Wie die Karnickel (DVD) Testbericht

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Erfahrungsbericht von maertens

Schwule, Heteros, Pornos und Peinliches

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Das Plakat sprang mir in die Augen, das kennste doch dachte ich mir. Klar, Comicfiguren von Ralph König. Die sind vielleicht nicht jedem bekannt aber den „bewegten Mann“ oder das „Kondom des Grauens“ kennt bestimmt jeder.
Knollennasig und bunt kommen sie daher, nur irgendwie anders als sonst. Neben dem notwendigen dumben Muskeltypen und dem Normal-Schwulen mit Rasiertem Kopf und Dreitagebart ein etwas verklemmt wirkender Kontra-Bassist neben einer Strapsbraut. Ein kleineres Bild darunter zeigt die echten Filmfiguren in selber Pose: Das sind ein Möbelpacker, schwul und doof aber gutaussehend, Sigi, der Wohnungsnachbar von Horst der mit dem Bass neben ihn steht und ganz rechts Kelly Trumph, jaja, die Pornoqueen und Mittelpunkt so mancher feuchter Hetero-Männerträume.
Nun, das war Grund genug sich den Streifen anzuschauen und um es vorwegzunehmen: Es hat sich gelohnt.

Handlung:

Vera, die Freundin von besagtem Horst (dem Bassisten) ist ein ziemlich graues Mäuschen, sexuell unbefriedigt und verklemmt. Als eine aufmerksame Nachbarin nach Kontrolle der Abfallkübel mit einer Mülltüte vor der Haustür steht und süffisant ein Pornovideo herauszaubert (aus der Papiertonne, Unverschämtheit, das gehört da nicht rein!!!) und als Beweis des fehlgeleiteten Wegwerfers Horsts adressierte Briefe präsentiert platzt der unbefriedigten Vera der Kragen. Sie zieht aus. Daß das ihr Sexualleben auch nicht gerade auf Schwung bringt ist klar, aber Horst genießt sein neues Singedasein, hängt überall in der Wohnung Poster des Pornostars Kelly Trump auf. Er holt die heimlich versteckten Pornokassetten aus dem Versteck im Keller und entdeckt so etwas wie seine hedonistische Ader.

Dazu animiert ich auch sein neuer Wohnungsnachbar Sigi, ein alter Schulkamerad, schwul und frisch getrennt von seinem Freund. Der ist zwar auch nicht gerade glücklich mit dieser Situation, scheint eher noch verliebt in seinen Ex zu sein, stürzt sich aber trotzdem in ein Abenteuer mit dem gut aussehenden aber blöden Möbelpacker aus dem Fitnessstudio. Jaja, die Hormone.. Die Dialoge über die Gleichheit aller Männer ob schwul oder hetero zwischen den beiden ist einfach köstlich.

Was dann kommt war klar, Vera versucht Horst zu umgarnen, ahmt die Strapsdamen aus Horsts Pornofilmen bei einem arrangierten Treffen nach, was natürlich gründlich in die Hose geht. Horst wiederum beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit einer exzentrischen Operndiva aus Bulgarien, besser gesagt, sie beginnt eine mit Horst. eine Walküre ohnegleichen. Horst schwebt im unerwarteten Sexhimmel, hat einen permanent zerkratzten Rücken und ist sich nach einer Weile nicht sicher, ob er das überhaupt will. Das Problem löst sich, als selbige ihre Heirat mit dem greisenhaften Dirigenten bekannt gibt, der sie beruflich weiter bringen wird.

Sigi kriegt Besuch von seiner Mutter und will sich endlich mal outen, dummerweise kommen zur Vorstellung des Schwiegersohns gleich zwei, nämlich der Möbelpacker und sein Ex. Das haut die Mutter aber auch nicht mehr um, schließlich hat sie schon beizeiten geahnt, dass ihr Sohn schwul ist, der hat nämlich immer die Männer-Unterwäscheseiten aus dem Otto-Katalog geklaut was schon etwas seltsam war. Also ich musste hier zumindest sehr schmunzeln, bloß wars bei mir kein Otto-Katalog…
Schließlich und endlich verschwinden beide potentiellen Schwiegersöhne, und finden natürlich Gefallen aneinander (Ach ja, die Schwulen sind doch alle gleich..)

In diesem ganzen Drunter und Drüber kommt es irgendwann zu Showdown, einer Fernsehsendung, zu der Sigi Horst einlädt, und welche ein Desaster wird. Horst wird auf die Couch vor der Kamera geholt und als Pornovideojunkie dargestellt. Kelly Trump ist als Showgast geladen und kommt bald zur Sache.

Eine Emanzenzeitung wird herausgeholt, in der gutmeinende (oder auch nicht) Feministinnen die Geschichte von Horst und Vera als eine Geschichte der Erniedrigung der Frauen durch Männer darstellt. Die beiden Autorinnen, zwei wunderbar gespielte Kampflesben, sitzen bald auch auf der Couch und Horst fühlt sich ganz und gar nicht wohl in seiner Haut. Vera sieht das vor dem Fernseher und ist entsetzt, so wollte sie das nicht. Horst ist doch kein Vergewaltiger und kein Sexmonster. Sie eilt ins Studio und stürmt die Bühne. Sie versucht das ganze zu beschwichtigen und gegen die Kampflesben anzukommen, was natürlich nicht gelingt. Da platzt Horst der Kragen, er springt aus und schreit seine Wut heraus (was man ihm gar nicht zugetraut hätte…): Er gibt zu sich Pornovideos anzuschauen, auf Highheels zu stehen. Was bitteschön ist daran unnormal schreit er. Schließlich bittet er alle aufzustehen, die auch mal gerne wie er sich ein Porno anschauen. Nach anfänglichem Zögern tun es fast alle im Studio. Diese Szene fand ich dann leider doch etwas peinlich, egal, das tut dem Film aber keinen Abbruch. Er ist ein leidenschaftlicher Appell gegen Verklemmtheit, Prüderie und Falschheit.

Schauspieler:

Michael Lott als Horst und Anna Böttcher als Vera kommen recht glaubwürdig rüber, obwohl das Spiel von Horst manchmal zu sehr in Richtung Klamotte/Trash verfällt. Göttlich fand ich Operndiva Andreja Schneider, die manch einer vielleicht als Fräulein Schneider von den Geschwistern Pfister kennt. Wenn sie losträllert fühlte ich mich in die „Bar jeder Vernunft“ versetzt, wo sie regelmäßig ziemlich ähnlich brilliert.
Sven Valser alias Sigi ist als Schwuler ziemlich glaubwürdig, der Möbelpacker als blöd und geil als Gegenstück zur blöden Blondine doch zu klischeehaft.

Fazit:

Nach langer Pause endlich wieder ein Film aus Deutschland, über den man herzhaft lachen kann. Er ist wahrlich nichts für prüde oder gar homophobe Seelen, von denen es unter uns ja leider noch viel zu viele gibt. FSK 16 ist schon angebracht. Er hält jedem einen Spiegel vor, hat keine Tabus und hat bis auf einige eher peinliche Szenen Charme und Witz. Von mir eine Empfehlung!

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