Achterbahnfahrt, die dem Zuschauer sämtliche Kicks & Thrills liefert, um ihn zu unterhalten. Dabei darf der Zuschauer nicht merken, dass er übers Ohr gehauen wird - genau wie Benedict.

Dem *Audiokommentar* des Regisseurs und des Drehbuchautor ist schwer zu folgen. Nicht nur, weil er nicht untertitelt ist, sondern auch weil Griffin zu schnell redet und Soderbergh sich dauernd verhaspelt und seine Sätze immer wieder neu anfängt oder umstellt. Das Zuhören ist selbst für einen fortgeschrittenen Englischsprecher wie mich sehr mühsam. Nach 50 Minuten gab ich auf. Die Infos, die sie lieferten, sind v.a. für Cineasten von Interesse. Immerhin sind die Kommentare mitunter recht selbstironisch. Aber Soderbergh ist bei \"Solaris\" besser.

Fast das gleiche Bild beim *Audiokommentar* der drei Hauptdarsteller Pitt, Garcia und Damon. Keine Untertitel und drei verschiedene Stimmen, die man auseinanderhalten muss. Hier erweisen sich v.a. Pitt und Garcia als alte Hasen vom Fach, die genau wissen, was Sache ist. Unartige Jungs, die sie nun mal sind, ziehen sie ständig über den abwesenden Mr. Clooney her. Wer sich die Mühe macht, ihrer Flachserei zu folgen, hat eine gute Zeit.

Im *DVD-Rom-Part* stößt man auf ein kleines Spiel, in dem man sich testen kann, ob man als Taschendieb für \"Ocean\'s Eleven\" qualifiziert ist. Das Spiel hat nur zwei Fehler. Die abgefragten Fachbegriffe für einen Fischzug decken sich nicht mit dem im Film verwendeten Begriff (\"pull\"). Und die Station, in der in einem Insert ein Bild angezeigt werden sollte, funktionierte nicht: Das Bild wurde nicht geladen. Ansonsten bietet dieser Part lediglich Links zur Website.

Immer wieder ein Grund zur Freude sind die animierten und mit Casinogeräuschen & Musik unterlegten Menüs sowie das auf bunten Kreisen (= Jetons) basierende Oberflächen-Design. Und natürlich die Musik.

Unterm Strich
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Das Remake des Sixties-Klassikers \"Frankie und seine Spießgesellen\" ist eine sehr intelligent und hinterlistige aufgebaute Gaunerkomödie in Las Vegas. Nicht nur das enorme Staraufgebot imponiert, sondern auch die Ausstattung - fast alles spielt in einem echten Casino, dem \"Caesar\'s Palace\" -, die flotte Musik von David Holmes und der ausgefuchste Schnitt (viele Splitscreens und Wischeffekte).

Am besten sind jedoch die geschliffenen Dialoge, besonders zwischen Clooney, Pitt und Roberts, sowie die mehrmalige Irreführung des Zuschauers. Am Schluss stehen die Helden vor der Burg, die sie erstürmt haben, dem \"Bellagio\". Die Musik und die hochspringenden Fontänen deutet die Träume an, die sie sich nun erfüllen können.

Dieser Film macht nicht nur enormen Spaß, sondern ist auch spannend und schlussendlich menschlich befriedigend. Der Zuschauer bekommt eine Menge für sein Geld. Auch auf der DVD.

Übrigens:
Die Fortsetzung mit dem Titel \"Ocean\'s Twelve\" befindet sich bereits in Vorbereitung (Drehbeginn: 4/2004). Clooney-Fans können sich also schon mal auf nächstes Jahr freuen. Die Raubüberfälle werden in Europa stattfinden.

Michael Matzer (c) 2004ff

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