Das Washington-Dekret (gebundene Ausgabe) / Adler-Olson, Jussi Testbericht
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- Niveau:
- Unterhaltungswert:
- Spannung:
- Humor:
- Stil:
Erfahrungsbericht von dik1609
Fast so wie die Altmeister
Pro:
Ungemein spannend und lebendig
Kontra:
Oftmals weit entfernt von der Realität
Empfehlung:
Ja
Der Kauf
Das 2013 im Deutschen Taschenbuch-Verlag erschienene gebundene Werk mit 656 Seiten und einem für Reisen eher nicht geeigneten Gewicht von mehr als 750 Gramm wurde beim Internet-Anbieter buecher.de bestellt. Fällig dafür waren 19,90 Euro, geliefert wurde nur zwei Tage nach der Bestellung per DHL.Das Aussehen
Ds Buch im Format 22 mal 14 Zentimeter ist in dunkelblauem Leinen gebunden und verfügt über ein hilfreiches graues Lesebändchen. Umgeben wird es von einem papiernen Schutzumschlag, der auf seiner Vorderseite in besonders großer Schrift den Namen des Autoren und etwas kleiner den seines Werkes nennt. Daziwschen ist das Bild einer arg ramponierten US-Flagge und einer mit Blut getränkten Schreibfeder zu sehen. Auf den Innenseiten dieses Umschlags gibt es eine Inhaltsangabe (vorn) und ein Porträt des Autoren.Der Inhalt (Buchumschlag)
Als die Frau des amerikanischen Präsidenten Bruce Jansen und ihr ungeborenes Kind bei einem Anschlag kaltblütig ermordet werden, gerät der neu gewählte US-Präsident völlig aus dem Gleichgewicht. Er trifft zunehmend irrationale Entscheidungen, die schwerwiegende Folgen nach sich ziehen - sowohl für ihn als auch für die gesamte Bevölkerung der USA. Konkret geht es um ein Law-and-order-Programm, später als das "Washington-Dekret" bezeichnet, das das Land binnen kürzester Zeit in einen gefährlichen Ausnahmezustand bringt: Unruhen im Inneren verstören die Bevölkerung, die diplomatischen Verbindungen ins Ausland frieren ein. Ziel des Präsidenten ist es vorgeblich, Amerika zu einem friedlicheren Land zu machen - praktisch aber bedeutet das Washington-Dekret die Außerkraftsetzung der Verfassung, den Entzug zahlreicher Bürgerrechte, die Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit.Doggie Rogers, Mitarbeiterin im Stab des Präsidenten, steht nach dem Attentat unter Schock - nicht zuletzt, weil ihr eigener Vater des Mordes angeklagt und zum Tode verurteilt wird. Auf der Suche nach der Wahrheit wird Doggie zur meistgesuchten Frau der USA. Mit Hilfe von Freunden versucht sie, ein perfides Komplott aufzudecken. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Kann Doggie ihren Vater vor der Hinrichtung und das ganze Land vor einem Bürgerkrieg bewahren?
Der Autor
Jussi Adler-Olsen wurde 1950 in Kopenhagen geboren. Seit 1997 veröffentlicht er Romane, seit 2007 die erfolgreiche Serie im Carl Mörck vom Sonderdezernat Q. Mit den Thrillern "Erbarmen", "Schändung", "Erlsöung", "Verachtung" sowie seinen Romanen "Das Alphabethaus" und "Das Washington-Dekret" stürmt er die internationalen Bestsellerlisten. Seine vielfach preisgekrönten Bücher wurden in über 30 Länder verkauft, die Filmrechte an der Sonderdezernat-Q-Serie hat Lars von Triers Produktionsforma Zentropa erworben.Leseprobe
Doggie war zwar erst vierzehn, aber sie wusste, dass Märchen nicht nur einen schönen Anfang haben, sondern manchmal auch ein böses Ende nehmen. Ihr Märchen hätte kaum schlimmer ausgehen können.Begonnen hatte es so: Das Büro von Gouverneur Jansen schlug dem größten Lokalsender Virginias eine neue Quizsendung vor. Dafür stellte man auch gleich etwas Startkapital zur Verfügung. Es sollte ein Länderquiz werden, bei dem man zunächst
erraten musste, welche chinesische Stadt die meisten Einwohner hatte. Der Lokalsender stieg ein.
Unter den 48 Teilnehmern der ersten Runde war ein vierzehnjähriges Mädchen. Eine kleine Sensation! Nun galt es, vier Wochen lang die Spannung aufrechtzuerhalten, denn für das Wahlkampfbüro von Gouverneur Jansen sollten sich die finanzielle und die moralische Unterstützung der Show schließlich lohnen.
Die beiden ersten Sendungen wurden am Nachmittag ausgestrahlt, aber dann bekam die Show einen Sendeplatz zur Primetime. Die Presse schoss sich schnell auf das Schulmädchen mit dem reizenden Lächeln ein, das als mögliche Gewinnerin
gehandelt wurde - und drei Viertel der Zuschauer in Virginia wanderten von den übrigen Fernsehsendern ab. Das war ein neuer Rekord. "Rund um die Welt" hatte sich zum reinsten Straßenfeger entwickelt. An Sendetagen stieg der Verkauf von Snacks und Sixpacks in beachtliche Höhen. Die Fernsehleute jubelten über die Einschaltquoten.
Überall in Virginia wurden Wetten abgeschlossen. Alle hatten ihre Favoriten.Viele setzten auf den Sheriff aus einem der kleinsten Countys von Virginia, andere auf eine üppige Blondine mit Silikonbusen und passenden Hüften, aber die weitaus meisten wetteten auf die Jüngste aus der Runde, das Mädchen mit den Grübchen, Dorothy Curtis: Doggie.
Sie war schnell, sie wusste mehr als die meisten erwachsenen Teilnehmer, und sie lachte sich scheckig über die angestrengten Witze des Moderators. Die Herzen der Zuschauer flogen ihr zu, und alle wollten sehen, ob sie es bis in die Endrunde
schaffte.
Drei Wochen und drei Sendungen später standen die drei Sieger fest. Und was für welche! Gouverneur Jansen strahlte, das Honorar des Moderators wurde verdoppelt und die Zeitungen waren schier außer sich.
Den ersten Preis gewann Rosalie Lee aus New York, eine dicke schwarze Frau, die zufällig und zum ersten Mal überhaupt ihre Schwester Josephine in Virginia besucht hatte. Rosalie war ein Prachtexemplar von einer Frau, mit Zähnen wie Perlen und einem ansteckenden Lachen, und sie verstand es, das Publikum zu unterhalten. Nur einen Punkt Rückstand hatte T. Perkins, der farblose, aber ausgesprochen freundliche Sheriff aus dem Nordwesten Virginias. Er war früher einmal der beste Dartspieler des Landes gewesen. Dritte wurde tatsächlich Doggie Curtis, das Mädchen mit den Lachgrübchen. Was für ein Triumph! Beliebter und unterschiedlicher hätten die Sieger nicht sein können - alle Beteiligten waren zufrieden. Bei diesem Ergebnis konnte sich keine Bevölkerungsgruppe übergangen fühlen.
Meine Meinung
Bei der Beurteilung dieses Thrillers ist es wichtig zu wissen, dass der lange vor der Carl-Mörck-Reihe entstand und schon im Jahre 2006 erstmals verlegt wurde. Damals interessierte sich auf dem deutschen Markt offenbar niemand für diesen dänischen Autoren - als der aber immer erfolgreicher wurde, erinnerte man sich seiner frühen Werke, die entsprechend mit sieben Jahren Verspätung auch dem hiesigen Publikum angeboten wurden.Natürlich ist die von Adler Olsen beschriebene Geschichte fiktiv. Aber immer wieder entdeckte ich, dass da ja auch ein Körnchen Wahrheit enthalten sein könnte, zumal der Däne seinen Thriller schrieb, als George Bush noch US-Präsident war und "Law and Order" das Regierungsprogramm beschrieben. Geschickt allerdings ist es, dass er einen vermeintlich liberalen Politiker sogar noch über die Bush-Ziele hinausschießen lässt. Merke: Nicht jeder, der Gutes im Sinn hat, vermag das auch umzusetzen. Dass Adler Olsen sich die dichterische Freiheit zur einen oder anderen Logik-Lücke nimmt, hat mich beim immer atemloser werdenden Lesen nicht wirklich gestört. Zum einen schildert er die ausufernde Macht einzelner Männer wie die des US-Präsidenten, im Hintergrund aber lässt er Verschwörer arbeiten und kann es diesbezüglich problemlos mit Altmeistern wie John le Carré oder Robert Lludlum aufnehmen. Das ist schon geschickt zusammen gestrickt, was da unter dem Label der Gut-Menschen alles passiert. Und der geneigte Leser ahnt es schon: Eigentlich geht es gar nicht um die große Politik, sondern um das Machtstreben Einzelner.
Die Zutaten zu einem derartigen Thriller sind schnell gefunden: Eine Gesellschaft, die mit sich selbst nicht zufrieden ist: eine Handvoll Bösewichter, ein unschuldig Verdächtigter und viele Gute, von denen übrigens auch nicht alle das Ziel erreichen. Nach verhaltenem Beginn steigert der Autor in seinem Roman das Tempo mehr und mehr, sorgt für Action in der Handlung und zugleich für ein beklemmendes wie ungeduldiges Gefühl beim Leser, der die Orwellschen Ausmaße, die der Staat namens USA mehr und mehr annimmt, einfach nicht wahrhaben will: Das kann doch nicht wahr sein, dass ein Mann und viele Mitläufer, die zum Teil selbst wissen, dass das, was sie tun, nicht richtig ist, die aber keinen Ausweg aus dem einmal eingeschlagenen Weg mehr finden, eine Gesellschaft derartig verändern. Der Leser hat Recht: Das kann nicht sein. Es würde in der Realität mehr als das Häufchen Widerständler geben, das Adler Olsen in seinen Roman eingebaut hat. Aber der Däne warnt eindringlich vor den Anfängen - und die hat es unter Bush in den USA eindeutig gegeben. Dass linke oder rechte politische Richtung dabei nicht entscheidend sein müssen, macht er zudem überdeutlich.
Mich hat das "Washington-Dekret" auf jeden Fall gefesselt, die Spannung war für mich nahezu körperlich greifbar, was auch daran liegt, dass der Autor es einfach perfekt versteht, handelnde Personen zu schildern und im Kopf des Lesers zu lebendigen Menschen zu machen. Und so habe ich gemeinsam mit Doggie und ihren Mitstreitern gezittert, habe mich zum Teil auch an Grishams "Das Geständnis" erinnert gefühlt und mich immer wieder gefragt, wie nahe dieser Roman der Realität kommen könnte. Die meisten Kritiker waren sich übrigens einig, dass er sehr weit davon entfernt ist. Ich bin mir da nicht so sicher.
Die Einteilung des Buches in Prolog, 45 Kapitel und Epilog sollte eigentlich dafür sorgen, dass der geneigte Leser bei seiner Lektüre auch Pausen einlegen kann, zumal ein Kapitelende oftmals auch für eine andere Handlungsebene oder Sichtweise sorgte. Ein Kapitel-Ende, das oftmals auch noch einen Cliffhanger beinhaltete, vermochte mich aber nur selten vom Lesen abzuhalten, so dass ich in einigen Nächten weniger Schlaf bekam als eigentlich vorgesehen. Insgesamt habe ich für die mehr als 650 Seiten übrigens nur eine knappe Woche benötigt - Adler-Olsen hatte mich auf eine Reise mitgenommen, die ich nur ungern unterbrach und das Ziel herbeisehnte. Das habe ich inzwischen hinter mir. Und jetzt freue ich mich auf seinen nächsten Roman aus der Carl-Mörck-Reihe.
23 Bewertungen, 12 Kommentare
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06.12.2013, 22:45 Uhr von anonym
Bewertung: besonders wertvollbw und lg
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05.12.2013, 19:05 Uhr von anonym
bw folgt.lg
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04.12.2013, 19:46 Uhr von anonym
Bewertung: besonders wertvollBW und LG
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04.12.2013, 19:36 Uhr von anonym
Bewertung: besonders wertvollLG Damaris
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04.12.2013, 17:53 Uhr von Lale
Bewertung: besonders wertvollAllerbesten Gruß *~+
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04.12.2013, 16:01 Uhr von katjafranke
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße KATJA.
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04.12.2013, 13:34 Uhr von Gi22Fr
Bewertung: besonders wertvollLiebe Grüße Gitte
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04.12.2013, 11:36 Uhr von geligiraffe
Bewertung: sehr hilfreichSh dein Bericht. Lg Angelika
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04.12.2013, 10:57 Uhr von Tweety30
Bewertung: besonders wertvollBW & liebe Grüße!
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04.12.2013, 10:28 Uhr von mausi1972
Bewertung: besonders wertvollLieben Gruß...Marion
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04.12.2013, 10:25 Uhr von BoxerRocko
Bewertung: sehr hilfreichLiebe Grüße
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04.12.2013, 08:59 Uhr von HEIDIZ
Bewertung: sehr hilfreichui, so ne lange Leseprobe .... - super beschrieben - lg heidiz
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