The Deep End - Trügerische Stille (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Bjoern.Becher

Langsam und trotzdem hoch spannend

Pro:

Darsteller, vor allem Tilda Swinton, extrem spannend, langsame Inszenierung, Kamera, Score

Kontra:

anspruchsvoll, langsame Inszenierung

Empfehlung:

Ja

Brauchen spannende Thriller eine rasante Handlung und viel Action? Nein! Das beweist der Streifen „The Deep End“.

I N H A L T
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Margret Hall (Tilda Swinton) ist fast eine alleinerziehende Mutter. Ihr Mann ist eigentlich das ganze Jahr für die NAVY auf den Weltmeeren unterwegs. So muss sie sich um ihre drei Kinder und den Schwiegervater Jack (Peter Donat) kümmern, mit denen sie gemeinsam ein nettes Häuschen am paradiesischen Lake Tahoe bewohnt.

Seit wenigen Tagen plagen Margret auch noch Sorgen um ihren ältesten Sohn Beau (Jonathan Tucker). Der Siebzehnjährige beging unter Alkoholfluss einen Autounfall und treibt sich neuerdings immer öfter mit dem Dreißigjährigen Darby Reese (Josh Lucas) in den Bars von Reno herum. Margret vermutet zu Recht, dass zwischen ihrem Sohn und Reese mehr ist als eine Freundschaft, doch Beau reagiert auf alle Nachfragen verschlossen.

So sucht Margret Reese selbst auf und bittet diesen von ihrem Sohn fernzubleiben. Von diesem Treffen erzählt sie dann auch Beau und sagt ihm, dass Reese fünftausend Dollar für sein Fernbleiben gefordert hat. Beau glaubt seiner Mutter nicht, vermutet dahinter einen Versuch ihn und Reese auseinander zu bringen, doch muss am Abend erkennen, dass seine Mutter nicht gelogen hat.

Reese sucht ihn in der Nacht auf und gesteht ihm, dass er das Geld gefordert hat. Daraufhin kommt es zum Streit zwischen Beau und Reese, in dessen Verlauf Beau sich von Reese losreißt um wieder ins Haus zu rennen. Dabei stürzt Reese, unbemerkt von Beau, ins Wasser, und dort auf einen Schiffsanker, der ihn durchbohrt.

Am nächsten Morgen findet Margret die Leiche von Reese. In Panik beschließt sie diese im See zu versenken und alle Spuren für Reeses Anwesenheit zu vernichten. Doch schon kurze später, nachdem die Polizei die Leiche von Reese aus dem See geborgen hat, und nach dem Mörder fahndet, steht ein Mann vor ihrer Tür: Alex Spera (Goran Visnjic) hat ein Video, dass Beau und Reese beim Geschlechtsakt zeigt und fordert für dieses Video und sein Wissen, dass Reese in jener Nacht im Haus der Halls war, fünfzigtausend Dollar binnen vierundzwanzig Stunden.

Margret setzt alle Hebel in Bewegung das Geld aufzutreiben, doch alles Versuche scheitern. Als Spera am nächsten Tag wieder bei ihr auftaucht, hat zudem noch ihr Schwiegervater gerade einen Schlaganfall. Spera rettet dem alten Mann das Leben und kommt zum ersten Mal ins Grübeln, ob der Richtigkeit seiner Erpressung gegenüber der resoluten Frau. Doch sein Partner im Hintergrund Carlie Nagel (Raymond Barry) beharrt auf dem Geld...

M E I N U N G
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Die Regisseure Scott McGehee und David Siegel konzentrieren sich bei ihrem Film fast ausschließlich auf die Leiden und Sorgen ihrer beiden Protagonisten Margret Hall und Alex Spera und tun gut daran.

Gerade Margret Hall wird von einer hervorragenden, oscarreifen und Golden Globe nominierten, Tilda Swinton gespielt. Sie schafft es ihrer Figur eine immense Glaubwürdigkeit zu verleihen. Man sieht allein in ihrer Mimik, wie sie laufend darum kämpft die Beherrschung zu behalten und nicht einen Nervenzusammenbruch zu erleiden. Sie ist die einzige die ihre Familie retten kann. Sie ist die einzige die ihren Sohn vor Gefängnis und gesellschaftlicher Demütigung bewahren kann.

Auf der anderen Seite ist der ebenfalls großartige Goran Visnjic (bekannt aus der TV-Serie „Emergency Room), der es schafft die Zerrissenheit und die Wandlung seiner Rolle zum guten, glaubhaft darzustellen. Über die genauen Motive des Alex Spera schweigt sich der Film weitestgehend aus, er lässt hier dem Zuschauer viel Raum für eigene Interpretationen und das tut dem Film sichtlich gut. Man spürt, dass Spera von Anfang an, nicht unbedingt ein Freund der Erpressungsgeschichte ist, man spürt, dass sein „Partner“ Nagel, mehr ist als ein Partner, sondern eher Spera Hintermann und Chef, der Druck auf ihn ausüben kann, und man spürt, dass Spera die resolute Margret bewundert und ihren Kampfeswillen. Wahrscheinlich hat er sich sogar in sie verliebt, sie sehr wahrscheinlich in ihn.

Neben Visnjic ist es den beiden großartigen Regisseuren zu verdanken, dass die Rolle von Spera so glaubhaft wirkt. In vielen sehr ruhigen Einstellungen, sieht man Andeutungen für den Wandel von Spera. Großartig die Szene, in der Spera nach dem Schlaganfall von Margrets Schwiegervater allein im verlassenen Haus der Halls steht, völlig fehl am Platze. Der Verbrecher hat gerade einem nahen Verwandten des Opfers das Leben gerettet und kommt dadurch zum ersten Mal selbst ins Grübeln über seine Taten.

Diese langsamen Szenen, wie Speras Aufenthalt im Haus der Halls, sind es die den Film zum einen auszeichnen, da es den beiden Regisseuren hierbei fast immer gelungen ist, nicht in die Langweile oder Langatmigkeit abzudriften, sondern ohne jegliche Rasanz eine enorm hohe Spannung zu erzeugen. Dazu kommt der hervorragende Einsatz einfacher stilistischer Mittel: Oftmals filmt die Kamera einzelne Szenen durch Wasser, zum Beispiel von unter dem See nach oben, durch einen Wassertropfen oder durch ein Aquarium. Das Wasser spült teilweise auch förmlich die Bilder weg und das Wasser ist es auch, dass dem Film eine ganz eigene Farbdramaturgie verleiht.

Auch der Score unterstreicht wie die restliche Geräuschkulisse die Atmosphäre des Films. Dabei fällt auf, dass die beiden Regisseure oftmals schon die Geräuschkulisse der nächsten Szene einblenden, während das Bild der alten Szene noch weiter läuft und der Schnitt erst kurze Zeit später kommt. Auch dieser kleine technische Kniff unterstreicht die Atmosphäre des Streifens.

F A Z I T
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„The Deep End“ ist sicher kein Streifen für die Masse. Viele Kritiker werfen dem Streifen „Langatmigkeit“ und „Langeweile“ vor. Ich bin nicht dieser Meinung. Der Streifen schafft es - bis auf wenige Ausnahme - gerade das Abdriften in Langeweile und Langatmigkeit zu vermeiden, sondern ist trotz seiner langsamen und ruhigen Inszenierung hochgradig spannend und dazu mit hervorragenden Darstellern besetzt. Wer mit solchen Streifen abseits des Mainstreams etwas anfangen kann, sollte sich diesen Streifen auf keinen Fall entgehen lassen.

8 von 10 Punkten!

D A T E N
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Titel Deutschland: The Deep End - Trügerische Stille
Originaltitel: The Deep End
Genre: Thriller / Drama
USA 2001, FSK 12, Laufzeit: 101 Minuten

Darsteller: Tilda Swinton (Margaret Hall), Goran Visnjic (Alek Spera), Jonathan Tucker (Beau Hall), Peter Donat (Jack Hall), Josh Lucas (Darby Reese), Raymond Barry (Carlie Nagle), Tamara Hope (Paige Hall), Jordan Dorrance (Dylan Hall), Heather Mathieson (Sue Lloyd)

Regie: Scott McGehee, David Siegel
Produzenten: Scott McGehee, David Siegel
Drehbuch: Scott McGehee, David Siegel
Musik: Peter Nashel
Kamera: Gilles Nuttgens
Schnitt: Lauren Zuckerman


W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
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Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0250323/

Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=15426


© Björn Becher 2003

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