Titus (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von andy77

Titus Andronicus

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Siegreich kehrt General Titus Andronicus nach Rom zurück. Seine Geiseln sind Tamora, die Königin der Gothen, und ihre drei Söhne. Titus befiehlt, den ältesten der drei Söhne zum Ruhm der gefallenen Römer zu opfern. Tamora schwört bittere Rache. Sie bezirzt Saturnius und heiratet ihn. Jetzt ist Tamora in der Position, ihr hinterhältiges Rachespiel zu beginnen. Aus dem folgenden Malstrom aus Mord und Todschlag gibt es nur für wenige ein Entkommen...

\"Titus Andronicus\" gilt als eines der umstrittensten Shakespeare Stücke. Die Kritiker streiten sich noch heute, ob man es dem Werk des wahrscheinlich bedeutendsten englischen Schriftstellers zuordnen soll. Zuviel Brutalität und Gewalt, zuwenig sprachliche Feinheiten soll es beinhalten. Und trotz dieser Kritiken, galt es im 16./17. Jahrhundert als eines der erfolgreichsten Theaterstücke. Oder sollte man vielmehr sagen, genau deswegen?

Julie Taymor bearbeitete das Stück zuerst für das Theater. Bekannt wurde die Regisseurin, Choreografin, Designerin, Bildhauerin, Shakespeare Expertin und Opernregisseurin vor allem durch ihre Broadway-Inszenierungen. \'Titus\' ist demzufolge auch ihre erste Arbeit für die große Leinwand. Eigentlich keine guten Vorraussetzungen für eine gelungene Verfilmung. Jedoch gelang es ihr mit Anthony Hopkins und Jessica Lange, zwei äußerst bekannte Darsteller, für die Hauptrollen zu verpflichten und machte aus dem etwas angestaubten Stück ein neues zeitloses Kunstwerk.

Sie übernimmt den Text des Dramas Wort für Wort und muss deshalb auch mit den vorhandenen dramaturgischen Schwächen auskommen. Sie inszeniert dies aber dermaßen mitreißend, dass man gebannt auf den Bildschirm starren muss und nicht glauben kann, was für Bilder eine solche relativ einfache Geschichten hervorbringen kann.

Zentrum dieser Rachegeschichte ist Titus Andronicus, eine reine Fantasiegestalt, die vom gefeierten Helden Roms zum Verstoßenen avanciert. Anthony Hopkins verkörpert diese eigensinnige Gestalt, die selbst voller Brutalität steckt und später sich kampflos in die Opferrolle begibt. Sein Spiel und seine Mimik erinnern dabei ständig an Hannibal Lecter und machen es schwer diesen von den anderen Charakter zu trennen. Hopkins bleibt alles in allem auch eher blass. Er vermag es nicht wirklich die innere Zerrissenheit von Titus darzustellen. Seine Figur bleibt eher blass im Vergleich mit den anderen Darstellern.

Allen voran Jessica Lange, mal gegen ihr übliches Images besetzt, und Harry J. Lennix als Aaron können überzeugen. Laura Fraser brilliert als Lavinia, deren Zunge abgeschnitten und Hände abgetrennt wurden und Alan Cumming spielt den durchtriebenen Saturnicus.

Doch bei dieser Shakespeare- verfilmung sind einmal nicht die Darsteller im Mittelpunkt allen Interesses. Viel wichtiger sind die Bilder, die einem ständig den Atem rauben. Untermalt von dem Bombast-Soundtrack von Eliot Goldenthal, mit dem Julie Taymor auch verheiratet ist, eröffnet sich dem Zuschauer ein Infernal bizarrer und skurriler Welten. Von Traumsequenzen mit fliegenden musizierenden Engeln, bis zum alten Kolosseum in Rom, in das der siegreich zurückgekehrte T. Andronicus eindrucksvoll einmarschiert, findet man sich immer wiederholende, nie langweilig werdende, Visionen, die sich ständig an den Grenzen der Kreativität befinden. Dieser Stil erinnert einen sofort an Filme von Peter Greenaway (\'The Tempest\', \'Der Kontrakt des Zeichners\'), doch glücklicherweise ohne dessen bedeutungsschwangerer Theatralik.

\'Titus Andronicus\' ist eine Geschichte voller Morde, Rachegelüste und geschmackloser Quälereien, die jeden Splatterfan gefallen dürfte und Julie Taymor spart diese Teile auch nicht aus. Auch hier blieb sie nahe an der Vorlage, was in manchen Situationen schon ein wenig geschmacklos erscheint. So blendet sie zwar in einigen Szenen, wenn Titus sich zum Beispiel eigenhändig die Hand abschlägt, aus, in anderen dagegen bleibt man Voyeur der Grausamkeiten.

Ein ungewöhnlicher, eigenwilliger Film also. Ein Film der den Begriff Zeit nicht zu kennen scheint. Man bewegt sich von der Antike über die 20er Jahre bis ins jetzt ohne erkennbares Muster fort und muss so erkennen, wie zeitlos Geschichten über Unrecht, Rache, Diktaturen und Gewalt zu seien scheinen, oder einfach sind.

Julie Taymor hat eine der besten Shakespeare- verfilmungen geschaffen und sie ist auch die große Entdeckung von \'Titus Andronicus\'. Die Darsteller fügen sich nur in ihr Gesamtkunstwerk ein, das so viele kraftvolle Bilder zu finden vermag, dass man sich wünscht den Film noch einmal im Kino bewundern zu können. Man darf gespannt auf ihren neuen Film \'Frida\' warten, der im März in unsere Kinos kommt.

Auf der DVD befinden sich noch mehrere Filmografien und Biografien von Anthony Hopkins, Jessica Lange, Laura Fraser und Alan Cumming.

Wertung: 9,5/10

Erscheinungsdatum: 28.01.2003
FSK: 16 Jahre
Länge: ca. 162 min
Land: USA 1999
Regie: Julie Taymor
nach dem Theaterstück \"Titus Andronicus\" von William Shakespeare
Darsteller: Anthony Hopkins, Jessica Lange, Laura Fraser, Osheen Jonmes, Dario D´Amborosi, Alan Cumming
Audio: Deutsch DD 5.1 / Deutsch DD 2.0 / Englisch DD 5.1 / Englisch DD 2.0
Sprachen: Deutsch, Englisch
Bildformat: Widescreen 2:35:1 (anamorph)

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