Die Wand (DVD) Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 05/2013
- Action:
- Anspruch:
- Romantik:
- Humor:
- Spannung:
Erfahrungsbericht von Himbeerhimmel
völlig isoliert
Pro:
regt zum Nachdenken an, schauspielerische Leistung, Bild und Ton
Kontra:
teilweise langweilig, sicher nicht für jeden der richtige Film
Empfehlung:
Ja
Dieser Erfahrungsbericht handelt also vom Film „Die Wand“. Das Buch basiert auf dem gleichnamigen Buch von Marlen Haushofer.
Kauf
Man kann die DVD aktuell in vielen Läden erwerben und natürlich findet man sie auch im Internet. Am liebsten bestelle ich DVDs einfach schnell auf amazon.de. Dort kann man „die Wand“ aktuell für 12,99 Euro kaufen.
Wissenswertes
Studio: Kinowelt GmbH
Produktionsjahr: 2012
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: 103 Min.
EAN: 4006680060927
Darsteller: Martina Gedeck, Karl-Heinz Hackl, Ulrike Beimpold, Wolfgang Maria Bauer, Hans-Michael Rehberg
Regie: Julian Roman Pölsler
Genre: Drama
Tonformat: DD Stereo: Deutsch; DD 5.1: Deutsch
Untertitel für Gehörlose: DEU
Zusatzinfo: Die Deutschland-Premiere; Interviews mit Julian Roman Pölsler und Martina Gedeck; Trailer;
Bildformat: Widescreen; 2,35:1
verpackung: DVD Softbox Standard
Land: Deutschland,Österreich
Handlung
Die Hauptperson in diesem Drama ist eine Frau, über die man eigentlich nichts weiß. Man weiß nicht, wie sie heißt, wie alt sie ist, was sie arbeitet und wie ihr bisheriges Leben verlaufen ist. Das ändert sich im gesamten Verlauf des Filmes auch nicht.
Diese „Frau“ (ich bleibe jetzt einfach mal bei dieser Bezeichnung, da ich ja keinen Namen kenne) befindet sich schon gleich zu Beginn des Filmes auf einer Jagdhütte. Sie ist dort mit einem befreundeten Ehepaar hingereist, um ein schönes Wochenende dort zu verbringen. Dass es nicht bei diesem einen Wochenende bleibt hätte die Frau wohl selbst nicht in ihren schlimmsten Träumen befürchtet. Zu ihrem Unglück (oder war es vielleicht doch Glück? – so ganz genau kann man diese Frage wohl nicht beantworten) bewahrheitet sich dies jedoch tatsächlich.
Das befreundete Ehepaar macht sich auf den Weg ins Dorf. Sie
Bilder von Die Wand (DVD)
Die Wand (DVD)
planen nicht, über Nacht dort zu bleiben, allerdings sind sie am nächsten Morgen nicht wieder im Haus, in dem sich die Frau befindet. Sie macht sich auf den Weg, um ihre Freunde zu finden, doch stößt bald an ein Hinderniß, mit dem sie nicht gerechnet hätte.
Mitten auf dem Weg stößt sie auf eine unsichtbare Wand. Sie kommt nicht ins Dorf hinein, es ist als würde sie gegen eine dicke Glasscheibe fassen.
Dies ist die grundlegende Handlung des Filmes. Wer nicht wissen will, wie es weiter geht sollte ab hier besser nicht mehr weiterlesen, denn ich werde jetzt auch auf genauere Einzelheiten und auch auf das Ende eingehen.
Anfangs hat die Frau noch die Hoffnung, dass jemand sie befreien könnte, da sie ja praktisch wie in einem Käfig eingesperrt ist. Wenn sie ins Dorf guckt sieht sie nur versteinerte Menschen und so kommt sie zu dem Schluss, dass sie tot sein müssen.
Glücklicherweise bleiben der Frau noch ihre Tiere. Im Jagdhaus gibt es einen Hund, der zu ihrem besten Freund wird. Außerdem findet sie sowas wie eine gute Schwester in der Kuh, die sich zu ihr gesellt und ihr Milch gibt. Es gibt auch noch einige Katzen, die ihr auch nahestehen.
Um sich ernähren zu können, ist die Frau gezwungen, andere Tiere im Wald zu töten. Das tut ihr innerlich sehr weh und sie fragt sich zum Beispiel, wie es manchen Menschen Spaß machen kann, Tiere zu töten. Sie stellt sich auch einigen anderen Fragen. Klar, dass würde ja wahrscheinlich jeder machen, wenn er ganz allein und abgeschottet von der Außenwelt leben würde. Keine Menschenseele findet man sonst an diesem Ort und so lebt die Frau zwei ganze Jahre allein und verlassen mit ihren Tieren und der Arbeit.
Doch irgendwann geschieht das, womit man eigentlich nicht gerechnet hätte. Ein fremder Mann ist zu sehen und ihr geliebter Hund rennt auf ihn zu. Doch dieser ist überhaupt nicht freundlich gestimmt und bringt den Hund mit einem schnellen Axtschlag um. Die Frau –wutentbrannt und entsetzt – greift selbst zu ihrem Gewehr und bringt den Mann um. Nun ist wohl endgültig die letzte andere Menschenseele tot.
Die Frau lebt weiter. Einsam. Man weiß eigentlich nicht genau, wie es mit ihr weiter geht, da sie dazu nichts sagt. Man kann wohl davon ausgehen, dass sie einfach weiter so leben wird, wie sie es die vergangen zwei Jahre getan hat bis sie eines Tages sterben wird. Es ist also ein offenes Ende.
Meine Meinung und Interpretation
Wer sich jetzt meine ganze Inhaltsangabe durchgelesen hat wird sich vielleicht fragen, ob das alles ist. Braucht ein Film nicht normalerweise ein bisschen mehr Handlung? Nein, braucht er nicht. Das hat mir dieser Film bewiesen.
Ich denke auch, dass es eigentlich nicht direkt darum geht, was man generell sieht sondern eher um das, wie man den gesamten Film interpretiert und was man daraus schließt. Man kommt schnell auf die Idee, dass es sich um eine Irre handeln könnte, da die ganze Handlung irreal wirkt. Vielleicht handelt es sich einfach um eine Frau, die mit den anderen Menschen nichts mehr zu tun haben möchte. Vielleicht schottet sie sich deshalb vollkommen ab und bildet sich ein, dass um sie herum eine Wand wäre. Eventuell hat sie ihre Freunde umgebracht und vertraut dann darauf, dass sie niemals gefunden werden wird und dass sie ihr Leben nun so leben kann, wie sie es immer wollte. Der Zuschauer weiß ja nicht, wie ihr bisheriges Leben verlaufen ist. Vielleicht lebte sie in schlechten Familienverhältnissen. Das würde auch ihre enge Verbindung zu den Tieren erklären. Tiere beschweren sich nicht und Tiere sind treu. Vielleicht die perfekte Familie? Wenn man diese Interpretation so weiterführt könnte man darauf kommen, dass der Mann mit der Axt gar nicht ebenfalls gefangen war sondern vielleicht von außerhalb kam um die kranke Frau zu retten oder einfach um sich im Wald umzusehen. Um aber weiter isoliert zu bleiben bringt die Frau den Mann um. Ich habe mich im Film nämlich gefragt, wie sie den Mann umbringen kann. Klar, er ist der Mörder ihres Hundes, aber bringt man ihn dann gleich um? Vor allem, weil die Frau eigentlich immer der Meinung war, dass Umbringen etwas Schlimmes ist und weil sie immer große Probleme damit hatte, Tiere zu töten.
Wäre es nicht eigentlich logischer, mit dem Mann zu reden nachdem man zwei Jahre lang keiner anderen Menschenseele begegnet ist? Anscheinend nicht. Ich habe mich auch gefragt, was wohl passiert wäre, wenn die beiden geredet hätten und sich (falls das mit der Wand denn tatsächlich die Wahrheit wäre und nicht nur eine Wahnvorstellung der Frau) über die aussichtslose Situation unterhalten hätten. Vielleicht wären sie zu dem Entschluss gekommen, dass sie Kinder zeugen müssten, um das Überleben der Menschheit zu sichern. Denn wenn die Frau irgendwann stirbt gibt es keine Menschen mehr.
Der Film hat mich einerseits sehr stark beeindruckt, andererseits aber auch verwirrt und an der ein oder anderen Stelle auch gelangweilt. Es ist fast die ganze Zeit im Film düstere Stimmung. Manchmal habe ich mich ernsthaft gefragt, ob der Film stehen geblieben ist, aber das lag immer nur daran, dass es teilweise Szenen gibt, in denen sekundenlang ohne Ton die gleiche Landschaft gefilmt wird. Das ist ehrlich gesagt relativ langweilig und manchmal hätte ich am liebsten vorgespult. Da es ja im gesamten Film kaum eine Handlung gibt ist die Spannung nicht gerade hoch, man wartet eigentlich nur die ganze Zeit darauf, dass etwas Überraschendes passiert. Es gibt wenig Musik im Film, meistens hört man nur die Stimme der Frau und sonst Stille. Ganz selten gibt es im Hintergrund auch mal ruhige Musik und zwei mal (als sie im Auto sitzt) sogar etwas peppigere Musik. Wer einen spannenden Action-Film oder ähnliches erwartet wird hier garantiert enttäuscht. Es ist eher ein Film für Leute, die sich anschließend mit den philosophischen Fragen beschäftigen wollen, die der Film eventuell aufgeworfen hat. Ältere Leute werden mit diesem Film sicher auch mehr angesprochen, als Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Für diese Gruppe könnte es schnell extrem langweilig werden, da man sich vielleicht einfach mehr auf die äußere Handlung konzentrieren möchte und weniger auf das, was man unter Umständen hineininterpretieren könnte. Der Film ist ja ab 12 Jahren freigegeben, ich würde aber empfehlen, den Film erst ab 15 oder 16 anzuschauen. Und auch in diesem Alter sind viele Kinder für diesen Film wahrscheinlich einfach noch nicht reif genug.
Es ist definitiv kein Familienfilm oder ein Film, den man fröhlich in einer Gruppe mit Freunden gucken sollte. Ich habe ihn ganz alleine gesehen und das ist wahrscheinlich auch am besten.
Fazit
Ich empfehle den Film weiter, bin aber nicht wahnsinnig begeistert davon.
Die Logik im Film ist teilweise etwas seltsam und es kann schnell Langeweile eintreten, da so gut wie nie etwas Spannendes passiert. Es ist auf jeden Fall ein Film, der im Nachhinein zum Nachdenken anregt und das finde ich gut so. Besser hätte ich es gefunden, wenn es statt dem offenen Ende ein klares Ende gegeben hätte.
Bild und Ton sind absolut überzeugend, genauso die schauspielerische Leistung. Es spielt ja praktisch die ganze Zeit nur Martina Gedeck. Sie macht das hervorragend. Ich denke, dass es sehr schwierig ist, diese Rolle der Frau richtig gut zu schauspielern. Sie hat das wirklich überzeugend rübergebracht und obwohl es ja doch insgesamt ein handlungsarmer Film ist hat sie ihn durch ihre Gesichtsausdrücke und schauspielerischen Fähigkeiten nie richtig langweilig gemacht.
Ich habe hin- und hergeschwankt, ob ich nun lieber drei oder vier Sterne geben soll, habe mich dann aber doch knapp für vier Sterne entschieden. Dieser Film ist sicher nicht für jeden was, aber mir hat er generell ganz gut gefallen.
25 Bewertungen, 11 Kommentare
-
12.06.2013, 21:54 Uhr von knuddelfire
Bewertung: besonders wertvolleinen schönen Mittwoch Abend LG freue mich über Gegenlesung
-
28.05.2013, 08:34 Uhr von [email protected]
Bewertung: sehr hilfreichGLG Simone
-
27.05.2013, 23:07 Uhr von goat
Bewertung: besonders wertvollBestnote für die Vorstellung. LG Melanie
-
27.05.2013, 22:23 Uhr von monagirl
Bewertung: besonders wertvollGruß Mona
-
27.05.2013, 18:24 Uhr von anonym
Bewertung: besonders wertvollLG Damaris
-
27.05.2013, 15:10 Uhr von [email protected]
Bewertung: besonders wertvollLiebe Grüße Annabelle.
-
27.05.2013, 14:45 Uhr von minasteini
Bewertung: sehr hilfreichGelesen! Gegenelesung? Wäre toll. LG Marina
-
27.05.2013, 14:28 Uhr von Little-Peach
Bewertung: sehr hilfreichSH :-)
-
27.05.2013, 14:11 Uhr von kabel_rinchen_binder
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreicher Bericht! Über Gegenlesung freue ich mich immer sehr:) Liebe Grüße!
-
27.05.2013, 14:07 Uhr von mausi1972
Bewertung: sehr hilfreichViele Grüße Marion
-
27.05.2013, 14:03 Uhr von Herr_Tom
Bewertung: sehr hilfreichGruß Thomas
Bewerten / Kommentar schreiben