Passwort: Swordfish (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Filfar

Banküberfall mit Bomben und blanken Brüsten

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

„In Hollywood produzieren sie nur Scheiße“ – den Blick dabei fest in eine Kamera gerichtet leitet Gabriel Shear (dargestellt von John Travolta) mit dieser markanten Feststellung seinen pseudo-philosophischen Monolog über das Wirken der us-amerikanischen Filmindustrie ein. Nur wenige Sätze später ist Shear dann bei einer der wenigen Ausnahmen dieses Prinzips angekommen: dem Sydney-Lumet-Klassiker „Hundstage“ (wer den Film nicht kennt hat an dieser Stelle und auch ansonsten Pech gehabt). Über diesen Film gerät Shear ins Schwärmen und Spekulieren. Was wäre, wenn der dortige Hauptdarsteller Al Pacino seine Geiseln erschossen hätte, um sich einen freien Abzug zu sichern? Erst eine Geisel, dann die zweite und so weiter bis ihm entweder die Geiseln ausgehen oder die Polizei nachgibt. Sobald hat Shear das Ende seines Vortrags erreicht, steht auf, will gehen und rennt direkt in eine Ansammlung schwer bewaffneter Polizisten. Die lassen ihn jedoch laufen und so gesellt sich Shear zu seinen Kumpanen, die – watt ein Zufall – eine Bank überfallen und Geiseln genommen haben, deren Ermordung sie androhen, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Über Handy macht Shear einem FBI-Agenten klar, dass alle Geiseln mit Sprengstoff präpariert sind, der unvermeidlich explodiert, sollten sie sich zu weit von den anderen entfernen. Als die erste Geisel in einen bereit stehenden Bus gebracht werden soll, wird einer der Geiselnehmer von einem Scharfschützen erschossen. Ein anderer Polizist versucht, die Geisel in die vermeintliche Sicherheit zu bringen. Während alle informierten Beteiligten noch lauthals schreien, das genau dies nicht geschehen soll, geschieht es schon. Ruuuummmms – mit einer gewaltigen Explosion werden Geisel und Polizist zerfetzt.

Die Folgen dieser Detonation werden mit einem 360-Grad-Kameraschwenk eingefangen. Überall zerberstendes Glas, Körper, die durch die Luft gewirbelt werden, Autos, die ineinander krachen. Das alles wird in Zeitlupe gezeigt, damit auch kein Detail verloren geht. Ebenso die Akustik. Es knallt nicht eben mal so kurz, stattdessen ein langgezogener Kracher. Zumindest in Cinemaxx-Kinos gilt hier: mittendrin, statt nur dabei. So mancher Zuschauer – zumindest ging es mir so - fragt sich jetzt: was soll das alles. Der richtige Moment. Um den Fortgang der Handlung zu unterbrechen, und die Uhr um vier Tage zurückzudrehen.

„Passwort: Swordfish“ heißt der Film, um den es sich hier handelt. Zweifelsfrei ein Action-Spektakel (dafür steht schon der Name des Produzenten: Joel Silver). Also musste es schon einen ordentlichen Bumms geben, wenn sich anschließend der Handlung gewidmet werden soll. Das erste Drittel des Films hat demzufolge die zuvor beschriebene Szene als eindeutigen Höhepunkt. Selten zuvor – wenn überhaupt – ist eine Explosion mitreißender inszeniert worden. Logisch, dass danach erst einmal Ruhe einkehrt. Um dem interessierten Zuschauer wenigstens einen annähernden Eindruck zu vermitteln, worum es eigentlich geht, hier nun noch in wenigen Sätzen der weitere Verlauf:

Da der ursprünglich Auserwählte bei einer Passkontrolle auffliegt, wird die Hacker-Größe Stanley Jobson (gespielt von Hugh Jackman) reaktiviert, um einen schwer gesicherten Zugriffs-Code zu knacken. Jobson, der erst eine Gefängnisstrafe absitzen musste, da er bei seinen Aktivitäten vom FBI hochgenommen wurde, ist zunächst wenig begeistert. Aber die Aussicht auf 10 Millionen Dollar und das Zusammensein mit seiner Tochter, für die er ein Umgangsverbot hat, können ihn dann doch umstimmen. Nach und nach bemerkt Jobson allerdings, dass er sich auf ein äußerst gefährliches Unternehmen eingelassen hat...

„Passwort: Swordfish“ bietet all das, was man sich von einem fulminanten Action-Kracher erhoffen kann: zum Teil wahnsinnig schnelle Bilder in nahezu ohrenbetäubenden Sound (ich weise nochmals darauf hin, dass ich den Streifen in einem Cinemaxx-Kino gesehen habe; woanders mag dieser Effekt vielleicht nicht eintreten).

Aber es gibt noch mehr zu sehen. Zum einen die blanken Brüste von Halle Berry, die die weibliche Hauptrolle namens Ginger übernommen hat. Für diese Sequenz soll sie angeblich die Zusatzgage von 500.000 $ erhalten haben. Halle Berry bestreitet dies vehement, warum auch immer. Es gibt auch Schauspielerinnen, die für weniger Geld mehr gezeigt haben. Peinlich muss ihr die Bezahlung also nicht sein. Die Berry-Oberweite allein ist das Eintrittsgeld allerdings kaum wert, aber wenn man(n) einen solchen Anblick mitnehmen kann, warum nicht? Mehr als ihren Körpereinsatz hat Halle Berry hier auch nicht zu bieten. Ihre Rolle ist konsequent reduziert auf das schmückende Beiwerk, dass die Männer antreibt. Selbst für eine Funktion als „femme fatale“ reicht es nicht.

Auf jeden Fall den Kinobesuch wert ist John Travolta, der mit einem ähnlichen Outfit und einem ähnlichen Charakter wie in „Pulp Fiction“ durch die Bilder schreitet. Seine Darstellung des Bösewichts knüpft beinahe nahtlos an seine Leistungen in „Get Shorty“ oder „Operation: Broken Arrow“ an. Wer diese Filme mochte, sollte „Passwort: Swordfish“ nicht versäumen. Zugegeben, rein sachlich gesehen, besteht Travolta Aufgabe nur darin, schicke Armani-Anzüge durch die Gegend zu tragen und megakriminelle Kalendersprüche aufzusagen. Aber dabei legt er wieder eine Coolness an den Tag, die er wie kein anderer verkörpern kann. Oder anders formuliert: dass der Film überhaupt funktioniert und nicht überaus peinlich wirkt, ist nahezu ausschließlich dem Charisma eines John Travolta zu verdanken.

Sein Gegenspieler Hugh Jackman fällt da schon deutlich ab. Jackman, der auf mich nach seinem Debüt in „X-Men“ abermals vor allem als Jungausgabe von Clint Eastwood wirkte, hat die undankbare Aufgabe einen treusorgenden Familienvater und Computerhacker zu spielen. Rollen also, die zumeist vor Langeweile nur so triefen bzw. bei denen jeder Action-Auftritt nur ungläubiges Staunen hervorrufen kann. „Passwort: Swordfish“ bietet da keine gelungene Ausnahme. Wie kann man diesen Umstand erklären? Nun, zum einen ist die Konstellation ohnehin sehr künstlich. Jobson ist wohl nur deshalb als ums Sorgerecht kämpfender Vater ins Drehbuch aufgenommen worden, damit gegen ihn ein Druckmittel
Vorhanden ist. Und zum anderen will man einer Person, die aussieht und sich aufführt wie eben Hugh Jackman, einen derartigen Part einfach nicht abnehmen.

„Passwort: Swordfish“ sollte ursprünglich am 27.09.2001 in den deutschen Kinos starten. Nach den Mordanschlägen vom 11.09.2001 auf das WTC in New York wurde der Filmstart verschoben. Angeblich hätte niemand nach den Bildern der einstürzenden Wolkenkratzer einen Film über Bombenexplosionen sehen wollen. Warum sich gut eineinhalb Monate danach die Situation grundlegend geändert hat, vermag ich nicht nachzuvollziehen. Aber es stimmt: auch hier fällt das allseits bekannte T-Wort. Und wie in der realen Politik macht sich auch im Film niemand die Mühe, den Begriff „Terrorismus“ näher zu erläutern. Er bleibt eine beliebig einsetzbare Worthülse, die jedoch stets als Rechtfertigung (Bomben gegen afghanische Zivilisten in der Realität; Bomben gegen amerikanische Zivilisten im Film) herangezogen werden kann. Ob sich die Produzenten dieser Parallele bewusst waren? Wohl kaum. Dazu ist die Geschichte viel zu vordergründig. Es sollte also niemand auf den simplen Trick hereinfallen, dass hier vermeintlich ein brisantes Thema angesprochen wurde. Letztlich bewegt sich die Geschichte auf dem gleichen Niveau wie die früheren Drei-Groschen-Romane.

Erwähnenswert ist abschließend noch die Musik von Paul Oakenfold, der angeblich ein bekannter DJ sein soll. Ich kannte ihn bislang nicht. Die überwiegend am Synthesizer eingespielte Musik ist jedoch für einen Action-Thriller mit High-Tech-Ausflügen absolut passend. Ob sie auch ohne Bilder ihre Wirkung entfalten kann, vermag ich nun nicht zu beurteilen. Im Film unterstützt sie das Tempo und die Atmosphäre.


Fazit:

In Hollywood produzieren sie nur Scheiße? Naja, hin und wieder wirft die selbsternannte Traumfabrik ja auch das ein oder andere gelungene Werk ab. Und auch Bockmist kann durchaus sehr unterhaltsam sein, wenn Lautstärke und Geschwindigkeit davon ablenken, dass die Logik der Handlung mehr Löcher aufweist als der berühmte Schweizer Käse – dafür stehen Filme wie „Passwort: Swordfish“.

23 Bewertungen, 3 Kommentare

  • anonym

    12.08.2002, 15:27 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    fand ihn zwar nicht so toll aber der Beitrag ist gut geschrieben

  • DrDuke

    28.04.2002, 12:50 Uhr von DrDuke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich werd mir demnächst mal die dvd anschaun auch wenn der nicht so gut ist

  • anonym

    28.04.2002, 12:46 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Spaß gemacht hat er ja... Und an anderer Stelle las ich tatsächlich schon Texte wie: es sei entsetzlich gewesen, wie der Bus durch die Hochhausschluchten fliegt und es erinnere doch zu sehr an den 11.September... Da kann ich nur sagen: meine Fre