The Big Lebowski (VHS) Testbericht
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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen
The Big Slob
Pro:
Ein Film der Coen - Brüder
Kontra:
siehe "Pro" . . . die Filme der Coen - Brüder mag man - oder man mag sie nicht .
Empfehlung:
Ja
Wirklich Miene verzieht selbst Althippie Lebowski erst, als einer der beiden Ganoven auch noch seine Blase auf die Auslegeware im Eingangsbereich des Lebowskischen Domizils entleert: "Hey, man, not on the rug, man!" So ärgerlich die mutwillige Inkontinenz des Besuchs aber sein mag - immerhin eines ist inzwischen geklärt: Die Westentaschengangster haben offensichtlich den falschen Lebowski erwischt - und der Lebowski, dem Geld abgepresst werden soll, scheint im Gegensatz zu Jeffrey "The Dude" Lebowski über siebenstellige Summen davon zu verfügen.
Was also läge näher, als dem Namensvetter die Besudelung des Teppichs ("Man, it really tied the room together!") in Rechnung zu stellen ... ?
Dass Millionär Lebowski des Dudes Ersuchen um Wiedergutmachung spröde ablehnt, möchte für Otto Normalraucher Anlass dafür sein, Richterin Barbara Salesch anzurufen - Cannabis-Connaisseur Lebowksi jedoch löst auch dieses Problem in all der ihm eigenen Seelenruhe: Der Major Domus des "großen" Lebowski wird vom Dude einfach mit der nicht ganz wahrheitsgemäßen Information beschieden, der Hausherr habe verfügt, er, der Dude, habe procura, sich unter der im Hause Lebowksi (genau - die Rede ist hier von Millionär Lebowski) reichlich vorhandenen Knüpfware einen mindestens gleichwertigen Ersatz für den beschmutzten Teppich (richtig - gemeint ist hier der des "Dude") auszusuchen.
Verwirrend?
Nicht annähernd so verwirrend wie der folgende Verlauf der Handlung von "The Big Lebowski", deren Auftakt die geschilderten Ereignisse darstellen und die Alfred Hitchcock sicherlich als einen "McGuffin" bezeichnet hätte, sprich: als einen "Aufhänger", der dazu dient, eine Geschichte zu erzählen - und der durchaus so fadenscheinig sein darf, wie es der abgewetzte Teppich des Dude in seiner Eigenschaft als "McGuffin" ist.
Dieser Kunstgriff nämlich ist gute Tradition nicht nur in den Filmen Hitchcocks, sondern generell im Genre des so genannten "film noir". Und dafür, dass auch der Plot vieler Klassiker aus "Hollywoods Schwarzer Serie" sich bei näherer Betrachtung als eine bloße Abfolge höchst unwahrscheinlicher Geschehnisse und seltsamer Zufallsbegegnungen entpuppt - dafür steht ein Film wie kein zweiter: Dass er der Handlung von "The Big Sleep" (Howard Hawks, 1946) nur mit Mühe folgen könne - das gab seinerzeit selbst ein Raymond Chandler zu, dessen Romanvorlage ein Autorenkollektiv unter der Ägide von William Faulkner für Hawks' Verfilmung des Stoffes adaptiert hatte.
Tut es dem Filmvergnügen Abbruch, wenn die Aufmerksamkeit, die ein Drehbuchautor seinen Handlungssträngen widmet, "not entirely serious" ist, wie es in der International Movie Database (www.imdb.com) zu "The Big Sleep" heißt? Wird das geneigte Publikum Anstoß an immer neuen Charakteren nehmen, die, Kistenteufeln gleich, in die Handlung eingeführt werden - und die, nachdem sie ihren Zweck erfüllt haben (der darin besteht, einem weiteren unerwarteten Wendepunkt in einer Handlung, die nicht minder verschlungen ist als es das Muster eines Orientteppichs ist, doch wenigstens für den Moment den Anschein von Plausibiltät zu verleihen), auf Nimmerwiedersehen verschwinden ... ?
Generationen von Cineasten haben es nicht getan - sondern, im Gegenteil, "The Big Sleep" mit seinen dei ex machina ebenso sehr ins Herz geschlossen, wie es offensichtlich auch die Brüder Joel und Ethan Coen getan haben: wie so viele ihrer Filme nämlich stellt auch "The Big Lebowski" eine Hommage dar. Und es ist der Coen'sche Stil, die Grenzen zwischen "Hommage" und "Parodie" immer wieder aufzuheben, der viele Filme des Brüderpaares auszeichnet - und der auch das Publikum des Großen Lebowski in zwei Lager spaltet.
Zeitgenossen mit einem Faible für geradlinige, logische und nachvollziehbare Erzählungen werden sich angesichts von "The Big Lebowski" das Attribut "berühmt-berüchtigt" für die Coens als Produzenten von teils äußerst skurrilen Filmen schwerlich verkneifen können - Menschen mit Sinn fürs Absurde und insbesondere die Cineasten unter ihnen jedoch werden an dem hintersinnigen Spiel mit Genre-Versatzstücken, Klischees und Anspielungen, das die Coens treiben, von der ersten Minute an ihre helle Freude haben - von der ersten Minute an, in der, auch dies ein Stilmittel des film noir, eine sehr abgeklärt klingende Stimme aus dem Off in die Handlung einführt ... und auch der geheimnisvolle Fremde, der diese Zeilen spricht und dem der Dude im Verlauf der Handlung begegnen wird, verliert prompt den Faden seiner Erzählung.
Und wer begegnet "The Dude" ("'Mr. Lebowski' ... !? Hey man, I'm 'the dude', 'el duderinho', 'His Dudeness', man.") und seinen besten Kumpeln Walter Sobchak (wunderbar: John Goodman) und Donny (Steve Buscemi), mit denen ihn eine erklärte Liebe zum Bowling verbindet, außerdem?
Ein Trupp deutscher Nihilisten ("Vee belieff in nossink, Leboffski, in nossink!"), deren Frettchen unversehens in der Badewanne des Dude landet und deren Drohung, den Dude zu entmannen ("Yes, Leboffski, vee vill cut off your squiggly penis and skvish it!"), diesen bis in seine Träume hinein verfolgt. Ein Pornofilmproduzent namens Jackie Treehorn, auf dessen Anwesen rauschende Parties gefeiert werden und der aus dem Lieblingsgetränk des Dude "White Russian" unbemerkt einen "Mickey Finn" (ein mit einem Betäubungsmittel versetzter Drink) macht, dessen Auswirkungen den Dude zeitweise arg orientierungslos machen. Ein namenloser "Brother Seamus" (kein irischer Mönch, wie der Dude zunächst vermutet, sondern ein Privatdetektiv, der sich auf seine Spur gesetzt hat - und das im denkbar unauffälligsten aller Gefährte, nämlich jenem deutschen Fabrikat, das läuft und läuft und läuft ...), der, wie mittlerweile auch der Dude, auf der Suche nach Bunny Lebowski ist, die nicht nur jung ist, sondern auch mehr Geld zu brauchen scheint, als die Apanage, die "sugar daddy" und Millionär Lebowski ihr zugesteht; jene Bunny Lebowski, die möglicher Weise gar nicht entführt wurde, sondern die ihr Verschwinden vielleicht nur inszeniert hat ... und bei der es sich in Wirklichkeit gar um die Tochter der Knudsens handeln könnte, die der elterlichen Farm in Montana bei Nacht und Nebel ihr Lebewohl entboten hat?
Welches doppelte Spiel treibt eigentlich die schwer zu durchschauende Performance-Künstlerin Maude Lebowski (Julianne Moore)? Welches dunkle Geheimnis birgt die Vergangenheit von Jesus Quintana (John Turturro), der Bowling-Nemesis des Trios Dude, Walter und Donny? Welchen Unterhaltungswert hat es, wenn gedrungen wirkende Vermieter die "Bilder einer Ausstellung" ausdruckstänzerisch in Szene setzen?
Diese Fragen beantwortet "The Big Lebowski" im Laufe von 117 Minuten ebenso wie die nach dem komplizierten Geflecht von Beziehungen, die zwischen den oben genannten Personen und einer Reihe weiterer Randfiguren wie etwa Kabelexperte Karl Hungus bestehen. Dem hoffentlich geneigten Zuschauer, dem die Beantwortung dieser Fragen kurz nach dem Ende des Abspanns bereits wieder schwer fällt - dem sei an dieser Stelle empfohlen, sich "The Big Lebowski" alsbald ein zweites Mal zu Gemüte zu führen:
Am besten in Reichweite einer Flasche Wodka der Marke Smirnoff, einer Flasche Kahlua-Kaffeelikör sowie eines Quantums Milch, die die Ingredienzien für den Dude'schen Lieblingsdrink "White Russian" bilden - dafür, dass der Genuss diverser "White Russians" dem besseren Verständnis der Handlung förderlich sein kann, will ich zwar nicht bürgen.
Dafür jedoch, dass sich - je nach Mischungsverhältnis der oben genannten Zutaten - spätestens nach dem dritten oder vierten "Caucasian" (O-Ton Jeff "The Dude" Lebowski) auch beim Betrachter jener Zustand heiterer Gelassenheit einstellen kann, in dem Fragen wie die oben gestellten zunehmend an Bedeutung verlieren können, lege ich meine Hand ins Feuer.
Kurzversion
Jeff Bridges ist der "Dude" Lebowski:
Leistungsverweigerer,
Alt-Hippie,
Bowling-Begeisterter,
unverheiratet (!).
Der Titelheld ist nichts davon.
Offensichtlich besteht trotzdem Verwechslungsgefahr - warum sonst sollten dämliche Kleingangster beim chronisch mittellosen "Dude" die Schulden einer
Ehefrau eintreiben wollen ... ?
Damit nicht genug:
Nacheinander wird der Dude unter anderem
Teppichpinkler-Opfer,
Teppichdieb,
niedergeschlagen,
Amateur-Detektiv,
Autoräuber-Opfer,
von Pornofilm-Produzent
Mickey Finn-betäubt,
von deutschen Nihilisten
mit Entmannung bedroht,
von einer Performance-Künstlerin
zum Kinds-Erzeuger gemacht
und schließlich noch
von seinem Bowling-Kumpel (John Goodman)
mit der
Asche eines anderen Bowling-Kumpels (Steve Buscemi)
bestäubt.
Fazit:
Wer nach 112 Minuten Filmlaufzeit jedes Wer, Wie und Warum erklären kann, ist gut. Wer nicht, darf sich trösten: Dashiell Hammett konnte die Handlungsstränge seines Romans "The Big Sleep", Vorlage für den gleichnamigen Film-Klassiker, irgendwann auch nicht mehr entwirren - geschweige denn, sie zusammenführen:
Wer die Parallelen entdeckt,
wird noch mehr Spaß am Film haben.
24 Bewertungen, 8 Kommentare
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31.12.2006, 15:23 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichsh & wünsch dir eine schöne Silvester Feier. lg Sarah
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23.01.2006, 19:12 Uhr von sindimindi
Bewertung: sehr hilfreichKlasse geschrieben! - für mich wäre der Film wohl etwas verwirrend...es sei denn, ich hätte ein paar "Weiße Russen" intus...*g* <br/>RS
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22.01.2006, 14:20 Uhr von WreckRin
Bewertung: sehr hilfreichsuper Bericht <br/>sh, LG Sandra
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22.01.2006, 00:22 Uhr von Damk1x
Bewertung: sehr hilfreichsh, würde mich über eine Gegenbewertung freuen
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21.01.2006, 16:30 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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21.01.2006, 16:28 Uhr von Lotosblüte
Bewertung: sehr hilfreichSuper Bericht, aber das geb ich mir bestimmt nicht. <br/>lg
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21.01.2006, 16:19 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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21.01.2006, 16:11 Uhr von Lidlefood
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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