Sleepy Hollow (VHS) Testbericht

Sleepy-hollow-vhs-horrorfilm
ab 24,81
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Erfahrungsbericht von Gimmick404

HILFE!! Zu spät... der Hesse kommt!!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Irgendwann, so genau weiß ich es gar nicht mehr, muss so 1996 gewesen sein, hatte ich die amerikanische Kurzgeschichte „The Legend of Sleepy Hollow“ (1820) von Washington Irving gelesen, die auf europäischen Sagen beruhte und den Gegensatz zwischen irrealer Traumwelt und Aberglaube auf der einen und der Realität/ Fortschritt auf der anderen Seite zum Thema hatte. Der Protagonist Ichabod Crane war hier übrigens nicht – wie später in der Verfilmung – Polizist, sondern ein Dorfschullehrer. Das übersinnliche und märchenhafte, repräsentiert durch den Hessen, einen kopflosen Reiter und Krieger, wurde im Drehbuch weitgehend beibehalten.

Dann kam im Jahr 2000 Tim Burtons Filmversion in die Kinos. Ich war – muss ich zugeben – recht gespannt, wie denn diese Vorlage auf der großen Leinwand umgesetzt wurde. Ich verrate nicht zuviel, denke ich, wenn ich vorwegnehme, dass es in meinen Augen grandios gelungen ist.

Der Film fängt gleich geheimnisvoll an: Auf einer Kutsche wird ein Mann enthauptet, in der Kutsche ist ein Mann, er flieht und wird später (wie man später erfährt) im finsteren Wald geköpft. Von wem, wieso und weshalb? Vor allem: Wer sind die beiden? Erst mal bleibt alles unklar. Und der Ort des Geschehens wechselt auch sofort – es geht nach New York, sozusagen in die Zivilisation. Hier tritt zum ersten Mal Ichabod Crane in Erscheinung, ein Polizist, der die damaligen Aufklärungsmethoden revolutionieren wollte, Basis aller Arbeit sollte die Vernunft und die Logik sein. Logisch, dass er damit im ausklingenden 18. Jahrhundert auf wenig Verständnis stieß. An dieser Stelle tritt auch das einzige Mal Christopher Lee in Erscheinung: In seiner Rolle als Scharfrichter schickt er Crane nach Sleepy Hollow, einem verschlafenen Städtchen fernab von New York. Hier soll Crane seine Methoden unter Beweis stellen und eine geheimnisvolle Mordserie aufklären, die bereits 3 Menschenleben den Kopf und das Leben gekostet hat.

Auftrag bekommen, keine große Wahl gehabt, begibt sich Ichabod Crane nach Sleepy Hollow, wo er mehr oder weniger herzlich aufgenommen wird, na ja wohl eher weniger. Immerhin, im Hause der van Tessels wird er gleich einmal von der Tochter des Hauses, Katrina van Tessel geküsst. Unschwer im weiteren Verlauf zu erkennen, dass er sich in sie verliebt hat.

Nun erfährt er, was sich im Orte zugetragen hat. Die Version der Ortsvorsteher glaubt er allerdings nicht: demnach ist ein längst Verstorbener für die Gräueltaten verantwortlich: ein vor 20 Jahren geköpfter Krieger, ein Hesse, der einst nach Amerika gekommen war wie viele andere Europäer, jedoch im Gegensatz zu den meisten seiner Herkunft nicht am Geld sondern am Blut interessiert. Seine Gegner pflegte er zu köpfen. Dementsprechend war auch sein Ruf schon zu Lebzeiten, und analog war auch sein eigenes Ende: er wurde selbst geköpft, verraten von einem kleinen Mädchen.

Ichabod Crane, ganz von Vernunft und Logik getrieben, hält diese Erklärung für blanken Unsinn. Er versucht, mit seinen Gerätschaften den Taten auf die Spur zu kommen und zieht logische Verbindungen zwischen den Morden, er ist überzeugt, dass hinter allem jemand stecken muss, der lebendig ist. Wer ist alles zum Opfer geworden? Es ist der alte van Garrett, seines Zeichens reichster Bürger der Stadt, sein Diener und eine Frau, die in sich selbst das vierte Opfer trug. Was haben alle diese Toten gemeinsam? Mitten in seinen Erklärungsbemühungen sieht er dann selbst den kopflosen Reiter, vollkommen durch den Wind scheint er nun zu sein, passt dieses doch gar nicht in sein Weltbild. Doch nach und nach erkennt er, dass der kopflose Reiter nicht willkürlich tötet, sondern es auf bestimmte Leute abgesehen hat. Viel Geld scheint auf dem Spiel zu stehen, dies führt ihn immer wieder zu neuen Verdächtigen, die jedoch immer selbst zu Opfern werden oder zu werden drohen. Sogar Katrina van Tessel scheint verdächtig. Der wirkliche Täter ist also schließlich der, der am Ende einer Erbschaftskette steht. Doch wer ist es, und wie bewegt diese Person den Hessen dazu, in ihrem Auftrag zu töten? Ist es nur Geld oder gibt es noch andere Motive? Fragen über Fragen, die erst am Ende in einem spannenden Finish aufgeklärt werden.

Ichabod Crane selbst trägt viele Züge des Films in sich. So ist er einerseits ein analytisch veranlagter Mensch, der aber auf der anderen Seite selbst vollkommen widersprüchlich ist, seine irrationale Angst vor Spinnen aber auch seine Furcht vor allem, was mit Aberglauben zu tun hat, spiegelt dies wieder. Gespielt wird diese Rolle übrigens von Johnny Depp, und er macht es phänomenal. In dieser Rolle wirkt er absolut glaubwürdig. Er ist ja von Hause aus kein Arnold Schwarzenegger, diesem würde man so manche Szene sicherlich nicht abnehmen, oder kann sich jemand vorstellen, dass Arnie vor einer Spinne auf einen Stuhl springt? Nicht wirklich. Auch seine Gesichtszüge und Verzerrung in gewissen Teilen des Films tragen dazu bei, entweder Furcht zu transportieren, oder auch mal in anderen Situationen Komik. Dass er eher ein Antiheld ist, zeigt sich aber auch in einer Szene, als er mit dem Sohn eines Ermordeten in einer Höhle auf eine Hexe trifft. Mutig schiebt er den kleinen Jungen als Schutzschild vor sich her, in der einen Hand eine Pistole.

Eine andere Rolle soll natürlich nicht unerwähnt bleiben: die vom kopflosen Reiter, gespielt von Christopher Walken. Zwar sieht man ihn natürlich prinzipbedingt nicht oft, doch in den Szenen, in denen er seinen Kopf tragen darf, wirkt er ziemlich grausam mit seinen angespitzten Zähnen.

Die Rolle der Katrina van Tessel wird von Christina Ricci gespielt, auch sie fügt sich nahtlos ein, spielt sie doch perfekt die Unschuld vom Lande, die sie letztlich auch ist, doch zwischendurch scheint es für Ichabod Crane so zu sein, als sei sie nicht ganz so harmlos, wie sie auf ihn wirkt.... und selbst bei Zuschauer kommen Zweifel: hat sie doch mit allem etwas zu tun? Diese Zweifel verfliegen allerdings recht schnell, wenn man nicht mit Ichabods Augen sieht.

Tim Burton ist hier in meinen Augen ein absolutes Meisterwerk des Dark Genres gelungen. Die Farben des Films sind meist im düsteren, geheimnisvollen gehalten. Die Wälder wirken einfach mystisch, dies liegt am perfekten Einsatz von Nebel. Im Städtchen herrschen auch düstere Farben vor, Licht gibt es eigentlich nur in Ichabods Träumen von seiner eigenen Kindheit – allerdings nur solange, bis er erkennt, was damals wirklich geschehen ist – die heile Welt, an die er solange geglaubt hatte, war nämlich alles andere als heil – man muss dies auch unter puritanischen Gesichtszügen sehen: von Sünde seiner Mutter geprägt. Burton ist ja bekannt für seine schrägen Filme, dieses ist sicherlich einer seiner skurrilsten geworden.

Aber um was für einen Film handelt es sich eigentlich? Diese Frage lässt sich nicht beantworten. Einerseits kann man ihn dem Gotischen Film zurechnen. Horror findet sich auf jeden Fall wieder. Doch genauso finden sich kriminalistische Züge. An manchen Stellen ist es aber auch eine Komödie. Die Art und Weise, mit der Crane versucht, dem Grauen auf die Spur zu kommen, vor allem der Einsatz sogenannter moderner Mittel, wirkt manchmal einfach komisch – vor allem im Zusammenwirken mit Depps Minenspiel. Der kopflose Reiter wiederum hat etwas von einem Märchen – beruht das ganze doch auch auf einer Sage. Auch, wenn jetzt einige widersprechen werden: die Kampfszenen (wenn die Köpfe rollen...) und auch die Fluchtszene an der Windmühle tragen durchaus zumindest Ansätze eines Actionfilms in sich. Letztlich kann ich den Film so richtig gar nicht einordnen – und das war mit Sicherheit auch so beabsichtigt, und genau dies macht ihn für mich zu einem meiner absoluten Favoriten. Und sicherlich auch zu einer Art Kultfilm. Zu einem Kult gehört auch, dass manche damit gar nichts anfangen können. Dies ist sicherlich ein Film, an dem sich die Geister scheiden: entweder findet man ihn abgrundtief schlecht, oder man will ihn immer wieder sehen. Ich werde ihn jedenfalls noch sehr oft sehen.


Facts zu Sleepy Hollow (2000)

Regie: Tim Burton

Schauspieler: u.a. Johnny Depp, Christopher Walken, Christina Ricci, Christopher Lee, Martin Landau, Caspar van Dien, Mirinda Richardson

Länge: ca. 100 Minuten

Altersfreigabe: Zunächst war der Film ab 12 freigegeben, doch nach einigen Protesten wurde diese auf 16 hochgesetzt. Wie ich finde, eine richtige Entscheidung.

Soundtrack: Komponiert von Danny Elfman. Rein instrumental unterstützt er die Wirkung der Bilder an den entsprechenden Stellen perfekt, mal bomabstisch-dramatisch, mal eher ruhig.

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