Open Your Eyes - Virtual Nightmare (DVD) Testbericht

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ab 26,24
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Erfahrungsbericht von Kuhli

Wach auf! Vanilla Sky ist morgen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Hinter jedem eigenwilligen Hollywoodfilm steht meistens eine geklaute Idee…

Story:

So wie César (Eduardo Noriega) wären wohl gerne die meisten Männer – spanisch. Na ja, und vor allem reich und gutaussehend (mir persönlich fehlt nur der Reichtum und das spanische Blut, den Rest hab ich mehr als genug *g*). Und was machen reiche und gutaussehende Männer so. Genau, sie haben jeden Tag eine andere Frau.
Doch eines schönen Tages lernt César auf seiner Geburtstagsfete die „Trophäe“ seines Freundes Pelayo (Fele Martinez) kennen, die bezaubernde Sofia (Penelope Cruz). Und da César anscheinend charmanter ist als sein Freund bekommt er Sofia. Das neue Paar könnte wohl glücklicher nicht sein, doch da gibt’s ja noch Nuria (Najwa Nimri) eine alte Bettbekanntschaft von César die sich wohl gerne an Sofias Stelle neben César sehen würde.
Durch ihre Überredungskunst steigt César in Nurias Auto und sie fahren eine kleine Runde, um sich während der Fahrt auszusprechen, doch es kommt alles anders.

„Glaubst du an Gott?“

Mit diesen Abschiedsworten fährt Nuria den Wagen gegen eine Mauer und damit beginnt für César eine Reise in seinen schlimmsten Alptraum.
Er hat zwar als Einziger diesen Unfall überlebt, doch wurde sein ach so schönes Gesicht komplett entstellt und auch die Ärzte scheinen ihm nicht helfen zu können und geben ihm lediglich eine gesichtsähnliche Maske um seine Narben zu verstecken. Angewidert von seinem Anblick legt der nun zurückgezogen Lebende doch die peinliche Maske an und kommt in seine Stammkneipe wo er Sofia und **** trifft. Später auf dem Weg nach Hause kippt er auf dem Bordstein um und nach dem Aufwachen scheint sein bisheriger Alptraum eine noch schlimmere Wendung zu nehmen und nicht nur César, sondern auch der Zuschauer steht vor einem unlösbaren Rätsel.

Warum lebt *** wieder? Und wieso nennt sie sich selbst jetzt Sofia? Und was ist mit der „echten“ Sofia? Wer ist der mysteriöse Mann in der Bar? Warum können plötzlich die Ärzte Césars Gesicht wieder komplett herstellen? Und was ist L.E?

Bis das alles geklärt wird vergeht ein 2-stündiger surrealer Alptraum voller Fragen ohne richtige Antworten.

Kritik:

„Öffne deine Augen“ ein Satz oder sogar ein Thema, das nicht nur den ganzen Film bestimmt, sondern ihn auch eröffnet. Denn durch diesen Satz erweckt macht sich der junge César auf den Weg zur Arbeit, doch wo bitte schön sind alle Menschen geblieben? Die Straßen sind leer gefegt. Ein Alptraum! Den durch ein erneutes „Öffne die Augen“ erwacht César aus diesem Traum und liegt doch wieder in seinem Bett.
Wem nicht nur obige Inhaltsangabe bekannt vorkommt sondern auch diese Eröffnungssequenz, von diesem spanischen Film noch nie etwas gehört hat, dem dürfte wohl der Tom Cruise-Film „Vanilla Sky“ im Gehirn herum schwirren, denn genau dieser ist das Hollywoodremake von „Virtual Nightmare - Open your eyes“, der im Original „Abre los ojos“ heißt. „Virtual Nightmare“ ist sowieso ein selten dämlicher Titel, der nicht nur zuviel verrät, sondern auch nach billigem Science-Fiction vermuten lässt. Aber „Open your eyes“ (dieser Titel ist passender und deswegen boykottiere ich den anderen jetzt auf weiteres) ist weder billig noch Science-Fiction. Eigentlich ist er schon Science-Fiction, aber damit hab ich schon zu viel verraten und lasse dieses Thema jetzt mal aus.

„Vanilla Sky“ hab ich bis jetzt noch nicht gesehen, aber da der jetzt auf DVD draußen ist, werde ich das wohl mal nachholen und schön vergleichen.
Optisch hat das Hollywood-Remake bestimmt die besseren Karten. „Open your eyes“ hat keine stilisierten Hochglanzbilder sondern recht farblose Aufnahmen ohne viele Kameraeffekte. Das sollte man aber durchaus nicht negativ betrachten. Farblos heißt nicht langweilig, sondern erstens atmosphärisch schlüssig und zweitens verwirrend. Verwirrend deshalb, da so die sehr surreale Geschichte zuerst nach einer romantischen Beziehungsklamotte vermuten lässt und nicht schon durch Bilder die sich ändernde Geschichte vorwegnimmt.
Zugegeben hat das Remake sicherlich auch gerade durch die bombastische Optik einige Vorteile, nämlich genau dann, wenn man wirklich die surrealen Bilder braucht. So find ich z.B. den menschenleeren Times Square viel beeindruckender und beängstigender als irgendeine leere spanische, große Straße, die ich vorher noch nie gesehen hab. Den Times Square kennt man einfach nur voll mit Menschen und so was dann leer zu sehen ist schon wahnsinnig.
Aber wie gesagt schätze ich das Original dann doch durch die wegfallende Effekthascherei beklemmender und verstörender ein und will dem Remake mal ohne es gesehen zu haben eine etwas glattgebügelte Story unterstellen.
Apropos Story. Wer nur schöne, geradlinige Filme mag in denen alles nachher eindeutig geklärt wird und bei denen das Denken und Rätseln vom Film selbst übernommen wird, so das man lediglich genießen kann und wer somit keine wirren, surrealen Filme mag, sollte diesen Film ignorieren und vergessen.
Leute die aber wie ich z.B. David Lynch-Filme lieben weil man sie einfach nicht vollständig verstehen kann oder Stanley Kubrick vergöttert, da er wohl der Einziger ist, der die Aussage von 2001- A Space Odyssey“ kennt, werden diesen Film wohl für sich gewinnen können.
Anders als aber z.B. wie bei oben genannten „Meistern“ fängt dieser Film aber wirklich erst nach über einer Stunde an „abzudriften“ und das auch erst sehr langsam. Vorher gibt es zwar schon mal kurze Einschübe, die aber anfangs zusammenhangslos erscheinen und als Traum abgestempelt werden, wenn César dann aber in der zweiten Hälfte des Films vor Unerklärlichem steht, rattern beim Betrachter mindestens genauso die Gehirnzellen. Ist diese surreale Welt in der er jetzt steckt nur ein Traum und er liegt noch immer schlafend auf der Straße? Oder war das vorher alles ein Traum und er ist jetzt erst aufgewacht? Steckt vielleicht eine logische Erklärung dahinter? Wollen seine Geschäftspartner ihn in den Wahnsinn treiben? Ist er vielleicht schon längst wahnsinnig und erfindet das alles nur?
Also man sieht Fragen über Fragen, die aber sogar beim Showdown beantwortet werden und da komm ich zu einem sehr wichtigen Punkt des Films, versuche aber nicht zu viel zu verraten.
Es gibt Filme die sind klasse! Bis zum Ende das alles versaut. Meiner Meinung nach ist wirklich das Ende eines Filmes dafür ausschlaggebend, ob ein Film gefällt oder nicht und kann somit noch mal alles rumreißen.
Und da ich von Anfang an wirklich begeistert von der wirren Story, dem Surrealismus und der ganzen bedrohenden Atmosphäre war, befürchtete ich eine platte Auflösung, die man so oft genug schon gesehen hatte.
Aber ich muss wirklich sagen, dass die Auflösung sich eigentlich so dämlich und trashig anhört, trotzdem mich aber sehr überrascht und schockiert hat. Ich habe eigentlich nicht so eine plausible und genau Aufklärung erwartet und dachte man wird gänzlich im Unklaren gelassen. Diese Aufklärung ist aber sehr stimmig auch wenn ich mir während dem Schauen gewünscht hätte, dass man als Zuschauer vielleicht doch die ganze Sache noch anzweifelt und das Geschehnis auf dem Hochhausdach für sich selbst als real oder irreal ansehen kann. Aber da hatte ich mir wohl zu früh Gedanken gemacht, denn am Ende gibt’s noch mal ein Déja vu – „Öffne deine Augen“.

Man jetzt weiß ich gar nichts mehr. War die Auflösung doch nicht so konkret wie ich gedacht habe? Manno, ich rätsele immer noch und werde wohl nie ein Ergebnis bekommen und wer’s glaubt oder nicht, gerade das gefällt mir am meisten am Film.

Und warum gefällt ein Film den man nicht begreift? Sind es bei Lynch die genialen Bilder und die kranke Psychologie seines Films, sind es hier wohl auch mitunter die grandiosen Schauspieler, allen voran der Hauptdarsteller, den ich vorher nicht kannte, der mich aber sehr beeindruckt hat und durchaus auch einen ängstlichen Nachgeschmack hinterlassen hat. Erschreckend spielt er den verwöhnten und selbstüberzeugten Unternehmer, der doch so zerbrechlich werden kann und wenn er dazu noch diese unheimliche, regungslose Maske trägt muss man einfach anerkennen, das Spanien mehr als nur ein sonniges Urlaubsland ist.
Die einzige bekannte Person ist natürlich Penelope Cruz, die genau diese Rolle der Sofia auch im Remake gespielt hat. Ich mag diese Frau nicht wirklich, aber genauso wie in „Jamon, Jamon – Lust auf Fleisch“ hat sie mich sehr überzeugt.

Fazit:

Haben Originale den Remakes immer etwas voraus. Optisch sicherlich selten, aber atmosphärisch wohl immer. Dieser Film ist ein Alptraum, der zu spannend ist um aufwachen zu wollen. Verstörend, verwirrend und gekrönt von einem höhenängstlichen, unglaublichen Finale. Was will man sonst vom Regisseur von „The Others“ erwarten.


DATEN

Abre los ojos, E`97
Von Alejandro Amenábar
ca. 117 Minuten
FSK 16

12 Bewertungen