The Crow - Die Krähe (DVD) Testbericht

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ab 10,47
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Erfahrungsbericht von mima007

Mystischer Horrorthriller, ausgezeichnete DVD

Pro:

spannend, unterhaltsam, anrührend; sehr gutes Bonusmaterial, Holo-Cover

Kontra:

Sound & Bild könnten besser sein

Empfehlung:

Ja

Ein von Drogengangstern Ermordeter kehrt ein jahr später aus dem Grab zurück, um sich für den Tod seiner Verlobten zu rächen und schließlich Frieden zu finden. - Die beeindruckend und sorgfältig inszenierte Comic-Verfilmung weiß die Balance zu halten zwischen blutiger Action und anrührend menschlichen Begegnungen.

Filminfos

O-Titel: The Crow (USA, 1993); DVD: 2002
FSK: ab 18 (unzensierte Version)
Länge: ca. 98 Min.
Regisseur: Alex Proyas
Drehbuch: David J. Schow, John Shirley (Science Fiction- und Horrorautor!)
Musik und Schlusslied \"It can\'t rain all the time\": Graeme Revell
Kamera: Dariusz Wolski
Darsteller: Brandon Lee (Eric Draven), Michael Wincott (Top-Dollar), Ernie Hudson (Albrecht), Anna Thomson (Darla) u.a.

Handlung

Es ist die Nacht des 30. Oktobers, die Nacht vor Halloween. In Detroit brechen schon seit Jahren gelegte Brände aus, daher gab man dieser Nacht die Bezeichnung \"Die Nacht des Teufels\". Gelegt werden die Feuer von der Organisation des Gangsterkönigs Top-Dollar (M. Wincott). Er lebt mit seiner auf Augen versessenen, perversen Schwester (Bai Ling) über einem Nachtclub, in dem Deathrockkonzerte stattfinden.

Vier Mitglieder von Top-Dollars Organisation haben zwei Bewohner eines Mietshauses angegriffen. Sie warfen den Mann aus dem Fenster auf die Straße: Eric Draven, Rockmusiker. Sie vergewaltigten und verletzten die Frau, seine Verlobte Shelly Webster, so schwer, dass sie 30 Stunden auf der Intensivstation mit dem Tod rang. Sie verlor. Sergeant Albrecht (Hudson) freundet sich mit der Patentochter des ermordeten Draven, Sarah, an. Sie besucht manchmal die Gräber der zwei Toten, die im Friedhof einer verfallenden Kathedrale liegen.

Ein Jahr später. Eine Krähe fliegt, und wie uns die Off-Stimme Sarahs mitteilt, können Seelen manchmal in Gestalt einer Krähe zurückkehren, um eine Aufgabe zu rledigen. Aus Dravens Grab steigt der Untote (Brandon Lee) heraus und kehrt an den Ort seines Todes zurück. Die Krähe ist seine Verbindung zwischen dem \"Land der Lebenden und dem Reich der Toten\". Mit ihr ist er unverwundbar, ohne sie sterblich.

Wie unverwundbar er tatsächlich ist, erfahren seine Gegner nur zu bald: Er hat nur zwei Tage Zeit, seine Rache zu vollziehen. Tin-tin stirbt durch seine Messer, Funboy durch Heroinspritzen, T-Bird durch die Bomben in seinem Auto - nur Skank, den Speed-Freak, muss sich Eric bei Top-Dollar selbst holen. Bevor er sich mit dem anlegt, freundet er sich wieder mit Sarah und Sergeant Albrecht an, sorgt dafür, dass Funboys Nutte, Darla wieder zu ihrer Tochter Sarah zurückkehrt.

Und dann geht\'s ans Eingemachte...

Mein Eindruck: der Film

Dieser mystische Horrorfilm ist eine runde Sache, denn hier stimmt einfach alles. Kamera, Beleuchtung und Musik bilden eine ästhetisch harmonierende Komposition, vor deren Hintergrund ein mystisches Schauermärchen ablaufen kann, das es an Kraft, Action, Tempo, Rhythmus und Höhepunkten mit den besten Werken des Genres aufnehmen kann.

Denn hier wird keine Action-Orgie abgefackelt, sondern alles hat einen Sinn, auch wenn manche Szenen recht makaber und überkandidelt wirken können, so etwa die Verfolgungsjagd in den Straßenschluchten des Viertels. Vielmehr nimmt sich der Film die Zeit, ein emotionales Netz zwischen den Menschen, die auf Dravens Seite stehen - Sarah und Albrecht - und die ihm gegenüber stehen, allen voran Top-Dollar. Sogar ein paar charakterisierende Einstellungen zu Draven sind gelungen: Er ist eben Rockgitarrist, aber auch ein Liebender, der seine Verlobte verloren hat: In Rückblenden wird Shelly Webster quasi zum Leben erweckt. Sein Einfluss auf seine Patentochter Sarah wird ebenfalls deutlich, als sie seine Platte auflegt, die bei einer Liedzeile hängen bleibt: \"It can\'t rain all the time\".

War der Rabe bei Edgar Allan Poe - Dravens Name ist davon abgeleitet und er selbstzitiert eine gedichtzeile - noch ein Symbol von Vergeblichkeit und Verzweiflung, so wird in diesem Film die ansonsten verrufene Krähe zum Seelenbegleiter à la Vergil erhoben und zu einem Hoffnungsträger positiv gewendet. Auch sonst finden etliche Zitate verwenden, was vermutlich auf das Konto des bekannten Schriftstellers John Shirleys geht, der durch Horror- und Science Fiction-Romane bekannt wurde, aber selbst auch Rockmusiker war bzw. ist.

Die Musik stammt von The Cure und Nine Inch Nails und passt hervorragend zu der düsteren Endzeitstimmung, die über den Dächern des verfallenden Detroiter Wohnviertels liegt. Elegisch-klagende Töne trägt jenes armenische Blasinstrument bei, das auch am Ende von \"Gladiator\" erklingt. Frauenchöre werden unterschiedlich eingesetzt, so etwa gänzlich unerwartet bei explosiven Ende des Schurken T-Bird. Auch der Abspann weist noch mehrere beachtliche Stücke auf. Alle Stücke sind auf der Soundtrack-CD erhältlich.

Die Schauspieler haben ebenfalls gehörig zu tun. Während die \"Guten\" vor allem ihre menschliche Seite zeigen und in Eric Draven seine sanfte seite hervorlocken, bekommen die bad guys schon bald Dravens harte, unverwundbare Seite zu spüren. Nur Top-Dollar gelingt es, Eric verwundbar zu machen. Doch auch in dieser Notlage hat Eric ein Gegenmittel parat. Die Schlussszene hat wirklich Stil und verrät Sinn für poetische Gerechtigkeit. \"Liebe überwindet selbst den Tod\", wie der Regisseur sagt.

Die DVD

Technische Infos:
Bildformate: 1:1,85, 16:9
Tonformate: DD 5.1
Sprachen: D, Englisch
Untertitel: D, Englisch, Spanisch, Französisch, Griechisch

Extras (in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln):

- Audiokommentar von Produzent Jeff Most und Drehbuch-Koautor John Shirley
- Making-of: Hinter den Kulissen, u.a. über den Tod des Hauptdarstellers, über Stunts und Spezialeffekte (15:50 Min.)
- Porträt des Schöpfers der Figur THE CROW, James O\'Barr (ca. 32 Min. Interview)
- Storyboards
- Entwürfe des Filmsets
- Erweiterte Szenen (ca. 11 Min.)
- Montage geschnittener Szenen (ca. 6 Min.)

Mein Eindruck: die DVD

Diese \"Special Edition\" hält für den CROW-Fan mehrere leckerbissen bereit. Da sind zum einen die zusätzlichen und die erweiterten Szenen (insgesamt 11 Min.): die Explosion des Ladens des Pfandleihers; Funboys letzter Kampf und das Gang-Massaker bei Top-Dollar. Eine Montage geschnittener Szenen dauert ca. 6 Minuten.

Das Making-of dauert über eine Viertelstunde und ist fast so aufschlussreich wie der Audiokommentar (98 Min.) von Ko-Produzent Jeff Most und Drehbuch-Koautor John Shirley. Die beiden verraten u.a., wie der bei den Dreharbeiten erschossene Hauptdarsteller Brandon Lee im Computer neu erschaffen wurde. Lee trägt sehr viele Kommentare zum Making-of bei.

Das Making-of hat folgende Kapitel: a) die Geburt des düsteren Kults, wobei auf den Comiczeichner James O\'Barr eingegangen wird, dessen Interview ebenfalls auf der Silberscheibe zu finden ist. B) Brandon Lees letztes Interview: über den Tod von Eric Draven; c) \"des Killers dunkle Poesie\"; d) \"Verfluchte Gestalten\"; e) \"Die Spur des Blutes - Stunts und Special Effects\". Den Abschluss bildet das Kapitel \"Katharsis\", was im Griechischen so viel bedeutet wie \"Reinigung, Läuterung, Erlösung\". Gemeint ist Eric Wiedervereinigung mit seiner Liebsten nach der Vollendung seiner Aufgabe.

Das Porträt des CROW-Schöpfers James O\'Barr besteht in einem halbstündigen Interview (mit Untertiteln) in seinem winzigen Zeichenstudio. Er erzählt ganz bescheiden, wie er die Comicserie 1981 begann und 1990 beendete. Er tat dies als eine Art Selbstheilungsprozess, um den Unfalltod seine geliebten zu verarbeiten. \"Viele Figuren haben Vorbilder in Detroit.\" Wie es zu dem Film kam? \"Alex Proyas und Brandon Lee liebten die Comics und führten das Filmprojekt dorthin zurück.\"

Unter den Storyboards und Entwürfen der Filmsets finden sich zwei höchst interessante Elemente: Szenen, die nicht realisiert wurden. Eine Szene dreht sich um einen sogenannten \"Skull-Cowboy\" (ungewöhnlich makaber), die andere zeigt einen Überfall auf einen Schnapsladen (abgedroschenes Thema).

Das einzige, das man an der DVD bemängeln muss, ist die fehlende Sound-Auswahl. Es steht ausschließlich Dolby Digital 5.1 (für 6 Kanäle) zur Verfügung, sowohl für die Original-als auch die deutsche Fassung. 3D-Surroundeffekte sind kaum jemals wahrzunehmen, und auch die Musikwiedergabe könnte eine Auffrischung vertragen. DTS hätte hier wirklich etwas gebracht.

Wer die deutsche Synchronisation wählt und zugleich die englischen Untertitel einschaltet, wird feststellen, dass etliche deutsche Sätze unverständlich ertönen - etwa aus einem entfernten TV-Gerät - bzw. gar nicht, vielleicht weil ein weiterer Synchronsprecher für so wenig Text zu teuer gewesen wäre. Dies ist ein verbreitetes Phänomen.

Unterm Strich

Die Special Edition von \"The Crow\" ist ein besonderer Leckerbissen für Freunde des mystischen Horrors und der Graphic Novels zu \"The Crow\". Anders als die Fortsetzungen überzeugt die Story durch Action, Effekte und - in Balance dazu - menschliche Begegnungen. Auch die Grundidee der Verwandlung auf Zeit weist durch ihre Märchenlogik einen gewissen Charme auf. Die Überwindung des Todes durch die Liebe - wen würde dies nicht rühren? Das Thema wurde x-mal verfilmt, nicht immer erfolgreich. Aber Alex Proyas umschifft die Klippen des Melodrams durch explizite und nicht immer unblutige Actionszenen.

Die DVD verdient die Bezeichnung \"Special Edition\". Sogar das Cover der Schachtel ist \"special\": Als Holografie erstellt, zeigt es in mehreren Schichten unterschiedliche Motive, je nachdem, aus welchem Winkel man es betrachtet: Krähe, Augen, Masken, Grabsteine, Draven selbst. Die Wirkung eines dreidimensionalen Raums entsteht. Saubere Arbeit!
Nur der Sound könnte eine Auffrischung gebrauchen.

Michael Matzer (c) 2003ff

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