Erfahrungsbericht von HilkMAN
Drei Hände möcht ich haben...
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
... denn es belastet mich sehr, diesem Film nur zwei Mittelfinger auf einmal entgegenstrecken zu können. Ich muss vorweg um Entschuldigung bitten, dass der vorliegende Artikel ein wenig ins Polemische ausarten dürfte, aber ich habe einfach selten einen solch hirnrissigen Film gesehen wie \"Windtalkers\". Dieser widerwärtige Propagandastreifen ist wohl gerade auch in Deutschland angelaufen, Ihr solltet also gut aufpassen, zu welchen Filmen Ihr Euch in nächster Zeit überreden lasst.
Die \"Story\" (dieses Wort erscheint ein bisschen als Kompliment): Joe Enders, ein amerikanischer Marine-Offizier im zweiten Weltkrieg, hat Schuldgefühle, weil er seine Einheit bei einer Pazifik-Schlacht hat verrecken lassen, anstatt ihr den Rückzug zu gestatten. Wie kompensiert er das am Besten? Indem er gar schummelt, um trotz seiner schweren Verletzung möglichst schnell wieder zum Kriegseinsatz bereit zu sein, damit er die Japaner für seine Fehler leidern lassen kann. Es geht auf die Insel Saipan, ein strategisch wichtiges Stück Dreck in Fliegerreichweite von Tokyo. Aber sein Einsatz ist diesmal von anderem Kaliber. Das amerikanische Militär hat ein paar Navajo geschickt, die einen Code beherrschen, der wiederum auf ihrer Sprache basiert. Dieser Code erweist sich als eine harte Nuss für Japan. Und das soll auch so bleiben. Der Befehl lautet: Der Codeträger Ben Yahzee muss um jeden Preis geschützt werden. Wenn Gefahr besteht, dass er in Feindeshand fällt, soll Enders ihn töten.
Enders möchte Yahzee zunächst nicht zu nahe kommen, da er fürchtet, sonst eventuell Skrupel zu haben, sollte er ihn töten müssen. Aber natürlich freunden sie sich doch irgendwie miteinander an – Zeit für ein bisschen schwer erträgliches spirituelles Gefasel über die Navajo. Der Einsatz wird dann ein Himmelfahrtskommando mit unzähligen Toten auf beiden Seiten. Am Schluss gewinnen dann die Guten. Aber viele von den ganz besonders Guten sind mal wieder ziemlich jung gestorben.
Mehr passiert in diesem zweieinviertelstündigen Martyrium nicht. 90 Minuten hätten gut und gern herausgekürzt werden können, ohne die Handlung wesentlich einschränken zu müssen. Der grösste Teil des Filmes besteht nämlich aus ellenlangen Gemetzelszenen, in denen Enders eigenhändig etwa 37.142 Japaner niederschießt, -sticht, -brennt, -handgranatet oder sonstwie abschlachtet. Vielleicht gibt es ja Leute, die auf sowas stehen. Aber die möchte ich nicht kennenlernen.
In diesem Film ist die heile Welt des Krieges noch voll in Ordnung. Der böse Feind ist der böse Feind. Exemplarisch lässt sich das an einer Szene beschreiben: Guter amerikanischer Soldat gibt kleinem japanischen Mädchen mitten im wildesten Getümmel Schokolade. Natürlich wird er dabei von bösem Japaner über den Haufen geschossen, kann das Mädchen aber durch Aufgabe des eigenen Lebens in Sicherheit bringen. Noch Fragen?
So geht das in einem fort. Groteskerweise haben die japanischen Soldaten keine wirklichen Gesichter, dennoch fällt den Alibi-Rassisten im amerikanischen Lager (keine Sorge, die werden natürlich später noch bekehrt) die Ähnlichkeit der Navajo mit den Feinden auf. Auch aus diesem rassistischen Quatsch lässt sich noch eine Heldentat zurechtspinnen: Yahzee zieht eine japanische Uniform an und geht mit Enders als \"Gefangenem\" rüber in die feindlichen Stellungen, wo sie zu zweit ungefähr hundert von den Bösen erledigen. Es ist einfach nicht auszuhalten.
Bei all dieser geballten Action verbreitet der Film vor allem eines: Gähnende Langeweile. Soviele Explosionen wie hier habe ich in den letzten fünf Jahren zusammen nicht auf der Leinwand gesehen. Irgendwann verliert es seinen Schrecken und wiederholt sich immer und immer wieder. Vermutlich war der Streifen extrem teuer, aber das braucht die VerursacherInnen nicht zu schrecken: Sicherlich wird das amerikanische Militär helfend unter die Arme greifen. Denn bessere Werbung könnte es sich nicht wünschen. Wo Töten doch so schön sein kann.
Zu alledem kommt noch, dass die erste Szene, in der der Code zum Einsatz kam, schon fast zum Lachen ist: Nachdem die wackeren Frontsoldaten die Position der Bösewichte ausfindig gemacht haben, funkt einer der Codeträger diese zu den Schlachtschiffen rüber. Ungefähr 10 Sekunden später ballern diese die japanischen Stellungen in Schutt und Asche. Warum dieser Funkspruch nicht auf englisch übermittelt wird, ist mir völlig rätselhaft – so wird ein Code eher gefährdet als sinnvoll eingesetzt. Später ändert sich das dann aber wenigstens – und das ist auch schon das Positivste, was sich über diesen Film sagen lässt.
Garniert wird der ganze Mist noch mit einem Haufen schöner klischeehafter Szenen: Unbeantwortete Briefe von der Verehrerin, Familienfotos im Helm – Moment, jetzt hat es schon seit zwei Sekunden heftig gemenschelt, da müssen unsere Jungs erstmal wieder hingehen und ne Hundertschaft Japaner niedermachen. Puh, das tut gut.
Als dann der Satz fällt \"You’re a damn good fucking marine\", hoffe ich darauf, dass der ja von Schuldgefühlen geplagte Enders das wenigstens zurückweist – ich erwarte zumindest irgendeine zynische Reaktion. Aber er nimmt das schweigend an. Offenbar sollen amerikanische Soldaten genau so sein. Tiefere Weisheiten zuhauf finden sich auch in Zitaten wie \"Ours is not to question why, ours is but to do or die\" (Es ist nicht an uns, nach dem Warum zu fragen, unsere Aufgabe ist es, zu handeln oder zu sterben). Gute Güte, ich glaube, das wird hier ernsthaft als Ideal in den Raum gestellt.
Die meisten Schauspieler (in den Rollen des Schlachtviehs finden sich unter anderen Christian Slater, Noah Emmerich, Peter Stormare und Mark Ruffalo, dazu kommt Adam Beach als Ben Yahzee) verdienen eine weitere Chance. Dem von mir einst einigermaßen geschätzten Nicholas Cage aber, der den Joe Enders spielt, ist zu wünschen, dass er in Zukunft keine Rollen mehr bekommt. Was er hier schauspielerisch abliefert, ist einfach unter aller Sau. Natürlich legt ihn das \"Drehheft\" (ein Buch kann es kaum gewesen sein) an eine sehr kurze Leine, aber er hätte ja auch ablehnen können. Ein Turm in der Schlacht, ein wahrer Held – und dabei nichts als eine Witzfigur. Habe selten einen so tiefen Fall eines Schauspielers beobachtet. Während der ruhigeren Szenen ist es so gerade noch eben erträglich, aber während der stundenlangen Gewaltorgien ist seine Ausdruckslosigkeit schlicht peinlich. Dramatik kann nicht allein dadurch erzielt werden, dass wir dem Hauptdarsteller Dreck ein bisschen ins Gesicht schmieren – aber mehr wird hier gar nicht erst versucht.
Und dabei hatte das eigentliche Thema (und auch manche Kritiken, die ich zuvor las) doch durchaus interessant geklungen. Was passiert, wenn ich jemanden um jeden Preis schützen muss, den ich nicht mag, und wenn ich ihn dann endlich mag, muss ich ihn töten? Diese Frage wird in den Raum gestellt, aber da die Figuren gänzlich konturlos bleiben, kommt dabei nichts heraus. Verpasste Chance. Die letzte, die ich den Beteiligten gegeben habe.
Muss ich noch ein Fazit ziehen? Na gut: \"Windtalkers\" ist ein Film über strahlende Helden und finstere Feinde, die abzuschlachten ein wahres Fest ist. Die amerikanische Armee ist sowas von super, dass ich gleich mal schauen muss, ob ich mich da auch als Ausländer verpflichten kann, zumal ich nach dem Genuss dieses Filmes auswendig weiß, wie deren Fahne aussieht. Die Story ist wie hingeschissen und die schauspielerischen Leistungen des Oberhelden eine Katastrophe. Kompensiert wird das durch stundenlange Action-Szenen, die uns offenbar nichts weiter sagen sollen. Und es reicht nicht, diesen Film einfach zu vermeiden: Droht den Kinos Eures Vertrauens am Besten, sie künftig zu boykottieren, wenn sie es wagen, mit diesem Propagandamist ihre Leinwände zu beschmutzen. Hab ich mich klar ausgedrückt?
Die \"Story\" (dieses Wort erscheint ein bisschen als Kompliment): Joe Enders, ein amerikanischer Marine-Offizier im zweiten Weltkrieg, hat Schuldgefühle, weil er seine Einheit bei einer Pazifik-Schlacht hat verrecken lassen, anstatt ihr den Rückzug zu gestatten. Wie kompensiert er das am Besten? Indem er gar schummelt, um trotz seiner schweren Verletzung möglichst schnell wieder zum Kriegseinsatz bereit zu sein, damit er die Japaner für seine Fehler leidern lassen kann. Es geht auf die Insel Saipan, ein strategisch wichtiges Stück Dreck in Fliegerreichweite von Tokyo. Aber sein Einsatz ist diesmal von anderem Kaliber. Das amerikanische Militär hat ein paar Navajo geschickt, die einen Code beherrschen, der wiederum auf ihrer Sprache basiert. Dieser Code erweist sich als eine harte Nuss für Japan. Und das soll auch so bleiben. Der Befehl lautet: Der Codeträger Ben Yahzee muss um jeden Preis geschützt werden. Wenn Gefahr besteht, dass er in Feindeshand fällt, soll Enders ihn töten.
Enders möchte Yahzee zunächst nicht zu nahe kommen, da er fürchtet, sonst eventuell Skrupel zu haben, sollte er ihn töten müssen. Aber natürlich freunden sie sich doch irgendwie miteinander an – Zeit für ein bisschen schwer erträgliches spirituelles Gefasel über die Navajo. Der Einsatz wird dann ein Himmelfahrtskommando mit unzähligen Toten auf beiden Seiten. Am Schluss gewinnen dann die Guten. Aber viele von den ganz besonders Guten sind mal wieder ziemlich jung gestorben.
Mehr passiert in diesem zweieinviertelstündigen Martyrium nicht. 90 Minuten hätten gut und gern herausgekürzt werden können, ohne die Handlung wesentlich einschränken zu müssen. Der grösste Teil des Filmes besteht nämlich aus ellenlangen Gemetzelszenen, in denen Enders eigenhändig etwa 37.142 Japaner niederschießt, -sticht, -brennt, -handgranatet oder sonstwie abschlachtet. Vielleicht gibt es ja Leute, die auf sowas stehen. Aber die möchte ich nicht kennenlernen.
In diesem Film ist die heile Welt des Krieges noch voll in Ordnung. Der böse Feind ist der böse Feind. Exemplarisch lässt sich das an einer Szene beschreiben: Guter amerikanischer Soldat gibt kleinem japanischen Mädchen mitten im wildesten Getümmel Schokolade. Natürlich wird er dabei von bösem Japaner über den Haufen geschossen, kann das Mädchen aber durch Aufgabe des eigenen Lebens in Sicherheit bringen. Noch Fragen?
So geht das in einem fort. Groteskerweise haben die japanischen Soldaten keine wirklichen Gesichter, dennoch fällt den Alibi-Rassisten im amerikanischen Lager (keine Sorge, die werden natürlich später noch bekehrt) die Ähnlichkeit der Navajo mit den Feinden auf. Auch aus diesem rassistischen Quatsch lässt sich noch eine Heldentat zurechtspinnen: Yahzee zieht eine japanische Uniform an und geht mit Enders als \"Gefangenem\" rüber in die feindlichen Stellungen, wo sie zu zweit ungefähr hundert von den Bösen erledigen. Es ist einfach nicht auszuhalten.
Bei all dieser geballten Action verbreitet der Film vor allem eines: Gähnende Langeweile. Soviele Explosionen wie hier habe ich in den letzten fünf Jahren zusammen nicht auf der Leinwand gesehen. Irgendwann verliert es seinen Schrecken und wiederholt sich immer und immer wieder. Vermutlich war der Streifen extrem teuer, aber das braucht die VerursacherInnen nicht zu schrecken: Sicherlich wird das amerikanische Militär helfend unter die Arme greifen. Denn bessere Werbung könnte es sich nicht wünschen. Wo Töten doch so schön sein kann.
Zu alledem kommt noch, dass die erste Szene, in der der Code zum Einsatz kam, schon fast zum Lachen ist: Nachdem die wackeren Frontsoldaten die Position der Bösewichte ausfindig gemacht haben, funkt einer der Codeträger diese zu den Schlachtschiffen rüber. Ungefähr 10 Sekunden später ballern diese die japanischen Stellungen in Schutt und Asche. Warum dieser Funkspruch nicht auf englisch übermittelt wird, ist mir völlig rätselhaft – so wird ein Code eher gefährdet als sinnvoll eingesetzt. Später ändert sich das dann aber wenigstens – und das ist auch schon das Positivste, was sich über diesen Film sagen lässt.
Garniert wird der ganze Mist noch mit einem Haufen schöner klischeehafter Szenen: Unbeantwortete Briefe von der Verehrerin, Familienfotos im Helm – Moment, jetzt hat es schon seit zwei Sekunden heftig gemenschelt, da müssen unsere Jungs erstmal wieder hingehen und ne Hundertschaft Japaner niedermachen. Puh, das tut gut.
Als dann der Satz fällt \"You’re a damn good fucking marine\", hoffe ich darauf, dass der ja von Schuldgefühlen geplagte Enders das wenigstens zurückweist – ich erwarte zumindest irgendeine zynische Reaktion. Aber er nimmt das schweigend an. Offenbar sollen amerikanische Soldaten genau so sein. Tiefere Weisheiten zuhauf finden sich auch in Zitaten wie \"Ours is not to question why, ours is but to do or die\" (Es ist nicht an uns, nach dem Warum zu fragen, unsere Aufgabe ist es, zu handeln oder zu sterben). Gute Güte, ich glaube, das wird hier ernsthaft als Ideal in den Raum gestellt.
Die meisten Schauspieler (in den Rollen des Schlachtviehs finden sich unter anderen Christian Slater, Noah Emmerich, Peter Stormare und Mark Ruffalo, dazu kommt Adam Beach als Ben Yahzee) verdienen eine weitere Chance. Dem von mir einst einigermaßen geschätzten Nicholas Cage aber, der den Joe Enders spielt, ist zu wünschen, dass er in Zukunft keine Rollen mehr bekommt. Was er hier schauspielerisch abliefert, ist einfach unter aller Sau. Natürlich legt ihn das \"Drehheft\" (ein Buch kann es kaum gewesen sein) an eine sehr kurze Leine, aber er hätte ja auch ablehnen können. Ein Turm in der Schlacht, ein wahrer Held – und dabei nichts als eine Witzfigur. Habe selten einen so tiefen Fall eines Schauspielers beobachtet. Während der ruhigeren Szenen ist es so gerade noch eben erträglich, aber während der stundenlangen Gewaltorgien ist seine Ausdruckslosigkeit schlicht peinlich. Dramatik kann nicht allein dadurch erzielt werden, dass wir dem Hauptdarsteller Dreck ein bisschen ins Gesicht schmieren – aber mehr wird hier gar nicht erst versucht.
Und dabei hatte das eigentliche Thema (und auch manche Kritiken, die ich zuvor las) doch durchaus interessant geklungen. Was passiert, wenn ich jemanden um jeden Preis schützen muss, den ich nicht mag, und wenn ich ihn dann endlich mag, muss ich ihn töten? Diese Frage wird in den Raum gestellt, aber da die Figuren gänzlich konturlos bleiben, kommt dabei nichts heraus. Verpasste Chance. Die letzte, die ich den Beteiligten gegeben habe.
Muss ich noch ein Fazit ziehen? Na gut: \"Windtalkers\" ist ein Film über strahlende Helden und finstere Feinde, die abzuschlachten ein wahres Fest ist. Die amerikanische Armee ist sowas von super, dass ich gleich mal schauen muss, ob ich mich da auch als Ausländer verpflichten kann, zumal ich nach dem Genuss dieses Filmes auswendig weiß, wie deren Fahne aussieht. Die Story ist wie hingeschissen und die schauspielerischen Leistungen des Oberhelden eine Katastrophe. Kompensiert wird das durch stundenlange Action-Szenen, die uns offenbar nichts weiter sagen sollen. Und es reicht nicht, diesen Film einfach zu vermeiden: Droht den Kinos Eures Vertrauens am Besten, sie künftig zu boykottieren, wenn sie es wagen, mit diesem Propagandamist ihre Leinwände zu beschmutzen. Hab ich mich klar ausgedrückt?
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