Sieben Jahre in Tibet (DVD) Testbericht

Sieben-jahre-in-tibet-dvd-drama
ab 3,79
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 12/2008

5 Sterne
(0)
4 Sterne
(4)
3 Sterne
(1)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von himmelssurfer

Auf dem Gipfel

Pro:

Film, der zum Nachdenken einlädt

Kontra:

nichts zur reinen Unterhaltung

Empfehlung:

Ja

Sieben Jahre in Tibet

Heinrich Harrer ist ein junger Mann aus Österreich. Ein Bergsteiger. Der Film beginnt damit, daß er sich einer Expedition anschließt, welche sich im Jahre 1939 auf den Weg in den Himalaya macht. In den Anfangssequenzen wird sehr deutlich, daß seine Frau damit in keinster Weise einverstanden ist. Noch auf der Fahrt zum Bahnhof läßt sie ihn das spüren; und bittet seinen besten Freund, sich um sie zu kümmern, sollte ihm etwas geschehen. Sie ist schwanger.

Der Aufstieg beginnt. Vier Monate nach der Abreise erinnert sich Harrer daran, daß sein Sohn nun bereits einen Monat alt ist. Aufgrund von schlechten Wetterbedingungen muß die Expedition umkehren. Harrer will alleine weiter, wird aber von seinem Expeditionsleiter daran gehindert. Diese Szenen und weitere im Verlaufe des Films zeigen, daß Harrer ein egoistischer, selbstherrlicher Mensch ist, der sich nur solange mit anderen Menschen abgibt, wie es ihm nützlich erscheint. Ansonsten geht er seinen eigenen Weg. Hier sogar bildlich dargestellt: Alleine läuft er der Expedition hinterher. Währenddessen schenkt ihm einer der Scherpas ein Bild des Dalai Lama.
Der Abstieg endet mit einer bösen Überraschung: Der Krieg mit Deutschland hat begonnen und die gesamte Gruppe (Deutsche, Italiener und Österreicher) wird von britischen Militärs gefangengenommen und in ein Lager in Indien geschafft.

Die Zeit der Gefangenschaft Heinrich Harrers und seiner Expeditionskollegen dauert mehrere Jahre (in denen er mehrere Fluchtversuche unternimmt). Er beginnt seinem Sohn zu schreiben, nachdem seine Frau ihn gebeten hat, die Papiere für die Scheidung zu unterschreiben. Später wird ihm der Sohn mitteilen, daß er einen Vater habe und das sei nicht er: Heinrich Harrer (Harrers bester Freund hat seine Exfrau geheiratet). Irgendwann gelingt Harrer dann die Flucht aus dem Lager, gemeinsam mit den anderen. Auch hier besteht Harrer wieder auf seinem eigenen Weg: kaum aus dem Lager entkommen, setzt er sich von der Gruppe ab.
Er schlägt sich mehr schlecht als recht durch, selbst wenn er dabei in einem Tempel Essen stehlen muß. Er schleicht durch Indien, bis eines Tages wieder sein Expedtionsleiter neben ihm steht. Alle anderen wurden wieder gefangengenommen oder mußten durch Krankheit aufgeben.
Trotz aller Differenzen beschließt man, sich gemeinsam nach Tibet aufzumachen.

Die Handlung um Heinrich Harrer wird immer wieder unterbrochen durch Szenen rund um den (damals sehr jungen, etwa 11 jahre alten) Dalai Lama und dem Leben in Tibet. Man beginnt eine gewisse Vorstellung zu entwickeln, in welcher Art und Weise Tibet „regiert“ wird.

Harrer und der Expeditionsleiter machen sich also auf den Weg nach Tibet. Dort angekommen, teilt man ihnen mit, daß Ausländer derzeit nicht in Tibet erwünscht seien und sie wieder zu gehen hätten. Doch die beiden stoßen die Grenzwächter von ihren Reittieren und dringen trotzdem in das Land ein.

Im nächsten größeren Ort ersuchen sie um eine Audienz beim Provinzgouverneur. Dort erklärt ihnen ein Priester dann auch den Grund, warum man keine Ausländer im Land haben will: „Es steht geschrieben“, daß fremde Kräfte die Macht über Tibet ausüben werden. Von daher verweist man jeden Ausländer des Landes.

Als der Gouverneur eintrifft, müssen sie feststellen, daß er einer der beiden Männer ist, die sie an der Grenze aufhalten wollten. Harrer schenkt dem Gouverneur das Bildnis des Dalai Lama. Trotzdem werden sie des Landes verwiesen und zurück an die indische Grenze eskortiert. Letztlich können sie jedoch wieder einmal entkommen und machen sich zurück auf den Weg nach Tibet. Dort irren sie lange Zeit umher, bis sie sich irgendwann einmal Tibetern anschließen dürfen, die sie dann mit nach Lhasa nehmen, dem Sitz des Dalai Lama.

Kaum dort angekommen, entdecken sie voller Hunger eine Schale mit Essen, die einem Hund hingestellt worden ist. Als sie sich heißhungrig darüber hermachen, werden sie von der alten Dame entdeckt, die das (Fr-)Essen dort hingestellt hatte. Ihr Keifen ruft den Hausherren auf den Plan, der wiederum nicht böse mit den Fremden ist, sondern sie sogar zum Essen in sein Haus einlädt. Welches die beiden dankbar annehmen: Endlich einmal wieder richtig säubern und den Magen vollbekommen.

Nun erfolgt eine ganze Weile die Beschreibung des Lebens der beiden sowie Ereignisse am Hofe des Dalai Lamas. Interessant zu sehen, aber nur bedingt interessant, um es hier im Einzelnen zu beschreiben.

Irgendwann jedenfalls bekommt Harrer eine Einladung der Mutter des Dalai Lama, die ihm eröffnet, daß der Dalai Lama ihn, Harrer, gerne kennenlernen würde. Da die Berater aber gegen eine direkte Kontaktaufnahme sind, bringt die Mutter Harrer zu ihrer persönlichen Audienz als Gast mit.
Von da an entwickelt sich ein enger Kontakt zwischen Heinrich Harrer und dem Dalai Lama. Harrer bringt dem Jungen das Allgemeinwissen bei, welches er selbst bis dahin gesammelt hat und taucht gleichzeitig ein in des Welt des Glaubens.

Parallel dazu werden die politischen Ereignisse der damaligen Zeit dargestellt: China beschließt, sein Land „wiederzuvereinigen“. Und dazu gehört eben nach ihrer Meinung auch das Königreich Tibet. Es entstehen Kontakte zwischen den Chinesen und den Tibetern. Wobei die Chinesen generell nicht verhandlungsbereit zu sein scheinen.

Eines Tages überfällt den Dalai Lama die Vision der Zerstörung seines Heimatdorfes durch chinesische Truppen. Kurz darauf beginnt der Sturm auf Tibet, in dem die Tibeter sich, trotz hoffnungsloser Unterzahl, so lange verteidigen wollen, wie es geht (Es stehen etwa 1.000.000 chinesische Soldaten gegen 8.000!! kampffähige Tibeter). Jedoch kann dies aufgrund eines Verrates in den eigenen Reihen nicht lange durchgehalten werden.

Tibet wird von China besetzt. Die Tibeter reichen bei ihrer Regierung eine Petition ein, die fordert, den Dalai Lama als mündig zu erklären, damit dieser das Land als geistliches und weltliches Oberhaupt wieder einigen soll.

Harrer versucht den Dalai Lama zu überreden, direkt nach seiner Inthronisierung das Land zu verlassen, was dieser ablehnt, da er „nur helfen kann, wenn er vor Ort ist“.
Das Angebot Harrers bei ihm zu bleiben, lehnt dieser wiederum mit den Worten ab, daß er nicht Harrers Sohn sei und er lieber nach Hause gehen soll, um „ein Vater zu sein“.

1951 kehrt Harrer nach Österreich zurück und nimmt Kontakt zu seinem Sohn auf...


### Persönliche Eindrücke ###

Der erste Teil ist geprägt durch die Gegensätze, die in den beiden Hauptpolen der Handlung zutage treten: dem Egozentrismus des Heinrich Harrer und der, in sich selbst ruhenden, Art der Tibeter. Speziell der Dalai Lama strahlt trotz seiner Jugend eine Ruhe aus, die entstanden ist durch die buddhistische Lehre, die Vorbereitung auf seine Aufgabe als Oberhaupt der Tibeter und der persönlichen Offenheit und Reflektierfähigkeit des Jungen. Er ist weltoffen und neugierig auf neue Erfahrungen. Harrer dreht sich nur um sich selbst und blendet die Außenwelt so weit es geht aus.

Der ganze Film lebt durch sehr schöne, ruhige Bilder... Oft stehen die weiten Landschaften im krassen Gegensatz zu der Enge des menschlichen Geistes.
Trotz aller Mängel des menschlichen Handelns wünscht man sich das Entstehen der Harmonie. So wie wir wohl alle sprachlos sind, sind wir den Wundern der Natur einmal persönlich „ausgesetzt“.

Wer allerdings auf Action steht, wird sie hier nicht finden. Die einzigen Szenen, die man als Action bezeichnen könnte, handeln von kriegerischen Auseinandersetzungen und Gewalt gegen andere. Was ich wiederum sehr bezeichnend finde: Die Hektik des Lebens führt uns allzu oft nicht weiter, jedoch in der gelebten Ruhe liegt so viel Kraft, die wir doch oft nicht sehen.
Mag sein, daß mich hier jetzt jemand der Überinterpretation bezichtigt, doch diesen Vorwurf nehme ich in dem Zusammenhang gerne an...

Sehr faszinierend ist auch die persönliche Weiterentwicklung Harrers, nachdem er den Dalai Lama kennengelernt hat. Im Laufe der Zeit „färbt“ die Ruhe des Dalai Lama auf Harrer „ab“. Und er beginnt, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Als später die Chinesen Tibet überfallen wollen, stellt er beispielsweise fest, daß die jetzige Denkweise der Chinesen früher auch seine eigene war. Die ihm inzwischen dermaßen fremd geworden ist, daß er sie nicht mehr wirklich nachvollziehen kann.

Eine Szene des Films, die ich sehr interessant finde, ist folgende: Heinrich Harrer wird vom Dalai Lama beauftragt, ihm ein Kino zu bauen. Eines Tages wollen die Arbeiter nicht mehr weiterarbeiten, da sie dabei Regenwürmer töten würden. Voller Unverständnis spricht er mit dem Dalai Lama darüber, der ihm wiederum erklärt, daß die Tibeter jedes Lebewesen verehren und aufgrund der Wiedergeburt es auch sein kann, daß beispielsweise eine der Ahnen in diesen Regenwürmern weiterlebt. Infolgedessen werden daher alle Regenwürmer vorsichtig ausgegraben und umgesiedelt.

Die Tibeter sind wenige und lieben das Leben; jedes Leben. Die Chinesen wiederum denken „in Massen“: bei Ihnen spielt das Leben des Einzelnen keine Rolle.

Schauen wir uns unsere Gesellschaft(en) an, gibt es leider eine Menge Parallelen zu entdecken...

Harrer entwickelt jedenfalls im Laufe der Zeit eine Fürsorglichkeit, die er eigentlich seinem Sohn angedeihen möchte, dies aber nun auf den Dalai Lama überträgt. Später jedoch kann er seine diesbezüglichen Erfahrungen an seinen Sohn weitergeben.

Gerade aufgrund der Ruhe, die der Film überwiegend ausstrahlt, wirken die Gewaltszenen um so drastischer. Sie machen die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt so drastisch, daß man sich unwillkürlich Gedanken darüber macht. Die Szene, die sich da bei mir „eingebrannt“ hat, ist die, wo die Chinesen einen buddhistischen Mönch dazu zwingen, einen anderen Mönch zu erschießen (dies ist, denke ich, die Szene, die mich zu meinem Gedicht „Tränen“ inspiriert hat). Diese Lust des Menschen am Ausleben völlig sinnloser Gewalt ist wohl einer der Punkte, die ich nie werde nachvollziehen können...


### zusätzliche Informationen ###

- Der Besetzung Tibets durch China sind etwa eine Million Tibeter zum Opfer gefallen.

- 6000 der Tempel wurden von den Besatzungsmächten zerstört.

- 1959 war der Dalai Lama gezwungen, doch sein geliebtes Heimatland zu verlassen. Seitdem kämpft er dafür, seinem Land eine friedliche Zukunft geben zu können.

- 1989 erhielt er für seine Bemühungen den Friedensnobelpreis.


### technische Informationen ###

Wie man aus dem oben stehenden Text vielleicht entnehmen kann, kommt es mir in erster Linie auf den Inhalt des Filmes an. Sollte also jemandem im Technikbereich etwas fehlen, bitte ich das zu verzeihen.

Bei der mir vorliegenden DVD handelt es sich um eine Ausgabe der MAWA Film und Medien Verlagsgesellschaft (Bundling Edition): www.mawa.de
Diese enhält lediglich eine deutsche und eine englische Sprachversion. Leider gibt es die Untertitel auch nur in deutsch. Hier hätte ich zumindest noch englisch erwartet.
Denke, andere Ausgaben werden da mehr zu bieten haben.

Der Film selber läuft 129 Minuten und ist aus dem Jahr 1997.

Harrer wird gespielt von Brad Pitt, sein Expeditionsleiter Peter Aufschneider von dem britischen Schauspieler David Thewilis.

Regie führte Jean-Jacques Annaud. Dessen bekanntesten Filme sind:

- Am Anfang war das Feuer (1981)
- Der Name der Rose (1986)
- Der Bär (1988)
- Der Liebhaber (1991)

Außer dem Film enthält der Film die üblichen Punkte Kapitelanwahl, Sprachauswahl, sowie Filmtrailer.

Ein paar kleine Extras gibt es dann schon:

- Ein „Making of...“ (sehr gut, sollte nicht vor dem Film geschaut werden)

- den Kinotrailer

- Produktionsnotizen (reiner Text)

- Filmographien der Hauptdarsteller und des Regisseurs

- sowie ein Brad Pitt Quiz

### Fazit ###

Wer auf Extras steht, steht hier halbwegs mit leeren Händen da. Aber das sollte ja eh nicht das einzige Auswahlkriterium für einen Filmkauf sein.

Wer bereit ist, sich auf den Film und seinen Inhalt einzulassen, kann so einiges entdecken. Wer einfach nur schauen will, wird nur begrenzt etwas mit dem Film anfangen können, da es dann eben „nur eine Geschichte“ ist. Für alle anderen könnte es eine „Erfahrung“ werden. Das wünsche ich Euch jedenfalls...

Euer Himmelssurfer mit einem Bericht
vom „Dach der Welt“

16.08.2004

auch auf Ciao veröffentlicht

15 Bewertungen, 2 Kommentare

  • 0Laggy0

    16.08.2004, 20:43 Uhr von 0Laggy0
    Bewertung: sehr hilfreich

    Kenne den Film gar nicht und ich glaube er ist auch nicht gerade mein Genre

  • Pfiesteria

    16.08.2004, 20:22 Uhr von Pfiesteria
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich habe den Film vor einiger Zeit mal im Fernsehen gesehen...hat mir ganz gut gefallen, schöner Bericht lg patricia