Wir waren Helden (VHS) Testbericht
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Erfahrungsbericht von MatthiasHuehr
Wer waren die wahren Helden?
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Zwei Genres in der Filmbranche sind völlig überflüssig. Zum einen sind es „Science Fiction“ - Filme, die mit ultramodernen Massenvernichtungswaffen aufwarten können und Kriegsfilme, die mit detailgetreuen Nahaufnahmen übermäßige Gewalt darstellen. Da es anscheinend noch zuwenig Filme der zweiten Kategorie gibt, beglückte uns Hollywood mit einer neuen Verfilmung über die Geschehnisse im Vietnamkrieg, wobei man auf wahre Begebenheiten zurückgegriffen hat. Daß man die Geschichte von existierenden Menschen nacherzählt, sorgt für eine relativ hohe Glaubwürdigkeit der Handlung, doch leider sind ein paar Details so hingebogen worden, daß die Betrachtung der Vorfälle recht einseitig ausgefallen ist. Die Darstellung des amerikanischen Blickwinkels auf diese Ereignisse, hat einen so extremen Touch in Bezug auf Patriotismus, daß man nach dem zweifelhaften Genuß des Filmes der Auffassung ist: Goebbels hätte es nicht viel besser machen können. Hätte ein deutscher Regisseur einen so gearteten Film über die Schlacht um Stalingrad gedreht, hätte er garantiert eine Anklage wegen Verbreitung rechtsradikalen Gedankengutes am Halse.
Kritiker behaupteten zwar, daß sich der Film sich von den übrigen Machwerken insoweit unterscheidet, daß man der vietnamesischen Seite auch ein paar menschliche Züge verpaßt hat. Dem ist aber nicht so. In einer Szene sieht man zwar einen vietnamesischen Soldaten ein Tagebuch schreiben, in dem ein Foto von seiner Frau liegt, aber diese Tatsache wurde schamlos ausgeschlachtet. Im späteren Verlauf der Handlung fällt dieser Vietnamese auf dem Schlachtfeld und sein Tagebuch wird von einem Amerikaner entdeckt. Großmütig wie wahre Helden nun mal sind, wird das Tagebuch durch sie zusammen mit einem anerkennenden Brief an die trauernde Witwe gesendet. Die kurz angedeutete menschliche Seite der Vietnamesen wird schamlos ausgeschlachtet, indem man durch das angebliche Mitgefühl das eigene Handeln, welches nicht gerade moralisch vertretbar war, in einem besseren Licht erscheinen lassen konnte. Peinlich nur, daß mit dem Abflug in die Heimat der Rest des Vietnamkrieges unter den Tisch gefallen ist, inklusive der humanitären Hilfe in Form von Napalmbomben ...
Damit man eine gute Rechtfertigung für den Krieg hat, beginnt der Film dementsprechend brutal. Eine französische Legion zieht nichtsahnend durch einen Wald, bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie durch vietnamesische Truppen überfallen und gnadenlos niedergemetzelt werden. Damit ist erst einmal geklärt, daß die Vietnamesen die Bösen sind. Blutrünstig und brutal haben sie bemitleidenswerten und naiven Franzosen, die sich nur auf einem „Waldspaziergang“ befanden, niedergemacht. Da müssen doch die Retter der Menschheit ran und dafür sorgen, daß die Übeltäter bestraft werden. Den Fakt, daß es sich dabei um den Befreiungskampf eines Landes gegen seine Besatzer handelte, wird einfach so unter den Tisch fallen gelassen und so der Spieß umgedreht. Die Vietnamesen werden nicht als die Freiheitskämpfer dargestellt, sondern als blutrünstige Mörder. Die Bezeichnung des Vorfalles als Massaker wird den Zuschauer noch lange im Film verfolgen.
Der amerikanische Colonel Hal Moore wird von seiner Armeeführung beauftragt, eine neue Einheit zu befehligen, die eine neuartige Kriegführung mittels Helikoptern durchführen soll. Und so beginnt man damit, den Amerikanern ein Gesicht zu geben. Man zeigt ihre persönlichen Probleme und ihr Familienleben, so daß man sich zwangsläufig auf ihre Seite schlagen müßte. Und so bekommt man mindestens 30 Minuten das Familienlieben der Hauptdarsteller in einer langatmigen Art und Weise zu sehen, so daß die Langeweile Überhand nimmt. Die krassen Unterschiede der Darstellung sollen nur bewirken, daß die Sympathien auch ja „richtig“ herum verteilt werden. Wie kann man verantwortungsvolle Familienväter und Ehemänner unsympathisch finden, wenn die Gegner nur hinterhältige und blutrünstige Mörder sind? Damit man immer an die brutale Anfangsszene erinnert wird, bekommt man öfters eine Einstellung mit dem Colonel zu sehen, der ein Buch über den Krieg liest, in dem ein Foto abgebildet ist, auf dem das Massaker zu sehen ist. Wie heißt es so schön, man muß eine Aussage nur oft genug hören, irgendwann glaubt man sie.
Nachdem die Ausbildung der Soldaten abgeschlossen worden ist, begeben sie sich in einer äußerst patriotischen Art und Weise in der Nacht zum Flughafen, von dem aus sie in das Feindesland geflogen werden. Spätestens seit diesem Zeitpunkt ist das Popcorn alle, so daß man was zu sehen bekommen sollte. Colonel Moore und seine Leute werden mit den Helikoptern in den Urwald geflogen und werden durch die Feinde eingeschlossen. Ein gnadenloser Kampf ums Überleben beginnt. Colonel Moore ist ein Vorbild für seine Leute und verteilt ständig seine Befehle. Der Schwachpunkt an der Darstellung ist nur, daß die Kugeln nur so durch die Luft fliegen und ständig Leute getroffen werden, nur Moore nicht, obwohl er in einer Szene die ganze Zeit auf einer Wiese aufrecht seine Befehle verteilt hat. Man versuchte wohl damit das Bild eines unverletzlichen Freiheitskämpfers zu erzeugen, was auf mich eher lächerlich und völlig unglaubwürdig wirkte.
Auch der Tod der einzelnen Soldaten wurde ins Lächerliche gezogen. Ich erinnere mich nur zu gut an die Stelle, in der ein Amerikaner einem verwundeten Soldaten moralisch beisteht und im Kraft zureden möchte und dieser darauf antwortet: “Ich bin stolz für mein Land sterben zu können“! Ich zitiere dazu meine Sitznachbarin, welche es nicht lassen konnte, den Film zu kommentieren: “Was für eine Patriotismusscheiße ...“ Mehr bräuchte man dazu wohl nicht zu sagen, denn wenn die Wunden sehr stark schmerzen, dann macht man seinen Schmerzen verbal Luft, aber redet nicht so einen geistigen Dünnschiß. Andere Aussprüche a la „Sag meiner Frau, daß ich sie liebe!“ waren schon sehr viel glaubwürdiger. Damit man die Moralkeule weiter schwingen kann, wird die Nachricht über den Tod der Soldaten in der Heimat sehr sentimental propagiert. Colonel Moores Frau bekommt die Tatsache mit, daß die Telegramme nur durch einen Taxifahrer überbracht werden. Sie verlangt, daß sie die Telegramme bekommt, so daß sie den Witwen Trost spenden kann. Zusammen mit einer Freundin spielt sie den Todesengel, welcher den zukünftigen Witwen die schlechte Nachricht überbringt. Und wieder ist die Darstellung nur einseitig ausgefallen. Während der Krieg den Amerikanern selbst im Heimatland viel Leid brachte, wurde die Seite der Vietnamesen außer acht gelassen. Ach ich vergaß, das waren doch die blutrünstigen Mörder ...
Irgendwann kam es zur Entscheidungsschlacht, bei der es zu großen Verlusten auf beiden Seiten kam, die amerikanischen Truppen aber den Sieg davontrugen. Nur wenige Soldaten haben die Schlacht überlebt aber sie haben gesiegt. Bei ihrem Abflug sieht man ein kleines Fähnchen in einem Baumstamm flattern ... bis die übriggebliebenen Vietnamesen das ehemalige betreten. Der General nimmt das Fähnchen in die Hand und führt mit seinem Adjutanten ein Gespräch, wessen Resultat die Einsicht war, daß es ein amerikanischer Krieg war. Zu guter Letzt steckt der General das Fähnchen wieder an die ursprüngliche Stelle zurück. Und das soll man etwa glauben? Ich finde es ziemlich peinlich, daß man eine derartige Geschichtsfälschung durchführte, damit man den amerikanischen Patriotismus propagieren konnte. Das Schlachtfeld verschwindet langsam aus dem Bild und was man sieht, ist das flatternde Fähnchen ... Die Abschlußszene war einfach nur ... , denn mir fehlen die Worte um ausdrücken zu können, wie angewidert ich von der Selbstbeweihräucherung war.
Der Film bietet zwar im Teil mit der Schlacht eine gewaltige Bilderflut, welche viel Brutalität und Gewalt zeigen, aber ansonsten kann man ihm nicht allzuviel Positives abgewinnen. Die einseitige Darstellung der Handlung ist nicht gerade das, was man unter Vergangenheitsbewältigung verstehen kann. Man hätte auch das Leid des Landes zeigen können, was man überfallen hatte. Da eine Armee eines Aggressors als Helden dargestellt wird, finde ich völlig unangebracht, denn ich kann in dem Verhalten nichts heldenhaftes erblicken. Die Handlung beruht zwar auf wahren Begebenheiten, die Drehbuchautoren haben aber zuviel umgeschrieben, so daß die Glaubwürdigkeit zum Großteil auf der Strecke geblieben ist. Und so ist es auch völlig verständlich, daß die Schauspielerischen Leistungen nicht gerade sehr überzeugend wirkten. Der erste Teil des Filmes erinnerte mich irgendwie an eine Seifenoper, denn die Darstellung der heilen Welt war einfach nur zu schleimig.
Fazit
Der Film war einfach viel zu schlecht, um irgendeinen Besucher der Sneakpreview auch nur im geringsten begeistern zu können. Es gingen sogar einige der anwesenden Besucher während des Filmes los, weil sie mehr oder weniger enttäuscht waren. Ich würde diesen Film daher nur Leuten empfehlen, die ich aus tiefsten Herzens hasse. Ich persönlich habe seit ein paar Jahren keinen Film gesehen, der mich so stark angewidert hat. Eine weitere Ausführung zur Begründung meine Bewertung erübrigt sich für mich daher.
PS
Da nicht alle Kritiker von der Filmbranche geschmiert wurden, gibt es im Kultur Spiegel folgende Beurteilung nachzulesen: „Übler Vietnam-Revisionsmus des Autors von "Braveheart" und "Pearl Harbor". Eine derart klischeetriefende, plumpe und in ihrer ideologischen Dreistigkeit unfreiwillig komische Frontschwein-Hymne war wohl seit John Waynes "Die grünen Teufel" von 1968 nicht mehr zu sehen.“
63 Bewertungen, 20 Kommentare
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06.03.2007, 19:05 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLG Damaris :-)
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08.10.2006, 02:29 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreichlg Anita
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29.09.2006, 10:02 Uhr von campimo
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Berich! Liebe Grüße
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09.09.2006, 17:39 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichguter Bericht - nicht mein Film
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07.09.2006, 14:09 Uhr von Engal00
Bewertung: sehr hilfreichEin schöner Berich! Liebe Grüße Anja
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23.08.2006, 19:57 Uhr von Hatma
Bewertung: sehr hilfreichSH, LG Hatma
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22.08.2006, 17:36 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh :o)
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22.08.2006, 14:52 Uhr von babysly2000
Bewertung: sehr hilfreichIch hab den Film nach kurzer Zeit aus geschaltet, ein Kollege findet ihn total super! Ich denke wenn man auf so Kriegszeug steht, dann ist er das Richtige, ansonsten nicht zu empfehlen! Guter Bericht! Grüße Sly
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22.08.2006, 10:45 Uhr von Tweety30
Bewertung: sehr hilfreichsh. Sonnige Grüße, Tweety30! ☼
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22.08.2006, 10:44 Uhr von phobee
Bewertung: sehr hilfreichDas kann man sich dann wohl sparen.... Klasse Bericht! LG, Pia
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22.08.2006, 10:40 Uhr von samatweb
Bewertung: sehr hilfreichToller Bericht! Gruß
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22.08.2006, 10:25 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLieben Gruss, Manuela :o)
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22.08.2006, 04:30 Uhr von sudden23
Bewertung: sehr hilfreichlg Martin
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22.08.2006, 04:16 Uhr von bigmama
Bewertung: sehr hilfreichsh, LG Anett
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22.08.2006, 01:51 Uhr von maus1991
Bewertung: sehr hilfreichsh :-) yvonne
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22.08.2006, 00:12 Uhr von HiRD1
Bewertung: sehr hilfreich~~ SH. Gruß, Ralf ~~
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21.08.2006, 23:26 Uhr von Estha
Bewertung: sehr hilfreich☼☼☼ ... lg susi ... ☼☼☼
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21.08.2006, 23:00 Uhr von ShortBrini
Bewertung: sehr hilfreichschöner Bericht....Brini
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21.08.2006, 22:58 Uhr von waltraud.d
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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21.08.2006, 22:39 Uhr von LilaLisa
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüsse Lisa ;-D
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