Kurschatten (Taschenbuch) / Gisa Pauly Testbericht
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Summe aller Bewertungen
- Niveau:
- Unterhaltungswert:
- Spannung:
- Humor:
- Stil:
Erfahrungsbericht von LilithIbi
„Er ist nach außen verblutet. Das kommt bei Stichverletzungen oft vor.“
Pro:
es gibt sicherlich Fans solcher Publikationen, fluffiges Cover (wobei im Buch kein Schaf vorkommt)
Kontra:
für mich sehr langweilig, langwierig, viel zu ausschmückend, rigoros vorhersehbar
Empfehlung:
Nein
Hinsichtlich Regionalkrimis muss ich scheinbar ein für alle Male einsehen, dass es seinerzeit nicht einmal wirklich an Jörg Maurers Schreibstil, Story oder sonstigem Hinzutun lag, dass ich mit „Oberwasser“ nicht so recht warm wurde. Nachdem ich mich nunmehr das dritte oder vierte Mal in eben jenem Genre förmlich in den Schlaf seufzte, ist es erneut beschlossener Fakt, dass Gisa Pauly's 446seitiger Krimi
ldquo;Kurschatten&ldquo der erste und letzte sein wird, den ich rund um die literarische Figur Mamma Carlotta gelesen haben mag.
Die Handlung an sich klang laut Klappentext durchaus aufregend, spannend wie nicht zuletzt vielversprechend, alldieweil das Buch mit einer völlig anderen vermissten Person ~ Ludo Thoenessen ~ beginnt und in diesem Falle geschickt zum mitfiebern eingeladen wurde. Dementgegen begannen mir bereits nach den ersten durchaus vielversprechenden Seiten der überaus ausschmückende Erzählstil mitsamt etlicher Details rund um mannigfaltige Zubereitungen diverser Speisen, Palaver über Familienkonstellation, Erinnerungen, Wunschdenken und Gedankenausflügen nicht nur in Bezug auf die Hauptfigur buchstäblich ins Auge sprang und zunehmend auf die Nerven ging.
So fetzig sich die Passage
„Sie bringen es sogar fertig, den Tod Ihrer Schwester für Ihre Zwecke zu nutzen.“
„Hat sie sich womöglich umgebracht, weil sie sich für Sie geschämt hat?“, fragte Carolin bissig.
„Carolina! Felice! Jetzt recht es aber!“ Mamma Carlotta war entrüstet. „So dürft ihr nicht mit Frau Matteuer umspringen! Sie ist in Trauer!“
„Muss sie unbedingt in unserem Hause trauern?“, fragte Felix und beachtete nicht, dass diese Unhöflichkeit seiner Nonna den Atem verschlug.“
(Zitat, S. 100)
sich für mich persönlich gelesen hat, so wirr erscheinen die Zusammenhänge, die es allesamt in der Lektüre zu beachten gibt. Mamma Carlotta als gebürtige und stammesgetreue Italienerin mischt sich offenkundig allzu gerne ungefragt in die Ermittlungsarbeiten ihres auf Sylt wohnenden Schwiegersohnes Erik ein, dem sie dessen ungeachtet jedoch so einige Geheimnisse vorenthält. So darf dieser weder wissen, in welcher schäbigen Lokalität sich Mamma Carlotta allzu gerne aufhält, noch dass sie für ihren Neffen Nico ausgerechnet in dem Großprojekt ein Bistro organisieren möchte, gegen das Carolina und Felix inbrünstig demonstrieren. Würde Mamma Carlotta mit offenen Karten spielen, könnte sie Erik den ein oder anderen hilfreichen Hinweis zum Todesfall des Bauherren-Zwillings liefern... tut sie aber nicht.
Mir scheint, als sollte durch dieses turbulente Familiengeschichte, in der Mamma Carlotta es stets und ständig ausnehmend gut meint, Schwung, Pep und vor allem Humor in die zugleich packende Tätersuche geworfen werden ~ sonderlich gelungen ist dies für meinen persönlichen Geschmack jedoch ganz und gar nicht.
Neben den zig überbordenden Ausschweifungen gestaltete sich „Kurschatten“ für mich als absolut vorhersehbar. Man muss gewiss kein Meister der Kriminalgeschichte, der Logik oder Hellseherei sein, um von dem auf der 100ten Buchseite geäußerten Verdacht der Ermittler völlig desillusioniert zu sein. Soll heißen: jene Schlussfolgerung, die aller Wahrscheinlichkeit nach überraschend daherkommen sollte, lag für mich von Anfang an auf der Hand. So sehr, dass ich mir nicht einmal vorstellen kann, dass irgendein anderer aufmerksamer Leser diesen Aspekt nicht bereits treffsicher kombiniert hatte.
Wäre es hierbei geblieben, so würde ich gar nicht viel meckern. Fakt ist jedoch, dass spätestens auf der 212ten Seite nahezu die gesamte Auflösung rund um den im Klappentext benannten Tod derartig hervorgehoben, doppelt unterstrichen und betont wird, dass sich die zweite Buchhälfte im Grunde genommen förmlich erübrigt hätte.
Um doch noch ein wenig Atmosphäre zu schaffen, verlagerte sich Gisa Pauly darauf, ihrem Krimi in hektischer Art und Weise weitere Leichen unterzujubeln. Hier und dort mit ein wenig Raffinesse zwar, alles zusammengenommen jedoch vorrangig unglaubwürdig und kaum packend.
Unterhaltsam mag der ein oder andere die zig Anekdoten seitens der Protagonistin empfinden, die scheinbar nie müde wird, aus dem Nähkästchen zu plaudern und sich mit ihrer eigenen liebenswert-schrulligen Art (zu) oft aus brenzligen Situationen zu befreien.
Gewiss sollten die Anekdoten wie Koch-Einlagen mitsamt Rezept- und Zubereitungsdarbietungen den Charakter der Hauptfigur unterstreichen ~ umso tragischer, dass eben jene Ausführungen ab einem gewissen Zeitpunkt nicht nur den weiteren Personen innerhalb, sondern ebenso außerhalb des Buches zu nerven beginnen.
Hinzu gesellt sich das Trauertal, dass ich persönlich die Story an sich als kumulativ unglaubwürdiger empfand. Mamma Carlotta weiß viel, sagt aber nix, um ihren Schwiegersohn nicht zu verärgern, während eben dieser für ein unzulässiges Beweismittel nach dem nächsten sorgt.
Witzig?
Für Leute mich de facto: nö.
Eher mutet es in zwischenmenschlicher wie auch rechtlicher Hinsicht erschreckend an, wie in der literarischen (Serien)Mordsache verfahren wird. Banal ist für mich in dem Buch so oder so so einiges.
Obschon der Tatverdacht immerfort zwischen eigentlich lediglich zwei Personen hin und her zu schwanken beginnt, ist es fürwahr wenig überraschend, dass jene Verdächtige, die recht früh und viel zu offensichtlich im zweifelhaften Licht erscheinen, zu guter Letzt unschuldig sind. Wer an dieser Stelle mutmaßt, ich hätte bereits zu viel offenbart, dem sei nochmal ausdrücklich ans Herz gelegt, dass meiner Mutmaßung nach ein jeder spätestens seit der zigten Wiederholung des „Schönheitsklinik-Aufenthalts-Aspekts“ ohnehin bereits ahnen wird, welcher vermeintliche Knallerüberraschung für das Finale geplant war.
Planen kann man in der Tat so vieles ~ doch weder habe ich höchsteigen aufgehört, täglich mehr als 800 Kalorien in mich hineinzustopfen, noch ist es der Autorin gelungen, einen überzeugend-soliden Kriminalroman zu Papier zu bringen.
===Summa summarum=== las sich der Sylt-Krimi mitsamt des gefühlt-ellenlangen abschließenden Erklärungsmonolog deraritg langatmig, dass ich selbst für das überkitschte und ebenfalls fern jedweder Authentizität anmutende Happy End keinen Lacher mehr übrig hatte.
Nebeneffekt von der für mich absonderlich wirkenden Personenvorstellung naturgemäß der Fakt, dass es mir im Grunde genommen recht egal war, wem was zu geschehen drohte ~ sonderlich lieb gewonnen habe ich keinen einzelnen Charakter, wenngleich immerhin die junge bemühte Reporterin Wiebke für einige lauwarme Highlights in der Geschichte sorgt.
Bedauerlicherweise handelt es sich hierbei jedoch stetig eher um kurzzeitige Spannungsflämmchen, die viel zu schnell wieder abflauen. Atmosphärisch liest sich _“Kurschatten“_ für mich ungefähr so beklemmend wie sich eine Folge von _„Der Bulle von Tölz“_ ansehen lässt: nicht wirklich langweilig, aber eben doch eher urig-gemütlich, während so viel „drumherum“ platziert wird, dass sich kaum einer noch eindringlich auf das eigentliche Thema konzentrieren kann, will und wird.
Für mich als Leser indes erschien die Lektüre mehr und mehr chaotisch, überladen und stellenweise so überdreht, dass man schon ein bis zwei Augen vor der damit verbundenen Unglaubwürdigkeit zudrücken muss.
Mag sein, dass die Lektüre x-Trilliarden Fans finden wird ~ dass solcherlei meinen Geschmack nicht trifft, habe ich, wie mir scheint, hinreichend begründet uns ausgeführt.
ldquo;Kurschatten&ldquo der erste und letzte sein wird, den ich rund um die literarische Figur Mamma Carlotta gelesen haben mag.
Die Handlung an sich klang laut Klappentext durchaus aufregend, spannend wie nicht zuletzt vielversprechend, alldieweil das Buch mit einer völlig anderen vermissten Person ~ Ludo Thoenessen ~ beginnt und in diesem Falle geschickt zum mitfiebern eingeladen wurde. Dementgegen begannen mir bereits nach den ersten durchaus vielversprechenden Seiten der überaus ausschmückende Erzählstil mitsamt etlicher Details rund um mannigfaltige Zubereitungen diverser Speisen, Palaver über Familienkonstellation, Erinnerungen, Wunschdenken und Gedankenausflügen nicht nur in Bezug auf die Hauptfigur buchstäblich ins Auge sprang und zunehmend auf die Nerven ging.
So fetzig sich die Passage
„Sie bringen es sogar fertig, den Tod Ihrer Schwester für Ihre Zwecke zu nutzen.“
„Hat sie sich womöglich umgebracht, weil sie sich für Sie geschämt hat?“, fragte Carolin bissig.
„Carolina! Felice! Jetzt recht es aber!“ Mamma Carlotta war entrüstet. „So dürft ihr nicht mit Frau Matteuer umspringen! Sie ist in Trauer!“
„Muss sie unbedingt in unserem Hause trauern?“, fragte Felix und beachtete nicht, dass diese Unhöflichkeit seiner Nonna den Atem verschlug.“
(Zitat, S. 100)
sich für mich persönlich gelesen hat, so wirr erscheinen die Zusammenhänge, die es allesamt in der Lektüre zu beachten gibt. Mamma Carlotta als gebürtige und stammesgetreue Italienerin mischt sich offenkundig allzu gerne ungefragt in die Ermittlungsarbeiten ihres auf Sylt wohnenden Schwiegersohnes Erik ein, dem sie dessen ungeachtet jedoch so einige Geheimnisse vorenthält. So darf dieser weder wissen, in welcher schäbigen Lokalität sich Mamma Carlotta allzu gerne aufhält, noch dass sie für ihren Neffen Nico ausgerechnet in dem Großprojekt ein Bistro organisieren möchte, gegen das Carolina und Felix inbrünstig demonstrieren. Würde Mamma Carlotta mit offenen Karten spielen, könnte sie Erik den ein oder anderen hilfreichen Hinweis zum Todesfall des Bauherren-Zwillings liefern... tut sie aber nicht.
Mir scheint, als sollte durch dieses turbulente Familiengeschichte, in der Mamma Carlotta es stets und ständig ausnehmend gut meint, Schwung, Pep und vor allem Humor in die zugleich packende Tätersuche geworfen werden ~ sonderlich gelungen ist dies für meinen persönlichen Geschmack jedoch ganz und gar nicht.
Neben den zig überbordenden Ausschweifungen gestaltete sich „Kurschatten“ für mich als absolut vorhersehbar. Man muss gewiss kein Meister der Kriminalgeschichte, der Logik oder Hellseherei sein, um von dem auf der 100ten Buchseite geäußerten Verdacht der Ermittler völlig desillusioniert zu sein. Soll heißen: jene Schlussfolgerung, die aller Wahrscheinlichkeit nach überraschend daherkommen sollte, lag für mich von Anfang an auf der Hand. So sehr, dass ich mir nicht einmal vorstellen kann, dass irgendein anderer aufmerksamer Leser diesen Aspekt nicht bereits treffsicher kombiniert hatte.
Wäre es hierbei geblieben, so würde ich gar nicht viel meckern. Fakt ist jedoch, dass spätestens auf der 212ten Seite nahezu die gesamte Auflösung rund um den im Klappentext benannten Tod derartig hervorgehoben, doppelt unterstrichen und betont wird, dass sich die zweite Buchhälfte im Grunde genommen förmlich erübrigt hätte.
Um doch noch ein wenig Atmosphäre zu schaffen, verlagerte sich Gisa Pauly darauf, ihrem Krimi in hektischer Art und Weise weitere Leichen unterzujubeln. Hier und dort mit ein wenig Raffinesse zwar, alles zusammengenommen jedoch vorrangig unglaubwürdig und kaum packend.
Unterhaltsam mag der ein oder andere die zig Anekdoten seitens der Protagonistin empfinden, die scheinbar nie müde wird, aus dem Nähkästchen zu plaudern und sich mit ihrer eigenen liebenswert-schrulligen Art (zu) oft aus brenzligen Situationen zu befreien.
Gewiss sollten die Anekdoten wie Koch-Einlagen mitsamt Rezept- und Zubereitungsdarbietungen den Charakter der Hauptfigur unterstreichen ~ umso tragischer, dass eben jene Ausführungen ab einem gewissen Zeitpunkt nicht nur den weiteren Personen innerhalb, sondern ebenso außerhalb des Buches zu nerven beginnen.
Hinzu gesellt sich das Trauertal, dass ich persönlich die Story an sich als kumulativ unglaubwürdiger empfand. Mamma Carlotta weiß viel, sagt aber nix, um ihren Schwiegersohn nicht zu verärgern, während eben dieser für ein unzulässiges Beweismittel nach dem nächsten sorgt.
Witzig?
Für Leute mich de facto: nö.
Eher mutet es in zwischenmenschlicher wie auch rechtlicher Hinsicht erschreckend an, wie in der literarischen (Serien)Mordsache verfahren wird. Banal ist für mich in dem Buch so oder so so einiges.
Obschon der Tatverdacht immerfort zwischen eigentlich lediglich zwei Personen hin und her zu schwanken beginnt, ist es fürwahr wenig überraschend, dass jene Verdächtige, die recht früh und viel zu offensichtlich im zweifelhaften Licht erscheinen, zu guter Letzt unschuldig sind. Wer an dieser Stelle mutmaßt, ich hätte bereits zu viel offenbart, dem sei nochmal ausdrücklich ans Herz gelegt, dass meiner Mutmaßung nach ein jeder spätestens seit der zigten Wiederholung des „Schönheitsklinik-Aufenthalts-Aspekts“ ohnehin bereits ahnen wird, welcher vermeintliche Knallerüberraschung für das Finale geplant war.
Planen kann man in der Tat so vieles ~ doch weder habe ich höchsteigen aufgehört, täglich mehr als 800 Kalorien in mich hineinzustopfen, noch ist es der Autorin gelungen, einen überzeugend-soliden Kriminalroman zu Papier zu bringen.
===Summa summarum=== las sich der Sylt-Krimi mitsamt des gefühlt-ellenlangen abschließenden Erklärungsmonolog deraritg langatmig, dass ich selbst für das überkitschte und ebenfalls fern jedweder Authentizität anmutende Happy End keinen Lacher mehr übrig hatte.
Nebeneffekt von der für mich absonderlich wirkenden Personenvorstellung naturgemäß der Fakt, dass es mir im Grunde genommen recht egal war, wem was zu geschehen drohte ~ sonderlich lieb gewonnen habe ich keinen einzelnen Charakter, wenngleich immerhin die junge bemühte Reporterin Wiebke für einige lauwarme Highlights in der Geschichte sorgt.
Bedauerlicherweise handelt es sich hierbei jedoch stetig eher um kurzzeitige Spannungsflämmchen, die viel zu schnell wieder abflauen. Atmosphärisch liest sich _“Kurschatten“_ für mich ungefähr so beklemmend wie sich eine Folge von _„Der Bulle von Tölz“_ ansehen lässt: nicht wirklich langweilig, aber eben doch eher urig-gemütlich, während so viel „drumherum“ platziert wird, dass sich kaum einer noch eindringlich auf das eigentliche Thema konzentrieren kann, will und wird.
Für mich als Leser indes erschien die Lektüre mehr und mehr chaotisch, überladen und stellenweise so überdreht, dass man schon ein bis zwei Augen vor der damit verbundenen Unglaubwürdigkeit zudrücken muss.
Mag sein, dass die Lektüre x-Trilliarden Fans finden wird ~ dass solcherlei meinen Geschmack nicht trifft, habe ich, wie mir scheint, hinreichend begründet uns ausgeführt.
16 Bewertungen, 5 Kommentare
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10.06.2013, 11:38 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichLG und einen schönen Wochenstart! =)
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10.06.2013, 10:40 Uhr von Little-Peach
Bewertung: sehr hilfreichSehr hilfreicher Bericht & liebe Grüße :)
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10.06.2013, 07:31 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichSH und wünsche noch einen schönen Tag
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10.06.2013, 00:29 Uhr von mausi1972
Bewertung: sehr hilfreichViele Grüße Marion
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09.06.2013, 22:50 Uhr von Lale
Bewertung: sehr hilfreichAllerbesten Gruß *~*
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