Wer die Nachtigall stört (DVD) Testbericht

Auf yopi.de gelistet seit 11/2011
Erfahrungsbericht von Gemeinwesen
Der Film ist ausgezeichnet, Bild und Ton der DVD sind es auch
Pro:
Der Film in ausgezeichneter Bild- und Tonqualität
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Ja
Der Junge ist offensichtlich überrascht und beeindruckt von der Zielsicherheit seines Vaters; genauso offensichtlich bildet sich der Vater nichts ein auf seine Schießkünste. Das letzte Wort bleibt dem Sheriff überlassen: “Didn't you know your daddy's the best shot in this county?“ – Wusstest du etwa nicht, dass es hier weit und breit keinen besseren Schützen gibt als deinen alten Herrn … ?
Die lakonische kurze Szene gehört für mich zu den eindrucksvollsten, die Hollywood dem Publikum seiner Filme je beschert hat. Das liegt allerdings auch daran, dass hier schlicht eine Vorlage werkgetreu um gesetzt worden ist, die im literarischen Original nicht minder eindrucksvoll ist. Überhaupt hält Robert Mulligans Film sich erfreulich eng an die Vorlage des Romans, und in Gregory Peck hat der Regisseur zudem die ideale Besetzung für die männliche Hauptrolle des sensibel in Szene gesetzten Dramas gefunden –seinem Hauptdarsteller bei der Oscar-Verleihung im Jahr 1962 die Trophäe zu verleihen, war, finde ich, eine der nachvollziehbaren Entscheidungen der Jury der Academy of Motion Picture Arts and Sciences.
Offenbar war das Bild, das Regisseur und Hauptdarsteller sich von der Romanfigur des Anwalts Atticus Finch gemacht haben, sehr deckungsgleich mit dem, das ich nach dem Lesen von Harper Lees mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Roman hatte. Jedenfalls hat mich die Leinwandversion des empfehlenswerten Buchs um Rassenhass und Vorurteile in einer kleinen Stadt nicht enttäuscht – im Gegenteil: der Film „Wer die Nachtigall stört“ ist mindestens so sehenswert, wie das Buch lesenswert ist.
Sehenswert ist Stephen Frankfurts Vorspann, hörenswert ist auch die Musik, mit der Elmer Bernstein („Die glorreichen Sieben“) diese ersten Bilder des Films unterlegt hat. Die einfache, unschuldige Melodie, die er als Hauptthema für den Film geschrieben hat, erinnert unwillkürlich an Kinderlieder und führt damit auch akustisch perfekt in eine Geschichte ein, die aus der Perspektive von Kindern erzählt wird. Bei den Kindern handelt es sich um Finchs burschikose Tochter Jean Louise, die von allen nur „Scout“ genannt wird, und ihren älteren Bruder Jeremy „Jem“ Finch.
Die beiden wachsen ohne Mutter, aber trotzdem wohlbehütet auf – dafür, dass Witwer Atticus die Bürden der Erziehung nicht allein schultern muss, sorgt schon Köchin Calpurnia. Die ist nicht nur treu sorgende Hausangestellte, sondern auch Vertrauensperson für Atticus und seine Kinder. Ein bemerkenswerter Status, zumal Cal schwarz ist. Familie Finch findet das zwar nicht weiter bemerkenswert, verrät damit aber eine Einstellung, die alles andere als selbstverständlich im Städtchen Maycomb, Alabama. Dessen weißer Einwohnerschaft gelten Schwarze nämlich nach wie vor als Menschen zweiter Klasse. Entsprechend groß ist die Empörung, als Anwalt Finch die Verteidigung des jungen Schwarzen Tom Robinson übernimmt. Dem wirft man vor, er habe sich an der Tochter des weißen Tagelöhners Robert „Bob“ Ewell vergangen, und für das weiße Maycomb steht Robinsons Schuld von Anfang außer Frage: Man weiß ja schließlich, wie „diese“ Schwarzen sind – wilde Tiere allesamt, die es auf weiße Frauen abgesehen haben!
Und weil die Schuld des Angeklagten in Volkes Sicht von vorn herein beschlossene Sache ist, schlägt nicht nur Robinson blanker Hass ins Gesicht, sondern auch Finch und seinen Kindern. Anwalt Atticus wird auf offener Stra0e angespuckt (eine weitere tolle Szene – großartig, wie Peck einen Mann spielt, in dem es sichtbar brodelt, der sich aber trotzdem beherrscht – und wir er dem Publikum den Eindruck vermittelt, dass er sein Gegenüber problemlos ausknocken würde, wenn er nur wollte), und auch das Leben seiner Kinder wird bedroht. Und die Anfeindungen nehmen auch dann kein Ende, als der verzweifelte Tom Robinson seinem Leben selbst ein Ende setzt …
„Wer die Nachtigall stört“ ist ein bemerkenswertes Buch, und die Verfilmung des Romanstoffs ist glänzend gelungen.
Der Transfer des Verfilmung aus dem Jahre 1962 auf DVD verdient ebenfalls Lob – Bild und Ton sind von erfreulich guter Qualität, das Bonusmaterial der „Special Edition“ überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Damit wären wir dann auch gleich beim einzigen großen Abstrich, den diese DVD verdient – denn bei der hier abgebildeten Version handelt es sich eben leider nicht um die vorbildlich ausgestattete Special Edition, sondern um die abgespeckte “plain vanilla“-Variante. Die bietet natürlich immer noch den sehenswerten Film und lässt dem geneigten Zuschauer auch die Wahl zwischen englischsprachigem Originalton und deutscher Synchronfassung, kommt aber ansonsten recht bescheiden daher. Wer Wert auf den Audiokommentar und die anderen Schmankerl legt, mit denen die Special Edition ausgestattet ist, sollte also noch etwas zuwarten, bis diese Version hoffentlich neu aufgelegt wird – oder sich bei ebay nach einem Exemplar umtun.
30 Bewertungen, 12 Kommentare
-
02.12.2006, 11:49 Uhr von Estha
Bewertung: sehr hilfreichtoll :-)
-
30.11.2006, 21:37 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh, LG Biggi :-)
-
30.11.2006, 15:19 Uhr von B_Engal
Bewertung: sehr hilfreichSH von mir. MfG B_Engal
-
30.11.2006, 10:12 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh :o)
-
30.11.2006, 09:36 Uhr von MasterT86
Bewertung: sehr hilfreichWie gewohnt, ein toller Bericht. Kommt nicht so oft vor, das ein Roman so bestens verfilmt wird. Meistens geht das ja etwas schief. Lg Tobias
-
30.11.2006, 01:03 Uhr von HiRD1
Bewertung: sehr hilfreich~~ SH. Gruß, Ralf ~~
-
30.11.2006, 00:46 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSh & lG von Diana (c;
-
29.11.2006, 23:42 Uhr von Vicky
Bewertung: sehr hilfreich* Sehr hilfreich - Vic *
-
29.11.2006, 23:41 Uhr von LittleSparko
Bewertung: sehr hilfreichlg, daniela
-
29.11.2006, 23:20 Uhr von Gozo-Bernie
Bewertung: sehr hilfreichGruss aus Catania - bernie
-
29.11.2006, 23:00 Uhr von waltraud.d
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
-
29.11.2006, 22:57 Uhr von Sweeaty
Bewertung: sehr hilfreichguter bericht! :) liebe grüße!!
Bewerten / Kommentar schreiben