The Untouchables - Die Unbestechlichen (VHS) Testbericht

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ab 2,78
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Erfahrungsbericht von wildheart

Stil statt Substanz

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Manche hielten Brian de Palmas „The Untouchables“ für einen würdigen Nachfolger von „The Godfather“ – manche Leute, das war vor allem die Werbung und der Rummel, der um diesen Film veranstaltet wurde. Das Drehbuch des Pulitzer-Preisträgers David Mamet nach den Memoiren vor allem von Eliot Ness – im Film Kevin Costner – spiegelt leider eher ein oberflächliches historisch-dokumentarisches Interesse an der Zeit um 1930 in Chicago wider als an den Figuren, der Story und an Suspense.

Inhalt
Chicago wird 1930 von dem Gangsterboss Al Capone (Robert de Niro) beherrscht. Der zieht vor allem Nutzen aus der Prohibition, für die das Land einen hohen Preis zu zahlen hat. Al Capone hat seine Finger in jedem Geschäft, das Geld bringt, offiziell treten Scheinfirmen in seinem Namen auf. Bestechungsgelder für Angehörige der Polizei und der öffentlichen Verwaltung, Erpressung und im Notfall Mord sichern eine weitgehende Ruhigstellung der Behörden, sprich: deren Machtlosigkeit.

Das Bundeschatzamt schickt nach der Ermordung eines Bar-Besitzers durch eine Bombe, einem Anschlag, bei dem auch ein kleines Mädchen zu Tode kam, den Agenten Eliot Ness (Kevin Costner), um Al Capone das Handwerk zu legen. Seine Unerfahrenheit mit solchen Dingen, seine fehlenden Kenntnisse von den Strukturen, die in Chicago bestehen, sind die Ursache dafür, dass er bei einem vermuteten großen Schlag gegen Alkoholschmuggler nicht Whiskey, sondern papierne Schirme findet. Die Zeitungen machen sich über Ness lustig.

Al Capone lässt ihn durch einen Killer zudem wissen, dass er nicht davor zurückschrecken wird, Frau und Tochter von Ness zu entführen. Ness allerdings widersteht auch einem offenen Bestechungsversuch durch einen Stadtrat, der von Capone abhängig ist, und lässt Frau und Kind an einen sicheren Ort bringen.

Ness ist auf Hilfe angewiesen. Aber wem kann er trauen? Als er dem Polizisten Jim Malone (Sean Connery) begegnet, glaubt er, den richtigen Mann gefunden zu haben, einen, der die Verhältnisse auf den Straßen und die Menschen kennt, einen, der, weil er ehrlich bleiben wollte, auf eine Karriere innerhalb des Polizeiapparates verzichtet hatte. Malone entschließt sich nach anfänglichem Widerwillen, Ness zu helfen. Zu ihnen gesellen sich der Steuerbeamte Wallace (Charles Martin Smith) und der junge Polizist George Stone (Andy Garcia).

Bei einer Razzia an der amerikanisch-kanadischen Grenze gelingt es ihnen, einen der führenden Gangster im Capone-Clan festzunehmen. Er soll als Kronzeuge gegen den Bandenchef aussagen ...

Inszenierung
„The Untouchables“ ist hervorragend gefilmt; Kostüme, Szenenbild, das ganze Äußere der Atmosphäre der 30er Jahre ist blendend in Szene gesetzt. Doch schon bei den Hauptpersonen fangen die Probleme des Films an. Kevin Costners Eliot Ness ist ein unbestechlicher Beamter, guter Familienvater und Ehemann, der sich voll und ganz seiner Arbeit widmet. Er verkörpert sozusagen das absolut Gute. Auf der anderen Seite Robert de Niro, wie ich ihn nie gesehen habe, als Al Capone, eher jedoch als eine Karikatur auf den Gangsterboss. Mimik und Gestik de Niros lassen Capone als Duce von Chicago erscheinen, Al Capone also als verzerrtes Bild eines Gangsters, der das absolut Böse verkörpert. Wenn er spricht, ob zu seinen Gefolgsleuten oder gegenüber der Presse, klingt dies, als ob er Weisheiten verkünde oder Dekrete erlasse. Von einem intelligenten Gangster, der Capone sicher gewesen sein muss, fehlt in de Niros Verkörperung jede Spur.

Daneben wirkt Andy Garcia als italienisch-stämmiger Polizist ebenso über jeden Zweifel erhaben wie als Steuerbeamter Charles Martin Smith. Relativ blasse Gestalten, und lediglich Sean Connery als Malone kann von den Hauptpersonen her überzeugen. Malone ist ein gebeutelter Mann, dem seine Ehrlichkeit wichtiger ist als Karriere. Als die vier an der amerikanisch-kanadischen Grenze einen Gangster festnehmen, der jedoch unter keinen Umständen gegen Capone aussagen will, greift Malone zu einem Trick. Er richtet einen vor einem Grenzhäuschen liegenden toten Mafiosi auf, tut so, als ob der noch lebe, und redet auf den Toten ein, er solle endlich den Mund aufmachen, sonst würde er ihn töten. Malone schießt ihm in den Mund. Der andere bekommt es mit der Angst und erklärt seine Bereitschaft, nun doch auszusagen.

Sehenswert ist auch der Showdown im Bahnhof, wo Ness und Stone auf den Buchhalter Capones warten, den sie als Kronzeugen festnehmen wollen.

Doch neben diesen durchaus spannenden Szenen hat de Palmas Streifen an intelligentem Suspense wenig zu bieten. Über weite Strecken fehlt es „The Untouchables“ an Energie und überzeugender Entwicklung der Geschichte. Die arg strapazierte Zuspitzung in „nur Gute“ und „nur Böse“, letzterer mit dem Mussolini-Touch de Niros, verhindert, dass der Film die moralischen Konflikte des Stoffs – auch in der Frage, welche Mittel im Kampf gegen die Gangster erlaubt sind bzw. sein sollen – nicht entwickeln kann. Es fehlt an der „goldenen Mitte“, den inneren Konfliktlinien, der entsprechenden Atmosphäre, den Zweifeln, den Angst- und Verlustgefühlen, der inneren Zerrissenheit der Figuren. Nur Sean Connery macht hier eine leider für die Gesamthandlung nicht ausreichende Ausnahme. „The Untouchables“ wirkt – neben der moralischen Überzeichnung der Figuren – weniger als Gangster- und Polizeifilm denn als spielerische historisch-dokumentarische Konstruktion. Der Film setzt auf Stil statt auf Substanz.

Fazit
„The Untouchables“ ist ein durchschnittlicher Thriller, in dem es de Palma leider nicht gelungen ist, auch nur annähernd an Epen wie „Once Upon in America“ von Leone oder gar Coppolas „Der Pate“ anzuknüpfen. Das hat vielleicht auch seinen Grund darin, dass dem Kinofilm eine mäßige TV-Serie Pate stand, die sich in Klischees austobte. Durch die Überzeichnung von Gut und Böse verlieren die Charaktere an Farbe, Nähe und Glaubwürdigkeit.

Wertung: 5 von 10 Punkten.

Die Unbestechlichen
(The Untouchables)
USA 1987, 119 Minuten
Regie: Brian de Palma

Drehbuch: David Mamet, nach Motiven aus Romanen von Eliot Ness, Oscar Fraley und Paul Robsky
Musik: Ennio Morricone
Kamera: Stephen H. Burum
Schnitt: Gerald B. Greenberg, Bill Pankow
Spezialeffekte: –
Hauptdarsteller: Kevin Costner (Eliot Ness), Sean Connery (Jim Malone), Charles Martin Smith (Agent Oscar Wallace), Andy Garcia (Agent George Stone), Robert de Niro (Al Capone), Richard Bradford (Mike Dorsett, Polizeichef), Jack Kehoe (Walter Payne), Brad Sullivan (George), Billy Drago (Frank Nitti), Patricia Clarkson (Catherine Ness), Vito D’Ambrosio (Bowtie Driver), Steven Goldstein (Scoop), Peter Aylward (Lieutenant Anderson), Don Harvey (Officer Preseuski)

Offizielle Homepage: –
Internet Movie Database: http://us.imdb.com/Title?0094226

Weitere Filmkritik(en):
„Chicago Sun-Times“ (Roger Ebert):
http://www.suntimes.com/ebert/ebert_reviews/1987/06/236370.html

„Washington Post (Hal Hinson):
http://www.washingtonpost.com/wp-srv/style/longterm/movies/videos/theuntouchablesrhinson_a0c952.htm


© Ulrich Behrens 2002 für
www.ciao.com
www.yopi.de
www.dooyoo.de

20 Bewertungen, 2 Kommentare

  • XXLALF

    16.12.2011, 11:33 Uhr von XXLALF
    Bewertung: besonders wertvoll

    ach, das ist der film mit "al capone". das hatte ich nicht gewusst. toller bericht, jedoch der film interessiert mich weniger. ich weiß jetzt umwas es geht. und das reicht. sehen muss ich ihn nicht unbedingt. bw und ganz liebe grüße

  • Sayenna

    20.12.2006, 19:17 Uhr von Sayenna
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & Kuss :-)