Verschwende deine Jugend (VHS) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Bjoern.Becher

Anfang der Achtziger war die Welt am Arsch!

Pro:

höchst unterhaltsam, gute Darsteller, vor allem auch in den Nebenrollen

Kontra:

Beziehung zwischen den Charakteren von Stadlober und Schwarz bleibt zu stark an der Oberfläche, liefert kein befriedigendes Poträt der damaligen Zeit und Musik

Empfehlung:

Ja

„Anfang der Achtziger war die Welt am Arsch. Jahrelang waren wir zugemüllt worden mit dem Schlagerschwachsinn unserer Eltern und dem Betroffenheitsgejammer unserer Hippie-Geschwister. Wenn ich das Radio einschaltete oder eins der drei Fernsehprogramme wurde mir einfach nur schlecht. Das ging zum Glück auch anderen so. Immer mehr Bands tauchten aus verdammt schlecht belüfteten Proberäumen auf und machten Musik, die simpel war, aber gerade deswegen um so geiler. In Düsseldorf und Berlin tobte die Szene, selbst Hannover und Limburg hatten ihre NDW-Helden, nur das verschlafene Dorf aus dem ich komme, wusste nichts davon. Ich komme aus München!“


Das sind die Worte von Harry (Tom Schilling), dem Protagonisten des Films „Verschwende Deine Jugend“. Harry ist eigentlich Azubi bei der Bank, doch er fühlt sich dazu berufen, jenen Missstand, den er zu Beginn des Films anspricht zu beheben. Er will die „Neue Deutsche Welle“ auch nach München bringen. Da passt es doch gut, dass sein bester Freund Vince (Robert Stadlober) mit Bassistin Melitta (Jessica Schwarz) und Schlagzeuger Freddie (Marlon Kittel) eine Band hat: Apollo Schwabing! Harry ist ihr Manager und will die Band groß rausbringen. Doch dies erweist sich als schwierig. Der schüchterne Harry ist nicht gerade der Prototyp eines Musikmanagers und so führt der Weg der Band nicht nach oben, sondern in immer leerere Hallen bei immer desaströseren Auftritten, welche immerhin noch zu einer Schmähkritik des Musikkritikers Wieland Schwarz (Christian Ulmen) reichen.

Doch dann hat Harry die Idee. Ein großes NDW - Konzert will er in München organisieren. Mit der bekanntesten deutschen Band der Zeit DAF als Hauptgruppe und Apollo Schwabing als Vorgruppe. Karten werden verkauft, Plakate werden gedruckt, der Durchbruch von Apollo Schwabing naht. Nur zu dumm, dass Harry seinen Freunden noch nicht erzählt hat, dass DAF noch nix ihrem Auftritt wissen...


Obwohl „Verschwende Deine Jugend“ den gleichen Titel trägt wie der sehr erfolgreiche Doku-Roman von Jürgen Teipel über jene Zeit und auch kurze Zeit nach dem großen Erfolg von Buch und dazugehöriger CD erschienen ist, darf man von „Verschwende Deine Jugend“ (auch der Titel eines sehr populären Liedes von DAF) nicht erwarten, dass der Film ein Porträt der damaligen Zeit und der Musik liefert. Dies macht der Film nur am Rande und insgesamt eher unbefriedigend.

Ist aber auch nicht wichtig, denn „Verschwende Deine Jugend“ ist ein verdammt unterhaltsamer Film. Buchautor Benjamin Quabeck hat es in seiner zweiten großen Regiearbeit (nach der gelungenen Verfilmung seines Romans „Nichts bereuen“) wieder geschafft eine komische, dramatische und berührende Geschichte zu erzählen. Sein Protagonist Harry ist ein positiv Verrückter, wie er im Buche steht. Man muss ihn als Zuschauer einfach gern haben. Harry ist nicht so ein cooler Poser wie zum Beispiel Vince, ist eher die graue Maus und kommt jeden Abend nur in die Stammdisco rein, wenn Vince dem Türsteher sagt, dass er zu ihm gehört.

Doch Harry wächst mit seinem Ziel, das Konzert mit DAF, über sich heraus. Der eher schüchterne und unerfahrene junge Mann beweist Mut und ordnet seinem Ziel alles unter. Er verkauft alles was ihm lieb ist, um genug Geld zusammenzukratzen um die Kosten für das Konzert zu bezahlen. Am Ende bestiehlt er sogar die Bank in der er arbeitet. Und obwohl er sich bei seinem ganzen Bestreben das Konzert zu veranstalten immer mehr zum „Arschloch“ entwickelt, bleibt er dem Zuschauer sympathisch und man hofft, dass es ein Happy-End für ihn geben wird.

Tom Schilling überzeugt in der Hauptrolle als Harry, stellt die deutlich bekannteren Co-Stars Robert Stadlober und Jessica Schwarz in den Schatten. Deren von Eifersüchteleien geprägte Liebesbeziehung, die fast zum Auseinanderbrechen der Band führt, ist einer der kleinen Schwachpunkte im Film. Der Platz, den diese Geschichte im Film einnimmt, ist zu knapp bemessen. Hier bleibt zu vieles an der Oberfläche, hier hatten Quabeck und seine Drehbuchautoren scheinbar Angst mit einem Tiefergehen die Leichtigkeit des Films aufs Spiel zu setzen, und diesen phasenweise zu ernst werden zu lassen. Schade.

In kleinen Nebenrollen wissen noch MTV-Moderator Christian Ulmen in seiner ersten Schauspielerrolle (kurze Zeit später folgte noch eine von der Kritik sehr positiv aufgenommene Hauptrolle in „Herr Lehmann“) als bornierter Musikkritiker und Denis Moschitto als Verkörperung von NDW-Ikone und DAF-Frontmann Gabi Delgado vollauf zu gefallen. Das gute Ensemble wird von einer mehr als nur hübsch anzuschauenden Nadja Bobyleva abgerundet.

F A Z I T
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Auch wenn Quabecks Geschichte teilweise etwas oberflächlich ist und dadurch nicht ganz die Klasse seines Erstlings „Nichts bereuen“ erreicht, so ist ihm doch mit „Verschwende Deine Jugend“ ein mehr als sehenswerter Film, dessen vor dem Hintergrund des Beginns der NDW spielende Geschichte mehr als gut unterhält. Und der Soundtrack mag sowieso zu gefallen!

D A T E N
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Originaltitel: Verschwende Deine Jugend
Genre: Drama / Komödie
Deutschland 2003, FSK 6, Laufzeit: 101 Minuten

Darsteller: Tom Schilling (Harry), Robert Stadlober (Vince), Jessica Schwarz (Melitta), Marlon Kittel (Freddie), Christian Ulmen (Wieland Schwartz), Nadja Bobyleva (Lena), Dieter Landuris (Bob), Nina Asseng (Fiona), Denis Moschitto (Gabi Delgado), Josef Heynert (Robert Görl)

Regie: Benjamin Quabeck
Produktion: Jakob Claussen, Thomas Wöbke
Drehbuch: Kathrin Richter, Ralf Hertwig
Kamera: David Schultz
Musik: Lee Buddah
Schnitt: Tobias Haas

W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
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Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0327227/

Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=36045

© Björn Becher 2004

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