Schindlers Liste (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von alteSchwedin

Wider die Gleichgültigkeit. Wider das Wegschauen.

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Für mehr Menschlichkeit.

Das schreibt der Tagesspiegel über einen in meinen Augen ganz besonderen Film. Unter der Regie Steven Spielbergs wurde 1993 das Leben Oskar Schindlers verfilmt, der über 1100 Juden vor der Ermordung durch die Nazis rettete. „Schindlers Liste“ erhielt 7 Oscars, unter anderen den für den „besten Film“. Die Geschichte – Hollywood hätte sie sich nicht besser ausdenken können – ist wahr. Aber ihr sollt erst einmal erfahren, worum es geht, falls ihr es noch nicht wisst.


Anfang des 2. Weltkrieges, genauer im September 1939, kommt Oskar Schindler nach Krakau. Dort kann er durch seine guten Verbindungen zur Obrigkeit und mit Hilfe zweier jüdischer Investoren eine konfiszierte Emailwarenfabrik übernehmen. Er holt sich auch den früheren jüdischen Buchhalter Ithzak Stern zurück. Denn vom eigentlichen Fabrikbetrieb hat Schindler keine Ahnung. Schindler beschäftigt von Anfang an nur jüdische Arbeiter, die Stern im Krakauer Ghetto, wo alle Juden der Umgebung auf kleinstem Raum zusammengepfercht leben müssen, anwirbt. Denn jüdische Arbeiter sind billiger, sie zählen ja unter den Nazis nicht als Menschen. (Der Lohn für die Arbeiter wird direkt an die Nazis bezahlt.)
Schindler versteht es, seine Firma zu präsentieren. Er feiert rauschende Feste mit den Krakauer Nazi-Größen, macht ihnen Geschenke und steht auf gutem Fuß mit ihnen. Wieder andere werden bestochen. So erhält er zahlreiche Aufträge der Armee, für die er Töpfe, Pfannen und Schüsseln für die Feldküchen herstellt, und gleichzeitig das Recht, jüdische Arbeiter zu beschäftigen.
Als 1942 in Plaszow (Nähe Krakau) ein Arbeitslager errichtet wird, das dem unberechenbaren Hauptsturmführer Amon Göth unterstellt ist, muss Schindler um „seine“ Juden kämpfen. Er manipuliert Göth geschickt, so dass seine Juden weiter für ihn arbeiten können. Doch dann wird die „Endlösung der Judenfrage“, die Ermordung des jüdischen Volkes, beschlossen. Oskar Schindler schreibt gemeinsam mit Ithzak Stern eine Liste, auf der die Namen von über 1100 Juden stehen, die Schindler kauft und gemeinsam mit seiner Fabrik ins relativ sichere Sudetenland umsiedelt. Im Mai 1945, kurz nach Kriegsende, flieht Oskar Schindler gemeinsam mit seiner Frau Emilie vor der Roten Armee, denn er muss Angst haben, als Nazi-Kollaborateur gehängt zu werden.


Ich habe euch hier einmal die gesamte Story wiedergegeben. Denn ich glaube, dass sie die meisten kennen. Und außerdem sieht man sich „Schindlers Liste“ nicht nur wegen der reinen Geschichte an. Die Schauspieler, die Bilder, die Musik, das alles ist einfach einzigartig und sehr auf Eindrücke ausgelegt. Doch ich möchte hier im Einzelnen noch näher auf die Umsetzung der Story, die Schauspieler, die Regie, die Kamera und auch ein wenig auf die Musik eingehen.

Die ursprüngliche, wahre Story wurde sehr eindrucksvoll umgesetzt. Dabei wurde auch die Szenerie sehr passend gewählt. Teilweise wurde sogar an Originalschauplätzen gedreht. Auch wurde nichts beschönigt. Da werden willkürliche Erschießungen von Juden durch Nazis gezeigt, Juden werden aus ihren Häusern vertrieben, misshandelt und schikaniert. Ein Bild ist mir bei der Vertreibung der Juden aus ihren Häusern deutlich im Gedächtnis geblieben: Juden rennen mit eilig gepackten Koffern die Straße entlang. Ein vielleicht 9jähriges Mädchen ruft andauernd: „Verschwindet ihr Juden!“ Auch die Grausamkeit der SS wird unverblümt dargestellt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es damals genauso, wenn nicht sogar schlimmer, zuging. Für diese realistische, manchmal sogar grausame Darstellung finde ich FSK 12 teilweise sogar noch zu niedrig. Ich glaube nicht, dass unter 14jährige den Film verstehen und verkraften können.

Bei den Schauspielern möchte ich näher auf die Darsteller der Figuren Oskar Schindler, Ithzak Stern, Amon Göth und Emilie Schindler eingehen.

Oskar Schindler, der Geschäftsmann mit Charisma, wird von Liam Neeson dargestellt. Neeson schafft es brillant, diesem Menschen einen Charakter zu verleihen. Dem Zuschauer wird auch durch den Schauspieler klar, dass Schindler eine Sinneswandlung durchmacht. Anfangs steht er den Juden eher neutral gegenüber. Er findet keinen Spaß daran, sie in irgendeiner Art zu quälen, aber sie sind auch nicht mehr als billige Arbeitskräfte für ihn. Doch dann – so grausam es klingen mag – entdeckt er den Menschen im Juden. ( Eine Nazi-Parole damals: „Juden sind Parasiten, die man wie Ungeziefer ausrotten muss!“) Mit Hilfe seines Geldes kann Schindler vielen Juden das Leben retten. Neeson stellt diesen Menschen, der so vielschichtig war, grandios dar. Nicht umsonst wurde er für einen Oscar nominiert. Egal ob ausgelassenes Feiern oder Verzweiflung, alle Facetten Oskar Schindlers werden durch Liam Neeson bedient.

Ben Kingsley spielt Ithzak Stern, Schindlers jüdischen Buchhalter. Zwischen Stern, der nie lacht und immer irgendwie verängstigt aussieht, und dem selbstsicheren Schindler entwickelt sich so etwas wie eine Freundschaft. Stern agiert immer im Verborgenen. Doch langsam gelingt es ihm, Schindlers Sinneswandlung auszulösen.

Amon Göth, der grausame und willkürliche Lagerkommandant wird von Ralph Fiennes dargestellt. Er erschießt mit Vorliebe Juden, scheint jedoch nicht sehr intelligent. Denn Schindler gelingt es, ihn oft genug zu seinen Gunsten zu manipulieren. Und trotz aller Grausamkeit ist Göth nicht durch und durch böse. Er verliebt sich nämlich in seine jüdische Haushälterin Helene Hirsch, obwohl er weiß, dass er dies nie zeigen darf. Wieder ein vielschichtiger Charakter, der von einem grandiosen Schauspieler dargestellt wird. Ralph Fiennes wurde auch für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert.

Um auch noch eine weibliche Darstellerin zu erwähnen, möchte ich hier etwas auf die Schauspielerin, die Emilie Schindler spielt, Caroline Goodall eingehen. Obwohl Emilie Schindler schon sehr oft von ihrem Mann betrogen wurde und eigentlich in Trennung zu ihm lebt, begleitet sie ihn, als er bei Kriegsende flieht. Obgleich Caroline Goodall nicht so oft zu sehen ist, ist sie mehr als ein hübsches Anhängsel am Arm ihres Mannes. Eine Frau mit Charakter, die schon damals für ihre Meinung eintrat.

Regie führte Steven Spielberg, der schon in vielen verschiedenen Genres arbeitete. In „Schindlers Liste“, das nach dem 1982 erschienenen Buch „Schindlers Liste“ von Thomas Keneally entstand, schafft er eine Gratwanderung. Es wird in langsamen Bildern erzählt, welche die Eindringlichkeit erhöhen, ohne dabei langweilig zu wirken. Willkür und Grausamkeit wird dargestellt, ohne den Zuschauer zu verschrecken. Er vollbringt das nahezu Unmögliche: Er sensibilisiert den Zuschauer für dieses schreckliche Kapitel deutscher Geschichte, ohne die ganze Zeit mit erhobenem Zeigefinger herumzulaufen. Er erhielt zu Recht einen Oscar für die beste Regie.

Die Kamera ist immer ganz nah am Geschehen. Der Zuschauer fühlt sich oft mittendrin. Und doch wird bei alledem eine gewisse Distanz gewahrt, die eindrucksvolle Bilder schafft: marschierende, singende Soldaten; deutsche Soldaten, die Juden schikanieren und töten; das Krakauer Ghetto. Vor allem bei der Räumung des Krakauer Ghettos wird die gesamte Grausamkeit der Nazis deutlich. Zu langsame Juden werden erschossen, alle anderen werden gnadenlos mit Hunden gehetzt. Hier sieht man auch den einzigen Farbtupfer des gesamten Filmes, der nur in schwarz-weiß gedreht ist. Ein kleines Mädchen in einem roten Mantel flieht vor der SS.
Einmal denkt man, es würde schneien. Doch die Bäume sind belaubt und in Wirklichkeit regnet es Asche, Asche von verbrannten Juden. Auch bei einer kurzen Sequenz, die in Auschwitz spielt, schweift die Kamera immer wieder zum Schornstein des Krematoriums.
Oft werden auch nur Bilder von Menschen gezeigt, Verschiedenste Gesichter, die man während des gesamten Filmes immer wieder sieht. Das verleiht der großen Masse von über 1000 Menschen, die Schindler insgesamt rettet, so etwas wie Persönlichkeit. Da wirkt die Anzahl nicht mehr abstrakt. Man nähert sich den Menschen, die dahinter stehen immer mehr an.
Die Kameraführung von Janusz Kaminski, für die es auch einen Oscar gab, ist insgesamt sehr einprägsam und einfach wunderschön.

Die Musik von John Williams, für die „Schindlers Liste“ einen weiteren Oscar erhielt, ist sehr wichtig für den gesamten Film. Denn im gesamten, drei Stunden dauernden Film wird man nicht totgeredet. Vieles wird nur mit Bilder und Musik, sowie Hintergrundgeräuschen dargestellt.

Abschließend möchte ich nur sagen, dass ich von „Schindlers Liste“ noch ganz beeindruckt bin. Es ist ein großartiger, mitreißender Film über den Holocaust. Hier ist noch ein Zitat aus dem Talmud, dem Hauptwerk der jüdischen Glaubenslehre: „Wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt.“


Nachsatz:
Ich habe mich eine Zeitlang intensiv mit dem Vernichtungslager Auschwitz beschäftigt und ich möchte euch noch ein Zitat, das mich sehr berührt hat, mit auf den Weg geben: „Ob die Suche nach der Zahl der Opfer wirklich das allerwichtigste ist – ob man dabei nicht vielleicht vergisst, dass das alles Menschen waren, Kinder, Mütter, Väter, die dort alle über Jahre hinweg in den Tod gegangen waren!“

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