Legende (DVD) Testbericht

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Legende-dvd-fantasyfilm
ab 6,29
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Summe aller Bewertungen
  • Action:  viel
  • Anspruch:  anspruchsvoll
  • Romantik:  durchschnittlich
  • Humor:  humorvoll
  • Spannung:  sehr spannend

Erfahrungsbericht von Gemeinwesen

Die DVD enttäuscht, der Film nicht

Pro:

einer der sehenswerteren Fantasyfilme der 80er Jahre ...

Kontra:

. . . auf einer komplett unspektakulären DVD - im Vergleich mit der US - Ausgabe ist die deutsche Veröffentlichung schlicht und einfach Nepp

Empfehlung:

Ja

In den 80er Jahren erlebte der phantastische Film eine ungeahnte Renaissance – wohl nicht zuletzt dank George Lucas, der mit „Star Wars“ die Tür für Filme mit phantastischen Sujets überhaupt erst wieder aufgestoßen hatte.

1985 lieferte auch Regisseur Ridley Scott („Alien“, „Gladiator“) seinen Genrebeitrag ab. Der sollte ursprünglich „Legend of Darkness“ heißen, aber der Titel erschien den Damen und Herren von den Universal-Studios dann wohl allzu unheildräuend, weswegen man von hinten wegkürzte und es schlicht bei „Legende“ beließ. Aber das Produkt „Legende“ hat auf dem Weg vom Erzeuger zum Endkunden nicht nur seinen Namen, sondern auch andere Aspekte seiner äußeren Erscheinung geändert.

„Star Wars“ hatte, so scheint es, Hollywood eine weitere grundlegende Erkenntnis beschert: es gab ein junges Publikum, das augenscheinlich über ausreichende finanzielle Mittel verfügte, sich einen Film wie „Star Wars“ auch ein zweites, drittes oder 100. Mal anzusehen und sich danach noch einschlägige Fanartikel vom Soundtrack-Album bis hin zur Bettwäsche zuzulegen. Folglich war das 80er Kino über weite Strecken eines, das mit für jugendliche Kinogänger maßgeschneiderten Produktionen aufwartete. Filme hatten plötzlich nicht mehr nur dem Kino Zulauf zu bescheren, sondern mussten außerdem als Vehikel für den Abverkauf des begleitenden Soundtrack-Albums fungieren – und das war in den seltensten Fällen eines mit symphonischer Musik. „La Boum – Die Fete“, „Top Gun“, „Dirty Dancing“, „Flashdance” – einige der größten Kinoerfolge der 80er Jahre waren nicht viel mehr als abendfüllende Videoclips, die vor allem den Verkauf von Tonträgern kräftig ankurbelten. Tonangebend waren plötzlich Leute wie Leute wie Giorgio Moroder („Flashdance“) und Harold Faltermeyer („Axel F“), und Hollywoods großer alter Garde der Filmmusik-Komponisten blies ein kräftiger Wind ins Gesicht.

Wäre es nach dem Willen von Trash-Produzent Dino de Laurentiis gegangen, hätte es einen der herausragendsten symphonischen Soundtracks der 80er Jahre gar nicht geben dürfen: Wenn John Milius’ Vorzeit-Spektakel „Conan, der Barbar“ nicht als Videoclip mit Überlänge endete, dann wohl vor allem deswegen, weil Regisseur Milius sich für seinen ehemaligen Studienkollegen Komponist Poledouris stark gemacht hatte.

„Legende“ blieb ein solches Schicksal nicht erspart. Heute wartet der Film zwar für gewöhnlich mit dem Original-Soundtrack von Filmmusik-As Jerry Goldsmith auf, aber das war beileibe nicht immer bzw. überall so. Die Schnittfassung, die das US-Publikum zu sehen bekam, wurde mit Musik der deutschen New Age-Pop-Gruppe „Tangerine Dream“ unterlegt, den Abspann dieser Fassung untermalte ein Song von „Roxy Music“-Frontmann Bryan Ferry. Zudem kürzte man nicht nur den Titel des Films, sondern auch das Werk selbst: Fast ein Viertel seiner gesamten Lauflänge fiel der Schere zum Opfer. Neben der rund 90 Minuten langen Version für den europäischen Markt gibt es inzwischen zwar auch einen „Director’s Cut“, der es auf stolze 123 Minuten Laufzeit bringt – aber wer den sehen möchte, muss nach wie vor zur Originalfassung respektive zur Import-DVD greifen. Neben den zwei verschiedenen Schnittfassungen bietet die in den USA veröffentlichte “Ultimate Edition“ außerdem, im Gegensatz zur deutschen DVD-Fasssung, eine ganze Latte an weiteren interessanten Ausstattungsmerkmalen. Umso ärgerlicher erscheint es in diesem Licht, dass die deutsche DVD lediglich mit dem Kinotrailer aufwartet. Mit dem englischen Originalton, einer deutschen sowie einer spanischen Synchronfassung (alle in Dolby Surround), optionalen Untertiteln in allen drei Sprachen und Untertiteln für Hörgeschädigte bietet die DVD leider nur das bloße Minimum dessen, was das Medium DVD für Filmfans attraktiv macht.

Ganz davon abgesehen, dass die DVD ein vergleichsweise schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet (und das tut sie m.E. ungeachtet des tatsächlichen Verkaufspreises, der i.d.R. unter 10 Euro liegt), hat Ridley Scotts Film eine solch stiefmütterliche Behandlung in meinen Augen auch einfach nicht verdient, denn „Legende“ zählt für mich zu den sehenswerteren Beiträgen, die das Fantasykino der 80er Jahre hervorgebracht hat.


D i e _ S t o r y

Nachdem Ridley Scott den Horrorfilm „Alien” und die negative Utopie „Blade Runner“ inszeniert hatte, stand dem ehemaligen Werbefilmer der Sinn nach familientauglicherer, unbeschwerterer Unterhaltung. Zunächst ging Scott mit der Idee schwanger, aus der Erzählung Tristan und Isolde einen Film zu machen. Scott verwarf den Gedanken dann aber wieder, weil er den Stoff für zu wenig zugänglich hielt. Dem Autor William Hjortsberg („Angel Heart“) fiel die Aufgabe zu, einen eigenen Drehbuchvorschlag zu entwickeln. Dessen erster Entwurf sei, heißt es, eine düstere, albtraumhafte Geschichte gewesen, der es an der märchenhaften Stimmung gebrach, die Scott sich für sein neuestes Projekt wünschte. Scott jedoch zeigte sich beharrlich, und Hjortsberg nahm die gewünschten Änderungen vor (zu denen auch die Streichung einer Sex-Szene gehörte).

In der hübschen, aber etwas naiven Prinzessin Lili (Mia Sara) und dem Waldläufer und Einsiedler Jack O’Green (Tom Cruise in einer seiner ersten Rollen) begegnen wir den Hauptfiguren des Films. Als Lili Jack dazu überreden kann, ihr die letzten beiden im Wald lebenden Einhörner zu zeigen, nimmt das Unheil seinen Lauf: Trotz Jacks Warnung tritt Lili auf die Lichtung und berührt eines der Einhörner. Auf diese Gelegenheit haben die im Unterholz lauernden Handlanger des Bösewichts, der hier als eine Art Mischung zwischen Teufel und Satyr auftritt, nur gewartet. Unbemerkt können sich die hässlichen Kobolde nah genug an die beiden Fabeltiere heranpirschen, und bevor Lili es sich versieht, haben die Knilche eines der Einhörner getötet, das andere in die Flucht geschlagen und bemächtigen sich ihrer Jagdtrophäe. Mit schlimmen Folgen, denn kaum haben die Kobolde dem toten Einhorn das Horn abgesägt, brechen Dunkelheit und Kälte über das Land herein.

Auch das sind allerdings nur erste Zeichen auf weiteres Ungemach. Das dräut nämlich, wenn es dem Bösewicht gelingen sollte, auch des zweiten Hornes habhaft zu werden: Dann werden Kälte und Dunkelheit auf ewig regieren. Noch allerdings ist Polen nicht verloren: Was es braucht, ist ein Held, der dem monströsen Bösen unerschrocken entgegentritt. Jack ist für die Aufgabe natürlich geradezu prädestiniert, denn schließlich ist er am Ableben des vorletzten Einhorns ja nicht ganz unschuldig: Was lässt er sich denn auch becircen? Nun soll er mal zusehen, wie er die Scharte wieder auswetzt! Lili wird derweil von den Kobolden gekidnappt und landet im Kaschott des unterirdisch hausenden Ober-Unholds – ein Grund mehr, dem Bösen den Kampf anzusagen, denn Jack ist, wie sich unschwer erahnen lassen dürfte, natürlich nach wie vor von Lili angetan.

Unterstützung erfährt unser Held von Zwerg Honeythorn Gump (David „Oskar Matzerath“ Bennent). Der gebietet über eine Schar von Waldbewohnern, die geradewegs der Muppets-Show entlaufen zu sein scheinen und gewährt unserem Helden Hilfe bei der Erfüllung seiner Mission.


F i l m k r i t i k

Scotts Film hebt sich von ähnlichen Produktionen vor allem durch seine Ausstattung ab. Im Vergleich mit dem üppigen Zauberwald, den man in „Legende“ zu sehen bekommt, nehmen sich die Szenerien anderer Fantasyfilme wirklich öde aus, und so hat „Legende“ mehr mit Jim Hensons zum Leben erweckten Wimmelbildern in „Der dunkle Kristall“ (1982) gemein als mit den seltsam unbevölkerten Landschaften in Peter Yates’ „Krull“ (1983). Frei von Kitsch ist das sicherlich nicht, aber offensichtlich versteht Scott sich besser darauf, Produkte in Szene zu setzen, als manche seiner Kollegen, und so gelingen ihm einige Bilder, die in den 20 Jahren seit Entstehung des Films nichts von ihrem Schauwert eingebüßt haben.

Zu den stärksten Szenen des Films gehört für mich die, in der Prinzessin Lili einen unheimlichen Walzer mit (ja, tatsächlich „mit" und nicht „in") einem schwarzen Kleid tanzt – solche schaurig-schönen Visionen gab’s sonst allenfalls noch in Jim Sheridans „Zeit der Wölfe“. Und Tim „Frank’n Furter“ Curry, der in seiner Maske wie eine Mischung aus Teufel und Auerochs wirkt? Hätte mit seinem Outfit in einer anderen Produktion wahrscheinlich eher lächerlich gewirkt, wirkt in „Legende“ aber durchaus angemessen dämonisch (und, bei aller Familientauglichkeit, auch ausreichend dionysisch. Will sagen: Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass der geile Höllenfürst ein Auge auf Lilli geworfen hat).

Als Drehort für den gesamten Film hielt übrigens die so genannte „007 Stage“ her. Die vor einigen Jahren niedergebrannte Halle war in den Pinewood Studios eigens für den Dreh des zehnten James Bond-Abenteuers „Der Spion, der mich liebte“ hochgezogen worden und war seinerzeit die erste Wahl für Filme mit großartigen Bühnendekors, die nicht unter freiem Himmel realisiert werden konnten. Dass es nicht störend auffällt, dass sämtliche vermeintlichen Außenaufnahmen in Wirklichkeit im Studio entstanden sind, spricht ebenfalls für den Film: die Welt, die Scott für seinen Film erschaffen hat, mutet eher unwirklich denn künstlich an, und Ausstattung wie Ausleuchtung zeugen wirklich von Liebe zum Detail.


R e s ü m e e

„Legende” ist ein Fantasyfilm, der vor allem wegen seiner verschwenderischen Ausstattung sehenswert ist. Die Stimmung des Films ist wirklich märchenhaft, Tim Currys Maske ist wahrlich einzigartig, und zum Glück kommt auf der DVD-Veröffentlichung auch Jerry Goldsmiths symphonischer Soundtrack wieder zu seinem Recht.

Die DVD selbst punktet mit farbsattem, knackigem Bild, gut verständlichen Dialogen und ordentlichem Klang in Dolby Surround – aber das war’s dann auch schon. Im Vergleich mit der amerikanischen „Ultimate Edition“, die auf einer Doppel-DVD verschiedene Schnittfassungen des Films mit zuschaltbarem Audiokommentar des Regisseurs, einer für die Musik der Gruppe „Tangerine Dream“ reservierten Tonspur sowie einer Fülle anderer Extras aufwartet, stellt der deutsche Release eine mächtige Enttäuschung dar. Meine Bewertung der DVD fällt mithin entsprechend aus: eine Empfehlung kann ich für die US-Version aussprechen, nicht aber für die deutsche Version.

43 Bewertungen, 13 Kommentare

  • swiss_lady

    31.10.2006, 14:13 Uhr von swiss_lady
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & lg Mary ;)

  • Suggababe2

    31.03.2006, 23:29 Uhr von Suggababe2
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :-) Der ist echt schön , der Film :-) Lg Micha :-)

  • topfmops

    31.03.2006, 15:49 Uhr von topfmops
    Bewertung: sehr hilfreich

    er Bericht. und wie sagten die alten Latriner schon so gaaanz richtig: 'de gustibus NON est disputandum!' und so lange sich über Geschmack nicht streiten lässt, habe ich da auch nicht dran cognaczukritiseren, weder 'rum' noch 'cogn

  • MasterT86

    31.03.2006, 11:19 Uhr von MasterT86
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hauptsache der Film ist top. Lg Tobias

  • Django006

    31.03.2006, 02:27 Uhr von Django006
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & *lg* Alan :o))))

  • Sayenna

    30.03.2006, 23:50 Uhr von Sayenna
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh........:-) LG Ela

  • anonym

    30.03.2006, 22:52 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    **sh**Lg, Christina :-)

  • waltraud.d

    30.03.2006, 22:41 Uhr von waltraud.d
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • MarkusH18

    30.03.2006, 22:18 Uhr von MarkusH18
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller und informativer Bericht, deshalb ein "sehr hilfreich"!! Weiter so! Gruß Markus!!

  • SuicideToday

    30.03.2006, 22:11 Uhr von SuicideToday
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh freue mich auf Rückbewertung

  • NancyNoack

    30.03.2006, 22:09 Uhr von NancyNoack
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner Bericht

  • Vicky

    30.03.2006, 22:00 Uhr von Vicky
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich - Vic

  • anonym

    30.03.2006, 21:58 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    ***SH und LG***