Neverwinter Nights (PC Rollenspiel) Testbericht

Neverwinter-nights-pc-rollenspiel
ab 14,28
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Erfahrungsbericht von Oculus

Ein weiterer Rollenspiel Klassiker von den Baldurs Gate Machern ....

Pro:

spannende Story, einige Überraschungen, gute Charakterentwicklung, genialer Editor

Kontra:

abruptes Ende, viel linearer als die Vorgänger, teilweise schlechte KI, nicht mehr so strategiegeladen wegen fehlender Party

Empfehlung:

Ja

Ja, ich muss es zugeben, ich bin ein Fan von Rollenspielen, vor allem von Biowares Forgotten Realms Reihe, deshalb fiel es mir auch nicht schwer, mich für den Nachfolger von Baldurs Gate 2 zu entscheiden, der sich erstmals auf 3D Terrain wagt.
Natürlich waren die Ansprüche sehr hoch, da ich beide Vorgänger in windeseile mit hohem Spielspaß durchgespielt habe und deshalb war ich auch gespannt, ob Neverwinter Nights meinen Anforderungen entsprechen konnte. Ob, und inwiefern das zutraf, das werde ich weiter unten erläutern.

---Systemvoraussetzungen---

Ab einem Minimum von einer Geforce 2, 64 MB Ram und einer 400 CPU lässt sich Neverwinter Nights schon mäßig spielen, will man aber in den Genuss der Edel- Grafik kommen, sollte man schon eine Geforce 3, 256 MB Ram und eine CPU ab 700 MHz besitzen.
Das Spiel nimmt auf der Festplatte 2 GB in Beschlag und jedes einzelne Savegame unverschämte 14 Mb.

In meinem Gehäuse werkelt ein Athlon XP 1800+ , 256 MB DDR 333 Ram (PC 2700) und leider nur eine Riva TNT 2 Ultra, was den Spielspaß etwas getrübt hat, weil die Grafikkarte einfach kaum noch mithalten kann, demnach würde ich wirklich eine Geforce 2 Karte als Minimum für freudigen Spielspaß empfehlen.
Man hat unter den Optionen aber viele Möglichkeiten, die Performance zu regeln, indem man die Grafik, Schatten oder die Qualität der Texturen einfach hinunterstellt.

Windows XP benötigt als Minimum 128 MB Ram

---Story---

Man beginnt das Spiel als totaler Anfänger, der in die Akademie Niewinters eingeladen wurde, um sich zum potenziellen Helden ausbilden zu lassen. Dort erfährt man auch, dass eine rätselhafte Seuche, kurz die Pest, um sich greift und die Bevölkerung dahinrafft. Dieser Anfang dient als Tutorial, in dem man die Steuerung des Charakters erlernt und einen ersten Einblick in die Story erhält. Aribeth, sozusagen ihre Protektorin verteilt den Auftrag, die Pest zu besiegen und den Ursprung dieser Krankheit herauszufinden. Dummerweise sind die Zutaten des Gegenmittels über die ganze Stadt (die in mehrere Teile aufgespalten ist) verteilt und werden von allerhand Kreaturen beschützt. Man muss sich also auf immer härter werdende Kämpfe einstellen.

Wurden alle Zutaten gefunden, fährt die Story mit einigen überraschenden Wenden fort, die ich hier logischerweise nicht erläutere und man landet in einer neuen Stadt (Kapitel 2), um die Verursacher der Pest zu finden. Aribeth entwickelt sich hier, wenn man will, zu einer engen Freundin des Protagonisten, der von nun an in der Lage ist, ein wenig mit der Halb Elfe zu flirten. Nach etlichen Spielstunden (mit Nebenquests noch einige mehr) hat man nun in Erfahrung gebracht, wer hinter dieser Verschwörung steckt und man verlässt erneut das Gebiet (wobei das Ende dieses Kapitels eine sehr große Überraschung mit sich bringt), um ein völlig neues zu betreten (Kapitel 3), in dem man diesmal die Aufgabe erhält, eine gewisse Waffe gegen die Feinde zu finden. Leider besteht diese Waffe aus vier Worten, von denen man drei in diesem Kapitel zusammenklauben muss. Im Verlauf dieser Suche erfährt man über einen alten Feind und, dass er irgendwie mit der Seuche zu tun hat. Der gesamte Auftrag gewinnt an Brisanz, als mitgeteilt wird, dass Niewinter angegriffen wird und man sich beeilen muss (man kann sich dennoch so viel Zeit nehmen, wie man will). Um nicht zuviel zu verraten, lasse ich das vierte Kapitel aus, aber eines kann ich sagen, es verdient wirklich die Bezeichnung „Höhepunkt“.

---Nebenquests---

Hält man sich nur an den Hauptstrang der Story, so wird man mindestens die Hälfte dessen verpassen, was Neverwinter Nights ausmacht, denn manche Nebenquests beherbergen schon eine eigene richtig komplexe Story und beschränken sich nicht nur auf Botengänge von A nach B. Ausserdem erhält man durch absolvierte Neben Aufgaben zumeist wertvolle Gegenstände, viel Geld, Ansehen, aber auch teilweise Informationen zur Hauptgeschichte. Am wichtigsten dabei ist allerdings die Erfahrung, die man sich nicht durch die Lappen gehen lassen sollte, denn diese wird später, im vierten (und schwersten) Kapitel zwingend benötigt, vor allen Dingen, wenn man einen Magier o.ä. spielt, der auf Helfer (die einige Erfahrungspunkte wegnehmen) angewiesen ist. Es gibt zirka 45 Nebenquests, zumindest habe ich so viele gefunden, die sich in Größe, Komplexität, Anspruch und Schwierigkeit größtenteils grundlegend unterscheiden

---Party---

Zu meinem Verdruss musste ich feststellen, dass es in Neverwinter Nights keine Party mehr, wie in Baldurs Gate gibt, sondern konnte ich nur noch einen Söldner anheuern, dem man ausschließlich indirekte Befehle erteilen darf. Allerdings ist man auf den Söldner zwingend angewiesen, denn ohne ihn ist das Spiel (so steht es auch in der Anleitung) möglicherweise nicht zu schaffen. Der Zeitgenosse stellt sich dummer weise nicht immer schlau an, denn so merkt ein Schlägertyp zum Beispiel nicht, wenn er mit seiner Waffe, die keine Wirkung hat, auf einen Golem einschlägt und rundherum viel schwächere und anfälligere Gegner herumstehen, die auf ihn einhacken, bis er umfällt. Die indirekte Steuerung bringt einen dann auch zwischendurch zum verzweifeln, wenn der Söldner immer auf die Gegner losrennt, auch wenn man ihm tausendmal befohlen hat, zu folgen. Bequem ist aber wiederum, dass der Kollege in der Lage ist, Truhen für sie zu öffnen, was zudem praktisch ist und die Arbeit ein wenig erleichtert. Schafft der Söldner es mal nicht, mit dem Charakter mitzuhalten, taucht er irgendwann neben der Hauptfigur auf, man muss also nicht die ganze Karte nach ihm absuchen.

---Waffen, Gegenstände Rüstungen usw.---

Ich glaube ich müsste an die hundert Seiten schreiben, um alle Gegenstände aufzuzählen, was natürlich Blödsinn wäre. Die Auswahl ist nämlich wieder einmal atemberaubend, denn es gibt vom Zweihänderschwert +4 oder vielleicht auch höher, bis zu Zauberstäben, allerhand Rüstungen, Gürtel, Handschuhe, Ringe, Helme, Amulette Stiefel und Umhänge alles, was das Abenteurerherz begehrt.
Dies wiederum macht auch einen Großteil der Motivation aus, ähnlich wie bei Diablo, denn man versucht immer, die beste Ausrüstung zu erwischen um den Gegner möglichst überlegen zu sein.

---Gegner---

Mit den Gegnern verhält es sich so, wie mit den Gegenständen, denn es gibt unglaublich viele von ihnen. Manche sind humanoid, andere schlichtweg Monster, einige können Zaubern, andere geschickt mit Waffen umgehen, oder beides. Im Verlauf der Geschichte werden die Gegner immer stärker und haben zusätzliche Fertigkeiten, d.h. sie können dann zaubern oder haben bestimmte Resistenzen. Vor allen Dingen sind sie schön animiert, was spätestens dann auffällt, wenn man das erste Mal vor einem riesigen Drachen steht. Die Intelligenz der Gegner ist auch recht unterschiedlich, denn einige verfolgen den Charakter und öffnen dabei sogar Türen bzw. folgen dem Protagonisten in andere Gebiete, andere wiederum bleiben stehen, sobald man sich etwas entfernt. Mittlerweile gibt es schon einige Patches, die die KI der Monster und ihres Begleiters glücklicherweise aufbessern.

---Editor---

Der Editor ist kinderleicht zu bedienen, was mich sehr gewundert hat, denn ein waschechtes Rollenspiel ist in der Regel doch um einiges komplexer als z.B. Warcraft3 mit seinem Editor. Anhand der mitgelieferten Werkzeuge kann man Module, ja sogar ganze Kampagnen erschaffen, die der Spielkampagne in Nichts nachstehen. Sie können neue Nichtspieler Charaktere erschaffen, neue Städte errichten, eigene Sounds importieren, Gespräche auf Personen verteilen, riesige Missionen kreiren und und und... der Fantasie wird hier praktisch keine Grenze gesetzt. Glücklicherweise ist der Editor auch auf Deutsch und man kann sich beim Design der Hauptstory (vor allen Dingen bei den Leveln) gut vorstellen, dass die Designer ebenfalls den Neverwinter Nights Editor benutzt haben.

---Wie spielt es sich eigentlich?---

Das Spielgefühl hat sich selbstverständlich etwas durch die 3D Umgebung geändert und man fühlt sich manchml auf den Karten etwas verloren, weil es am Anfang etwas Eingewöhnungszeit bedarf, mit den Himmelsrichtungen zurecht zu kommen, zum Glück gibt es zur Hilfe einen Kompass und eine ausgesprochen gute Automap, die sich in verschiedenen Größen, links oben auf dem Bildschirm anzeigen lässt. Hilfreich sind dabei die eingezeichneten Punkte, die wichtige, questabhängige Stationen, aber auch Händler usw. anzeigen. Der Spieler darf sogar selber diese Punkte zur Orientierung einzeichnen. Etwas eintönig wird nach einiger Zeit der Kartenaufbau, nämlich spielt man immer in geometrischen Formen, obwohl sich das Design der Karten größtenteils unterscheidet. Hierbei wird klar, dass sich die Designer gedacht haben, dass sie sich nicht unbedingt anstrengen müssten, da dem Spieler ja die Gelegemheit gegeben werde, eigene, bessere Level mit dem Editor zu basteln.

---Multiplayer---

Der Multiplayer Part ist durchwachsen, zwar kann man hier in einer Party zusammen spielen, die genaue Absprache erfordert, doch kann man hier nur die Solokampagne nachspielen, was den Spieler geradezu zwingt, eigene Kampagnen zu erstellen.
Die Funktion „Dungeon Master“ ist wirklich originell, denn so kann ein Mitspieler, den anderen immer Monster entgegenwerfen und Fallen in den Leveln verteilen, was den Pen and Paper Spielen ein wenig ähnelt.

---Fazit---

Ich persönlich bin mit dem Spiel, trotz der kleinerer Mängel recht zufrieden, denn die Story stimmt und baut sofort eine einzigartige, für ein Rollenspiel so wichtige Atmosphäre auf. Aus diesem Grund hat mich Neverwinter Nights auch wochenlang an den PC gebannt, bis ich schließlich das letzte Kapitel abgeschlossen hatte. Geärgert hat mich allerdings, dass plötzlich Schluss war und ich nicht, wie in zahlreichen anderen Rollenspielen noch ausstehende Quests lösen konnte, was mich ziemlich geärgert hat. Das Ende verschweigt ausserdem auch dreisterweise das Schicksal einer sehr wichtigen Person, was dazu führt, dass man, obwohl man das Spiel durchgespielt hat, ein etwas unbefriedigtes Gefühl beibehält. Dennoch hatte ich riesigen Spaß beim Spielen, denn ich wurde immer wieder durch neue, stärkere Gegner und Gegenstände, Abwechslungen in der Story und die guten Nebenquests davon abgehalten, den PC auszuschalten.

Ich vergeben also 4 Sterne, weil das Spiel eben kleine Mängel hat, aber dennoch genug Gründe besitzt, es sich zu kaufen und zu genießen.

Danke fürs Lesen!
Euer Matthias

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