Wahnsinnig verliebt (VHS) Testbericht

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ab 13,05
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Erfahrungsbericht von T-Shirt

Ein faszinierendes Puzzle

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Audrey Tautou ist so, wie man sie aus der „wunderbaren Welt der Amélie“ kennt: Mit ihren riesigen, braunen Knopfaugen und einem Lächeln, das die ganze Antarktis zum Schmelzen bringen könnte, wirkt sie, als wolle sie die ganze Welt umarmen. Kein Wunder, denn Amélie, die diesmal Angélique heißt, ist wieder einmal verliebt.

Ziel von Angéliques Begierde ist der renommierte Arzt Loic (Samuel Le Bihan) – der ist zwar verheiratet, wolle seine Frau aber verlassen, lässt Angélique ihren Freundeskreis wissen. So wirkt es auch durchaus plauisbel, als sie sich auf einer Party verwundert fragen lassen muss, warum sie und Loic getrennte Wege gehen, und sie glaubhaft erklärt, man müsse vorsichtig sein – schließlich würden alle Gäste Loics Ehefrau kennen, die zu diesem Zeitpunkt hochschwanger zu Hause sitzt.

Dass Angélique ihrem Lieblings-Arzt Blumen schickt oder ihm ein selbstgemaltes Bild in seiner Praxis hinterlässt, wirkt für ein frisch verliebtes Pärchen ebenfalls völlig normal. Doch trotzdem kommt dem Zuschauer – obwohl es sich um eine französische Produktion handelt – bald einiges ziemlich spanisch vor. So ist es doch ziemlich merkwürdig, dass man die beiden nie gemeinsam in einer intimen oder zumindest vertrauten Situation sieht. Fragen werfen auch eine ohne plausible Erklärung geplatzte Florenz-Reise, ein beschädigter Motorroller und eine überraschende Fehlgeburt auf.

Doch plötzlich wird der Film zurückgespult, und die Geschichte wird noch einmal von vorne erzählt – diesmal allerdings nicht, wie bisher, aus der Sicht von Angélique, sondern aus Loics Perspektive. Nach und nach wird immer klarer, dass beim deutschen Filmtitel „Wahnsinnig verliebt“ die Betonung vor allem auf dem Wörtchen „wahnsinnig“ liegt ...

Der Debütfilm von Laetitia Colombanis führt den Zuschauer geschickt in die Irre. Zwar drängt sich schon früh die Vermutung auf, dass Angélique sich in einer irrealen Traumwelt verirrt hat, aber immer wieder wird man im ersten Teil des Films, als wir die Story mit Angéliques Augen erleben, mit Szenen konfrontiert, die derartige Theorien ins Wanken bringen. So entsteht ein faszinierendes Puzzle, das sich nur langsam Stück für Stück zusammenfügt.

Darüber hinaus kommen auch die Fans von Audrey Tautou voll auf ihre Kosten. Wer nach „Amélie“ von Frankreichs neuem Kino-Star noch nicht genug hat, kann sich hier nicht nur erneut von ihr verzaubern lassen – man kann auch beobachten, wie sie absolut glaubwürdig die Wandlung von einem engelsgleichen Wesen zu einer Femme Fatale vollzieht, die in ihrem Wahn sogar bereit ist, über Leichen zu gehen.

Dabei spielt sie auch mühelos ihren Partner Samuel Le Bihan an die Wand. In seiner Rolle als Arzt, dessen Welt zusammenbricht, ohne dass er den Grund dafür kennt, bleibt er leider etwas blass. Umso sympathischer besetzt sind hingegen die Nebenrollen – sei es der in Angélique verliebte Medizinstudent, deren beste Freundin oder Loics Ehefrau, die zunehmend an ihrem Gatten zweifelt und an der Situation langsam zu zerbrechen droht.

Dadurch, dass sich die zahlreichen Rätsel erst peu à peu auflösen, bleibt der Film zudem bis zum Ende spannend. Dieser subtil erzählte Psycho-Thriller kommt ohne dramatischen Showdown aus und wird trotzdem niemals langweilig. Sicherlich hat man rätselhafte Filmpuzzle bei „Memento“ oder „Mulholland Drive“ schon komplexer und kunstvoller verwoben gesehen (wobei „Mulholland Drive“ für meinen Geschmack zu kompliziert verwoben war), aber das beeinträchtigt den Filmgenuss in keinster Weise. Den Zauber von Amélies „wunderbarer Welt“ versprüht „Wahnsinnig verliebt“ zwar nicht, aber spannende und faszinierende Kinounterhaltung ist trotzdem garantiert.

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