Sleepers (VHS) Testbericht

Sleepers-vhs-drama
ab 3,98
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Erfahrungsbericht von Prisca

Der geht wirklich an die Nieren!

Pro:

ergreifende Story - tolle Schauspieler

Kontra:

die geschichte selbst ist unendlich traurig

Empfehlung:

Ja

Letzte Woche bin ich dazu gekommen, mir eine neue DVD von mir anzuschauen. Den Film kannte ich schon, hatte ihn bereits vor längerer zeit im fernsehen gesehen und fand ihn schon damals beeindruckend. Als ich diese DVD also bei Ebay recht günstig ergattern konnte, habe ich natürlich zugeschlagen.

Heute möchte ihn euch vorstellen, den Film

SLEEPERS

Denn ich könnte mir denken, dass vielen von euch dieser Titel trotz der meist bekannten Schauspieler nicht unbedingt geläufig ist. Und das ist eigentlich schade um diesen wirklich sehr guten Film. Zunächst, damit auch ihr den Film etwas besser kennen lernt, eine kurze Inhaltsangabe.

Der Film spielt in den 60. Jahren in New York. Vier Jugendliche wachsen in dem Armutsviertel Hell´s Kittchen auf. Obwohl sie von Gewalt und Verbrechen umgeben sind, leiden sie nicht unter diesen Umstand – sie sind eben ganz normale Jugendliche. Ziehen ihr Ding durch – träumen ihre Träume von einer großen Zukunft – spielen Basketball auf den Straßen – verdienen sich ein kleines Taschengeld nebenbei, indem sie für den „großen Boss“ ihres Viertel kleine Gelegenheitsarbeiten (nicht immer ganz legal) übernehmen.

Ihr bester Freund ist ein Pater … Pater Bobby, der, selbst aufgewachsen unter ähnlich armseligen Umständen, Verständnis zeigt für die Jugendlichen – der ihre kleinen Späße mitmacht, der mit ihnen gemeinsam Basketball spielt, der nicht den „erwachsenen Besserwisser“ hervorkehrt, sondern der zuhört und versteht.

Eines Tages aber geschieht ein Unglück. Die Jungs haben Hunger auf Hot Dogs und mal wieder kein Geld. Kein Problem – so ein kleiner Hot Dog Verkäufer mit seinem Wagen … den ziehen wir ab! Einer lenkt ihn ab … und die anderen schnappen sich unbemerkt ein paar Hot Dogs (nicht gerade gesetzlich, aber das ist die Welt, in der die Vier aufwachsen – eine andere haben sie nie gekannt). Der Plan geht schief. Die Ablenkung gelingt, die anderen drei Jungs schnappen sich nicht nur ein paar Hot Dogs, sondern flüchten gleich mit dem ganzen Wagen. Sie wollen ihn einfach nur ein Stückchen weiter wieder abstellen … aber da ist die Treppe zur U-Bahn… sie können den Wagen nicht mehr anhalten … er rollt die Treppe hinunter … und zerschmettert einen Passenten, der zufällig unten vorbei geht.

Es kommt zur Gerichtsverhandlung – Pater Bobby versucht sein bestes, um die Jungs zu retten – so werden sie schließlich zu Jugendhaft in einer Jugendstrafanstalt verurteilt. Und was sie dort erleben müssen, übertrifft all ihre Vorstellungen.

Eingepfercht mit hunderten von jugendlichen Straftätern – wirklichen Gewaltverbrechern, Mördern, Schläger … aber das Schlimmste sind die Aufseher. Sicher, es gibt einige wenige, die wirklich versuchen, die Jugendlichen zu bessern, sie zurückzuführen in eine „heile“ Welt. Aber die anderen haben die Macht … sie quälen, prügeln und vergewaltigen. Essen vom Fußboden – Einzelhaft ohne Essen und Trinken, tagelang – nachts sexuelle Quälereien ohne Ende ….

Die Jungs halten durch – verängstigt, gequält aber auch beschämt verschweigen sie alles, was vor sich geht – ertragen es … aber letztlich werden sie daran zerbrechen…

Jahre später. Nach ihrer Entlassung haben sie NIE wieder über die schrecklichen Ereignisse in der Erziehungsanstalt gesprochen – nicht miteinander und auch nicht mit anderen. Lorenzo ist Zeitungsreporter geworden – Mickey Staatsanwalt. Diese beiden haben es auf dem ersten Blick geschafft, ein normales Leben zu führen – doch in ihrem Inneren herrscht immer noch Chaos. Sie sind unfähig zu echter Liebe, haben die Ereignisse verdrängt, aber niemals verarbeitet.

John und Tommy geht es da noch schlechter … man merkt, das sie an den Ereignissen zerbrochen sind, sie sind das geworden, was wir wohl nur als „schlimmste Verbrecher“ bezeichnen würden … Diebstahl, Betrug, Drogen, Mord… das ist ihre Welt geworden. Und eines Abends, sie sitzen in ihrer Kneipe … da sehen sie ihn … Nokes… der schlimmste aller Wärter damals, der Anführer, der tonangebende „Folterer“. Für die beiden gibt es kein Halten. Gnadenlos erschießen sie ihn.

Es kommt zu Gerichtsverhandlung – in der Mickey die Anklagevertretung übernimmt … aber nicht, um seine Freunde von damals zu verurteilen … nein… Rache will er nehmen, endlich Rache an Nokes und an all die anderen, die sie damals gequält und gefoltert haben ….

Ich denke, ich habe euch eigentlich schon recht viel über den Film verraten, jetzt ist es aber genug, schließlich soll sich das angucken ja noch lohnen. Jetzt möchte ich zu dem Eindruck kommen, den dieser Film immer wieder bei mir hinterlässt.

Auf den ersten Blick hört sich das alles nach einem recht brutalen Thriller an … ist er aber in diesem Sinne eigentlich nicht. Sicher, der ganze Grundtenor des Filmes gesteht eigentlich aus Gewalt und Verbrechen (aber das ist bei anderen Filmen auch so – ich denke da z.B. an Der Pate …). Aber im Vordergrund steht die erschütternde Geschichte von vier Jungendlichen, die eigentlich nie in ihrem Leben eine wirkliche Chance hatten.

Man könnte den Film in mehrere Teile gliedern – zunächst die Einführung in die ganzen Lebensumstände der Jugendlichen bis hin zu dem Unglück mit dem Hotdog Wagen … dann die Zeit in der Strafanstalt (der für mich erschütterndste Teil des Film) … die Gerichtsverhandlung und zum Schluss ein kurzer (und sehr trauriger) Abspann.

Der erste Teil enthält durchaus einiges an Humor. Er zeigt einfach das Leben von vier Jugendlichen, die zwar unter hoffnungslosen Umständen aufwachsen müssen (Gewalt gibt es überall in ihrer Umgebung, in den Familien, auf den Straßen) – die aber trotzdem Träume und Wünsche haben, die das Leben einfach genießen. Sie springen an Sommertagen durch das Wasser eines Hydranten – sie schleichen sich heimlich in den Beichtstuhl der Kirche und nehmen die Beichte ab ….

Dann kommt der Teil in der Strafanstalt – wie gesagt, für mich der Teil, der mir am meisten an die Nieren geht. Auch hier herrscht Gewalt, aber es ist eine ganz andere Art von Gewalt – eine übermächtige Gewalt, der sie nicht ausweichen können. Als Zuschauer spürt man die Angst der Jungen, die Verzweifelung, aber auch die Scham über die Geschehnisse. Niemand – NIEMAND soll jemals etwas darüber erfahren, was sie hier erleiden müssen – die Eltern nicht, die Freunde nicht, auch Pater Bobby nicht – NIEMAND.

Von den Geschehnissen selber wird wenig gezeigt, aber viel angedeutet … aber das auf eine so intensive Art, das sich bei mir als Zuschauer alles zusammenzieht. Man empfindet so intensiv mit den Jungen mit, das man auch den Rachegedanken gutheißen kann, der sich dann im dritten Teil des Films aufbaut.

Der dritte Teil – ja! Der Mord an Nokes (den man als Zuschauer nicht als Mord, nicht als Rache empfinden kann – sondern eher als Genugtuung) und die Gerichtsverhandlung. Für mich der „uninteressanteste Teil“ des Films – was aber nicht heißen soll, das er schlecht wäre. Spannend auf jeden Fall – interessant durch die versteckte Art der Rache, die die Jungs (Lorenzo als Reporter und Micky als Staatsanwalt) üben. Man hofft als Zuschauer nur, dass alles nach Plan läuft. Ich bin wirklich nicht ein Mensch, der Rache als ein vernünftige Mittel der Auseinandersetzung ansehen würde … Rache erzeugt nur neuen Hass. Doch wenn ich diesen Film sehe, kann ich nicht anders, als die Situation mit den Augen der Jungs von damals zu betrachten … dann erinnere ich mich an den zweiten Teil des Films, an all die Qualen und Demütigungen, die sie erleiden mussten … und ich höre Lorenzos Worte, als er sagt: Wir waren doch nur Kinder! Wir konnten uns doch nicht wehren…. Und dann kann ich verstehen, warum diese Jungs (inzwischen erwachsene Männer) nur an Rache denken, als sie ihrem Peiniger gegenüberstehen….

Der letzte Teil des Films, der Abspann. Einmal noch nach der Gerichtsverhandlung treffen alle vier aufeinander – danach gehen sie auseinander und sie werden sich NIE wieder sehen… zwei von ihnen werden kurz darauf sterben…. Einer seinen Beruf aufgeben …. Sie werden niemals heiraten, niemals eine echte Beziehung eingehen…. Keine Angst, auch wenn ich euch hier viel vom Ende verrate, wirklich vorwegnehmen tue ich es nicht, denn der Film BEGINNT mit den Worten: Ich möchte euch hier eine Geschichte erzählen von vier Jugendlichen … zwei von ihnen sind schon nicht mehr am Leben…

Ich finde das Ende sehr deprimierend, traurig. Die ganzen Träume und Wünsche, die sie irgendwann zu Beginn des Filmes einmal hatten – irgendwie ist alles zerbrochen an einem „Kinderstreich“. Okay, einen Hot Dog Wagen klauen … ist das noch ein Streich??? Eher nicht, aber dazu muss man dann wiederum die ganze Situation der Jungs betrachten – die Zeit, in der sie lebten – der Ort an dem sie lebten – die Einstellung der Menschen in diesem Elendsviertel …. Für die Jungs war es damals einfach nur ein Spaß, ein Spaß mit schrecklichen Folgen für ihr ganzes Leben…

Ich halte den Film als Ganzes für sehr gelungen – die Story (vor allem in den ersten beiden teilen) ist unwahrscheinlich ergreifend – der dritte Teil wird dann eher spannend ( aber dafür ein wenig oberflächlicher) – der vierte Teil… na ja, das habe ich euch ja eigentlich schon verraten – lässt mich sehr traurig zurück – obwohl, das gebe ich ja zu, ein Happy End in so einem Film wäre auch fehl am Platz gewesen! Der Film kann einem schon 141 Minuten lang vor den Bildschirm fesseln – hört sich jetzt sehr lang an, aber die zeit vergeht recht schnell, man merkt es kaum.

Ich komme natürlich nicht drum herum (egal, wie lang meine Meinung dann noch wird) die Schauspieler zumindest am Rande zu erwähnen. Zu allererst fallen mir da die Jungschauspieler ein (also die, die die Jugendlichen spielen) – durchweg unbekannte Namen – aber klasse Schauspieler! Alle vier, wirklich überzeugend echt gespielt, besonders Lorenzo hat mir gefallen. Sie scheinen die Jugendlichen nicht nur zu spielen, sie scheinen ihre Rolle einfach zu leben – sie SIND überschwänglich – sie SIND ausgelassen, aber sie SIND auch verzweifelt und verängstigt!

Da haben es dann die Darsteller der „erwachsenen Jungs“ ganz schön schwer mitzuhalten, auch wenn dort Namen wie Brad Pitt (Micky) und Jason Patric (Lorenzo) auftauchen. Auch sehr gut gespielt, sehr überzeugend – aber wenn ich ehrlich sein soll, vielleicht einen Tick weniger echt als die Jugendlichen. Hier merkt man einfach den Schauspieler.

Damit der großen Namen aber nicht genug – da wären noch Robert de Niro als Pater Bobby (Klasse Rolle) – Kevin Bacon als Nokes (dabei ist er mir sonst immer sehr sympathisch in seinen Rollen – hier spielt er den brutalen Aufseher so überzeugend, das man ihn einfach nur hassen kann) – Dustin Hoffman als Anwalt von John und Tommy während der Gerichtsverhandlung ( echt „versoffenes Subjekt“, kann ich nicht anders bezeichnen – aber toll rübergebracht).

Nein, an den Schauspielern kann man eigentlich nichts meckern, obwohl – wie gesagt – besonders beeindruckend fand das Spiel der Jungschauspieler. Das geht wirklich an die Nieren, so echt wirkt es.

Eines möchte ich noch erwähnen – Sleepers wurde gedreht nach dem umstrittenen Roman von Lorenzo Carcaterra, der behauptet, dass diese Ereignisse stattgefunden haben. Am Ende des Films findet der Zuschauer einen Hinweis darauf, dass der Staat New York dies abstreitet – es hat weder so ein Prozess stattgefunden noch hat es jemals in einer Jungendstrafanstalt solche Vorkommnisse gegeben. Wer Interesse an dem Buch hat – Amazon. de für 7,-- Euro, gebraucht billiger.

Zur DVD selber kann man nicht viel sagen – Extras sind nicht vorhanden – die Sprachen sind deutsch, englisch, niederländisch - Untertitel in denselben Sprachen. Es gibt einen Original Musik trailer ... das war´s. Die DVD hat eine FSK 16 Jahre (in England sogar erst am 18 Jahre) – doch, das kann ich verstehen. Der Film zeigt zwar eigentlich recht wenig an Brutalität ( obwohl es auch da einige wenige Stellen gibt) … aber das brutalste an diesem Film ist wohl das, was angedeutet wird… die Szenen, in denen der sexuelle Missbrauch der Jungs „gezeigt“ wird ( na ja, gezeigt wird er eben nicht, nur angedeutet) … die habe ich persönlich als härter empfunden, als mache in anderen Filmen gezeigte Gewalt.

Gekauft habe ich die DVD mal wieder über Ebay für 8,-- Euro plus Versand … ihr könnt es aber auch bei Amazon.de versuchen (7,99 Euro als VHS – DVD gibt, s dort nicht)

Mein kurzes Fazit: Die DVD bietet nichts an Extras – ich würde den Kauf aber trotzdem empfehlen, denn es ist wirklich ein sehenswerter Film. Aber vielleicht kommt er ja auch mal wieder im Fernsehen!

Prisca - ich schreibe auch bei Ciao und Dooyoo

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