Les Miserables 2012 (DVD) Testbericht

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5 Sterne
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  viel
  • Anspruch:  sehr anspruchsvoll
  • Romantik:  sehr hoch
  • Humor:  durchschnittlich
  • Spannung:  spannend

Erfahrungsbericht von Treice564

Les Misérables

5
  • Action:  durchschnittlich
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  sehr hoch
  • Humor:  sehr humorvoll
  • Spannung:  spannend
  • Altersgruppe:  ab 6 Jahren

Pro:

Ton/Bild

Kontra:

Nichts

Empfehlung:

Ja

Inhalt
Verfilmung der Musical-Adaption "Les Misérables" nach Victor Hugo. Wie in der Vorlage geht es um die Liebes- und Leidensgeschichten mehrerer Protagonisten, die in die Wirren der Pariser Revolution von 1830 geraten. Der Film unterhält mit Musiknummern in einem geschickten dramaturgischen Mix aus Massenszenen und intimen Momenten und guten Schauspielleistungen; allerdings erreicht der Gesang der prominenten Stars nicht das Niveau professioneller Sänger.

Kritik
Mit dem Singen im Film ist das so eine Sache. Während das Publikum auf der Suche nach dem Wohlklang grundsätzlich nach Volumen, Timbre oder Originalitätverlangt, geht es im Hollywood-Musical zumeist nur um den Bekanntheitsgrad der Stimmband-Eigentümer. Dabei haben Catherine Zeta-Jones, Daniel Day-Lewis, Hugh Jackman, Russell Crowe und Anne Hathaway eines gemeinsam: Sie können eigentlich gar nicht sonderlich gut singen und durften dennoch in den letzten großen Musical-Verfilmungen aus Hollywood tragende Rollen spielen. Das kann manbedauern; zumindest, wenn man der guten alten Hollywood-Musical-Tradition von vor 50 Jahren anhängt, als noch Audrey Hepburns Singstimme synchronisiert werden musste, weil sie die Produzenten von "My Fair Lady" in den Höhen nicht überzeugte. Doch die Zeiten haben sich geändert, und heute gilt es unter den Superstars als chic, wenn man sich in Gesangsstunden quält, um dann die Gesangsparts selbst zu übernehmen.

"Les Misérables" von Claude-Michel Schönberg (Musik) und Herbert Kretzmer (engl. Libretto) gehört nicht zu den ausgefeiltesten, aber zu den erfolgreichsten Musicals der jüngeren Bühnengeschichte. Es hat nämlich, trotz der geringen "Ohrwurmdichte", ein unglaubliches Plus: die gleichnamige Romanvorlage von Victor Hugo. Dieses literarische Werk von 1862 ist nicht nur ein Revolutionsstück, in dem sich die Unterdrückten gegen die Unterdrücker auflehnen sowie die Integrität derer hinterfragt wird, die Gesetze machen und verkörpern. Es ist vor allem ein gleich mehrfaches Melodram reinsten Wassers, das durch seine hochemotionalen Schicksalswendungen, Familien- und Beziehungstragödien und durch erbauliche Auflösung zielsicher die Tränendrüsen des Publikums aktiviert. Kein Wunder, dass sich nach den etlichen gesangslosen Verfilmungen des Stoffs Hollywood nun an die Adaption des 1987 uraufgeführten englischen Erfolgsmusicals wagt. Es erzählt die Leidens- und Heldengeschichte von Jean Valjean (Hugh Jackman), der 1815 wegen eines gestohlenen Brots zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt und fortan vom drakonischen Polizisten Javert (Russell Crowe) "begleitet" wird. Als gebrochener Mann wird Valjean entlassen, ist als Vorbestrafter allerdings vogelfrei. Dennoch lernt er bei einem Priester den Glauben an das Gute, wird reich beschenktund avanciert, seine Vorstrafe negierend, unter falschem Namen zum Fabrikbesitzer und Bürgermeister. Als er verspricht, Cosette, die Tochter seiner todgeweihten Untergebenen Fantine (Anne Hathaway), großzuziehen, wird er von Valjean enttarnt und muss fliehen. Beide tauchen in Paris unter, wo sich Cosette (Amanda Seyfried) in den Revolutionär Marius (Eddie Redmayne) verliebt. Während Javert die Spur einmal mehr aufgenommen hat, muss Valjean erkennen, dass erCosette nicht ewig an sich binden kann.

Regisseur Tom Hooper ("The King'sSpeech") hat seine Sache gut gemacht und die dramatischen, traurigen und erhabenen Musiknummern in intime Momente sowie epische Massenszenen übersetzt, sodass die melodiösen Chorstücke (die zumeist mit Kampfgemetzel einhergehen) aufwühlen und die Arien zu Herzen gehen, vor allem die von Anne Hathaway. In der Tat: Sie und Hugh Jackman verkörpern in der ersten Hälfte des Films, auch wenn der Gesang nicht ganz Profi-Niveau hat, ihre Rollen atemberaubend gut und glaubwürdig. Ein Musical ist aber nun einmal mehr als eindrückliche Schauspielkunst; und so bleibt, trotz des Star-Rummels und einem durchaus unterhaltsamen Historienspektakel, ein schaler musikalischer Nachgeschmack - und die gesteigerte Lust auf große Gefühle durch "richtigen" Gesang.

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