... denn zum Küssen sind sie da (DVD) Testbericht

Denn-zum-kuessen-sind-sie-da-dvd-thriller
ab 14,57
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 05/2008

5 Sterne
(1)
4 Sterne
(3)
3 Sterne
(2)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von emmtie

Guter Thriller oder schlechte Romanverfilmung?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Nachdem ich den Roman, der als Vorlage zu diesem Film diente, gelesen (und ja auch besprochen) hatte, bin ich jetzt dazu gekommen, mir den Film auf Video anzuschauen und mir ein eigenes Bild von der Umsetzung zu machen.

Aber erst einmal wieder ein paar Worte zu Handlung; ohne allzu viel von der Spannung zu nehmen:

Handlungszusammenfassung:

Alex Cross, Polizeipsychologe in Washington und gespielt von Morgan Freeman, wird darüber benachrichtigt, dass seine Nichte an ihrem Studienort im North Carolina seit einigen Tagen vermisst wird. Als er dort eintrifft, um zu helfen, muss er erfahren, dass seine Nichte nicht die einzige Frau ist, die vermisst wird. Scheinbar handelt es sich um einen Serientäter und drei seiner Opfer wurden schon tot aufgefunden. Dann wir eine weitere Frau, eine junge Ärztin (Ashley Judd),ebenfalls entführt, unter Drogen gesetzt und an einem geheimen Ort gefangen gehalten, an dem auch die anderen Frauen sind. Ihr gelingt die Flucht, aber aufgrund der Drogen kann sie sich nicht erinnern, wo der Ort ist. Einige Spuren des Falles weisen auf einen weiteren Serienverbrecher in Los Angeles. Zusammen versuchen der Polizeipsychologe und die Ärztin den Verbrechern auf die Spur zu kommen und die festgehaltenen Frauen zu finden.


Meine Meinung:

Wie setzt man bei einer Filmkritik an, bei der man den zugrundeliegenden Roman gut fand. Beurteilt man den Film danach, wie gut die Vorstellung, die man sich beim Lesen gemacht hat, umgesetzt wurde? Oder löst man sich vom Buch und versucht den Film als ganz eingeständige Interpretation der gleichen Grundidee zu sehen?

Ich persönlich würde mich selbst eher als „Buchmenschen“ bezeichnen, da für mich die Freiheit, sich die eigenen Vorstellungen der Personen, des Umfeldes und der Handlung im Kopf umzusetzen, wichtig ist. Daher habe ich auch bewusst erst den Roman gelesen und dann erst den Film angeschaut. Und wenn ich den strengen Maßstab des Buches als Grundlage nehmen würde, wäre der Film nicht gelungen.

Denn vieles in diesem Film stimmt überhaupt nicht mehr mit dem Buch überein. Ich kann ja verstehen, dass man nicht alle Nebenhandlungen und Anmerkungen eines Buches in die etwas mehr als 100 Minuten eines Filmes unterbringen kann. Doch warum dann so extrem vereinfacht wird, ist nicht ganz verständlich. Ich will nicht zuviel verraten; daher nur ein paar Andeutungen. Der Handlungsfaden mit dem 2 Serientäter in L.A. kommt im Vergleich zum Buch viel zu kurz. Auch die Motivation der Täter wird im Buch deutlicher. Einiges im Beziehungsgeflecht der Personen wird stark vereinfacht, teilweise so gar verändert(FBI – Alex Cross – lokale Polizei). Ebenso wird das Ende zwar nicht sinnverfälscht, aber sehr verkürzt.

Was mir weiterhin aufgefallen ist, ist eine Veränderung des Grundtempos. Der Autor Patterson hat die Eigenart, in vielen sehr kurzen Kapiteln zu schreiben. Dies macht seine Romane von Anfang an schnell mit vielen kurzen Handlungsstücken. Der Film beginnt eher gemächlich und auf von der Optik langsam.

Und zu guter letzt habe ich, wenn ich den Roman als Grundlage nehme, etwas Probleme mit dem Hauptdarsteller. Dies mag an meinen persönlichen Vorstellungen beim Lesen liegen, aber ich hätte niemals Morgan Freeman als Alex Cross gesehen. Die Romanfigur wirkt etwas jünger und rauer.


Doch betrachte ich den Film auch einmal so, als würde ich das Buch nicht kennen. Und schon erkennt man, dass hier ein hervorragender Thriller vorliegt. Eine spannende, in sich schlüssige Geschichte, die man nicht schon nach 5 Minuten durchschaut. Unerwartete Wendungen in der Handlung und Spannung bis zum Schluss. Was will man eigentlich von einem Film mehr? Wenn man nicht „vorbeinflußt“ ist wie ich, muss man ehrlich zugeben, dass sowohl Morgan Freeman als Hauptdarsteller als auch Ashley Judd als Ärztin sehr überzeugend sind. Und die filmische Umsetzung, insbesondere die Szenen der Flucht unter Drogen durch den Wald oder einige Schnitttechniken (Alex Cross beim Nachdenken und dabei Schnitte auf die gefangenen Frauen), sind sowohl innovativ als auch gut. Der ganze Film in sich ist stimmig.

Wie soll ich nun zusammenfassend einen solchen Film bewerten? Ich glaube, ich würde diesen Film in gewisser Hinsicht in eine Reihe mit „Shining“ von Stephen King setzten (wenn er auch nicht ganz so gut wie dieser ist). „Shining“ ist für mich eines der wenigen Beispiele, bei dem ein hervorragendes Buch filmisch ungesetzt wurde und dadurch ganz andere Aspekte dargestellt wurde. Eigentlich ist es keine Romanverfilmung, sondern ein Film „nach Motiven aus dem Roman“. Und ähnlich würde ich auch „..denn zum Küssen sind sie da“ beurteilen.

Wer den Roman kennt und mag und eine Verfilmung genau dieses Stoffes erwartet, wird diesen Film nicht mögen. Wer aber ohne Vorkenntnis des Buches oder bewusst unvoreingenommen an den Film geht, wird einen hervorragenden Thriller „nach Motiven“ des Buches sehen, der zu fesseln weiß.

21 Bewertungen