fair-tipp.de Testbericht

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Erfahrungsbericht von LosGatos

Dummensteuer kann hier eingezahlt werden!

Pro:

geringe Monatseinsätze möglich

Kontra:

hoher Mehrpreis gegenüber "Lotto an der Bude"

Empfehlung:

Nein

Im Rahmen einer Webmiles-Aktion stieß ich kürzlich auf den Online-Lotto-Anbieter „Fair Tip AG“. Ich möchte gleich vorausschicken, dass ich bislang keine Mitspielerfahrungen mit diesem Anbieter gemacht habe. Allerdings kann ich lesen, denken und noch viel besser rechnen. Und diese Fähigkeiten werden mich davor bewahren, solche Erfahrungen zu sammeln.

Jedenfalls war die Webmiles-Aktion für mich Grund genug, einmal die Website dieses Anbieters aufzusuchen, deren AGBs zu studieren und das Mitspiel zu bewerten.


ANGEBOT

Zu diesem Anbieter gelangt man im Internet unter www.fair-tipp.de. Dort gibt es verschiedene Möglichkeiten mitzuspielen. Bereits für 1,50 EUR pro Woche kann man bei jeder Ziehung (mittwochs und samstags) dabei sein. Nominell beträgt der Minimaleinsatz pro Woche zwar nur 1 EUR, allerdings werden für Spiel77 / Super6 noch 2 EUR pro Monat erhoben. Und man kann nur auf Monatsbasis mitspielen.

Gespielt wird in Tippgemeinschaften von „maximal 20 Teilnehmern“. Das Wörtchen „maximal“ stört mich hier gewaltig. Schließlich wird der Veranstalter die Einsätze so kalkuliert haben, dass eine Spielgemeinschaft aus 20 Teilnehmern besteht. Da kann er die Gruppe nicht plötzlich verkleinern. Sollten sich in der Tat nicht genügend Mitspieler angemeldet haben, wird der Veranstalter die fehlenden Anteile am Einsatz zum Selbstkostenpreis auffüllen, einen eventuellen Gewinn stets durch 20 teilen und seine Gewinn-Anteile einbehalten.

Gespielt werden ausschließlich Systemtipps 007 (6 aus 7). Systemtipps sind lediglich ein Verfahren, das Ausfüllen von Lottozetteln zu vereinfachen. Statt 6 Zahlen werden hier 7 Zahlen angekreuzt. Das hat im Endeffekt die gleiche Wirkung, als würde man sämtliche möglichen Kombinationen aus 6 Zahlen aus der Gesamtmenge der 7 angekreuzten Zahlen spielen. Beispiel: aus den Zahlen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 kann man insgesamt 7 Kombinationen aus 6 Zahlen bilden (In diesem Fall kommt in jeder Kombination jede Zahl genau einmal nicht vor). Das heißt, ein Tipp im System 007 entspricht 7 Einzeltipps und kostet somit auch den 7fachen Einsatz.

Zum Mitspiel kann man sich online anmelden. Die Bezahlung erfolgt per Bankeinzug. Man erhält dann eine Kennung, über die man im Internet Spiel und Gewinne verfolgen kann. Wer die Auszüge per Post zugeschickt haben möchte, muss zusätzliche Kosten tragen.

Der Webmiles-Sammler bekommt für die Anmeldung und auch in den folgenden Monaten je nach Umsatz eine bestimmte Anzahl von Webmiles gutgeschrieben.


WAS HALTEN ANDERE DAVON ?

Immerhin gibt es auf dieser Verbraucherplattform schon einige Berichte zu diesem Anbieter. Ich habe lediglich mal einen Blick auf die Überschriften geworfen. Von „Einfach fair“ über „Preiswerte gute Tippgemeinschaft“ und „Tippgemeinschaft mit hohen Gewinnchancen“ bis hin zu einem „stimmenden Preis-Leistungsverhältnis“ ist alles dabei. Ein sehr positives Echo also. Wobei sich mir die Frage stellt, ob letzteres auf Erfahrung, dem Prinzip Hoffnung oder einfach auf blindem Vertrauen beruht.

Zumindest die „Tippgemeinschaft mit den hohen Gewinnchancen“ gehört für mich gleich in die Rubrik „Märchen“. Auch bei Fair Tip wird nur Lotto gespielt. D.h. man spielt 6 aus 49. Die Wahrscheinlichkeit, aus 49 Zahlen 6 Richtige auszuwählen, ist der Kehrwert der Anzahl der Möglichkeiten, dieses zu tun. Mathematisch wird das durch den sogenannten Binominalkoeffizienten 49 über 6 ermittelt: 49x48x47x46x45x44/6/5/4/3/2. Hat man diese Multiplikations- und Divisionsübung vollbracht, kommt man auf knapp 14 Millionen. Gibt man z.B. 10 Tippreihen ab, kann man seine Gewinnchance natürlich erhöhen: 1:1,4 Millionen statt 1: 14 Millionen. Auch bei 1000 Tippreihen liegt die Chance auf einen 6er erst bei 1:14.000. Der Einsatz steigt im gleichen Verhältnis wie die Gewinnwahrscheinlichkeit. Und im gleichen Maße natürlich die Gefahr, viel Geld zu verspielen. Tippgemeinschaften dienen lediglich dazu, den Einsatz pro Teilnehmer im Rahmen zu halten. Die Chancen auf einen hohen persönlichen Gewinn können sie jedoch nicht beeinflussen, da die mathematischen Gesetze unverändert bleiben.


VERGLEICHSRECHNUNGEN

Immerhin schneidet Fair Tip das Thema Vergleichsrechnungen in seinen FAQs selbst an. Denn dort heißt es „Wenn Sie ein Jahr bei Fair-Tip Samstagsabo und Mittwochsabo und jeweils Spiel 77 und Super 6 spielen, dann müssen Sie im Vergleich insgesamt 6.780,80 EUR (Stand Oktober 2001) als Einsatz bei Lotto bezahlen.“ Was sagt uns das? So gut wie nichts. Denn schließlich wird nicht dazugesagt, welcher Spielumfang der Berechnung zu Grunde liegt. Vielmehr möchte man dem Interessenten nur unterschwellig mitteilen, dass „Lotto an der Bude“ im Vergleich zu Fair Tip übermäßig teuer ist, wo man doch hier für ein paar EURO mitspielen kann und riesige Chancen hat. Das, was hier angeführt wird, ist der berühmte Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen. Um auf einen Betrag der Größenordnung wie angegeben zu kommen, müsste man in der Tat ein Jahr lang wöchentlich zweimal jeweils 12 Systeme 007 einschließlich Super6/ Spiel77 spielen, und zwar alleine ohne Tippgemeinschaft. Aber das ist ja gerade das, was Fair Tip dem Spieler ausreden will.

Im folgenden betrachte ich 3 Beispiele aus dem Angebot von Fair Tip und vergleiche das mit dem Angebot an der Lottobude oder auch im Internet bei Tipp24.de. Jeweils gehe ich von einer Spielgemeinschaft von 20 Teilnehmern aus.


Beispiel 1:

Ein Jahr lang bei Fair Tip für 6 EURO pro Monat mitspielen (1x Kombi-1, die erste 1 steht für den Spielanteil, die zweite 1 für die Laufzeit in Monaten). Dafür erhält man 1/20 Anteil einer Tippgemeinschaft, die jeweils mittwochs und samstags ein System 007 inklusive Super6 / Spiel 77 spielt. Macht im Jahr 12 mal 6 = 72 EURO. Dabei ist jedoch noch nicht berücksichtigt, dass Fair Tip im „Kleingedruckten“ sagt: „Der monatliche Einsatzbetrag wird anhand der Anzahl der Lotto-Ziehungen in einem Monat berechnet und kann daher geringfügig variieren“. Im Klartext: Fair Tip geht bei diesen Preisen von 8 Spieltagen pro Monat aus. Die meisten Monate haben jedoch 4 Samstage und 5 Mittwoche oder umgekehrt, also insgesamt 9 Spieltage. Im Jahr 2003 ist das nur in den Monaten Februar, Juni und September nicht der Fall. Bei 9 Spieltagen kommen im Monat nochmals 0,50 EUR hinzu, was den Gesamtbetrag pro Jahr auf 76,50 EUR erhöht.

Was kostet das gleiche nun, wenn man seine Tippgemeinschaft selbst organisiert? Die Basisgebühr eines Tippscheins inklusive Spiel77 und Super6 beträgt schon einmal 3,15 EUR pro Spieltag. Ein einzelner Lottotip (Normalschein) schlägt mit 0,75 EUR zu Buche. Ein Systemtipp 007, der ja 7 Einzeltipps entspricht, kostet 5,25 EUR. Pro Spieltag fällt also ein Einsatz von 8,40 EUR an. Ein Kalenderjahr beschert maximal 105 Ziehungen. Ergibt also einen Gesamteinsatz von 882 EUR. Geteilt durch 20 Spieler, macht also 44,10 EUR pro Nase. Im Vergleich verlangt Fair Tip mit 76,50 EUR das 1,73 fache.


Beispiel 2:

Das Gleiche mit jeweils 6 Tippreihen pro Spieltag (6x Kombi-1). Als „Bonbon“ bietet Fair Tip hier an, dass man für Spiel 77 / Super 6 nicht extra zahlen muss. Kostenpunkt: 24 EUR im Monat bei Monaten mit 8 Spieltagen, ansonsten kommen noch 3 EUR hinzu. Macht summa summarum 315 EUR pro Jahr.

An der Lottobude (oder bei Tipp24.de) bezahlt man dann jedes Mal 6 mal 5,25 EUR plus die 3,15 EUR Grundgebühr für Schein / Spiel77/ Super6, macht 34,65 EUR pro Spieltag oder 3638,25 EUR pro Jahr (105 Ziehungen). Bei 20 Mitspielern bleiben dann 181,91 EUR pro Nase und Jahr. Fair Tip berechnet mit 315 EUR wieder das 1,73 fache.


Es ist natürlich klar, dass Fair Tip für das Organisieren auch Kosten hat und selbst etwas verdienen möchte. Nur sollte sich der Endkunde, der ohnehin meist nur verliert, fragen, ob es ihm die Mehrkosten auch wert sind.

Das waren 2 Beispiele, aber es kommt noch besser.


Beispiel 3:

1xKombi-6 Tipp für 26 EUR pro Monat. Die Laufzeit beträgt hier also gleich 6 Monate oder 26 Wochen. Aber was bekommt man dafür? Das System ist recht undurchschaubar gehalten. Ich deute es wie folgt: Im ersten Monat spielt man eine Tippreihe, im zweiten zwei bis zu 6 Tippreihen im 6. Monat. Bezahlen tut man pro Monat jedoch stets 26 EUR. Wenn man nach einem halben Jahr ausscheidet, spielt man jedoch im 7. Monat ohne Einsatz noch mit 5 Tippreihen weiter, im 8. mit 4 usw., da jede Tippreihe eine Laufzeit von 26 Wochen hat. Spiel 77 / Super 6 ist hier wieder umsonst. Im Grunde entspricht Beispiel 3 dem Beispiel 2, nur dass man hier quasi Vorauszahlungen leistet und dass man vor Ablauf der 6 Monate nicht aussteigen kann.


WAS MIR SONST NOCH AUFGEFALLEN IST

Bei den Spielen mit Laufzeit „1 Monat“ kann man jederzeit bis zum 19. eines Monats (schriftliche Kündigung) aussteigen, wenn man im nächsten Monat nicht mehr dabei sein will. Wer Kombi-6 oder Kombi-12 spielt, kann erst nach 6 oder 12 Monaten aufhören.

Sehr bemerkenswert finde ich, dass Gewinne unter 150 EUR nicht automatisch ausgezahlt werden, sondern erst auf Anforderung und gegen zusätzliche Gebühr. Über die Höhe dieser Überweisungsgebühr ist nichts ausgesagt. Ebenso wird diese Gebühr natürlich fällig, wenn man irgendwann aussteigen will und sein eventuelles Restguthaben ausbezahlt haben möchte.

150 EURO ist dabei ein sehr hoher Betrag, den man so schnell nicht gewinnen wird. Es bedarf da schon eines 5ers (die Quote lag bei der letzten Ausspielung bei etwa 3500 EUR). Der Gewinn betrüge da für jedes Mitglied der Tippgemeinschaft um die 175 EUR.

Gewinne werden damit zur Vorauszahlung genutzt. In der Summe leisten die Mitspieler damit dem Veranstalter einen kostenlosen Kredit nicht unbeträchtlicher Höhe, deren vorzeitige Rückzahlung sich Fair Tip auch noch bezahlen lässt! Ich halte so etwas für ein dreistes Geschäftsgebahren. Zumindest lauern hier versteckte Gebühren.

In der Praxis dürfte das wie folgt aussehen. Angenommen, man hat zum Schluss einen 3er gelandet. Typischer Lottoquote eines 3ers sind 10 EUR. Bei 1/20 Anteil bleiben 50 Cent. Da die Auszahlungsgebühr sicher höher ist, wird Fair Tip das Geld letztlich selbst einstreichen. Ganz schön fair!


FAZIT

Fair Tip kann die Gewinnchancen natürlich nicht erhöhen. Gegenüber dem Lotto an der Bude ist Fair Tip jedoch 1,73 mal teurer (im Vergleich habe ich bei Mitbewerbern folgende Faktoren ermittelt: bei Faber ca. 1,6 und bei Tipp-Direkt 1,85, siehe entsprechende Beiträge). Von preiswert kann daher keinesfalls die Rede sein. Ein dauerhaftes Mitspiel bei Fair Tip sollte deshalb nicht in Betracht gezogen werden.

Da Webmiles derzeit eine Sommeraktion gestartet hat, bei der man 5000 Webmiles (realer Wert 12,50 EUR) erhält, wenn man an 3 Aktionen von 7 ausgewählten Webmiles-Partnern teilnimmt, wäre es für denjenigen, der auf diese 5000 Webmiles schielt, eventuell überlegenswert, mal einen Monat für 6 EUR mitzuspielen. Viel Glück!

P.S.: Auf der Website von Fair Tip gibt es übrigens einen Button, der zu Ciao und damit fast direkt zu diesem Bericht führt. Ich verfolge das Weitere mit Spannung...

Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 20.8.2003
Veröffentlicht außer bei Ciao derzeit nur noch bei Yopi

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