The Insider (DVD) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von eulenfan
Oscarreifer Film ohne Oscars
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Wie ich es so gerne tue, schicke ich auch hier kurz etwas vorweg, bevor ich richtig loslege: Wer sich für Russell Crowe interessiert und sich erhofft, hier ähnlich knackige Bilder von dem Australier zu sehen wie in „Gladiator", „L.A. Confidential" oder „Lebenszeichen", sei vorab schon mal gewarnt: Teilweise werdet Ihr ihn nicht wieder erkennen! Wer allerdings auf Crowes schauspielerisches Talent steht, wird nicht enttäuscht werden, denn davon zeigt er hier meiner Meinung nach noch mehr als in der mehr oder minder auf ihn zugeschnittenen Rolle des Gladiators.
Die Geschichte von „The Insider" ist eine wahre Geschichte. Allerdings kann ich mit der Klassifizierung „Thriller", wie sie von Constantin Video gegeben wird, nicht mitgehen.
Lowell Bergman (phantastisch einfühlsam: Al Pacino), Produzent des CBS-Nachrichten-Magazins „60 Minutes" erhält eines Tages von einem anonymen Absender Brandanalysedokumentationen des Tabakkonzerns Phillip Morris. Auf der Suche nach einem Experten, der ihm das ganze verständlich erklären kann, trifft er auf den Chemiker Dr. Jeffrey Wigand (17 Jahre älter, 20 Kilo schwerer, grauhaarig und unglaublich emotional: Russell Crowe), bis vor kurzem beschäftigt bei Brown & Williamsen. Dr. Wigand wurde gefeuert, weil er Bedenken gegen Geschäftspraktiken bei der Herstellung von Zigaretten äußerte.
Nach einigem Zögern erklärt sich Dr. Wigand bereit, Bergman zumindest mal zu treffen, doch dann beginnt ein wahrer Albtraum für ihn und seine Familie: Sein alter Arbeitgeber bekommt Wind von dem Treffen und will Jeffrey eine noch schlimmere Vertraulichkeitsvereinbarung aufzwingen, als der alte Knebelvertrag ohnehin schon beinhaltet hat. Außerdem werden er und seine Familie von nun an terrorisiert: Als er sich spätabends beim Golf abreagieren will, wird er von einem Sicherheitsmann seines alten Arbeitgebers terrorisiert, nachts dringen Unbekannte in sein Grundstück ein und zertrampeln die frisch angelegten Beete, die Familie erhält Morddrohungen per E-Mail und schließlich findet Jeffrey eine Patrone in seinem Briefkasten.
Doch statt klein beizugeben, wächst in Wigand die Wut, und er entschließt sich, „60 Minutes" alles zu erzählen, ein Interview zu geben. Dabei erhält er Hilfe und auch moralische Unterstützung von Lowell: Dieser macht ihn mit dem Staatsanwalt von Mississippi bekannt, der gerade die Tabakindustrie verklagt. Wenn Jeffrey vor Gericht aussagt, kann er auch für das Fernsehmagazin interviewt werden.
Obgleich nun alles danach aussieht, dass alles gut ausgeht, ist das Gegenteil der Fall: Brown & Williamsen starten eine Schmutzkampagne gegen Wigand und setzen auch CBS unter Druck; der Sender gibt klein bei und weigert sich, das Interview zu senden, Jeffreys Frau reicht die Scheidung ein und Lowell wird wegen seiner Unterstützung für Wigand beurlaubt...
Wie es dann doch noch zur Ausstrahlung des Interviews kommt, werde ich jetzt aber nicht mehr verraten, denn sonst macht es einfach keinen Sinn mehr, sich den Film anzuschauen.
Michael Mann und seine Protagonisten Crowe und Pacino wagten sich hier an ein äußerst heikles Thema, da die Tabakindustrie neben der Waffenlobby in den USA wohl die mächtigste Industrie ist, auch wenn sie sich jetzt immer wieder Klagen erwehren muss, doch das ist zu einem nicht unerheblichen Teil dem echten Dr. Jeffrey Wigand zu verdanken, der mit seinem Interview eine wahre Lawine lostrat. Dennoch war es ein schweres Stück Arbeit, Unterstützung für den Film zu finden. Produzenten wollten keine sich an dem kritischen Film beteiligen, also zückte Michael Mann sein eigenes Portemonnaie und produzierte den Film fast vollständig alleine.
Hochachtung sei hier der Constantin Filmverleih und Touchstone Pictures gezollt, die den Vertrieb für „The Insider" übernahmen, und auch muss der Bewunderung für die Academy for Science and Arts Ausdruck verliehen werden, welche mit immerhin 7 Nominierungen für den Oscar das Werk ehrte (Film, Hauptdarsteller, Regie, Kamera, Schnitt, Ton, adaptiertes Drehbuch), auch wenn die Mitglieder der Academy dann wohl doch ein wenig zurückschreckten, so dass keine einzige Nominierung zum Erfolg führte. Ich selbst kann diesen Nichterfolg lediglich in der Kategorie „bester Ton" verstehen, obgleich ich auch das Zögern der Academy-Mitglieder nachvollziehen kann, angesichts des heiklen Themas des Filmes für ihn zu stimmen. Verwirrung bleibt dennoch bestehen, wieso die hervorragende Musik von Lisa Gerrard und Pieter Bourke schon bei der Nominierung komplett übergangen wurde - da hatten die Oscars 2000 nämlich nicht allzuviel Gutes zu bieten.
„The Insider" ist ein sehr düsterer, teilweise regelrecht schwermütiger Film, den man sich besser nicht ansehen sollte, wenn man ohnehin gerade in einem emotionalen Tief steckt. Noch einmal muss an dieser Stelle die hervorragende Darstellung der Protagonisten herausgestellt werden: Al Pacino ist als alternder Journalist, der durch das Wigand-Interview in einen moralischen Zwiespalt gerät einfach überzeugend und Russell Crowe, der wohl die letzten zwei Monate vor Drehbeginn nur noch in Fast-Food-Restaurants zu finden war, um sich die notwendigen 20 Kilo anzufuttern, hat mir schauspielerisch nie besser gefallen, als hier, so dass ich nach wie vor überzeugt davon bin, dass der Oscar für die Rolle des Jeffrey Wigand weitaus verdienter gewesen wäre als der für Gladiator (auch wenn er dieses Jahr gegen Tom Hanks angetreten ist und letztes Jahr „nur" z. B. gegen Kevin Spacey, was wohl für einige ein größerer Triumph ist).
Auch ansonsten ist „The Insider" kein typischer Hollywood-Streifen, auch wenn er zwei typische Klischees bedient: Hauptdarsteller Russell Crowe darf küssen (wenn es auch ein scheuer Kuss ist) und er darf kurz mit nacktem Oberkörper durchs Bild huschen. Weitaus schwieriger dürfte für den Australier wohl gewesen sein, den Akzent zu erlernen, schließlich kommt Jeffrey Wigand aus Kentucky. Wer die Möglichkeit hat, das Original zu sehen, sollte diese nicht ungenutzt verstreichen lassen, denn die Synchronisation ist leider ein wenig schwach geraten. Ansonsten ist das aber ein sicherer Tipp für ein gelungenes Filmereignis.
Diese Meinung habe ich als eulenfan auch bei dooyoo.de und ciao.de veröffentlicht
Die Geschichte von „The Insider" ist eine wahre Geschichte. Allerdings kann ich mit der Klassifizierung „Thriller", wie sie von Constantin Video gegeben wird, nicht mitgehen.
Lowell Bergman (phantastisch einfühlsam: Al Pacino), Produzent des CBS-Nachrichten-Magazins „60 Minutes" erhält eines Tages von einem anonymen Absender Brandanalysedokumentationen des Tabakkonzerns Phillip Morris. Auf der Suche nach einem Experten, der ihm das ganze verständlich erklären kann, trifft er auf den Chemiker Dr. Jeffrey Wigand (17 Jahre älter, 20 Kilo schwerer, grauhaarig und unglaublich emotional: Russell Crowe), bis vor kurzem beschäftigt bei Brown & Williamsen. Dr. Wigand wurde gefeuert, weil er Bedenken gegen Geschäftspraktiken bei der Herstellung von Zigaretten äußerte.
Nach einigem Zögern erklärt sich Dr. Wigand bereit, Bergman zumindest mal zu treffen, doch dann beginnt ein wahrer Albtraum für ihn und seine Familie: Sein alter Arbeitgeber bekommt Wind von dem Treffen und will Jeffrey eine noch schlimmere Vertraulichkeitsvereinbarung aufzwingen, als der alte Knebelvertrag ohnehin schon beinhaltet hat. Außerdem werden er und seine Familie von nun an terrorisiert: Als er sich spätabends beim Golf abreagieren will, wird er von einem Sicherheitsmann seines alten Arbeitgebers terrorisiert, nachts dringen Unbekannte in sein Grundstück ein und zertrampeln die frisch angelegten Beete, die Familie erhält Morddrohungen per E-Mail und schließlich findet Jeffrey eine Patrone in seinem Briefkasten.
Doch statt klein beizugeben, wächst in Wigand die Wut, und er entschließt sich, „60 Minutes" alles zu erzählen, ein Interview zu geben. Dabei erhält er Hilfe und auch moralische Unterstützung von Lowell: Dieser macht ihn mit dem Staatsanwalt von Mississippi bekannt, der gerade die Tabakindustrie verklagt. Wenn Jeffrey vor Gericht aussagt, kann er auch für das Fernsehmagazin interviewt werden.
Obgleich nun alles danach aussieht, dass alles gut ausgeht, ist das Gegenteil der Fall: Brown & Williamsen starten eine Schmutzkampagne gegen Wigand und setzen auch CBS unter Druck; der Sender gibt klein bei und weigert sich, das Interview zu senden, Jeffreys Frau reicht die Scheidung ein und Lowell wird wegen seiner Unterstützung für Wigand beurlaubt...
Wie es dann doch noch zur Ausstrahlung des Interviews kommt, werde ich jetzt aber nicht mehr verraten, denn sonst macht es einfach keinen Sinn mehr, sich den Film anzuschauen.
Michael Mann und seine Protagonisten Crowe und Pacino wagten sich hier an ein äußerst heikles Thema, da die Tabakindustrie neben der Waffenlobby in den USA wohl die mächtigste Industrie ist, auch wenn sie sich jetzt immer wieder Klagen erwehren muss, doch das ist zu einem nicht unerheblichen Teil dem echten Dr. Jeffrey Wigand zu verdanken, der mit seinem Interview eine wahre Lawine lostrat. Dennoch war es ein schweres Stück Arbeit, Unterstützung für den Film zu finden. Produzenten wollten keine sich an dem kritischen Film beteiligen, also zückte Michael Mann sein eigenes Portemonnaie und produzierte den Film fast vollständig alleine.
Hochachtung sei hier der Constantin Filmverleih und Touchstone Pictures gezollt, die den Vertrieb für „The Insider" übernahmen, und auch muss der Bewunderung für die Academy for Science and Arts Ausdruck verliehen werden, welche mit immerhin 7 Nominierungen für den Oscar das Werk ehrte (Film, Hauptdarsteller, Regie, Kamera, Schnitt, Ton, adaptiertes Drehbuch), auch wenn die Mitglieder der Academy dann wohl doch ein wenig zurückschreckten, so dass keine einzige Nominierung zum Erfolg führte. Ich selbst kann diesen Nichterfolg lediglich in der Kategorie „bester Ton" verstehen, obgleich ich auch das Zögern der Academy-Mitglieder nachvollziehen kann, angesichts des heiklen Themas des Filmes für ihn zu stimmen. Verwirrung bleibt dennoch bestehen, wieso die hervorragende Musik von Lisa Gerrard und Pieter Bourke schon bei der Nominierung komplett übergangen wurde - da hatten die Oscars 2000 nämlich nicht allzuviel Gutes zu bieten.
„The Insider" ist ein sehr düsterer, teilweise regelrecht schwermütiger Film, den man sich besser nicht ansehen sollte, wenn man ohnehin gerade in einem emotionalen Tief steckt. Noch einmal muss an dieser Stelle die hervorragende Darstellung der Protagonisten herausgestellt werden: Al Pacino ist als alternder Journalist, der durch das Wigand-Interview in einen moralischen Zwiespalt gerät einfach überzeugend und Russell Crowe, der wohl die letzten zwei Monate vor Drehbeginn nur noch in Fast-Food-Restaurants zu finden war, um sich die notwendigen 20 Kilo anzufuttern, hat mir schauspielerisch nie besser gefallen, als hier, so dass ich nach wie vor überzeugt davon bin, dass der Oscar für die Rolle des Jeffrey Wigand weitaus verdienter gewesen wäre als der für Gladiator (auch wenn er dieses Jahr gegen Tom Hanks angetreten ist und letztes Jahr „nur" z. B. gegen Kevin Spacey, was wohl für einige ein größerer Triumph ist).
Auch ansonsten ist „The Insider" kein typischer Hollywood-Streifen, auch wenn er zwei typische Klischees bedient: Hauptdarsteller Russell Crowe darf küssen (wenn es auch ein scheuer Kuss ist) und er darf kurz mit nacktem Oberkörper durchs Bild huschen. Weitaus schwieriger dürfte für den Australier wohl gewesen sein, den Akzent zu erlernen, schließlich kommt Jeffrey Wigand aus Kentucky. Wer die Möglichkeit hat, das Original zu sehen, sollte diese nicht ungenutzt verstreichen lassen, denn die Synchronisation ist leider ein wenig schwach geraten. Ansonsten ist das aber ein sicherer Tipp für ein gelungenes Filmereignis.
Diese Meinung habe ich als eulenfan auch bei dooyoo.de und ciao.de veröffentlicht
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