Texte, Themen und Strukturen. Neu. Deutschbuch für die Oberstufe (gebundene Ausgabe) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Andreas68

Schnellkurs zur reformierten Rechtschreibung des scharfen S

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Vieles an der Rechtschreibreform bleibt unklar, unerklärt o. unerklärlich. Warum z.B. jeder Einzelne ab jetzt groß, jeder andere aber klein geschrieben wird, mögen nur diejenigen verstehen, denen die höheren Weihen eines Germanistikstudiums zuteil wurden.
Wir haben mühevoll etwas erlernt, was wir nun auf den Haufen werfen können.

Einen anarchistischen Gedankenansatz habe ich auch noch: Warum
nicht wieder auf die Regelung vor der letzten Reform zurückgehen? Die war
1901. Zuvor schrieb man einfach sprachgerecht, so wie es klingt.
Weynachtgeschenck wäre also richtig gewesen, Weihnacksgeschenk aber falsch. Das erscheint mir
immerhin logisch. Es verhindert gleichzeitig, dass Leute mit erlerntem Unlogischen andere als dumm ausgrenzen können, die es zwar irgendwie richtig machen, aber dennoch den Regeln nach falsch. Kroaten z. B. schreiben \"Restaurang\". Ich finde das irgendwie treffend, wie auch meine persönliche Händie-Schreibweise. Handy enthält ja nunmal ein a, das bei uns a heißt und nicht ä, sowie ein y, das ein \"seltener Vokal zwischen i und ü\" ist. So spricht Händie ja kaum einer aus - das wäre aber auch mal lustig. \"Handy\" ist auch kein echtes Fremdwort. Ich warne davor, etwa Engländerinnen um ein(en) Handy zu bitten. Diesem Ansinnen könnten sie mit einer Backpfeife begegnen!

Einsehbar u. sinnvoll, da sprachgerecht, erscheinen mir allerdings die Neuregelungen zum leidigen Problem mit ss, s und ß. Gerade damit haben aber viele Deutsche Probleme, was man auch bei Yopi immer wieder feststellen kann.

Daher nun mein Schnellkurs bezüglich ss und ß!

Nach betontem Selbst- oder Umlaut schreibt man ß, wenn das s scharf gesprochen wird, also Hase, aber Stößel und Muße, aber nat. nicht dann, wenn im Plural ein weiches s gesprochen wird, also Moos/Moose, Gleis/Gleise und nicht bei st: Pusteblume, wohl aber, wenn nur ein T an das ß angehängt wird: Er heißt die Maler: \"Weißt die Wände!\"

Nach Diphthong, also Zwielaut, schreibt man (bei scharfem S) immer ß, weil
es keinen nicht betonten Diphthong gibt. Reißen, beißen, außerhalb, äußerlich, Preußen, aber nat. Fischreusen und Pause (kein scharfes S!), aber draußen
natürlich.

Früher schrieb man beim Wortende stets ß, es gab kein deutsches Wort, das
auf ss endete, also z.B. Boß oder Haß.
Das ist jetzt passé, weil man nach nicht betontem Selbst- oder Umlaut halt immer ss schreibt, also Masse, für die es
Maße gibt, Messer, missen, Possenspiel, aber nicht plus, weil Fremdwörter wohl Ausnahmen sind, wohl aber Fussel, Stuss, Boss und Hass, aber nicht Lust, weil ein Stamm-st den Selbstlaut ebenso abschwächt wie ss, also Kasten u. Hostie, wohl aber, wenn an das scharfe ss lediglich ein T angehängt wird, also z.B: Er passte gut auf u. wusste Bescheid.

Unverändert bleibt die Schreibung des S am Wortende, wenn bisher auch nur ein S geschrieben wurde. Mir fallen hierzu eigentlich nur die nis-Endungen ein: Gleichnis,Wildnis, Ereignis, Bildnis.


Habe ich jetzt alles?
Hoffentlich war das nicht zu verwirrend. Alle Ausnahmen konnte ich vielleicht
nicht berücksichtigen, weil sie mir gar nicht einfielen, aber ich hoffe,
verständlich gewesen zu sein.

Merke also: Nach schwachem Selbstlaut (oder Umlaut) schreibt man das scharfe S als ss (muss, müssen), außer, wenn bisher am Wortende nur ein S geschrieben wurde (Hindernis), nach betontem Selbst- oder Umlaut als ß (Muße, Buße, Müßiggang), nach Zwielaut schreibt man immer ß, außer, wenn st folgt (Außenseiter, meistens).

Vielleicht sind derartige Mitteilungen aber wirklich nicht mehr nützlich. Wer seinen Kids cool per Crash-Kurs Deutsch einpowert, nachdem er eine über seinen Server promotete Trainingssoftware per Mouseklick gedownloadet hat, deren plain text mit einem hypen Soundtrack gecovert ist, dürfte die ganze s-ss-ß-Compilation uncool finden ...

Vielleicht hat das ja doch sein Gutes. Mir jedenfalls schwirrt nach diesem selbst er- und durchdachtem Seminar zum scharfen S der Kopf ...

Abschließend möchte ich mich bei der Yopi-Nutzerin Divalein bedanken. Sie vermittelte mir den Anstoß zum Schreiben dieses Artikels

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